Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2645 (5.7.1926)
- Date
- 1926-07-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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[Polen: aSgroMv \ Wien- Zum Abholen ln def Expedition, 1L Taborstr. 1-3, oder in einerVerschlelsstell« «''Tfafik) monati. 6 Schilling Strasscnverkaitf ln Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, l., Wollzeile 11 Mit Postversand ffir Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling 1 sch echo- Slowakei: Mon. K 22, Jugoslawen: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 6Zloty. Deutschland: Mon. Gm, 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 25 -''•Achzahlungeit bet Prell* -rii6httn<*en vorbehelte* Nr. 2648 Wiener orgenxeitung Wien. Montag. 8. gNti 1626 Eit^M<k<Mon4Sehflling. ItiMea: Monat!. 20 Lire: Rumänien: Mon. L?0 Lei. Bu 1-garten $Moa.l00i.ew?. Scharetz und das übrige Anstand monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, IL Taborsh*. I Telephone: 44-0-38,43*3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Univerettätssttasse 6*8 (•Druckerei lg. Steinmantv Oesterreichisches Postspa i* kassen-Konto Nr. 150.69 8.8ahrgnng \ Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind r durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Zwei schreckliche Katastrophen. Ser Pariser krvreßrug entgleist. 18 Lote, SV Vevwundete. Die ukrainischen Pogromvaiseu barth. Ein röhrender Pries aus Palästing. (Bott unserem Pariser K.-Korrespondenlen.). für Schwarz- Paris, 4. Juli. Der Schnellzug Le Hav re—Paris tst bei A ch e r e s, 25 Kilometer von Paris entfernt, r n tglejst. 18 Personen wurden ge tötet und 97 verletzt. Nach Blattermeldungen hat der Lokomotivführer infolge eines heftigen Gewitters das Signal übersehen. Nach einer anderen Version soll die Tätigkeit der Signalweichen infolge des Gewitters versagt haben. Die Bergungsarbeiten gestalteten, sich sehr s ch w i e r i g, da sich die Katastrophe inmitten eines h e ftigen Gewitterregens ereignete. Die Schwere der Katastrophe ist dadurch zu erklären, daß der Zug mit einer Stundengeschwindigkeit von 90 Kilometer fuhr. Ein schweres Unglück ereignete sich in Dijon, wo der Bahnhof durch ein Großfeuer völlig ringe ö ichert und 20 Waggons beschädigt wurden. Eine A nza'!vo »Personen erlitt Verletzungen. Blitzschlag in ein Berliner Haus. 13 Tote, 140 Verwundete. Berlin, 4. Juli. Das heutige überaus ästige Gewitter hat eine furchtbare Katastwphe verursacht. Während des nachmittägigen Gewitterregens flüchteten mehrere hundert Personen in der Ortschaft W o l t e r s d o r f in eine Kegelbahn. Kaum hatten sie dort Schutz gefunden, als bemerkt wurde, daß die Mauern d e s G eb 8 u d e s von dem gewaltigen Wolkenbruch unterspült seien. Die Leute wurden aufgefordert, die Bahn zu räumen, was sie jedoch nicht taten. Im selben Augenblick schlug der Blitz in das Gebäude ein, das sofort zusammenstürzte. Bis jetzt wurden aus den Trümmern 13 Tote, 4 0 Schwerverletzte und etwa 100 Leichtverletzte geborgen. Aus den benachbarten Restaurants wurde sofort Hilfe geleistet. Die Szenen, die sich abspielten> spotten jeder Beschreibung. Man sah in dem strömenden Regen unter Gestein und Mauerteilen Verwundete i n i h r e m Blute liegen, man Hörte verzweifelte Eltern nach ihren Kindern rufen. Das Chaos war grauenvoll/ Ein junges Mädchen, dessen Bräutigam von den Steintrümmern erschlagen worden war, erlitt einen Wahnsinnsansall. Ein Mann verübte unter dem niederschmetternden Eindruck der Katastrophe einen Selbstmordversuch. Berlin infolge des Hochwassers ohne Straßenbahn. Auch in den westlichen Stadtteilen Berlins hat das Unwetter großen Schaden angerichtet. Ganze Straßenzüge wurden unter Wasser gesetzt, so daß allenthalben die Straßenbahn den. Berkehr einst e l l e n mußte. In verschiedenen Ausflugslokalen stand das Wasser bis zu einem halben Meter hoch. Absturz eines Flugzeuges. Berlin, 4. Juli: Wie die Blätter melden, ist in N e u e n d o r f im Kreise Luckendorf gestern in den Abendstunden ein Flugzeug mit