Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2637 (27.6.1926)
- Date
- 1926-06-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981724--26878-3014751- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
SEe L ©ittt, SoMtNg Menev Morgenzertima v> >.mi 1926 Nr. 2637 Ein vereitelter AWand in der AM Berlin, 26. Juni. Das Komv'ott gegen Mustafa Kemal. Einem Konstantinopler Tele-! abgeben sollen. In der Nähe der Straßenkreuzung, bei de« gramm des „Berliner Tageblattes" zufolge, wird der Prozeß! das Attentat ausgeführt werden sollte, war für die Pergegen die Verschwörer gegen M U st a p h a K e m a l P a s ch a schw'örcr ein Auto hereitgesteltt, das sie an die Meeresküste dringen sollte. In einer bestimmten Bucht in der Nähe in Smyrna einer der sensationellsten Prozesse der türkl schen Geschichte sein und zweifellos mit Massen todesurt ei len enden. In die Verschwörung sind zahlreiche ehemalige Minister, oppositionelle Abgeordnete, pensionierte Staatsbeamte und Offiziere verwickelt. Die bisherige Untersuchung hat er- Gmyknas wartete ein Motorboot die Verschwörer, das sie auf die Insel Chioö auf bringen sollte. Der Attentatsplatt scheiterte im Schell»!' Bei Plötzlich Nene empfand letzten Moment, well und zum Mali von gev«n. datz der Anschlag gegen den Präsiden-» der Republl, - Smyrna -Me. den, er alles Mniit. Die Polizei umzingelte das Zeichen zu einem Aufstand in der ganzen Türkei sein sollte. Die Hauptführer der Verschwörung waren der oppositionelle Abgeordnete S ch e w k i Bei und der pensionierte Gendarmeriekommandant von Smyrna Edib Bei. Die Verschwörer hatten in allen Einzelheiten einen Plan ausgearbeitet, wonach gegen das Automobil Mustapha Kemal Paschas, der am 16. Juni in Smyrna hätte eintreffen sollen, in der engen Straße „Unter deck Arkaden" Bomben geworfen werden sollten. Gleichzeitig hätten die Verschwörer Jussuf und Ismail Revolverschiisse gegen den Präsidenten noch in derselben Nacht das Hotel, in dem die^ Verschwörer ihre Beratung,» abzuhalte» pflegten und verhaftete Edlv Bei, Jussuf und Ismail. Eine g r o ß e A n z a h l v o n B o m b e n u n d R e v o l v e r n w u r d e b c s ch l a g n a h m t, die, wie die Polizei feststellte, aus Konstantinopsl m i - einem Dampfer nach Smyrna geschmuggelt worden waren. Die Empörung iiber den mißglückten Attentatsplan ist in der ganzen Türkei ungeheuer. Mustapha Kemal Pascha erhält zahllose Glückwunschtelegramme aus allen Tellen des Landes. Die Bevölkerung fordert in Massenversammlungen die Köpfe der Verschwörer gegen den Präsidenten. 1\ Dauerstrümpfe haben Weltruf tu Elefant, unverwüstlich ✓ Üeberall erhältlich Zentrale: LEO SUSSMANN Wien, i. Bezirk, Schwerigasse Kr. 1 Ser 3«de«ftaat. Znen Tö-estage Herzls. Von Robert Stricker. Die Zionistische Weltorganisation feiert wieder einmal Ken Todestag Herzls. Was einundKvanzigmal war, wird -vieder sein: Die Führer werden in Versammlungen und Proklamationen dem teuren Toten Dank sagen,' Treue schwören und geloben, Herzls Erbe gewissenhaft zu verwalten. So lautet nun einmal die Formel. Sie fließt in glatter Selbstverständlichkeit von den Lippen. Wenn sie verronnen ist, wendet nian sich wieder einem zionistischen. Alltage zu, in dem wenig mehr vom Geiste des Toten zu verspüren ist und bald nichts zu verspüren sein wird, wenn eine Entwicklung, die seit Jahr und Tag eingesetzt hat, ihren Fortgang nimmt: Die E n t w i ck l u n g, welche durch die grundsätzliche Preisgabe der Idee vom Juden- Aaate'gekennzeichnet ist. Diese Entwicklung ist schon weit gediehen. Man ist über die Periode des Vecschweigens des Wortes „Jud:nstaat" bereits hinaus und in das Stadium der offenen Bekämpfung der Idee vom Judenstaate getreten. Maßgebende zionistische Führer und einflußreiche