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Wiener Morgenzeitung · 1926-07-13 · Heft 2653 (13.7.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2653 (13.7.1926)
Date
1926-07-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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G-Ke 4 Men, DrenZtng Wiener Morgenzettung 13. Juli 1926 Nr. 2^3 - bracht hatten, wobei sie ein Spottlidd gegen ihn sangen. Die vier 1 ^eKagten Turner haben ihrerseits Dr. Dollenz geklagt, weil er sie angeblich „tzeujsche Hunde" genannt haben soll. Am letzten Tage des dreiiugrgen Prozesses hielt der Ver- . leidiger des Dr. Dollenz, Dr. Han5 Gürtler aus Wien, ein; Plaidoyer, dessen Ausführungen die auf der Straße zu Hunderten angesammelte Bevölkerung Pergs in große Erregung versetzte, so daß sie Dr. Gürtler vor seiner Abreise zu einer Erklärung zwang. Die Situation sah ziemlich bedrohlich aus und in der Folge hat Dr. Gürtler die Anzeige wegen Einschränkung der persönlichen; Freiheit, gefährlicher Drohung usw. erstattet. Der Bürgermeister von Perg, Landtagsabgeocdneter Diernberger, erklärte, daß diese Darstellung einseitig und unrichtig sei. Von einer Bedrohung Dr. Gürtlers könne keine Rede sein. Zu einer Erklärung mutzte er sich verstehen, weil seine Ausführungen im Gerichtssaal die Bevölkerung mit Recht aufregen mußten. In seinem Plaidoyer hat Dr. Gürtler Perg mit einem Negerdorf verglichen und von Kannibalensitten gesprochen. Die Situation in Perg ist gegenwärtig derart zugespitzt, daß sich der Bezirkshauptmann von Perg, R i c n m ü l l e r, durch den dortigen Pfarrer an Dr. Dollenz wandte und ihn ersuchen ließ, mit seiner Frau den Ort für Kruge Tage zu verlassen. Bürgermeister Diernberger hat bcr der Linzer Finanzlandesdirektion unter Hinweis auf die Vorfälle um Abberufung des Doktor Dollenz ersucht. Die Angelegenheit wurde auch im> christlichsvzialen Klub beraten und beschlossen, Dr. Dollenz, einen pflichtgetreuen Beamten, unter allen Umständen zu schützen. Es soll eure entsprechende Verstärkung der Gendarmerie nach Perg entsendet werden, um weiteren Unbesonnenheiten vorzubeugen. Die Spottgesänge vor der Wohnung des Dr. Dollenz haben sich nämlich auch nach der Verhandlung wiederhol:. Ferner wurde auch erwogen, die Bezirkssteuerbehörde von Perg nach Grern zu verlegen, falls sich ein Amtieren in Perg unmöglich erweisen sollte. Die Situation ist politisch deswegen interessant, weil der Bürgermeister und die Gemeiuderatsmebrheit von Perg der grotzdeutschen Richtung augehören und Beziehungen zu dem Präsidenten des Nationalrates Tr. D . n g I) o f c r und Laudesbauvtmannstelldertreter von Oberösterrcich L a n g o t h umerhalterr. An den Demonstrationen har auch der Stellvertreter des Geudarmeriepostenkommanoauten in Zivil teilgenommen. Für die christlichsozial-großdeutsche Koalition sind die Vorfälle in Perg eine arge Belastungsprobe. Eine neue PresseaWre. Direktor Forda der „Stunde" verhaftet. Die Korr. Wilhelm melden Der Direktor des Inseratenvureaus und Verwaltungsrat des „Cronos"-Verlag, Eugen Forda, 1378 zu Budapest geboren, Wien, 9. Bez., Frankgassr 10, wohnhaft, N'urve über Requisition des Landesgerichtes in Strafsachen 1, wegen Verdachtes der Erpressung vrcha'te!: und öem genannten Gerichte eingeliefert. Vor kurzem ist, wie bekannt, der Annoncenakquisiteur desselben Blattes, Walter O'B r i e n, unter der Anschuldigung der Erpressung in Haft genommen worden. Ik Merfmfmng gegen Mmyassmger. Nach dem Stande der. Sachlage sind bisher keine Indiz i e n erbrach:, die die Vermutung gerechtfertigt erscheinen lassen, daß der Fleischergehilfe Johann W imp a ss i n ge r, der seine Frau crmorver und zerstückelt hat, auch an dem Verschwinden feiner unehelichen Tochter