Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2650 (10.7.1926)
- Date
- 1926-07-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I Polen: 2S flrrmy \ Wie» /-um Abhülen in der hxnedltlon, JI^Taboistf. 1*3, odei in einer Verschleisstelle rTrafilo monatl. 2 Schilling Strassetiverkam in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied. Woilzeile 11 Mit Poslvcrsatid litt Wien und Oesterreich monatlich 0 Schilling 1 schecho-Sl ow a k ei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen:Mon, 6Zloly. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 35 —... Wiener LAorgenieitung England: Mon. 4 Schilling. (Ulfen: Monatl M Lire: Rumänien: Mon, 170 Lei, Bai garten r Mon.iOOLewr. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 2 Redaktion, Administration: Wien,II.Taborstr.1 Telephone: 44*0-38,43*3*19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25*2*82 IX, Untversttatsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann 1 Oesterreichlaches Postspa i- Kassen - Konto Nr. 150.69 Sir. 265(1 Wie«. Samstag. 10.8mt 1026 8. gadrgana Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Zinauzdiktatur in Frankreich. Hitlers GelStmelle». Gin Prozeß btt Nationalsozialisten in Plauen. J. K. Bcrli n, 9. Juli. Heute hat in P laue n in Sachsen ein EhrenbLlei.d/ungsprozeß begonnen, den Adolf Hitler gegen ^en Redakteur der „Vokkszcitung für das Vogtland", den sozialdemokratischen Stadtverordneten Fritsch, angestrengt hatte. Gegenstand der Klage bilden Vorgänge im Plauener Stadtverordnetenkollegium vom 24. August 1925. Damals hatte ein völkischer Stadtverordneter dem Fritsch Lngerufen, daß die Sozialdemokraten von den Ostjuden mit Geld versorgt werden. Fritsch entgegnete darauf, daß die Völkischen die letzten seien, die so etwas sagen .dürfen, da Hitlers Partei ans dem Ausland Geld, ja sogar 32.000 französische Franken erhalten habe. Ein Ausgleich wurde abgelehnt. Hitler begründet seine Privatkl-age damit, daß Fritsch behauptet habe, er persönlich habe französisches GM erhalten. Fritsch bleibt dabei, daß er von Hitlers Person gar nicht gesprochen und seine Ancvürfe gegen die nationals 0 z i a l i st i s ch e Partei Hitlers gerichtet habe. Unter großer Spannung des Auditoriums weist der Vertreter des Angeklagten Fritsch, Rechtsanwalt Dr. Lev i, auf die Znsammer vänge zwischen der französischen Politik des Jahres 1923 und der Hittcr-Bewegung hin. Im Jahre 1923 hätten gewisse Kreise der Entente tatsächlich ein Interesse an der Hitlcr^Bewegung gehabt, weil sie die auf Aufruhr und auf den Sturz der Republik gerrchteten Tendenzen der Bewegung fürsichausn ü tz e n wollten. Um dies vorzubcreiten, hätten diese Kreise den Hitler-Leuten Geld zufontr#2tt lassen, und zwar weist Dr. Levi auf ganz bestimmte Quellen hin. Der französische KapMi Richert fattc größere Summen dem Vorsitzenden der ,^6lücher-Bundes" Negieruttgsbaumeister Schäfer zugewenldet, was dieser auch cingchanden habe. Auch die seinerzeit in München vom Volksgericht verurteilten Fuchs und Mache ns seien von Richert finanziert worden, um einen Aufstand in Bayern herbeizusühren, da es den Entcntekreisen damals darauf angekommen sei, die Bewegung in der Richtung Hannau-Fran-ksurt a. M. in Fluß zu bringen. In Frankfurt habe sich ein völkische Gruppe unter Führung eines gewissen Bau mit den Franzosen in Verbindung gesetzt.; ' Es sollte die Frankfurter SYuaMge in die Lust gesprengt iverden, worauf die Franzosen einrücken Men, um Ordnung zu schaffen. Bau sei deslvegen zu Zuchthaus verurteilt worden. Es wurden sodann Zeugen einvernonrmen. Die deutschvölkischen und deu tschna tio nalen Zeugen behaupten, daß Fritsch die Person Hitlers gemeint habe, während die s 0 z i a I v e m 0 k r a t i s ck) 2 n Zeugen erklären, daß Hitlers Person nicht in Rede gestanden sei. Adolf Hitler nimrnt selbst das Wort. Er beginnt mit einer demagogischen Rede über die Entwickung und die Ziele , seiner Bewegung und 'hebt ihre Verdienste im Ruhrgebiet hervor, wo Lchlageter eine Menge Maschinenlager und Brücken in die Luft gesprengt habe. Er fährt dann