drei Passagieren abg e st ü r z t. Das Flugzeug befand sich auf dem Wage von Berlin nach Dresden. Von den Insassen wurden zwei schwer und einer leicht verletzt. Dir Waad-Leumi-Drlegation in London. (Etgendienst der „Wiener Morgenzeituug") 1. London, 4. Juli. Die Wäad - Leu rn i - D e l egalion hat in London der Exekutive der-Zionistischen Organisation einen genanen Bericht über ihre Tätigkeit in ojenf erstattet. Die Exekutive hat der Delegation ein feierliches Bankett gegeben. Der Wand Leumi hat der Delegation eine Begrüßungsaepesche nach London geschickt, in der für die Tätigkeit in Gens der Delegation der Dank ausgesprochen und darauf hingeiviesen wird, daß noch wichtige Aufgaben in Palästina zu erfüllen sind. Paris, 4. Juli. Nach der letzten neuerlichen Einvernahme S ch w a r z b a r t h s wurde es den jüdischen Journalisten gestattet, gleich darauf mit ihm zu sprechen. Er teilte ihnen unter anderem mit, daß er einen Brief aus Palästina bekommen habe, der ihm große Freude bereitete. In dem Briefe drücken ihm die Pogromwaisen, die seinerzeit aus der Ukraine nach P al ä st i n a gebrach t w u r d e n, die wärmste Anteilnahme aus. Die Kinder sandten Schwarzbavth in den rühren dsten Worten ihre Grüße und sprachen die Hoffnung aus, daß Schwarzbarch frei gesprochen werde. 8ine ukrainische Trauerseier für Petijum in Berlin. (Eigendienst der „Wiener Morgertzeitung") X. Berlin, 4. Juli. Die Vereinigung. der ukrainischen Offiziere in Deutschland veranstaltete heute eine Trauerfeier für Simon P e t l j u r a, der vor 40 Tagen in Paris ermordet wurde. Die Ukrainer melden, daß zahlreiche Organisationen, unter anderen der Ukxainische Verein, der Bund der Ausländsdeutschen und studentische Verbände Vertreter entsandten. Der Vorsitzende der Vereinigung, SeIenietvskh, gedachte des Verstorbenen mit warmen Worten. Dann wurde eine feierliche Panichide (Drcmergottesdienst) abgohalten. Ansteckung einer saszistischen SrganisaNim in Litauen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) R Kowno, 4. Juli. In Ol: ta bei Kowno ist eine 'weitverzweigte, gut organisierte f a s z i st ische Organisation entdeckt worden. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Die Führer der Organisation sind nach Polen entkommen. Die entdeckte Organisation hatte ein eigenes Ressort antisemitischer Propaganda und Hetze. Es wurden auch zahlreiche Proklamationen e n boschlügnahmt. De Organisation soll eine Reihe von Attentaten, darunter auch auf den Bürgermeister in Rossten, ausgeführt haben. Die Manische Regierung gegen die Wischen Zeitungen Polens. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) . R Kowno, 4. Juli. Das Innenministerium in Litauen behandelte das Ansuchen über die Einfuhrerlaubnis der Warschauer jüdischen Zeitungen „M o m e u t" und ,,£> a t n t". Tie Gesuche wurden vom Innenminister P a s ch e l,o a b g el e h nt. Bekanntlich hat die frühere Regierung ein Einfuhrverbot für deutsche, litauische und jüdische Zeitungen aus Deutschland, Polen und Amerika erlassen, die Artikel gegen die litauische Regierungspolitik veröffentlicht haben. Das Verbot einiger dieser Zeitungen soll demnächst aufgehoben werden.-Die Einfuhr der polnischen jüdischen Zeitungen bleibt weiter untersagt. Me erste Zioniften-Revifionlsten-Konserenz in Berlin. (Eigendietist der „Wiener Morgeilzeitung".) K. Berlin, 4. Juli. Heute abends fand die erste Tagung der Z i o n i st e n - R e v i s i o n i st e u D e u t s ch l a n d s statt. Anwesend waren zwölf Delegierte ans Frankfurt, Beuchen und anderen Städten. Es wurden drei politische Resolutionen angenommen. Ferner wurde der Beschluß gefaßt, sich an dem bevorstehenden zionistischen Delegiertentag in Erfurt zu beteiligen. Demnächst soll mit der Herausgabe einer z i o n i st i s ch -- rev i s i o n i st i s ch e.u Wochenschrift begonnen werden. Die Tagung beschloß auch eine Protestresolution gegen die Verfolgung un) Verbaunutz.g per Zi.ou'istcn in Rußland. ‘ Die amerikanische« Finanzsachverst8ndi§en iv. Polen eiugetrossen. Warschau, 4. Juki. (Poln. Tet.