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Wiener Morgenzeitung · 1926-06-26 · Heft 2636 (26.6.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2636 (26.6.1926)
Date
1926-06-26
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Geste 6 Men, SamSiag Miener Mornenzertuns S6. Funk 1926 2?r. 2636 HOTEL CENTRAL Wi«fit II* Ytbartfraste Sa Stadteentrum » 150 neu eingerichtete Zimmer » Zentral* heizung, kalt- und warmfliessendes Wasser, Telephone, Lift, Cafd-Restaurant * Preise von S 5.— aufwn raufleute l0#/fl Rabatt. 665 «ottswirt. Hebräische Ferialkurse des zionistisch-akademischen Vereines Bar-Kochba. Der zionistisch-akademische Verein Bar-Kochba eröffnet im Gebäude deS Iüdbchen Realgymnasiums, 2. Bez., Castel le,gaffe 35, einen hebräischen FerialkurS (1. Juli bis 15. September) mit schriftlicher Arbeitsmethode und mit Zugrundelegung der palästinensischen O r i b o p h e m i e. Dem Verein gelang es, den hebräischen Schriftsteller und Lehrer an der erwähnten Mittelschule. Prof. M. C h a r t i n e den Initiator der orthophemischen Arbeitsmethode im Hebräilch unterricht (siehe .Wiener Morgenzeitung" vom 5., 6.. 11. und 12. d.). für die Leitung des Kurses zu gewinnen. Der Kurs ist wöchentlich zweistündig von 7 bis S Uhr abends; Anfänger Mittwoch. Borge schrittene Donnerstag. Einschreibungen täglich von 7 bis 8 Uhr abends im Jüdischen Realgymnafinm. Zionistische Frauenorganisation Oesterreichs. Die zionistische Frauengruvoe IX veranstaltet heute um 8 Uhr abenos im Kasino Zögernitz. 19. Bez^. Döblinger Hauptstraße 76, einen Bunten Abend mit Tanz unter Mitwirkung von > Frau Martha Blank, Gesang, Fräulein Birsen. Cello; Frau Josefine Schalit, Tanz; Fräulein RoSl Singer. Ge'ang; Fräulein Renee Stein, Rezitation; Conferencier Herr Willi Mendel. Karten zu 2 und 16, mt der Abend kaffe. Das Fest findet bei jeder Witterung statt. Serichtsfaal. kin krpresimlgrprozeb. Gestern hätte die Verhandlung gegen den ehemaligen Direktor des Kronosverlages, Harry Weller- O'B r i e n wegen E r p r e s s u n g, begangen an dem früheren Direktor der verkrachten Nordisch-österreichischen Bank, Otto Wald egg, statt finden sollen. O'Brien soll von Waldegg zu einer Zeit, als die Bank vor dem Zusammenbruch stand, Jnseratenaufträge erpreßt haben und als Einschüchterungsmittel mit Veröffentlichungen über die schlechte finanzielle Lage des Bankhauses in der „Stund e" und in der „B ö r s e" gedroht haben. Waldegg sah sich durch diese Bedrohung veranlaßt, den Jnseratenvertrag mit den beiden Blättern um ein Jahr zu verlängern, was für die Bank eine unnötige Auslage von 30.000 S. für jedes Blatt be deutete. Um die Beträge für die Inserate hereinzubringen, erschien O'Brien bei dem Berwaltungsrat der Bank van Rohen und forderte die Begleichung des Betrages ebenfalls mit der Drohung, daß im Weigerungsfall Angriffsarttkel in seinen Blättern erscheinen werden. Als van Rohen erklärte, daß er kein Geld habe, legte ihm O'Brien nahe, den Schmuck seiner Frau zu verkaufen. Ob der Angeklagte bei der Verübung der Erpressung Mitschuldige hatte, konnte bisher nicht erwiesen werden. Zu Be ginn der Verhandlung erklärte Staatsanwalt Dr. S ch w a r tz, daß er eine neue Anzeige gegen O'Brien wegen Erpressung erhalten habe und daß gestern die Untersuchung in dieser Sache eingeleitet wurde. Der Staatsanwalt stellte den Antrag, die Verhandlung dennoch durchztrführen, um die Untersuchung in der neuen Erpressungssache abgesondert führen