Karoline Spießlechner beteiligt ist. Das Gutachten des gerichtsmedizinischsn Instituts über die in der Wchnung Pazmamtengasse 11 oorgefunüsn-n Blurspritze-L auf der Wand ist noch nicht fertiazestellt. Am Tage des Verschwindens der S-pießlechnsr aus der Wohnung ihrer Dienstgeberiu, der Jurveliersgatiin Elias, hat ein kleiner Junge einen Brief nttt der Unterschrift Bela der Spirßlechner übergeben. Die Polizei hat vergebens nach oiejent unbekannten Bela, von dem man verarmet, daß er ein Ungar ist, geforscht. Gestern erhielt Polizeirat Maurer einen mit Bleistift geschriebenen Brief, der die Unterschrift Bela trägt. Bola dürfte mit dem Bekannten der Spießlechner identisch sein. Er führt in dem Briefe an, daß Wimpassinger einen Mord an seiner Tochter Karoline Spießlechner nicht verübt habe. Ferner teilt der Briesschreiber mit, daß die Karoline Spießlechner verschiedene M ä n n e r b e k a n n t s ch a f t e n gehabt habe. Das Sicherheitsbureau forder: den Briefschreiber auf, sich zwecks Bekanntgabe näherer Einzelheiten im Sichecheitsöureau zu melden. Wir Vossen nicht zusammen... Wie men zu einem „eigenen Heim" kommt. Auf eine in einer Wiener Tageszeitung unter der Chiffre .Eigenes Hei m" erschienenen Annonce einer Witwe, in der die Bekammschaft eines älteren gut situierten Herren gesucht wurde, lief das Schreiben eines „Ausländers" und ,Sa b r i k sdirektors" ein, der im Falle gegenseitigen Gefallens 500 S. Monatsapanage im vorhinein zu zahlen versprach. Man traf sich, befreundete sich uud schließlich wurde ein Besuch in der Wohnung vereinbart. Der Bewerber dam pünktlich, plauderte längere Zeit — nrrt ungarischem Akzent — und überreichte der Frau ein geschlossenes Kuvert, in dem sich, wie er sägte, 500 S. als erste Zahlung befanden. Dann bat er um ein Glas Wasser. Die Witwe brachte das Gewünschte. Nach seinem Fortgehen bemerkte die Frau, daß aus dem Zimmer Schmucksachen im Werte von 6000 2. fehlten. In dem Briefe befand sich statt des Geldes ein Zettel, auf dem geschrieben war:-„Wir passen nicht zusammen, darum Hab' ich es mir überlegt!" Die verständigte Polizei veranlaß:? die Einrückung einer ähnlichen Annonce, auf die der Schwindler tatsächlich reagierte. Der Mann wurde sestgenommen und als der 36sährige postenlose Bankbeamte Emil Cserny aus Budapest erkannt. Die gestohlenen Schmucksachen konnten noch vollständig zustanLegebrgcht werden. Waffenohrrmch in der Rutzdokierstraße. Gestern um 10 Uhr vormittags senkte sich in der Nußdorserstraße beim „Auge Gottes" während des Pafsiereus eines schweren Lastwagens der Boden im Umfange von einigen Quadratmetern, so daß die Geleise frei m der Luft schwebten. Die Ursache war ein Rvhrbruch, wobei sich das Wasier in den Kellcrräumen des Hotels „zum Auge Gottes" und der daneben befindlichen Apotheke anaesammelt hatte. Die Wagen Nr. 37, 38 und 39 verkehren jetzt über die Gürtellinie zur 40er-Linie bis zur Börse. Die Verkehrsstörung dürste einige Tage andauern. Wien, 13. Juli. * Das Wetter. Die amtliche Voraussage lautet: Ungünstiges Wetter andauernd, zeitweise Regen, wieder etwas wärmer. * Todesfall. Heute um 11 Uhr findet das Leichenbegängnis des Herrn Jonas Biert-cl statt. (Zentralfriedhos, drittes Tor.) Die jüdische Qeftemlichikeit verliert in ihm einen treuen Kämpfer für jüdische Interessen und einen eifrigen Mitarbeiter auf charitativem Gebiete. Sein Ableben trifft feine Angehörigen und die Mitglieder des Wohltätigkeitsver,eines der Stanislauer Freunde hart. Ex war ein gütiger, charaktervoller Mann und erfreute sich iu weiten Kreisen großer Wertschätzung. * Selbstmord wegen einer schlechten Sittennote. Gestern abends sprang die zehnjährige Wilhelmine Köhler, 20. Bez., Burahartgasse 10 wohnhaft, bei der