Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2652 (12.7.1926)
- Date
- 1926-07-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981739--27018-3014906- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
(Pole«; aSjHPOwl Wien lutrt Abholfcn in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle rTraflk) monatl. 6 Schilling Straasenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma üol dschmied, 1, Wollzeile 11 Mit postversand Hit Wien und Oesterreich monatlich ö Schilling ischecho-Slowakefc Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 6 Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 35 »achsahümtfen bei Frei*. <* r h fi h u n >en rorbthalln!»k. 2652 Wiener Engl and: Mon. 4SchllHng. Italien: Monatl. 20 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei. Bul garten :Mon.lOOLew«. Schweiz und das flbdge Ausland monatlich Ftcs. 5 Redaktion, Administration: Wien; II. Tabonir« 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann} Oesterrelchisches Postsparkassen - Konto Nr. 150.69 gPiett, Montag. 12. 8uji 1628 8. gahrganq Om redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorangesetztes £ gekennzeichnet. die Zentralbank der Deutschen Sparkaffen. Sistierung der Zahlungen. Das Kuratorium der Zentralbank der Deutschen Sparkassen teilt mit: „Das Zentralbankgefttz, welches am 10. d.!im Finanzausschuß ' -es Nationalrates angenommen worden ist. hrdarf noch der Vcrabschiedtttig durch den Nationalrat und den 'Bundesrat. Aus diesent GrU nde sowie wegen der im Sinuc des Gesetzes erforderlichen Neuorganisation des Dienstes in - 'der Zentralbank der Deutschen Sparkassen können Auszahlungen im Sinne des Gesetzes und Depotausfolguugen e r st nach Durchführung dieser Neuorganisation v o r >g e n o m m e n iverdeu. lim jedoch nach Abschluß der Neuorganisation die Geschäfte im Sinne des Gesetzes ohne weiteren Zeitverlust abzuwickeln, werden Anmeldungen auf Auszah lu n gen und Depot« r so lg ungen bei der Zentralbank der Deutschen Sparkassen in Wien und deren Filialen und Exposituren tunlichst auf schriftlichem Wege, im' Notfälle auch mündlich an den Schaltern entgegen genommen. Für die größtmögl i ch st e ’ B e s ch l e u n i g u n g aller Maßnahmen wird nachdrücklichst gesorgt werden, so daß die Wiederaufnahme des Verkehres für einen der nächsten Tage der kommenden Woche, zu gewärtigen ist. ' Hiezu wind mitgeteilt, das; di« von der sozialdemokratischen Opposition im Nationalrat gestellte Forderung der Einsetzung 'eines Kuratoriums bereits, wenn' auch ohne gesetzliche Grundlage, am Samstag in Kra-st getreten ist. Das Kuratorium besteht' 'aus' dem Abgeordneter: Streeruwitz,..' dem Hofrat Stern und dem Ban-kdirüktor Heuritsch (ifür.- die Großdeutschen)} ' Die Kuratoren erklärten einverneHmli.ch,. daß sie 'sich ,über.den Stand der Z^mtralbant Klarheit verschaffen müßten und deshalb alle' vl.ttLzahlut7 g.en für etwa eine Woche ein stellen müßten. ^a» Angiobankgeseh. In dem Prozeß über den Rembours-Kredit -der Firma Gerhard ns liegt nunm-chr das Urteil des Handelsgerichtes vor. Das Gericht erklärt, daß die Auglobank-Bcrovdnung vom 1. Juli 1922 nicht verfasfungs w 1 d r i g ist? Ex.Pkäsivent Woikiechowrki. Warschau, 10. Juli. (P. -T. A.) Der ehemalige Präsident der Republik W o j c i e ch o w s k i, der nach den Ereignissen im Mai von seinem Posten znrückgetreten Ist, wird vom Herbst an neuerdings den Vorsitz der Kooperativ g e n o s s e ns ch a f 1 e n führen und an der höheren Handelsschule «inen Lehvkurs halten, . Ungarn» Abrüftungssorderunge«. London, 12. Juli. Der diplomatische Mitarbeiter des,„Daily Telegraph" veröffeutlicht das ungarische E n tw a f f n-u n g sm e m o r a u d u m. welches Ungarn dem Bölkerbundra-r überreicht hatte. Dieses Memorandum hat damals bei den Vertretern,der kleinen Entente lebhafte Erregung hervorgernfen und wurde von Ungarn;u r ü ct g e z o ge n, wogegen die Einmischung der anderen Staaten in die F r a n k e n f ä l s ch e r a f f ä r e unterblicü. Das Memorandum verlangt eine Erhöhung des ungarischen Trupgenstandes swvie die . freie Wahl des Rekxutierungssystems, Naturalisation jüdischer Auslönder in Belgien. K. Brüssel, 11. Juli. Das belgische Parlament hat gestern eine Anzahl von Naturalisationen verhandelt. Es lag eine lange Liste mit eimkr Anzahl jüdischer