Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2631 (21.6.1926)
- Date
- 1926-06-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Berlin, 21. Juni. Die zur Gofetzwcrdnng -der entfchädigu ngsl v's e n Fürste n e n te ignu n g notwendigen 20 Millionen Stimmen sind nicht erreicht worden. Obzwar die genauen Ziffern erst heute abends bekannt gegeben werden können, ist schon in der Rchbilanz das Resultat erkennbar. Es haben im ganzen an 17 Millionen Wähler gestimmt, von denen zirka-zwei Millionen gegen die Entscheidung sich auSsprachen. ■ / Die Parole der bürgerlichen republikaNischen Parteien, des Zentrums und der Demokraten lautete ebenso wie der der Monarchisten auf Mahlenthaltnng. Demgemäß/haben nur die Sozialdemokraten und die Kommunisten für die Enteignung gestimmt. . Die fcont Gesetz geforderten 50 Prozent wurden nur in Berlin, in Sachsen und in den Hafenstädten aufgebracht. Am schwächsten war die Wahlbeteiligung in Bayern. Berlin, 21. Juni. Der ergebnislose Ausfall der gestrigen Abstimmung hat bei den Regierungsparteien und den Deutschnationalen lebhafte Befriedigung ausgelöst. Auch in den maßgebenden Negierungskreisen herrscht große Genugtuung, weil die schweren politischen Folgen eines positiven Ausganges des Referendums vermieden werden. Die Regierung wird nunmehr darauf dringen, das Gesetz über die Fürstenabfindung möglichst schnell zu verabschieden. Sollte der Reichstag nicht imstande sein, zu einer raschen Lösung zn gelangen, so würde die Regierung auch Vör den letzten Konsequenzen nicht zurück schrecken nnd Ne«- wahlenausschreiben. Die Auflösung des Reichstages wird auchvonden linksstehenden Blättern gefordert. Der „Vorwärts" schreibt in Besprechung des Abstimmnrrgsresultates: „Der Kampf wird erst jetzt begpmen." An verschiedenen Ornn haben sich.Uur.uhm ereignet. Die Bilanz dieser Zwischenfälle schließt mit'acht Toten und zwanzig Verletzten ab. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche MitttUnngim find dnrch ein vorangesetztes e gekennzeichnet. Die österreichische Regierungskrise. Im Laufe des heutigen Tages wird die endgültige Entscheidung über den Eintritt des Landeshauptmannes Doktor R i n t e l e n in das Kabinett fallen. Die steirischen Christlichsoziolen treten heute in Graz zusammen. Es verlautet, daß sich die Opposition gegen Rintelens Abschied von Graz abschwächt. Für den Fall der Zustimmung zu' ferner Ernennung zum Minister soll Dr. A h r e r, der gewesene Fkuanzmsinister, zum Landeshauptmann vorgeschlagen werden. Wieder Wand. Herrriots Kwbrnett Mildung gescheitert. Paris, 20. Juw. (tzavas.) Herriot hat heute früh auf die Kabinettsbildung verzichtet. B r i a n d, der heute vormittags zum Präsidenten der Republik D o u m e r g u e, berufen wurde, hat neuerdings die Kabiuettsbild n n g übernommen: Beim Verlassen des Elhsee erklärü-r Brlaud, ftiue Ausgabe sei seht erleichtert, nachdem Herriot selbst eine republikanische Union auf breitester Grundlage ins Auge gefaßt hatte. Er sei entschlossen, das KGinett zu bilden. B r i a n d wird morgen fast mit allen Mitgliedern des früheren Kabinetts Besprechnngen abhalten imd ebenso mit Po in eure, der heute von Paris abwesend ist und dem er, wie vkerlautet, das Fimmzportefenille anbieten wMs-. _ Rattck MW. Warschau, 20. Juni. Der' Rücktritt des Sejmnrarschalls'R a t a j von seinem-Posten scheint bereits eine beschlossene Sache zu sein. Die ' Volkspartei Piast beabsichtigt, nach dem Rücktritte Ratajs. neuerlich seine Kandidatur aufzustellen, doch ift eä zweis-lhaft, ob Rataj die „Kandidatur annehmen würde/ Es -heißt, daß Rataj nach der Niederlegung der Würde -des .Sejmmarschalls sich der aktiven Arbeit im Lager der Partes , widmen wird. Demission der Generale Haller aad SzeMM. Warschau, 20. Juni. (P. T. A.)/Der Präsident der Republik hat die Demiffion der Generäle Josef Haller ul/d des'Grafen Szepthcki angenommen. Der nene Genernlsttrbschef. Warschau, 20. Juni. Marschall sP i I f u d s k i beabsichtigt, zum Generalstabsches der polnischen Armee den General Piskor und zum Stellvertreter'des'Ministers für Hoer- .