zu können. Der Verteidiger Dr. Siegfried Tür kl dagegen stellte den Antrag, die Verhandlung zu vertagen, weil zwei wichtige Zeugen, Rechtsanwalt Dr. Kätscher und Ing. S l e b i tz k y, nicht anwesend waren. Nach längerer Beratung verkündete der Vorsitzende, Hofrat Dörr, den Beschluß, daß dem Anträge der Staatsanwaltschaft auf abgesonderte Führung der neuen Untersuchung keine Folge gegeben werde. Die Verhandlung wurde deshalb ver tagt und der Akt zum Untersuchungsrichter zwecks Fortsetzung der Voruntersuchung zurückverwiesen. Der Angeklagte O'Brien bleibt bis zur neuerlichen Anberaumung der Haupt-Verhandlung weiter in Haft. Die Morde in der Trebttscher Kohn-MMe. Ende Oktober des vorigen Jahres fand in Jglau die Schwurgerichtsverhandlung gegen die Eheleute Dvoracek und den Taglöhner Fejta aus Trebidsch ivegen Meuchelmordes und R-auibmovdes statt. Unter anderen Untaten -war ihnen auch die Ermordung mehrerer jüdischer Flüchtlinge aus Galizien zur Last gelegt worden. Das Urteil -lautete auf lebenslänglichen Kerker. Die Nichtigkeitsbeschwerde der Verurteilten -gelangte vorgestern vor den Obersten Gerichtshof in Brünn zur Verhandlung und wurde a b g e I e h n t. Dagegen wurde der N'ichiigkeitsbeschwerde der Staatsanwaltschaft stattgegeben. Ter Oberste Gerichtshof hob das gegen Josef Fejta, Karl und Anna Dvoracek gefällte Urteil auf und verurteilte alle dre.-i zum Tode. Für den Fall der Vollstreckung des Todesurteils sprach der Oberste Gerichtshof ans, daß das Urteil zuerst an Fejta. dann an Karl und zuletzt an -Anna Dvoracek zu vollziehen sei. L!e sesetzUche srmSglichung der Fusion Änglobank-Kkrvitaaftalt. Das spezielle Fusionsgesetz gestern im Nationalrat eingebracht. Bekanntlich fehlte zur Inkraftsetzung des Fusionsvertrages der Anglobank mit der Kreditanstalt noch die Zustimmung der Regierung, daß für diesen Akt auch die Gebührenermäßigung des Fusionsgesetzes Anlveudnng finden könne. Das österreichische Fusionsgesetz sicht nämlich nur eine Fusion österreichischer Unter nehmungen vor. In diesem Falle aber handelt es sich um eine Vereinigung eines inländischen mit einem ausländischen Institut Das neue Gesetz sieht nun die Gebührenbegünstigt,ng auch für eine solche Fusion vor. Interessant ist die Begründung, mit der die Regierung die Einbringung dieses Gesetzes motiviert, wird hier erklärt, daß die Uebernahme und Fortführung der österreichischen Geschäfte der A n g l o - A u st r i a n Bank durch eine österreichische Großbank begrüßt werden müsse, weil dadurch Erschütterungen der Volkswirtschaft vermieden werden, die bei einer vollkommenen Liquidierung unvermeidlich wären. Die De bitoren und Kreditoren der Bank können auf diese Weise vor den unangenehmen Situationen bewahrt werden, die sonst aus dem Aufhören der bisherigen Bankverbindung'^ entstehen müßten Dazu kommt noch, daß das Schicksal der österreichisen An geftelltenschaft der Anglobank gemildert wird, weil nicht alle Angestellten von dem sonst unvernteidlichen Abbau betroffen werden. Der Austritt der Anglobank aus dem Börsenarrangement. Wie wir erfahren, wird die Börsenvertretung der Anglo Austrian Bank am Montag den 28. d. nach 63jähriger Tätigkeit zum letztenmal an der Wiener Börse vertreten sein. Bon Mitt woch angefangen werden sämtliche Börsentransaktionen nicht mehr vom Börsenbureau der Anglobank, sondern bereits von der Kreditanstalt durchgeführt werden. Der Leiter des Bövsenbureaus der Anglobank wird nicht von der Kreditanstalt