Namen vor. Die Kammer hat die Liste einstimmig genehmigt. Hilfe für die jüdischen Kooperativen in Polen. K. Berlin, 11. Juli. Ans , Paris sind gestern in Berlin die Herren Dr. K l n m e l und S ch e-r e 's chewsky auf der Reise nach Marschau eingetroffen. Sie hatten in Paris an einer Sitzung der F o n n d a t i o n1 für das j ü d i s ch e K o operat i v w e se n i n Polen teilgenommen. Die Vertreter ans Polen hatten die Fordemng gestellt, die Jca solle eine Cuuirue von drei Millionen D ol.l a r. bewilligen. Diese' Forderung wurde damit begründet, daß die Jca vor dem Kriege den Betrag von fünf Millionen,Dollar an Krediten für das Jttdentum in Polen bestimmt.hatte. Die Perketer der Jca und Herr, ^>r. Kahn vom Jos nt sagten die Unterstützung dieser. Forderung zu. Herr Doktor K l u in e l hofft, bis Neujahr 200.000 Dollar für die Kooperativen echalten M können. ' jfvJ ♦ Sie Geldquellen der Hakenkreuzler. K. Berlin» 11. Juli. In Fortsctzrrng der Verhandlung in dem Prozeß Adolf Hitlers gegen den Redakteur Fritsch wurde vom Rechtsanwalt Dr. L c v i außer der Bestechung durch Richert auch noch ein anderer Beweisgrund vorgelegt. Es handelte sich um eilten gewissen Dri Lüdccke, der der Verbindungsmann zwischen Hitler »nd Mussolini gewesen sei. Lüdccke sei inzwiischeu durch Reichsgcrichtsurteil wegen Hochverrates, da er eine Verbindung mit Polen versucht habe, zu Zuchthaus verurteilt worden. Die dritte Quelle für die.französischen Hilfsgelder seien die französischen Franken, die Dr. G a n ß e r (Schweiz) gesandt habe. Das seien die französischen Geldquellen., die die sogenannte „Freiheitsbewegung von 1923" finanzierten. Für all das wird der Wahrheitsbeweis angetreten. Rach der Rede Hitlers marschierte eine Reihe von Zeugen auf, ehemalige und jetzige Mitglieder der nationalsozialistischen Bewegung, die bekunden, daß im Jahre 1923 in der Hitler-Partei geradezu ein „D evisenfieber" geherrscht habe. In der Hitler-Bewegung seien tatsächlich ausländische Gelder vorhanden gewesen. In den völkischen Sturmtrupps seien die - Mannschaften in Papiermark, die Offiziere aber in Schweizer Franken besoldetwovden. . . . , ' Diesen peinlichen Angaben, insbesondere des Zeugen Weber, versucht Hitler durch einen unaufhörlichen Wortschwall entgegenzutreten, so daß der Vorfitzende ihn ermähnt: „Herr Hitler, weniger reden ist mitunter b e sf e r als g a r z u viel r e d cit!" Das Urteil wird am 16. Juli verkündet werden. Zer Verfasser der ..Sermaneubibel" gegen die völkische Hetze. Borlln, 11. Juli. (I. T. A.) Ter Herausgeber der Zeitschrift „Der Volkserzieher", Wilhelm Schwa ne r in Köln, muß sich in seinem. Blatte der Angriffe völkischer Verleumder, erwehren. Schwacher, dor auch eine Germanenbibel geschrieben hat, hat es gewagt, seinen Freund Walter Rathenau, mit dem er in Briefwechsel gestanden hatte, gegen schmutzige Beleidigungen von völkischer Seite zu verteidigen. Dafür wird er jetzt von den Rasscvölkischen beschimpft, bedroht und verfemt; von seiner Zeitschrift wird gesagt, sie sei „paztsistischdeinokratich und uniwedele die Juden". Im Julihest des „Volkserziehers" setzt sich Schwaner gegen diese Hetze mit salzenden deutlichen Worten zur Wehr: „Nie hat ein Großer der Politik oder des Kapitals mich zu „bestechen" oder zu „schmieren" versucht — es wäre auch unmöglich gewesen. Aber lebt nicht fast die gesamte völkischantisemitische Presse von Fords, Hilgenbergs und anderer N a t i o n a l m a nr m o u i st e n G n a d e n? Und stehen nicht alle diese Blätter in jeder Beziehung tief unter fast allen Freimaurer- und Jüten blättern? Ich bin fest davon überzeugt, daß es keine ärgeren Feinde des deutschen Volkes und Vaterlandes gibt als die Hurra- und Hochdeutschen, die sich auf allen vier Seiten ihres ellenbogenstarken Gcrmanenkvrpers mit dem schändlich mißbrauchten Hakenkreuz bepflastern." Eine Erklärung der Allianre gsraelite. Berlin, 11. Juli. (I.'T. A.) Das „Deutsche Tageblatt" vom 24. Juni veröffentlichte unter der großen Ueberschrist „Zionistische Mordzcntrale aufgedeckt" die Nachricht von der Ermordung des Ataman Oskilko in Grodek bei Rowno in Polen und knüpfte hieran die folgende Bemerkung: „Die Pariser Presse behandelt den Mord mit auffallender Mattheit und ohne jedes in ähnlichen Fällen sonst'übliche Kommentar, ivas daraiuis hindeutet, daß der Große Orient und die Alliance Jsraelite Uni v e r He l I e schon Abwehrmaßnahmen vorbereiten. Alle Anzeichen deuten somit auf das Bestehen einer M o r d z e n t r a l e hin, Heren letzte Drahtzicher i n f r e i m a u r e r i s ch - z i o n i st i s ch e n K r e i s c n zu suchen sind, und die gleichzeitig die Interessen de'r Sowjets, soweit sie jüdische Ziele verfolgen, durch Abschlachten unbequemer Gegner wahrnimmt." Der.. Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat die Alliance' Israelit« -Universellegebeten, mit- AUteilen, welche Grundlagen ' für ■ die Verleumdung bestünden und evhielt eine Antwort, der das folgende zu entnehmen ist: „Die Alliance-Jsraeiite Universelle erklärt auf das entschiedenste, daß diese-Anschuldigung, soweit sie die Alliance Jsraelite Universelle betrifft, gegenstandslos und v e rl-eumder isch ist. Die Alliance Jsraelite Universelle hat sich stets von jeder Aktion oder Einmischung in Vorfälle, tvie die in Frage stehenden, ferngehalten, und wird es auch in Zukunft stet-s tun. Sie fordert jeden auf, auch nur die geringste Tatsache - zu -melden, - die - das Gegenteil beweist," Ein Munitiourlager in Amerika in die Luft geflogen. Stew-Aork, 12. Juli. Das Marmearsenal in Lake D e n m a r k bei Denver ist gestern, angeblich durch Blitzschlag in B r a n d geraten und in die Lust gegangen. 25 Soldaten und 30 Zivilpersonen sollen um das Leben gekonrmen fein. Die Katastrophe ist in ihrem ganzen Umfange noch nicht zu übersehen, da die Explosionen noch fortdauerw Das Arsenal tvar das größte Munitionsdepot der Vereinigten Staaten. Der König von Bulgarien außer Landes. Sofia, 10. Juli. (Bulg. Tel.-Äg.) König Boris ist in Begleitung der Piinzrssin Eildoxia heute morgens in strengem Inkognito nach dem Ausland abgereist. Frankreich» Schulden an Amerika. - 1 Wichlijge ErklärnnMN des Schatzsekrotärs Mellon. Weffhington, 11. Juli. (Wolfs.). In.hiesigen amtlichen Kreisen, wird -erklärt, daß man von den Verhandlungen über die KriegSschukdenfrage, über die Caillaax in der Kammer erklärt haben solle, sie machten gute Fortschritte, nichts, wi^sse. Es wäre Wohl möglich, daß, wenn frarvMsche und ainerikauische Diplomaten zusammentrüfeu,. sie.'ihre Ansichten scher, diese.Frage unformell anstatt schien. Solche Unlechaltuugen könnten jedoch zn keinem Ziele sichren. . Staacssekretsir Me.llon. hezeichnete dfe. Nachricht als unrichtig, wonach .er -in einem, an einen französischen Beamten gerichteten Schreiben die Versicherung abgegeben habe, daß bestimmte Klauseln -des .französifch-amerikanischen AAommenS nicht i n A nwendung kommen sollten. Mellon bestrit-: auch, daß die Zusgmmeukunst des Gouverneurs der Fedexal, Reservebank in New-Aork, S t r.o n g, mit dem Gouverneur der Bank von England, Norman, soweit es die Regierung an-gche, i r g e n d w e l ch e Bedeutung habe. Soweit bekannt sei, verhandle .Srrong nicht mit der französischen Regierung oder mit einer-französischen Bank über eine Anleihe. Die Politik der amerikanischen Regierung iit bezug auf die Gswähmng privater Anleihen mc Frankreich höbe keine Aenderung erfahren. Meldungen Sanerweins. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung";) Paris, 12, Juli. Jules. S a u e r w e \ rt meldet dein „Matin" aus London, daß es verfrüht wäre, zu glauben, die französisch-englischen S ch u I d e n v e r h a n d l u n g e n stünden.bereits vor Abschluß. Bis . jetzt steht fest, daß Frankreich während 62 Jahren >12^ Millionen Pfund jährlich, d. h. insglsamt 775 Millionen Pfund zu bezahlen haben werde, während sich die Schuld an Ziinseszinsen bis 30. Juni 1926 nur auf 653 Millionen Pfund belief. Nach eineni anderen Bericht aus London treffm die Informationen Sanerweins über ' iwc allmähliche Rückgabe des verpfändeten Goldbestandes der Bank von Frankreich nicht zu. Beide Berichte stimmen aber .darin überein, daß Frankreich keine Reparation s s >i ch e r h e i t sklansel gewährt werde. Ser Prüflvent von Portugal verhaftet. Lissabon, 12. Juli. Die neue.portugiefifche Regierung gibt bekannt, daß sie das Pvogrmnm der Mai-Revolution verwirklichen wolle. Da der frühere Minifterpräisident Dacosta sich'weigere, auch auf sence Vollmachten als Präsident zu verzichten, würde befchloffen, ihn in einer Festung zu internieren, ©eine Offiziere wurden ern B.ord eines Kxigebracht.