zionistische Organe wiederholen beständig, daß die Zionisten nicht mehr an die Errichtung eines Judenstaates denken, daß die Idee vom Judenstaate eine Utopie ist, mit der zu -kokettieren sträflicher Leichtsinn sei, ein Spiel für unreife Phantasten, eine 'Gefahr für das Aufbauwerk in Palästina. Wohlgemerkt! Es geht nicht mehr um Taktische s, nicht etwa darum, bei Festhalten am Progranrme des Judenstaates, dem allzuhäufigen und aufdringlichen Gebrauche des Wortes ,^Judenstaat" entgegen zu wirken. Nein. Es geht um Grundsätzliches. Nicht aus dem Munde, aus dem Herzen und aus dem Kopfe wird der Judenstaat gerissen, unter dem Beifall der Assimilantenpresse, welche wohlwollend feststellt, daß die Zionisten allmählich vernünftig werden. Und mit den Waffen und den Worten der Assimilation von anno dazumal führen die vernünftig gewordenen Zionisten den Kampf gegen den Juden-staat. Was sie jetzt sagen, /haben, b:i Assimi lauten vor dreißig Jahren gesagt und sagen es noch. /Bei uns legt man Kulturschminke auf und hängt koionialpolitifthe und sozialpolitische Mäntelchen uni, wenn man Agen den schrecklichen Judenstaat zu Felde zieht, aber.Worte und Waffen find die ■ gleichen. Was hat man an die Stelle des Judenstaates als Endziel und Ganzes gesetzt? Drei Dinge: das Kulturwerk, das Kolonisationswerk und das sozialpolitische Werk. Und die Zionistische Weltorganisation, ehedem der Jvdenstaat im Werden, ist naturgemäß zur Sammel- und Abrechnungsstelle dieser drei Werke geworden. Drei Werke, die gewaltig sind, wenn sie als Grundpfeiler des Judenstaates gesetzt werden — und so war's ja immer gemeint- — doch nur schöne und interessante Unternehmungen, wenn der Ueberbau, der Judenstaat, wegsällt. Kulturelle, kolonisatorische und sozialpolitische Probleme können das jüdische Volk nur dann revolutionieren, können ihm nur dann Lebensinhalt bedeuten, wenn sie'dem großen Endzwecke, der großen Erlösung, dem Judenstaate verbunden bleiben. Reißt man sie los, dann kann ma,n da und dort für sie Interesse und in gewissen jüdischen Schichten Hilfsbereitschaft wecken. Aber keine glühende Liebe bei den Massen und den Jungen. Die wollen Ganzes und die sind dem Zionismus entgegengeflogen, als er ein Ganzes war, als er Judenstaat war. Xix Zionismus ohne Judenstaat, der Zionismus, den man ausschlachtet und ausweidet und in Stücke zerlegt, weck man ihn kleinweise besser an den Mann bringen zu können glaubt, der kann dem Volke und den Jungen nicht Lebensinhalt sein. Sie wollen Ganzes und wenden sich suchend weg von uns. Ja, den Zionismus kleinweise an den Mann bringen, indem man ihm sein rauhes, judenstaatliches Fell abzieht, ihn in drei oder vier sauber geputzte Portionen zerlegt, damit jeder — auch der HaD- und Vierteljud — etwas findet, was linde im Munde zerfließt und ohne Schaudern geschluckt werden kann, das ist der Zweck der Uebung. Mancher ist hier und dort bis in die Bureaus der Finanzhoherten gedrungen. Aber während man drinn dem zionistischen Detailgeschäfte nachgeht, verläuft sich draußen die Masse. Auch Herzl ging zu den Bankmenschen mit dem Judenstaatin Händen. Nicht aus kluger Berechnung und mit geschmeidigeni Rücken, einem liebenswürdig-naiven Drange folgend. Der Lieblingsjournalist der reichen jüdischen Bourgeosie glaubte, bei seinem Publikum Verständnis für seinen Plan zu finden. Sie wiesen ihn ab. Da ging er zum Bolle und der Zionismus ward g^oren. Er ging von den Bankiers zum Volke. Wir aber gehen vom Volle zu den Untiers. Vom Volke weg, vom Judenstaat weg, von Herzl weg! An seinem Todestage muß das gesagt und in die Feierlichkeiten hineingerufen tverden. Wollen wir de n I u d e « st a a t? Das „Nein", tzas aus der engen Brust der Neumnakveisen pfeift, ist keine Antwort. Das WuMhe Boü