übernommen. Die Ausdehnung des Ratenhandels in Amerika. Jährlich fünf Milliarden Dollar. Aus New-Nork meldet United Preß: Nach einer Sta tistik der Bankenvereinigung zahlt das amerikanische Publikum alljährlich an Abzahlungsgeschäfte rund fünf Milliarden Dollar, wovon 60 Prozent auf das Automobilgeschäft entfallen An zweiter Stelle kommen Klaviere mit 112 Millionen. Nach der gleichen Zusamnrenftcllung beträgt die Anzahl der Personenwagen nunmehr 19,951.274. Für den Unterhalt, Ankauf und Bersteuernng dieser Automobile werden jährlich 14 Milliarden ansgegeben. Rndvlns Vorschlag einer SiedlungrbNnt. Die Finanzierung der Palästinakolonisation. In „Mischar we Taassjah" entwickelt R u p p i n einen neuen Plan für eine Ansiedlnugsbank, um die Kolonisations- 'inanzierung auf eine ökonomisch einwandfreie Basis zu stellen. Die Bank übernimmt vom K. H. seine gesamten landwirt chaftlichen Aktiven, zirka eine halbe Million Pfund. Der K. H. erhält dafür Aktien. Die fernere Kolonisation ist wie folgt gedacht: Siedlern, die 100 Pfund besitzen und Boden vom Keren Kajemeth in Pacht erhalten, werden die weiteren nötigen 600 Pfund in Gestalt von zwei Hypotheken gegeben. Die erste auf 350 Pfund gibt die Bank ans Grund eigener Mittel, beschafft dilrch Ausgabe von sechsprozentigen Obligationen, die in 40 Jahren rückzahlbar find. Die Ausgabe der Obligationen soll durch zehn Jahre je 600.000 Pfund betragen. Die zweite Hypothek von 250 Pfund gibt die Bank ans Mitteln des K. H., der dafür wieder Aktien erhält. Die erste Hypothek wird mit 6 Prozent verzinst, mit 2 Prozent amortisiert, dies erst vom Beginn des 16. Jahres. Dagegen soll die Regierung Bergho und Oscher für die ersten Jahre erlassen. Die Regierung erhält das Recht, die Bank zu überwachen, müßte ihr aber die Zwangseintreibung der Zinsen und Amortiätionen ohne weitere Formalitäten zugestöhen. Rilppin rechnet mit zwei Kategorien von Leuten, solchen mit 100 Pfund Kapital, die auf 100 Dnnam gemischte Wirtschaft, und solche püt 500 Pfund, die auf 20 Dnnam Pflanzungs- und Milchwirtschaft treiben werden. Die ersteren sollen den Boden vom Keren Kajemeth erhalten, brauchen daher noch 600 Pfund Kredit, die zweiten taufen den Boden selbst, Kredithöhe die gleiche. Ruppin rechnet 1000 Ansiedler der ersten und 500 der zweiten Kategorie Pro Jahr. Der Kapitalsbedarf dafür wäre 1,300.000 Pfund, davon 400.000 Psrmd vom Steren Kajemeth, 300.00 Pfund vom Keren Hajessod ltnd 600.000 Pfund von der Bank Diese letzteren, sowie zirka 160.000 Pfund für Keren-Kajemech- Anleihe — da dieser nicht mehr als 250.000 Pfund einrüynnt - wären ans dem Kreditweg zu verschaffen. Feste Devisenmärkte. Das Finanzprogramm CaUlaux hat im allgemeinen beruhigend gewirkt, um so mehr, als die Absicht bestehen soll, ohne stärkere Inanspruchnahme des Banknote,»- institnts'den Franken zu stabilisieren. Paris erhöhte sich in Zürich von 14.74 ans 15.07. Brüssel konnte diese Steigern».? nicht mehr mitmachen und schloß mit 14.90 gegen 14.75 vom Vortage, um zirka 1 Prozent tiefer als Paris. Madrid machte die Einbußen der letzten Tage wieder wett und schloß mit 84.30 gegei' 83.90. Sehr fest lag wieder der Leu. Die Devise Bukarest wurde gegen Zürich im Wiener Usancenhandel mit 2.32 bis 2.34 gehandelt. Widerstaildsfähig hielt sich auch der Zloty. Im Wiener Clearing befferte sich Warschau von 69.25 auf 69.66 New-York notierte gegen Warschau 10.10 bis 10.30, dem Vortage gegenüber unverändert. Der