Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2636 (26.6.1926)
- Date
- 1926-06-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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f Palen: aS flrossy I Wien ^um Abholen in der Expedition, HnTaborstt. 1-3, oder ln einer Verschlelsstefle ''Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firn» Oo 1 d schmled.!„ Wolizelle 11 MH Postversand für Wien «nd Oesterreich monatlich 5 Schilling 1 schecho-Slowakel: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 6Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 25 IJnnKTl Wiener orgm?etttmg Engl an dt Mon.4SchMln». Italien: Monstl, 2V Lire: Rumänien: Mon. 170 Le*. Bul garten: Mon.IOOLew«. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. ö Redaktion, Administration: Wien, II« Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38.43-3-12 Ab 6 Uhr: 21-102. 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-!< (Druckerei lg. Steinmann' Oesterreichisehes Postspa,« Kassen - Konto Nt. 150.89 Rr. 2616 Wie«. Samstag, 26. gmti 1926 8. gafttgottg Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Wie» ohne Ml und Strom. Schwere Elektrizttätsstörung um Mitternacht. Gestern um Mitternacht erlöschten plötzlich alle elektrischen Flammen in Wien. Die ganze Stadt lag, soweit sie vom elektrischen Licht abhängig ist, plötzlich im Dunkel. An den um diese Zeit noch offenen Betrieben und Lokalen, Gast- und Kaffeehäusern, mußten Kerzen aufgestellt werden. Wenige Minuten später versagte auch der Kraftslrom, so daß die letzten Züge der Straßenbahn stehen bleiben mußten. Telephon und Telegraph hörten ebenfalls zu funktionieren auf, da ihnen der Kraftstrom ausgegangen war. In den Druckereien der Tageszeitungen mußte die Arbeit eingestellt werden. Die Ursache der Störung liegt in einem Blitzschlag, der in ein Wien mit Strom versorgendes Wasserkraftwerk einschlug und so nicht nur die Lichtzufuhr unterbrach, sondern auch im Wiener Stromnetz einen Kurzschluß herbeiführte/ Nach mehr als einer halben Stunde konnte durch vielfache Umschaltungen die Störung allmählich behoben werden. Briands Mehrheit. England md Rußland. Schorle Angriffe «homberiains gegen die Svwietregiernng. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 25. Juni. Fm Unterhaus wurde heute die mit Spannung erwartete Debatte über die englisch-russischen Beziehungen eröffnet. Jnteresianteviveise sprachen sich die Redner der Arbeiterpartei und der Liberalen im allgemeinen für die Regierungspo'litik aus, während einige Konservative die Politik Chamberlai ns schr heftig ang rissen. Das meiste Interesse fand die Rede Lloyd Georges. Lloyd George wies darauf hin, daß man mit dem Zarentum, das aufs schärfste 51t verurteilen gewesen sei, zusammengearbeitet habe. Angesichts der Erfolge der Sowjets besiehe also wohl kein Grund, mit ihnen aus bloß prinzipiellen Gründen zu brechen. Die Rede Lloyd Georges wurde durch h ä u f i g e n B e i s a l I d e r A r b e i t e rpartei unterbrochen. Darauf appellierte ■ Ramsay Mac Donald den Außemninister, er möge sich endlich der Verantwortlichkeit seiner Politik nicht nur in bezug auf England, sondern aus ganzEur opa bewußt werden. Darauf legte Außenminister Chambersnin die Richtlinien seiner Politik dar. Er griff zunächst die Sowjet reg i -e r u n g heftig an, der er vorwarf, mehrfach den . englisch-russischen Handelsvertrag gebrochen zu haben, erklärte aber dann, daß er weder'aus Gründen der 'inneren englischen Politik, noch im Hinblick auf seine Bemühungen, die Verhältnisse in Europa zu stabilisieren, den Vertrag mit Rußland kündigen wolle. Nachdem der Vertrag einmal beschlossen sei, läge seine Erhaltung im Interesse Europas.. „Ein Abbruch der bestehenden Beziehungen", sagte Chamberlain, „würde unsere'Mittel zur Bekämpfung einer Unruhe oder Revolution innerhalb unserer eigenen Grenzen schwächen und die Unsicherheit und Unbestän- 'digkeit der Lage in Europa erhöhen." Wegen der Störungen seitens der Arbeitspartei? wurde die Sitzung unterbrochen, . Paris, 25. Juni. Die Regierung hat bei den Präsidenten beider Kammern die Einberusiung des Parlaments für kommenden Dienstag beantragt.