soll ^Hauerwellen nur im M^BmwBMnwuBiiiiiiiiiiiiiiiiiM m—mm GRABEN-FRISIER-SALON Wien, I. Graben 12 iog Telephon 74-2-26 Neuwahlen" Mit der Wahl Dr. Rintelens zmn UnterrichtZmiuister ist nach keiner Richtung hin eine Entspannung der innenpolitischen Lage erfolgt.. Dr. Rintelen leistete gestern in die Hände des Bundespräsideuten die Angelobung als Minister der Republik, die Sozialdemokraten, die von seinem Rcpnblikanismus durchaus nicht überzeugt sind, halten aber noch immer daran fest, daß seine Mahl null und nichtig sei. Die Gegensätze in der Schulsrage und in der Frage der Arbeitslosenunterstützung haben sich bereits so schr zugespitzt, daß die Ultima ratio, Neuwahlen, sowohl von den Christlichsozialen als auch von den. Sozialdemokraten.als Ausweg aus der Krisis bezeichnet. wiid. Sachlichen- Erwägungen zeigen sich die Sozialdemokraten nicht mehr zugänglich,. Sie,halten unentwegt an der Forderung fest: unveränderte Verlängerung. des Arbeitslosrnversicheruugsgesetzes und Sühne, siüdie Aufhebung des Glöckel- Kunschakschen Dchulkomprömiffes. . Dr. Rintelen hat gestern mit den Großdeutschen verhandelt und mit ihnen gemeinsame Richtlinien über Pen Bolksischullehrplan vereinbart. Ueber die Mittelschulen wi-rd er noch weiter mit der zweiten Koalitionspartei verhandeln. Wie er mit den Sozialdemokraten — und das wird wchl der entscheidende Punkt sein — Übereinkommen könnte, ist nicht abzuschen. Uebrigens zeigt die-Entwicklung, der letzten Tage, daß die Opposition, jetzt mehr die Arbeitsloserisrage betont und hier noch weniger als in der Schulf'rage nachgeben will. Die Situation gilt als so verworr e n , da ß erfahrene Parlamentarier der Meinung sind, Dr. Ramek habe durch die. Uebernähme Dr. Rintelens ins Kabinett die' Lage der G e sa m tr eg i e ru ng verschlimmert. Dr. Rintelen selbst habe die Schwie-rigkeiten unterschätzt, und sein unausgesprochen geblieleuer Wunsch, Kanzler zu werden, nachdem ihm die Sozialdemokraten den Dr. Ramek abschießen, werde unerfüllt bleiben. Für die Sozialdemokraten seien die. im Gange befindlichen Arbeiterkammerwahlen ein Probegalopp. Fallen sie für die Linke günstig aus, so würden die Sozialdemokraten bic Mehrheits- Parteien, die jetzt erklären lassen, sie fürchten sich vor Neuwahlen nicht, ('dm Morte nehmen. Kongreß der anmiklmischen ZioMev. New-Uork, 25. Juni. (I. T. A.) Ani 27. Juni wird in Buffalo die 29. Jahresoersammlung der Zionistischen Organisation in Amerika tagen. Ter Tagung, der wahrscheinlich mehr als tausend Delegierte aus allen Teilen dr-r Vereinigten Staaten beiwchnen worden, wird ein u m f a n g r e i ch e s B e r a t n n g s p r o g r a m m rorlicgen, welches eine Verstärkung und Intensivierung box Aufbauarbeit in Palästina betrifft. Landwirtschaft und Industrie sotten auf eine Enlwicklnug gebracht werten, daß im kommenden Jahre Raum für dje N e ua n s i e d l u n g von o 0.0 0 0 I u d e n a u s O stu n d Mitteleuropa gcschasfeu wird. Das Beratungsprogramm betrifft ferner die Stützung der R u t h e n b e r g - Konzession; es sollen fünf Millionen Dollar bereitgestellt werden .für die anfängliche Durchführung des Programms der Konzessionen. Weitere fünf Millionen Dollar sollen für die Anlage neuer l a n d w i r t s cha f t s i che r 5k o l o n i e n beschafft werden? Den Investierungen von P r i v a t k a p i t ä l in Palästina soll neuer Ansporn gegeben werden, besonders durch Schaffung eines Systems von PrioritäisObligationen, aus deren Ert-rag langfristige Kredite für den Bau von Häusern und für Anlage von Industrien-gegeben rverden sollen. Ein Appell zur Aufbringung weiterer zehn Millionen Dollar soll au die Ju-deicheit d-es ganzen Reiches gerichtet werden. Der d i e s j ä h r i g e A p P e l l erbrachte 4,250.000 