-Ag.) Die von der'polnisch.'n Regierung eingeladenen a m e r l k a n i s ch e u F i n a n z s a chverständigen mil Mr. K e m m e r e r an der Spitze sin ) hier eingetroffen. Die Mission wird die Lage der öffentlichen und privaten Fi > an zeit Polens einer Prüfung unterziehen und sich z w c > Monate im 2ande aufhalten. Mne neue ZeilimsriMre. Der „Abend" wirb von der „Reichspost" einsr Erpressung an der Zentralbank der deutschen Sparkassen beschuldigt. Das Organ der Regierung,.die Reichspost", hat gestern an auffallendster Stelle den „Abend" einer großen Erpressung an der verkrachten Zentralbank der deutschen Sparkassen beschuldigt. Laut der Mitteilung der „Reichspost" hätte die Redaktion des chriftlichsoziolen Organs Einblick in ein Protokoll v o n 'd r e i leitenden Fu nktio n-ären der Ze-n t r alb a nk genommen, worin festgestellt wird, daß der kleine Bankier D. R. in Direktion der Zentralbank Vorgesprächen hätte, um ihr seine Vermittlung für den „Abend" anzutragen-. D. R. hätte nach dem Protokoll erklärt, daß er durch seine Beziehungen zu der Leitung des „Abend" es verhindern könnte, daß weitere PiMikäti cmeu'uber die Bank erscheinen. Als das Ansinnen D. R. abgelehnt wurde, bedetttete er, daß „jetzt erst die große Bombe platzen" werde. Die Funktionäre der Bank, die dieses Protokoll aufncchmen, gabett an, baß D. R. etwa e-i'ne Milliarde Vermittlu ngsh o n orar verlangt habe. Hiezu meldet die Korrespondenz Wilhelm:' Ueber die in der „Reichspost" vom 4. d. unter dem Titel „Der Angriff auf die Zentralbank deutscher Sparkassen ein Erpressermanöver" erschienene Notiz wurden von der Polizeidirektion Erhebungen eingelertet, die folgendes ergaben: Auf Grund dieser Notiz waren am 4. d. vormittags bei -der Polizeidirektion freiwillig die Herren Dr. Siegfried K l a u § tt c r, Chefredakteur des „Abend", und kurz darauf Alexander Stern, Redakteur des „Abend", erschienen. Dr. Klausner gab die Erklärung ab, daß er für die im „Abend" erschienenen Artikel über die Zentralbank deu^cher Sparkassen die ausschließliche Verantwortung trage. Nach seiner Angabe hatte Herr Karl Colbert, der am 29. Juni verreist fei, zwar von dem Erscheinen dieser Artikel gewußt, darauf jedoch keine weitere Jngerenz genonnnen. Weder er (Dr. Klausner) noch ein anderes Mitglied der Arbeitsgemeinschaft noch ein Angestellter des „Abend" seien direkt oder indirekt an die Zentralbank detttscher Sparkaffen herangetreten, um wegen Milderung oder Einstellung der Artikel über die Zentralbank zu verhandeln. Den in der Notiz -der .Meichspost" genannten Bankier kenne er überhaupt nicht. Redakteur Stern gab eine gleiche Erklärung ab, desgleichen Herr Ernst Colbert, der nachträglich erschienen war. Der' in der bezogenen Notiz genannte Bankier „D. R." ist mit dem Bankier David Rosenfeld in Mödling identisch. Er war am 30. Juni und am 1. Juli 1926 bei der Zentralbank dp u tscher S P a r k a s s e n erschienen und hqtte dort seine Dienste angeboten, um die für die Zentralbank ungünstigen Artikel im „Abend" zu unterdrücken. Er erwähnte, -daß er „die beiden Colberts" kenne und sprach auch von einer Geldsumme. Seine Angaben waren jedoch nicht ganz klar. Das Anerbieten des Rosenfeld wrrrde von der Zentralbank abgelehnt. ' ~ ' David Rosenfeld, der gestern von Mödling zur Polizeidirektion geladen wtrrde, stellte einen strafbaren Tatbe- 'tand in Abrede. Er erklärte, er habe nnr im Interesse der Zentralbank bei dieser vorgosprochen, ohne von irgend jemand dazu aufgefordert worden zu ein. Er kenne Herrn Karl und Ernst Colbert überhaupt nicht; er habe nur gesagt, er würde versuchen, durch einen Freund, der mit Colbert bekannt sei,'einzuwirken, daß die Angriffe attfhören. Ans welche Weife dies geschehen sollte, habe er noch nicht überlegt. Da sein Anerbieten abgelehnt worden sei, habe er mit seinen: Freunde noch nicht Fühlttng genommen, von einer Geldsumme hätte er nicht gesprochen. T>a ein direkter Beweis für einen strafbaren Tatbestand (Erpressung) des Roseufeld nicht gegeben erscheint, wurde dieser nach Einvernahme Mti&Aff.ea,