- Wie üblich, wird-- die. Rea»erungserklärung in der Kammer vom Ministerpräsidenten Pr ia nd, im Senat vom Vizepräsidenten der Regierung, Caillaux, verlesen werden. Man rechnet damit, daß Briand sich zur sofortigen Behandlung Interpellationen über die allgemeine und die Finanzpolitik der Regierung bereit finden und die Vertagung aller anderen Interpellationen fordern wird. Soweit sich voraussehen läßt, wird die Endabstim- M u n g e-ine Mehrheit für das neue Kabinett ergeben. Die Zahl der gegen die Regierung stimmenden Abgeordneten, unter denen sich die äußerste Linke, einige radikale und s o z ia l i st is che R e pub >likaner und vielleicht ein Dutzend Mitglieder der Rechten 'befinden werden, dürfte sich einschließlich der Stimmenthaltungen von Links radikalen der Richtung Herriot ans etwa 160 bis 180 belaufen, wogegen etwa 3 50 Abgeordnete für die Regierung ftinrmen werden. Neuerliche Slaudalszenen im Prager Senat. Prag, 25. Juni. In der heutigen Sitzung des Senats ereigneten sich neuerlich Skandalszenen. Auf der Tagesordnung stand die Kongruavorlage. Als der Vorsitzende dem Berichterstatter das Wort erteilte, erhoben die Kommunisten einen großen Spektakel, trommelten mit den Fäusten auf die Pulte, pfiffen und bliesen aus mitgebrachten Jahrmarktpfeifen und Kindertroinpeten. Ein Kommunist hatte eine große,Trvmpete mitgobracht, auf der er ununterbrochen tutete. Ein anderer trug im Saale ein großes S ch m ä h b i I b herum, aus welchem ein Pfarrer mit seiner Köchin karikaturistisch abgebildet war. Doch war der Tumult, der andauernd herrschte, beiweitem nicht mit den früheren Tumulten zu vergleichen. Nie deutsch.tschechische Mehrheit. Prag, 25. Juni. Wie bereits berichtet, hat der Jmmunitätsausschuß der Prager Nationalversammlung die Auslieferung von fünf Abgeordneten, die an beu letzten Krawallen gegen die Zollgesetzabstimmungen teilgenommen hatten, beschlossen. Der Beschluß war von der neuen deutsch-tschechischen Mehrheit gefaßt worden. Die deutschen Agrarier und Chvistlichsozialen erklären nun zur Begründung, sie hätten damit gegen den nationalistischen Terror und für den Parlamentarismus Stellung genommen. Wo die ungarischen Abgeordneten Ach drängen. Budapest, 26. Juni. Die Nationalversamntltrng hat sich Heine bis Oktober vertagt Die Kanzlei der Nationälvechamml-tt-ng hatte anläßlich des Beginnes der Sommerserien alle Hände voll zu tun. Die Abgeordneten drängten sich, mn sich ihre Diäten für drei Mo n a tc ' >i m v o r an s a n szah le n zu lassen. Die Volksvertreter erhielten 37 Mil>lio-nen Krotten pro Kopf, lDorauf sie sich befriedigt entfernten. Die Miwnalversammlung hatte einen Massenbesuch zu verzeichnen. Die Abgeordneten wären so vollzählig zur Sitzung erschiene», wie dies seit Monaten nicht mehr der Fall gewesen war. Das Komplott gegen Mnftafa Kemal. Dschawid Bei verhaftet. ' ' Ängora, 24. Juni. Außer Mehreren.fortschrittlichen.Abgeordneten sind sechs frühere oppositionelle Abgeordnete und der ehemalige Finanzminister Dschawid Bei verhaftet worden. fine Verschwörung ln Spanien. Paris, 25. Juni. Das ),Journal" meldet aus Madrid, daß die Polizei ein Komplott g e g e n d a s Direktorium ausgedeckt habe. Die Verschwörung sei. besonders von den Liberalen und den Rep n b l i k a n e r n unterstützt worden. Es wurden zahlreiche Verhaftungen,: namentlich unter den Intellektuellen, vorgenommen.. Unter den Verhafteten befinden sich der Sohn des Bildhauers Benliuro, der Chefredakteur der Zeitung „Libertae" sowie die früheren republi-, kanischen Abgeordneten D o m ingo. und Barr i o b e r o. Auch einige Führer der Armee sollen sich an der Bewegung beteiligt haben. Es sei ein Aufruf an 8as Land in Vorbereitung gewesen, der unter anderem auch die Unterschrift des Generals W e y l e x trug. Auch der frühere Kriegsminister General A g u i l e r a soll kompromittiert sein. Die Regierung sei vollkommen Herr der Lage. Im Lande herrsche überall Ruhe. Die Verhafteten werden vor ein Kriegsgericht gestellt iverden. Ratal wiedergewählt. Warschau, 26. Juni. Der Vizemarschall des Sejm, Daüzyuski, hat in der heutigen Sitzung des Sejm mitgeteilt, daß die Regierung eine ganze Reihe von Gesetzentwürfen, welche durch die frühere Regierung eingebracht wurden, zu rück ziehen werde. Hierauf trat der Sejm in Die Beratung des ersten Punktes der Tagesordnung, die Wahl des S e j nt marschall s, ein. Nachdem zw ei Wahlgänge nicht' die erforderliche Mehrheit der Stimmen ergeben hatten, mutzte ein dritter Wahlgang angeordnet werden, der folgendes Ergebnis hatte: Matthias Rataj erhielt 176 Stimmen, Stanislaus G l o m bi n s k i 128 Stimmen. Rataj hat die Wahl angenommen. Das Budget im Ansschüft angenommen. Warfchan, 26. Juni.