Brigittabrncke in den Donaukanal, wurde jedoch rechtzeitig von einem jungen Manne entdeckt und ans Land gebracht. Als Motiv der Tat gibt die kleine Köhler an, daß sie einen Zweier in Sitten erhalten hatte. * Das Verschwinden des jungen Heimann. Gestern abends ist im Sicherheitsburcau der PolizeiQirck'ion ein Telegramm der Qberstadchauptmannschaft Budapest eingelaufeu. indem neilgeteilt wird, daß über den Aufenthalt Egon Heimanns, des achtzehnjährigen Sohnes des Wiener Kürschners Hermann. dort nichts bekannt ist Aus Porto rose ist bisher keine Nachricht bei der Polizei eingolangt. * Der vermißte Lehrling Schachinger zurückgekehrt. Wie berichtet,' war seit Samstag früh der siinfzehnjährlge Maschiuenschlosserlehrlina Josef Schachin ger, 19. Bezirk, Rögevgasse 6, aus der elterlichen Wohnung verschwunden. Der Junge ist noch am gleichen Abend nach Hause zurückgekehrt. * Werlinge. Am Diensag hat in B r o d y die Gattin eines jüdischen Melamed Vierlinge' geboren: Drei Knaben und ein Mädchen. Die Geburtswehen dauerten acht Tage. Frau uns Kinder leben. * Neue Strafsatze für Ordnungswidrigkei en an der Börse. Mit einem gestern un Nationalrm eingevrachten Regierungsentwurse sollen die Geldstrafen für Ordnungswidrigkeilen an der Börse der Geldentwertung angepaßt treraen. Danach können in Hiäkunft an der Börse Geldbußen von 20 bis 2000 Schilling verhängt werden. Ferner sollen die Stwfsätz? des Losratengesetzes hinausgesetzt und auch jede Uebertretungen des Gesetzes als s ch w c r e G e f ä l >l s ü b e r t r e t u n >g qualifiziert und demgemäß bestraft werden. * Das neue Postgebäude in Eiseustadt wurde am Sonntag feierlich eröffnet. Generalpostdirekior Hohcisl hielt d'e Festrede, in der er hervorhob. daß das neue Amt der erste Bau dieser Art im Burgen lande sei. Die Arbeiten haben nhn Monate gedauert und rund 200.000 Sch'lling gekostet. Der Generalpostdirektor führte aus, daß seit der Besetzung des Buvgenlandes 23 neue Telephonämrer gebaut wurden, an die 749 Abonnen'en angeschlossen seien. Aus diesen Daten kann man zugleich die Vernachlässigung erkennnen. mit der das BurgenlanL unter der ungarischen Herrschaft behandelt wurde. * Verkauf von Reisepölstern auf den Bahnen. Die Generaldirektion der österreichischen Bundesbahnen teilt mit: Von heute angefangen werden auf den Wfahrtsbahnsteigen des Wiener Sud- und Westb ahn h oses durch Angestellte eines einheimischen Fabrikanten Re is-ep ö-lste r verkauft werden. Sie bestehen aus einem weißen Ba-nmwollüberzng in den Maßen 50 mal 38 Zentimeter und sind mit geeignetem Material gefüllt. Der Polster wird um 1 Schilling 70 Groschen abgegeben. * Kinder aufs Land. Für August noch einige Zahlplätze für isvaelitii'che Knaben in der Ferienkolonie Bvslau frei. Anmelduno,-.n bei Herrn Jganz Ncuseld, 7. Bezirk, MariahilfeLstraße 80. Telephon 39.193. / * „Fes oder Hut" «Ach in Palästina. Die „Boss. Ztg." melde: aus Jerusalem: Auch in Palästina ist nunm.hr der Kampf entbrannt um die Frage „Hut oder Fes?" Eine Gruppe junger Araber, Mohammedaner wie Christen, hat sich öffentlich sür den Hut erklärt, wogegen besonders orthodox mohammedanische Kreise entsckicdkn Scellung nchncn. Eine arabische Zeitung schlägt an Stelle des Fes das Kopftuch der Beduinen als Kopfbedeckung vc _ Vereine. Bortrüge und Versammlungen. Zionistische Bezirkssektion Zwi'chenbrücken. Di« Ferien der bebiisckien Schule haben beute begonnen. D'e Eltern werden m Wr heute um */»8 llhr abends stattfindenden Zeugntsverteilung eingeladen - Z i onisttscheBezirks ektion Vl- Vlll.