fort: Natürlich seien die.Nationalsozialisten nicht so töricht gewesen, die g u t e n ausländischen Valuten, die sie in O e st e r r e i ch, der Tschechoslowakei und her Schweiz gesammelt hatten, nach Deutschland zu bringen, wo damals die Inflation herrschte. Man habe diese Gelder vorsichtigerweise im Ausland gelassen. Unter stürmischer Heiterkeit erklärt Rechtsanwalt Doktor Levi. daß gerade dies die Methode sei', die die Völkischen den Inden znnl Vorwurf machen, daß sie sich nämlich von der Not des Paterlandes drücken. Die Verhandlung dauert sott.' Der Handelsvertrag mit Ungarn. Das Beteriniirabkommen im Ausschuß angenommen. In der gestrigen Sitzung des Ausschusses für Handel und Gewerbe wurden das Zusatzabkommeu zu dem Handelsübereinkonnnen mit Ungarn und das Tterseuchenüberelnkomme« mit Ungarn e t nst i m m i g a n g e n 0 m m e n. Tie Abkommen werden an: M 0 n t a g dem Plenum des NattonalrateS vorgelegt werde». Saillaur' Kniwurf. Paris, 9. Juni. Dem „Temps" zufolge wird der Regierungsentwurf, den Finanzminister Caillaux nach Schluß der JnterPellatiOnsdebatte in der Kammer einzubringen gedenkt, nur einen einzigen Artikel enthalten, in welchem der Regierung das Recht verliehen wird, durch Erlässe alle zur Erhaltung des Budgetgleichgewichtes und zur Währungsstabilisierung erforderlichen Maßnahmen zu treffen. In einem Anhang zu dem Gesetz werden diese Regierungsmaßnahmen aufgezählt. 8n der Kammer warf der Deputierte Bokanowski in einer Rede, die turch ihre Gründlichkeit in der Beurteilung der Finanzsragrn starken Eindruck machte, dem Finanzminister vor, daß er die Fi na n zlage Frankreichs in viel zu düsteren Farben gemalt habe. Die gegenwärtigen Schwierigkeiten beruhen vor allem auf den Mangel a it Vertrauen, der zur Kapitalsflucht und Steuerver Weigerung geführt habe. Bokanowski forderte die Einführung von Goldzöllen, eine bessere Verteilung der Einkommenst e u e r n, die Vergebung der M 0 n 0 p 0 l e an d a s Privat kapital und eine Reihe von Abgaben. Bokanowski erklärte, daß er ein Gegner der Vollmachten sei, welche Caillaux verlange, weil ein derartiges Ausmaß von Vollmachten ein Mißtrauensvotum gegen das Parlament bleute. Einige-Äbgeordnet^hrantMtM^nunmehr,eine Vertagung 8in neuer Staatsstreich inPortugal. London, 9. Juli. Nach Meldungen aus Lissabon hat sich dort ein neuer Staatsstreich unter Führung des Generals Camona abgespielt. Die Regierung des Generals da Costa wurde gestürzt. Camona bot da Costa die Kabinettsbildung an, was dieser ablehnte. Darauf bildete General Camona selbst eine Regierung, in der er das Ministerpräsidinm und das Kriegsporteseuille übernahm. Sie Reform der Wahlordnung in Polen. Reaktionäre Vorstöße» I-. Warschau, 9. Juli. Die reaktionäre Mehrheit des Vcrfafsungsausschusses hat heute, drei schwerwiegende Aenderungen der Wahlordnung durchgesetzt. Es wurde zunächst das Prinzip der Proportionalwahlen abgelehnt, was sich natürlich besonders gegen die nationalen Minder h e i t e n wendet. Weiters wurde das Wahlalter für das aktive Wahlrecht von 21 cmf 24, für das passive Wahlrecht von 25 auf 30 Jahre h i n a u f ge s e tz t. Schließlich wurde auf Antrag der Rechten eine ivesentliche Einschränkung der Ab geordneten im m u n i t ä t beschloen. Alle diese Beschlüsse erfolgten mit Stimmenmehrheit des Ausschusses. Da jedoch im Plenum die Z w e i d r i t t e l m e h r-; e i t notwendig ist, scheint das Schicksal dieser Vorstöße der Reaktion zumindest fraglich. ■ Keine Demission Pilsudrli». L. Warschau, 9. Juli. Die von nationaldemokratischer Seite verbreiteten Gerüchte über eine bevorstehende Demission des Kriegsministers P i l s u d s k i werden von maßgebender Stelle energisch -dementiert. Die deiitsch-dolnlschen Verhandlungen. L. Warschau, 9. Juli. Die deutsch,-polnischen HandelSv e r t r a g 8 v e r h a n d l u it g e u wurden fttrzehnTage unterbrochen. Nach ihrer Wiederaufnahme wird die z w e i t e AesungdeSZolltartfeS fortgesetzt werden. Wie verlautet, sind die Verhandlungen a u f g n t e m W e g e und dürften in k u r z e r Z e i t b e e n d t g t