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Wiener Morgenzeitung · 1926-07-14 · Heft 2654 (14.7.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2654 (14.7.1926)
Date
1926-07-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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R. Prag, 13. Juli. Das Organ der Agrarier, der .,Vecer" meldet heute, daß gegen General Gajda an höchsten Stellen Anzeigen eiugelaufen seien, daß er Spionage zugunsten Sowjetrutzlands getrieben habe. Dagegen verbreitet die Politische Korrespondenz die Meldung, daß eine tschechoslowakische Stelle in Warschau einen bolschewikischen Agent provocateur angeworben habe, welcher nach Prag kam und dort gegen Gajda eine erdichtete Anzeige erstattete. Zu den seit Tagen in der Presse kolportierten Gerüchten nimmt heute zum ersten Male das Nationalvertcidigungsministerium in einer kurzen Mitteilung Stellung, die beweist, daß die Gründe der Maßregelung des Generalstabschefs er n st er Natur sein müssen. Das Communique besagt, daß General Gajda auf Urlaub geschickt wurde, damit in Ruhe und vertraulich die Anstände ermittelt werden können, die in letzter Zeit gegen ihn erhoben wurden. General Gajda wurde heute vom „Beeer" interviewt. Er verweigerte unter Berufung aus die notwendige Disziplin nähere Auskünfte über die gründe seiner Maßregelung. ' . (St fei erbitte.rt und glaube nicht, daß die,gegen ihn verwcnd'ete Waffe .jemandem zum Vorteil gereichen werde. Die Affäre sei eine ForMtzuyg jener Angriffe, die gegen ihy seit seiner Rückkehr von den Legionen von gewissen Elementen erhoben würden. So sei damals behauptet worden, er habe russisches Gold und Platin gestohlen und sei ein blutdürstiges Ungeheuer und ein Mörder. Aber die Wahrheit habe damals gesiegt und werde auch heute siegen. Auf die Frage, ob seine Rückkehr in sein Amt nicht vereitelt werden könne, antwortete er: * ,Mit mir wurde über die Sache nicht gesprochen, sie ist dnher nicht erledigt. Ich bin mir keiner Schuld bewußt." Nicht minder lebhaft wie um Gajda ist die Diskussion um Dr. Benesch, die namentlich in der' nationaldemokratischen Presse mit wachsender Feindseligkeit geführt wird. Das Abendblatt der „Narodni Listy" reproduziert heute einen Artikel des „Corriere della Sera", in dem ausgeführt wird, daß nicht die Hus-Feier, sondern die Politik des Dr. Benesch und die sozialistische Hetze die Nichtteilnahme Italiens am Sokolkongreß verursacht habe. Im Anschluß an diesen Artikel werfen die >,Narodni Listy" dem Außenminister Mangel an -diplomatischem Takt vor und erklären es für.undenkbar, daß eine solche Kette diplonratischer Fehler nicht den Sturz des Ministers zur Folge haben sollte. * Der erst 34 Jahre alte tschechische Generalstabschef General Gajda, ein gebürtiger Mährer, ist eine interessante Persönlichkeit, den er hat es in den Jahren 1914 bis 1926 vom k. u. k. Infanteristen zum tschechischen Gencralstabschef gebracht. Gajdas Aufstieg begann in der sibirischen Gefangenschaft: Er organisierte dort die tschechische Legion, verbündete sich mit Kosaken und schlug dis Bolschewiken. Koltfchak ernannte ihn zum Generalleutnant, zerschlug sich aber schließlich'Mit den Legionären, die daraufhin unter Gajdas Führung über Wladiwostok und Frankreich im Jahre 1920 in die Heimat zurückkehrten. Gajda besuchte nun zwei Jahre lang die Kriegsschule' in Paris, wurde 1922 Korpskommandant in Kassa, 1924 wurde, er m den Generalstab berufen und schließlich ans die Dauer der Kriegsministerschaft S i r o v y s zum Generalstabsche.f ernannt. In der letzten Zeit hatte sich um die Person Gajdas eine sehr lebhafte Diskussion entspannen. Er gilt als der eigentliche Führer der tschechischen Faszisien, hat sich aber selbst gegen diese Annahme in einer Eingabe an das Ministerrüm verwahrt. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Bor der Sitzung des zionistische» Aktionskomitees. Das Budget. — Ausbau der Abteilung für politische Propaganda. K. Berlin, 13. Juli. Ihr Korrespondent erfährt von unterrichteter Stelle, daß das Präsidium des Aktionskomitees beabsichtige, für das nächste . Jahr ein Budget von nicht mehr als 400.000 Pfund aufzustellen. Die Eingänge des nächsten Jahres werden mit etwa 450.000 Pfund veranschlagt. Von diesen Einungen soll auch Las Defizit des Budgetjahres 1925-26 gedeckt werden. Man beabsichtigt, das politische und organisatorische Zentrum in London zu verstärken und die Abteilung für politische Propaganda auszubauen. Betreffs der Ergänzung der Palästinaexekutive warnt man vor übertriebenen Erwartungen. Die zionistische Palästiuaexekutive. Jerusalem, 11. Juli. (I. T. A,). Während der Abwesenheit der Mitglieder der Zionistischen EMitive von Jerusalein, die sich zur Teilnahme an der Aktionskomiteesitzung nach London begeben haben, werden die früheren ExekutivmitMder Dr. Arüir R u p p i n, Kalvariskh und Dr. Josef L u r i e die lausenden GeschO te besorgen. Palästina und Syrien. Jerusalem,'11. Juli. (I/T. 'A.) Mber den letzten Besuch des Generals G a nt«.' lin, Chef der -französischen Streitkräfte in der Levante, in Jerusalem verlautet, daß der General den Feldmarschall Lord eM s chärfere Uc6crwachung der shnsch-palästinensischen Grenze zwecks Verhinderung' des Uebertriites von rebellietcichen Drusen nach Palästina ersucht habe. Fenier machte General Gamelin den Vorschlag, daß die französischen Truppen die aufständischen Drusen innerhalb des br loschen Mandaisterritoriums verfolgen dürfen. Dissen Vorschlag hat Lord P l u m e r strikte a bgelehnt. Die Verhältnisse in Transjovdanien. Amman, 11. Juli. (I. T. A.) In einem Gespräch mit dem Vertreter: der Jüdischen Telegraphenagentur erklärte der tteucrnannte Ministerpräsident Transjordaniens, Hassan Pascha, daß die britischen Beamten gleich alle» anderen einzig der transjordanischen Regierung unterstellt und ihr verantwortlich sind. Eine Ausnahme besteht mit Bezug auf Colonel Cox, den britischen Vertreter für Transjordanien, der seine Jnstruttioncn vom Londoner Auswärtigen Amt erhall. Von einer britischen Kontrolle der Departements der Irans-. jordanischen Regierung kann keine Rede sein. Daß mqn einen Finanzsachverständigen vom Range Mr. Kirkbrides nach Transjordanien entsandt habe, ist vom Standpunkt der tranöjordanifchen Regierung sogar zu begrüßen. Er, der Ministerpräsident, erhoffe von feiner Tätigkeit eine Sanierung der Landesfinanzen. Die Negierung, erllärte Hassan Pascha weiter, beschästigt sich gegenwärtig intensiv mit Währungs- und Steuerfragen sowie mit der Heranziehung ausländischen Kapitals zwecks Erschließung der natürlichen Hilfsquellen. Die Verhandlungen mit der Ruthenberg- Gesellschaft Ivegen Ausdehnung des Unternehmens auf Transjordanien sind unter der früheren Regierung zum Stillstand gekommen; die neue Regierung hat keine weiteren Vorschläge seitens der Ruthenbergschen Electric Company erhalten. Die anders lautenden Meldungen der arabischen Presse sind unrichtig. Die französischen Beschwerden, daß den die transjordänische Grenze überschreitenden Drusen die Waffen belassen werden, schießen über das Ziel hinaus; in Transjordanien darf jeder Waffen tragen. Im übrigen bewahrt die Regierung im französifch-syrsschen Kampf stritte Neutralität. __ Die MiwrIWcnfrage in Qftvreuben. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) K. Berlin, 13. Juli. Der Reichsrüinister des Innern Dr. K ü l z hat sich nach Ostpreußen zum Studium des M i n d e r h e i t e n p r o b l e m s begeben. Der vrivate Sollarknrs in Polen. (Eigeudienst der „Wiener Morgenzeitnng".) L• Warschau, 13. Juli. Der Dollar notierte heute im /privaten Verkehrt nWa r > chan 9.20, tu Kreta u ‘ oiä a r« tj» Bartel stellt die Vertrauensfrage. Keine Mehrheit für die Verfaffungsrevision in Polen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) L. Warschau, 13. Juli. Der Verfassungsausschuß begann heute die dritte Lesung der Reformvorlagen. Die Vertreter der Linken wandten sich gegen die in der zweiten Lesung beschlossenen reaktionären Bestimmungen, doch wurden fast alle gegen die Linke und die Minoritäten gerichteten A n t r ä g e d e r Rechten beschlossen. Bei dem Punkte betreffend das Recht des Präsidenten zur Auflösung des Sejm stellte Ministerpräsident Bartel die Vertrauensfrage. Er forderte kategorisch, daß der Sejm die Vorlage in -diesem Punkte unverändert annehmen müsse, da n u r n n t e r dies e r Voraussetzung eine g edeihliche Arbeit der Regierung möglich sei. Die Abstimmung wurde auf morgen vertagt. Es scheint aber, daß die Negierung nicht die Z w e idr i t t e l m e h r h e i t im. Plenum erlangen.wird. Jedenfalls wird. der m o r g i g e Tag die E n t s ch e i d u n g bringen müssen. Nur englisch-sramösische Schulden- Übereinkommen. Erklärungen Churchills im Unterhnus. London, 13. Juli. Im Unterhaus führte Schatzkanzler Churchill aus, das gestern von Caillanx und ihm Unterzeichnete Abkommen erstrecke sich nicht n u r a u f die f r a n z ö s i s ch e n K r i e g s s ch u l d e n, sondern faktisch aus sämtliche zwischen beiden Ländern.l au senden Forderung e n. Die Zahlungen Frankreichs würden sich j ä h r l i ch a u f 4 M i l l i o n e n P f u n d belaufen und auf 6 Millionen, 8 Millionen und 10 Millionen ansteigen und im Jahre 1930 den Betrag D ab 12L Will i o ne a erreichen. Dom Jahre 1930 bis zum Jahre 1956 würden sich die Jahreszahlungen zunächst auf 12,5 Millionen Pfund belaufen und wahrend der letzten 31 Jahre auf 14 Millionen Pfund ansteigen. Das Abkommen enthält keine S i che r nngsklaufel für den Fall, daß Deutschland feinen Reparations- Verpflichtungen nicht Nachkommen sollte, aber in einem besonderen Schriftwechsel wird bestimmt, daß im Falle. einer vollständigen oder erheblichen Einstellung der deutschen Reparationszahlungen Frankreich die Möglichkeit haben würde, um eine Nachprüfung der Termine anzufuchen. Die gleiche Möglichkeit wird auch fyr Großbritannien bestehen. Re kntenie fordert einen dentfche» GeneraWnmr. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 13. Juli. Unter den von der Interalliierten Mi'lL tärkontrollkomission dem Reichskommissär für Entwaffnuugsfragen überreichten Noten beansprucht besonderes Interesse die Note, die sich mit der Stellung des Chefs der Heeresleitung, Generals v. Seeckt, beschäftigt. Bei den Verhandlungen vor der Räumung der Kölner Zone wurde General v. Seeckt der Befugnisse eines Vorgesetzten über sämtliche Soldaten und Offiziere der Reichswehr entkleidet und in das Neichswehrministerinm eingereiht. Die Kontrollkommission stellt nun fest, daß zwar formell General von Seeckt nicht mehr Oberbefehlshaber fei, erklärt aber, sie habe den Eindmck, als ob er doch noch den Oberbefehl führe. Die Note fordert die Errichtung des Postens eines deutschen Generalissimus und präzisiert diese Forderung dahin, daß einem der T r n p p e n k o m m a n d e u r e der militärische Oberbefehl übertragen werde. RiickIrM dir Generalgouvernrnrs des Sudan. London, 13. Juli. Nach einer Reuter-Meldung aus Kairo hat König Fuad das Rücktrittsgesuch des GeneralgouverneursdeS Sudan. Geoffrey Archer, das dieser aus GesundheltSrücksichteu eiugeretcht.hatte, ange* kommen.

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