- Tie Mitglieder und die von ihnen eingeiülnten Gäste treffen sich h e u t e um 8 Uhr abends im Garten des C a f 4 M a r i a h t l f, 6. Bez., Maria- Hill er,traße 89 a. Keinerlei Regiebettraol *$• Dringende Bitte. Ein 81jähriger, völlig mittelloser Mann, dem nur ein Kuraufenthalt au-f dringendstes ärztliches Anraten Linderung seiner Leiden bringen kann, hat die Möglichkeit, durch einen Wohltätigkr'ttsvereln aufs Land zu kommen. Es fehlt.ihm jedoch ein Restbetrag von 100 Schilling, den er unbedingt auifbringen muß, um nicht der Begünstigung verlustig zu werden. Edle Menschen werden gebeten, Spenden an unsere Verwaltung zu senden. Name und Adresse erliegt daselbst. Tapeten Wallis Wien, I, Wlppllngerstrasse 15 / Tel. 67307, 69292 einem Gastspiel Stanislawskis eröffnet werden. — Wie verlaute:, übernimmt ferner der J^L> Feldhammer das Ronachertheater, um es in der kommenden Saison als vornehme S P r e ch b ü h n e zu führen. Aus den rheatern. Burgtheatei. Morgen. 7,8 Uhr abends. „U n v e rhofft". Operntheater. Morgen, '/»8 Uhr abends, „X i c f* l a n d". Theater t n d e r I o l e s st a d t. „Z u r ü ck z u r Schule" wird beute mit Gisela Werbezirk und' Han- Mo s e r zum letztenmal m dieser Sallon gegeben Morgen findet die Premiere des Schwankes ..Der I g e l" von Toni Jmpek o v e n un > Hans R e i m a n n statt. Lustlpreltheater. Heute. 8 Uhr abends Piemiere deh französi chen Schwan e8 „Mit Sophie muß etwas geschehen" von M o n e z y - E o n und M a ch a r d. Modernes T n e a l e i Fieitag geiangt der Schwank ..Haben Sie nichts zu verzollen?" von Ma-rne H e n n e q u i n und Pierre B e b e r, deutsch von Max Schönau zur Aufführung. _ Burggarten. Mit zwei gslungenerr Ar.sführungen von „N i g o 1 e t t o" iniD ,M askeirbal I" eröfsnete die Sommcroper 'im Burpgarteu einen Be rü i -Zy kl-» s. Unter drr-temperanrentvollen Leitung Friedrich Grubers ersangen sich die Damen: Fini Reich--Dörich, Rosv Wagschal, Rose Attler, Vallh Frank uns die Herren: Kanunersänger Georg Mackl, Dr. Heiwz Krögler. Dr. Paul Lorenzi. Josrp Kovic sowie das Symphonirorche'ster einen durchschlagenden Erfolg. Es ist zu wünschen^ daß diesem hervorragenden künstlerischen Unlernohmen das Wetter entgegenkommt. Man darf Fortsetzung des Zyklus freudig erwarten. Di: Photographie als Kunsthandwerk tritt seit dem Weltkriege auf einer Fachausstellung, nänrlich aus der deutschen photographischen Ausstellung zu Frankfurt a. M. auf, die am 14. August eröffnet wird. Was dieses Kunsthandwerk neben derr Leistungen der wisfenichaftlichen, technischen und LicLhabevphotographie zu leisten vermag, dafür soll die Frankfurter Ausstellung, die erste großen Stils nach der internationalen Ausstellung Dresden 1909'. Zeugnis a'blegen. Die^Ausstellung wivd vom 14. August bis 1. September geöffnet sein. Borberellllugen sür die kommende Wiener Spielreit. Es ist erfreulich, daß trotz der bösen Erfahrungen der letzten Saison uud der gehäuften Theaterschließungen neue Theaterunternehmungen in Sich: sind. Der Direktor des Züricher Stadtlheaters, Franz Wen zier, will in den Kamm er spielen (Rothenturmstraße) das Theater des Kulturbundes eröffnen und das Programm des Kulturbundes verwirklichen, wie es in Wien über Anregung Dr. Schreyvogls angeregt und in einer Enquete durchgearbeitet wurde. Marc will ein Ensemble erster Künstler bilden und innerhalb der nächsten Spielzeit 24 Uraussührungern herauchringen. Das Theater soll im September mit Jas Urteil im Lodrer KommuMenproreß. Lodz, 10. Juli. Im Kommunistenprozeß fällte gestern nach sechsstündiger Beratung das Gericht das Urteil. W Angeklagte wurden zu Strafen von eineinhalb Jahren schweren Kerkers bis zu vier Jahren Zuchthaus und Korrettionsanstalt verür«ist. 19 Angeklagte wurden befreit. Mißbrvk:Li des Armenrechtrs. Die Lehrerin A. B. in Oberwaltersdorf, die Darlehen gegen hohe Zinsen^ gewährte, hatte gegen ihren Anwalt eine Schadenersatzklage auf 3700 S. eingebracht. Zu diesem Zwecke verschaffte sie sich ein A c m u t s z e u g n i s und suchte um Bewilligung des Armenrechtes an, das ihr auch gewährt wurde. Als ^Verteidiger wurde ihr Dr. Siegfried Wahrenreich beigegebLn. Die Lehrerin teilte diesem mit, daß sie als alleinstcher.de Person ein Monatseinkommen voL 30 0 Schilling beziehe. Dr. Wahrenreich erNärw hierauf, daß er die Armervertreiung nicht mehr wefter.