Ssterreichisch-litauifche Handelsvertrag. Vom Bundeskanzleramt wird uns mitgeteilt, daß die Zollerhöhnng, hie für österreichische Waren beabsichtigt war, zunächst nicht zur Ein führung gelangen wird. Die vom Hauptverband der Kaufmannschaft gewünschten Vertragsverhandlungen sind bereits eingeleitet und es besteht daher die Hoffnung, daß Zollevhühungen für österreichische Waren überhaupt nicht in Kraft treten werden. Empfang in der Handelskammer. Die Wiener Handelskammer veranstaltet aus Anlaß der Anwesenheit des amerikanischen Volkswirts Mr. Edward A. Fi lene am Montag den 28. d., abends, einen Empfang im Kammergebäude, zu denr auch der Herr Bnndespräsident Harnisch sein Erscheinen zugesagt hat. Die Ausfuhrabgabe für Alteisen. Ab 1. Juli wird die Ausfuhrabgabe für Maschinen-Gußbruch, Blechpakete, Konunerzguß, Bremsklösse, Schienenstühle, Brandguß, nicht gargrerfahigen Schwevschrott, gebrauchte Maschinen und Apparate, gebrauchte Lokomotiven. Tender und Untergestelle bezüglich aller Sendungen, die bis einschließlich 31. Oktober 1926 ansgegeben werden, mil 0.30 Goldkronen Pro 100 Kilogramm festgesetzt. Der bisherige Abgabensatz für Leichtschrott (neue lose Dlechabfälle, Späne aller Art und Schmelzeisen aller Art) bleibt mit 0.20 Goldkronen pro 100 Kilogramm unverändert. Der gleiche Satz gilt auch für verzinkte Blechabfälle zu Entzinnungszwecken. Ursprungszeugnisse für Kartoffelsendungen in die Schweiz. Durch Bundesratsbeschluß vonr 6. Oktober 1925 wird vorgcjchrieben, daß für Kartoffel aus Ländern, die vom Kartoffelkrebs verseucht sind, bei der Einfuhr nach der Schweiz Ursprungszeugnisse oeizubringen sind. Zurzeit werden solche Ursprungszeugniste für Kartoffelsendungen aus Oesterreich, Deuifchland, der Tschechoslowakei, Polen, Dänemark und Holland sowie ans den fvanzösifchen Departemertts Ober- und Niedervhein verlangt. Während bisher die Ursprungszeugnisse aus einem beliebigen Blatt Papier ausgestellt werden konnten, muß gemäß Verfügung des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdcwartements vom 19. Mm 1926 vonl 1. d. an hierfür ein einheitliches Formular verwendet werdeii. Diese Formulare können in der Kanzlei der schweizerischen Gesandtschaft oder bei der Schweizer Handelskammer m Wien bezogen -werden. Orientreise des Oesterreichischen Handelsmuseums. Das Oesterreichische Handelsmuseum veranstaltet in der Zeit vom 12. bis 30. September eine kaufmännische Gesellschaftsreise nach Athen und Konstantinopel. Die Reise wird auf einem erstklassigen Lupusdampfer durchgeführt und berührt Venedig, Ragusa, Ba- Ioitä, Korinth, wo überall Aufenthalt zwecks Besichtigung dieser Orte genommen wird. In Athen, Korrstantinopel und WMyrna. ist ein zwei- bis dreitägiger Aufenthalt vorgesehen. Die Expos:- turen des Oesterreichischen Handelsmnseums stehen an diesen Plätzen den Rciseteilnehmern für ihre kommerziellen Wünsche zur Verfügung. Preis für die gesamte Reise Wien—Triest—Kontantinopel und zurück, inklusive 17tägiger, erstklassiger Verpflegung, kaufmännischer Exkursionen, Besichtigungen der Schens- Würdigkeiten nsw., 800 Schilling und hoher, je nach Lage der Kabine/ Anmeldungen bis 20. Juli. rm Oesterreichischen Handelsmusenm, Wien, 9. Bez., Berggaffe 16, von 9 bis 1 Uhr. Telephon 17-5-40 Serie. . Die Lage der Erdöl A.-G. Wie wir erfahren, ist die Situation der Erdöl A.-G. noch immer sehr Prekär. Bekanntlich hat der Hamburger Kaufmann Ludwig Bing vor längerer Zeit einen Teil der.Gruben der Erdöl A.