Dollar, das ist die größte Summe, die je die amerikanischen Juden in einem einzigen Jahre für Palästina geleistet haben. Der große Emir AbvuNah «kr -rabisch-ikdische Berftiin. digung. Jerusalem, 24. Juni. (I. T.A.) In einem Gespräch mit den: Vertreter der Palästinensischen Telegraphenagentur führte Emir Abdullah von Transjordanien aus: Der zwischen Sir Gilbert C l a h t o n als dem Vertreter Englands und dem Wahabitensultan Jbn Saud, dem Sieger von Mekka, abgeschlossene Vertrag kann Transjordanien nicht befriedigen, namentlich wurde Transjordanien hinsichtlich der Grenzen benachteiligt. Dessen ungeachtet wird Transjordanien den Vertrag loyal respektieren, während es zweifelhaft ist, ob Jbn Saud seinerseits dies tun würde. Es liegt durchaus im Bereich der Möglichkeit, daß Jbn Saud später feine Waffen gegen England kehren wird, wie er sie gegen meinen Vater Huffein gekehrt hat. Die von Jbn Saud einberufene Konferenz über Mekka kc»nn keine Ergebniffe zeitigen, die das religiöse Moslemitentum befriedigen. Angesichts der großen Teilnahme von Abordnungen ans der Türkei und Rußland muß man sagen, daß die Konferenz neben religiösen auch politische Ziele verfolgt. Jbn Saird zeigt das Bestreben, sich mit H i l f e d e r B o l s ch e w i k e n an die von Mustafa Kemal Pascha im Orient gegen England konzentrierten Kräfte anzulehnen. Das Abkommen zwischen England und Tran sjordanien wird innerhalb zweier Monate perfekt werden, wo dann das transjordanische Parlament einberufen werden wird. Nachdem diese äußeren Fragen erledigt sein werden, wird die Frage der Heranziehung ausländischen Kapitals für die wirtschaftliche Entwicklung Transjordaniens aktuell werden. Ueber hie jüdisch-arabische Frage in Palästina äußerte ' sich Emir Abdullah folgendermaßen: Die Differenzen zwischen den Juden und Arabern in Palästina können durchs eine gute Lösung aus d e r. W e l t geschafft werhen. Notwendig sind aber direkte arabisch-jüdische Verhandlungen, und zwar müssen von arabischer Seite jene Personen zu den Verhandlungen herangezogen werden, die legitimiert sind, im Namen der palästinensischen Araber zu sprechen. Katholische Assbauaktianen kn PaiMina. Jerusalem, 24. Juni. (I. T. A.) Nach einem hier eins getroffenen Telegramm haben die Katholiken der Bereinigten Staaten dem dort weilenden lateinischen Patriarchen Jerusalems eine Summe von 100.000 Pfund übergeben. Die Summe soll für Kredite an palästinensische Katholiken zwecks Aufbaues von Wohnhäusern, insbesondere in Jerusalem, verwendet werden. Dar volnische Budgetvroviiariitm angenommen. Warschau, 36. Juni. (Pöln. Tel.-Ag.) Der Sejm hat gefteru mit großer Mehcheit das Budgetprovisorium fiir di-e Monate Juli bis September, wie es von der Negierung vorgeschkagen worden war, unter Ablehnung aller im Laufe der Debatte von verschiedenen Parteien vorgcschlagenep Zusatzanträge a n g e n o m m e n. . Die nächste Sitzung des Sejm findet am 1. Juli statt. Dus polnische Jndustriegesetz soll durch eine Bevordn>nng in Kruft treten. Warschgu,. 25. Juni. Handelsminister Piatkowskr empfing gestern eine Delegation von Industriellen, die ihm die Notwendigkeit einer raschen Erledigung des Jndustriegvsttzes vortrug. Der Mii>iste>r erklärte, dciß die Gesetzesvorlage aus dem Sejm schon zurückgezogen sei ttnd daß sie nach Fühlungnahnre mit den intereffierten Kreisen durch eine Verordnung des Pr<P--!>enten der Republik in Kraft treten wird. Keine AnstSsnng »es Reichstager. Berlin, 26. Juni. In parlanientarffchen Kreisen hält man es für sicher, daß der Gedanke einer Auflösung des Reichstages numnchr endgültig als vertagt gelten kann. W palästinensische Dichter Chaim Rachman Bj al ü wird der — '.beitDdfc&L . besteht. Hoffnung, daß sich für da 8 F ü r st enaLfindu nach,