- Der B il dg e t a rr s sch n ß des Sejm, der bei der zweiten Losung der Budgetvorlage die Hauptfordornngen der Regierung znrückgowiesen hat, worauf der Ministerpräsident und der Finanzmimster ostentativ den Sitzungs-, saal verließen, hat in später Abenstnnde das Budget in der von der Regierung vorgelegten Form angenommen, so daß auch mir der Annahme des Bttdgets in der B o l l s i tz u u g des S e j m. zu rechnen ist. Der Ausschuß nahm. gleichzeitig trotz, lebhafter Kritik einen G e s e tz e n t w -u r f an,. wodurch die Regierung ermächtigt wird, eine Sechs-Mi lltonen-Dollar-Anlethe mit' der Z n n d h o l z m o n o p o l - A.-G. abzuschließen. Der Referent Abg. B y r k a verlas entert Brief der Obersten Nechnnngskammer, worin festgestellt wird, daß bei dem Llbschlnß des Abkornmens nnt der Zündholzmonopol- A.-G. st a r k e D n r ch st e ch e r e i e n vorgekommen seien. Abg. Wyrzikowski (Wyzwolenie-Partei) erklärte, es k".ien einige tausend Dollar Bestechungsgelder verausgabt worden und er verlange, daß der gewesene Ministerpräsident Grabski vor ein.Strafgerichts gestellt werde. Die schwedische Gesellschaft habe sich nicht an das Wkommen gehalten. Die Zündholzfabriken in Polen ständen süll, die Arbeiten seien b'esch ä f t i g un gsl o s und inzwischen überschwemmten .die Schweden das Land mit ihren Zündholzfabridaten. Sttelkbewegungen I« Pole«. Berlin, 26. Juni. Nach Blättermeldungen aus Warschau sind die städtischen Arbeiter und Angestellten von Th o r u, die eine Lohnerhöhung von 50 Prozent fordere, in den Streik getreten. Es droht die Betriebs st i >ll eg u n g der Straßenbahn, sowie der E l e k t r i z t t ä t s-, der Gas- und der Wasserw erke. In B r o m b e r g ist gestern nach Ablehnung der Lohnforderungen der industriellen Arbeiterscha f t,' die sich auf 100 Prozent belaufen, der Generalstreik ausgebrochen, der alle Industriegebiete und auch die städtischen Werke umfaßt. _____ Stallen und das Wische Rattaaalheim. Rom, 26. Juni. Der Deputierte General B ec ch elli, der Vorsitzende des geographischen Instituts in'Florenz (das jetzt eine Expedition nach Palästina vorbereitet), erklärte einem Vertreter der I. T. A^: Italien müsse mit Interesse alles, was in Palästina geschieht, verfolgen. Denn sobald das Nationalheim durch die unablässige.jüdische Arbeit erbaut ist, werde Palästina das Bindeglied zwischen' Europa und Asien sein. Es ist darum notwendig, daß die besten Beziehungen zwischen .Italien und Palästina entwickelt werden. Die Beziehungen werden handelspolitischer und kultureller Natur sein. Der italienischen Judenheit obliegt die vornehme Aufgabe, an der Aufbauarbeit zugunsten Palästinas Anteil zu nehmen und so ein Bindeglied.Müschen Italien und Palästina zu schaffen. Die Sympathie der palästinensischen Jttden, als der fortgeschrittensten Gemeinschaft in Palästina, ist für Italien wertvoll. Die italienischen Juden halben die Pflicht, dafür zu sorgen, daß Italien von der zivilisatorischen Arbeit, die in Palästina geleistet wird, nicht ausgeschlossen bleibt. So werden sie irr gleicher Weise ihren versolgtert Brüdern. int Osten und dem Paterlande dienen. Der Vatila« hat kein Seid. Mailand, 26.. Juni. Der vatikartische Mi-tavbeiter des „Ambrosiano" berichtet über die zunehmende Finanz not des Vatikans. Die besondere Kardinalskommission für die Finauzvrwaltnng habe festgestellt, daß .die Einnahmen ans dem Petersp fennig und den anderen Quellen in beängstigender Weise zrtrückgehert, tvährettd sich die Ausgaben ständig vermehren und die Notwendigkeit vorliegt, die Bezüge der Geistlichen zu erhöhen. Das Heilige Jahr sei vont finanziellen GestchtLpnnLt aus eine Enttäuschung gervesen, da die Pilgerfpendeu wem'ger ei-ngebracht hätten als im Jubetfcchre 1900. Außerdem habe die Missi onsausstellung dem Batflan einen Verlust von mehrerert Millionett verursacht. Trotzdem habe der HeAige Stuhl große Verpflichtungen für Neubauten nsiv. auf sich tzenmnwen.