-G. und ein größeres Akttenpaket übernommen. Für diesen Zweck hat er zirka 5000 Dollar verwendet. Die momentane Krise hatte aber zur Folge, daß die Bohrungen der Gesellschaft eingestellt werden mußten. Der Ertrag hat wesentlich abgenommen. Der gesamte Betrieb ist bis aus einige wenige Gruben eingestellt. Me Verpflichtungen der Erdöl A.-G. sind bis auf einen geringen Rost glattgestellt. Insolvenzen. Das Ausgleichsverfahren wurde eröffnet über Konrad Rund, 8. Bez., Strozzigaffe 26; über Josef Wagner, Handel mit Sportartikeln, 16. Bez., Ottakringerstratze 130; über Josef Popper, Tischlermeister, 1. Bez., Schönlaterngaffe 6; über Klemens Rasch, Handel mit Beleuchtungsartikeln, 4. Bez., Phorusgasse 9; über Gustav Ehren re ich, Barbesitzer. 2. Bez., ^ichtenauergasse 4; über Hildegarde Wagrandl, 7. Bez., Das Urteil gegen den Totschläger Koprax. Gestern wurde die Verhandlung gegen den 21jährigen Markthelfer Karl Koprax, der in einer Nacht kurz hintereinander den Maurerlehrling Leopold Böhm und den Hilfsarbeiter Franz Benes ch e k durch Messerstiche getötet hatte, zu Ende geführt. Die Geschwornen bejahten einstimmig in beiden Fällen die auf Verbrechen des Totschlages lautende Hauptfrage und verneinten ebenfalls einstimmig die Zusatzfragen auf Notwehr und Notwehrüberschreitung. Im Sinne dieses Verdiktes verurteilte der Gerichtshof den Angeklagten zu acht Jahren schweren Kerkers, verschärft durch einsame Absperrung in dunkler Zelle an jefcem Jahrestage der Bluttat sowie zur Zahlung von 300 S. an die Wiener Bezirkskrankenkasse. Verteidiger Dr. Tänzer meldete die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung an. „Vampire der österreichischen Wirtschaft" wird vom Präsidenten der LesterreichisÄen Fndnftrieverbandes der österreichische und der Wiener Steuerdruck bezeichnet. Gestern fand die Vollversammlung des Hauptverbandes der österreichischen Industrie statt, in welcher Präsident Urb a n und . Bundeskanzler Namek längere Reden über die Entwicklung der österreichischen Wirtschaft hielten. Präsident U r b a n erklärte unter anderem, daß der Jndustrieverband die Frage eines zollpolitischen Anschlusses an das Deutsche Reich nach der wirtschaftlichen Seite hin untersucht und im Wege seiner Fachverbände hiefür Material geliefert habe. Der Bundeskanzler Dr. R a m e k betonte, daß der E xport Oesterreichs auf den Kopf der Bevölkerung 300 Schilling ausmache. Damit übertreffe Oesterreich Deutschland, welches Pro Kopf bloß 240 Schilling, und Italien, welches 133 Schilling ausführe. Der . .Bundeskanzler betonte, daß die Zahl der Konkurse stark abnehme, daß die bisher veröffentlichten Goldbilanzen der Industrie einen günstigen Eindruck gemacht haben und daß die Zahl der fabriksmäßigen Betriebe trotz der Krise von Jahr zrl Jahr zunehme. Dem Bundeskanzler entgegnete Präsident Urban, der erklärte, daß an der österreichischen Wirtschaft ein B a mp i r sauge, der alles, was materiell geschaffen werde und die Grundlage für die weitere wirtschaftliche Tätigkeit bilden müsse, konfisziere. Dazu komme die soziale Belastung, welche die gegenwärtige Leistungsfähigkeit der Wirtschaft weit übersteige, und insbesondere der Steuerdruck der Stadt Wien, der die wirtschaftlichen Kräfte im größten Sammelpunkte im Bundesgebiete für seine Zwecke absorbiere, dem einzelnen die Möglichkeit zu Anschaffungen nehme und der Industrie den wirtschaftlichen Boden entziehe.

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