^führen könne, J»eil es in Wien eine große Anzähl von Rechtsanwälten gibt, die über ein derartiges Einkommen nicht verfügen. Man wird überhaupt nur wenig Leu:e finden, die für niemanden zu sorgen haben und 300 S. Einkommen beziehen. Wern dieser Zustand emreißen würde, dann müßten die Rechtsanwälte überhaupt nur gratis verteidigen. Die Lchrerin erklärte, daß letzthin einem Hofrert das Armenrech: erteilt wurde, da könne auch eine Lehrerin dasselbe verlangen. Dr. W ährenreich schritt beim Zivillandesgericht um Aberkennung des Armenrechtes ein und bat, ihn von der Vertretung zu entheben. Das Zivillandesgericht en:sprach diesem Ansuchen. Auf demselben Standpunkt stellte sich auch das Lberlandesgericht als Rekursgericht. Tr. A ährenreich ech'elt für seine bisher geleistete Atbei: 'einen Kostenersatz von 167 S. 68 G. zuerkannt, die nun von der Lehrerin getragen werden müssen. Der Hausbesitzer als Finanzier einer Einvrecherbande. Gestern vormittags wurde das Beweisversahren in dem schon eine Woche dauernden Prozeß geschlossen. Nach den Plaidohers des Staatsanwaltes und einiger Verteidiger wurde die Verhandlung abgebrochen. Heute kommen noch die Verteidiger Dr. Hans Stregland für den Angeklagten und Anton Schiffer und Hugo Zörnileib sür Hans Schwarzbart znm Worte, worauf die Urteilsberatung beginnt. / Wenn man rasch auf den Stehplatz gelangen will. Die Private Friederike Tuchler brachte gegen den Portier der Staatsoper, Heinrich Chmelik, eine Klage auf Ersatz von 150 Schilling für ihren in der Portierloge abhanden gekommenen Mantel ein. Die Klag 'in gab an, sie habe mit ihrer Freundin und ihrem Bruder die Oper besucht und, wie dies viele Leute zu tun pflegen, ihre Kleider in der Portierloge abgegeben, um rascher auf die Galerie gelangen zu können. An dem kritischen Tage hat nämlich ein großer Andrang geherrscht, weil die Kammerswrgerin Selma Kurz aufgetreten ist. Der Portier war sehr aufgeregt, weil auch der Bundeskanzler Dr. Ramek der Vorstellung beigewohnt hat. Deshalb, hat er es unterlassen, auf die in Verwahrung genommenen Kleidungsstücke genügend aufzupassen. Der Portier erklärte, daß er die Garderobestücke nur aus Gefälligkert übernommen und hrerfür ein Trinkgeld von 20 bis 80 Groschen erhalten habe. Das Bezirksgericht wies die Klage ab. weil zwischen dem Portier und den Besuchern ein Verwahrungsvertrag nicht zustande gekommen sei. Bei der Beruftlngsverhandlung b» stätigten die Zeugen, daß der Portier Ersatzleistung versprochen habe. Dieser bestritt wiederum, daß er einen Damenmantel in Empfang genommen habe. Es hätte sich damals nur um eine Gefällrgkeit gehandelt. — Vors.: Sie haben sich aber für die Ge° fälligkeit bezahlen lassen. — Angekl.: Die Leute sind Haber immer billiger weggekommen wie in der Garderobe. Das Berufungsgericht hob das bezirksgerichtliche Urteil aus und verurteilte den Geklagten zur Zahlung von 160 Schilling und der weit höheren Prozeßkosten. In der Begründung hob der Vorsitzende hervor, daß an dem Zustandekommen ernes Verwährungsvertrages nicht zu zweifeln sei, weil es sich nicht um einen, einmaligen Vorgang, sondern um einen Gebrauch handelte. Ueberdies habe der Portier dafür ein Entgelt erhalten. Die Folge dieses Prozesses ist, daß die Portierloge nun endgültig crusgehört hat,

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