werden. SrhShung der Eifenbahntarife in Polen. L, Warschau, 9. Juli. Wie verlautet, wird das Eisenbahnministerinm schon für die nächste Zeit eine Aenderung der Eisenbahntarife vorbereiten. Geplant ist eine 25prozentige E r h ö h u n g der Personen- und Warentarise. der Kmnnrer auf nwrgen. Briand trat diesem Antrag entgeger mit der Begründung, daß die Negierung noch im Laufe der heutigen Nacht wissen wolle, ob sie mit einer genügenden Mehrheit an das Sanierungswcrk Herangehen könne. Die Sitzung wurde sodann im Sinne der Ausführungen des Ministerpräsidenten bis' 9 Uhr abends vertagt. Tie Stimmung in der Kammer ist nach der Rede Bokanowskis etwas pessimistisch er. Bor der llnterzeichnimg de» Schuldenabkommens mit England. Parts, 9. Juli. Wie die Nachmittagsblätter melden, hat Caillaux bereits für Montag et« Flugzeug zur Fahrt nach London bereitstellen lassen. Offiziell wurde allerdings bisher ein Termin für die Reise des Finanzministers nach London noch nicht bekanntgogeben. - Wie die Blätter weiter erfahren, sind die inzwischen xv London geführten Verhandlungen so weit gediehen, daß Caillaux das Schuldenabkommen nurnochzuunterzeichnen hätte. In Finanzkreisen verlautet, daß England sowohl eine Sicherungsklausel in Verbindung mit den Daweö-Zahlungen wie auch ei-ne Transferklausel zugestauden habe. In Paris verspricht man sich davon gewisse Zugeständnisse der Vereinigten Staaten. Sin SeivrSch mit kolonel stich. K. Marseille, 8. Juli. Der politische Referent der Pa^! lästmaexekuti-ve, Kolonel Ki s h, traf hier heute auf der Durch-! reise nach London zur Sitzung des Aktionskomitees ein. Ihr Korrespondent hatte eine Unterredung mit, Herrn Kish, der ihm erklärte, daß er die Zukunft Palästinas zuversichtlicher denn je beurteile. Voraussetzung sei, daß die Zionisten in der intensivsten Arbeit ausharren. Kolonel Kish machte die erfreuliche Mitteilung, daß die Frage der Straßenziehung von Tel - Awiw nach P e t a ch T i k w a h zugunsten der j ü d i s ch e n K 0 l 0 n i e n, die nach dem ursprünglichen Plane umgangen werden sollten, entschieden worden sei. Die englische Verwaltung habe die Summe von 1000 Pfund für die ersten drei Kilometer bereits bewilligt. Eine Hindaprozession von Mohammedanern überfallen. Kalkutta, 9. Juli. Ueber di- Unruhen, deren Schauplatz däs Dorf P a b n a war, wird gemeldet: Mohammedaner griffen die Teilnehmer einer H i nd u p ro 4 e s s i 0 n mit Stöcken und Steinen an und begingen Plünderungen der Geschäfte. Die Unruhen breiteten sich auch auf die benachbarten Ortschaften aus, wo von Mohammedanern Geschäfte und Häuser der Hindus geplündert wurden. Es wurden Truppenabteilungen und berittene Polizei nach Pabna beordert, um die Ruhe wiederherzustellen. In verschiedenen Ortschaften machten Mohammedaner den Versuch, verhaftete Glaubensgenossen der Polizei zn entreißen. Tie Polizei, machte von der Schußwaffe Gebrauch, wobei mehrere Personen verwundet wurden. Die Frauen der Hindu s ergriffen die Flucht aus Furcht, daß sie überfallen würden. Der Mörder des Abg. Gareis entdeck. München, 8. Juli. (Wolfs.) Der frühere Leutnant Hans Schwei khart ist im Zusammenhang mit Erhebungen in der Angelegenheit der in: Jahre 1921 erfolgten Ermordung des sozialdemokratischen Abgeordneten Gareis in Haft genommen worden. Schweikhavdt hat im Oktober 1920 ein Dienstmädchen in einem Automobil ermordet, flüchtete ins Ausland und kanr am 8. Juni 1921 wieder nach München. Am folgenden Tage wurde Gareis, der diese Mordtat verfolgte, erschossen. Am' 11. Juni ging Schweikhardt wieder ins Ausland. Der mohammedanische Kongreß in Metta. London, 9. Juli. Der mohammedanische Kongreß in Mekka hat den Bau einerEisenbahn von Mekka n a ch D f ch t d d a und von Medina nach Jembo beschlossen Ferner verlangt der Kongreß Maßnahmen zur Abschaffung des dortigen Sklavenhandels. Graf Banffd rumsinsicher Staatsbürger. Budapest, 9. Juli. Wie die Blätter aus Klausen bürg melden, hat der ehemalige ungarische Minister des Aeußein Graf Ni'olauS B a n f f y gestern in Bukarest den TreneidalS rumLnt/cherStaatSbürger abgelegt.