-wesen den ibisherigen Generalstabs'ches General .Bü-kacki .zu ernennen. ' Bogromartige Borgsiirge in einer polnischen Stadt. Warschau, 19. Juni. (I. T. A.).Das Städtchen Ryki tvar in den letzten Tagen der Schauplatz pogromartiger Vorgänge. Ein unbeauMchttgter j ü di.f.ch er. I r r e r,. der öüjährig^ Jechiel Eiger, der in den ^letzten Tagen von auswärts zugereist war, hat ein an der Außenfront eines Hauses angebrachtes katholisches 'Heiligeubi'ld .durch Dteinwurs beschädigt. Sofort, veranstalteten christliche Passanten einen Tumult, es wurden Rufe laut, daß der Täter auf Befehl des Rabbiners von Rhki'gchandelt hat. Die jüdischen Passanten flvuchen m den Straßen überfallen und schwer, m iß Handel t,. gegen die jüdischen ' Häuser wurde ein lang archauerndes Sieinbomb'ardeine nt eröffnet, so daß kerne'einzige Fensterscheibe heil blieb. Auch der Präsident der' Gemeinde,. Herr Moses. W e i ßfisch, erlitt nicht unerhebliche Verletzungen. Erst am späten Abend traf ans der; venachbdrten/Stadt Narvolin , ein Polizeidetachement ein, das/die'.' Ruhe w'iederhcrstellte. Deistners Seideafabrtt in Dei-Awiw arbeitet weiter. . JeMfÄem, 19. Jum. (I. .T. A-) Der Bevollmächtigte des bekannten Wiener Seidenindustriellen D elf i ner in Tel-Awiw erhielt von Herrner 'die Benachrichti* guttg, daß die infolge der Zolldiffereyzen zeitweilig geschlossene Seidenfahrik. in- Tel-tzswiw j e tz t wied e r zn arbeiten b e g i n n e n w i 'r d.' Die Sachverständigen Ms Wien sind bereits untevwssgs.. /'..’/ Die Kohleakrise in England. (Eigeudicust der „Wiener Morgenzeitüng".) London, 21. Juni. Die nächsten Tage iverden für die englische. Kohlenindnstrie ein« Klärltng.-^r^Lgge^.-bringen., Die Regierung wird heute im Unterhaus/zwei' Gesetzentwürfe vorlegen. Der erste wird die Möglichkeit schassen, in der englischen Kohlenirrdustrie a cht'-S1 u n de n zu arbeiten. Der zweite wird einem Teil der Vorschläge der K o h I e n k v m m i s s i o n Gesetzessorm geben. Dir Faden in der RebabW Libanon. Beirut, 18. Juni. (I. T. A.) Der Oberrabbiner von Beirut und die führenden Mitglieder' der jüdischen Gemeinde erschienen beim Präsidenten. der neu proklamierten Libauon-Repilblik, Herrir -Charles Debbas, und brachten ihm gegenüber zum' Ausdruck,, daß-die jüdische Bevölkerung mit ganzer Kraft an dem Glück des Vaterlandes Mitarbeiten wolle. •/ Der Präsident sprach feine tiefe Befriedigung über den loyalen Willen der Juden, den Interessen des Landes zu dienen, ans und versicherte, baß bei ° der Anstellung von Staatsbeamten die Juden 'gleich allen anderen Religio ns genrei ns ch as te n berücksichtigt werden würden. _ - Hin frarizöfifAer Fommalist studiert die ukrainischen Pogrome. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 19. Juni. Die Blätter „Volonte" nnd „Paris Soir" geben bekannt, daß sie mit Rücksicht^ auf die große Bedeutung des Schwarzbarth-Prozesses nnd - das ungeheure Interesse, das die Affäre Schwär z b a.r t h—P e t I jura in der ganzen Welt erweckt habe,/sich entschlossen hadert, ihren gemeinsamen Mitarbeiter Bernavd .Leeoche nach der Ukraine zn entsenden, um auf den Schauplätzen der I u d e npogrome Material über die Massenmorde der Petljura- Banden zu santmoln.-Die Ergebnisse seiner Nachforschnngen werden in den genannten Blättern'veröffentlicht werden. Bernard Lecoche ist ein bekannter Schriftsteller, von dem vor nicht langer Zeit unter. foent: ^it.cX „Jacob" ein Roman ans denr Leben der Juden. in Frankreich erschien. Schwere EisenbahnkaiasirMe in Frankreich. Fünf Tote.' Paris, 20. Jüni. (Wol-ff.) Heute nachmittags um 3 Uhr eutgleiste der Schnellzug Paris—Bordeaux in der Nähe von Tours. Zwei Peltfvnenwageu stürzten den mehrere Meter hohen Bahndamm hinunter. Ein weiterer .Personerlwagen und ein Packwagen. wurden ineinander geschoben. Fünf Personen lviirdem getötet, nrehrere Personen verletzt, darunter sieberr schwer. Neuer Ztadentensireik in Hnnnovek. Berlin, 20. Jmri. In' der hannoverschen Sütdentenschast haben sich jetzt zwei Parteien geRHLt. Die gemäßigte Gruppe erkennt die Berliner Abmachungen des Ber- - treters -der Studentenschaft M.HindsM an,.während MMadikalen den'Vorstand desavouieren ünd westev reNMren 'wollen. Welche Gruppe die Oberhand gewinnt, .steht noch nicht fest. Aus alle Fälle wird am Mon tag na chmi/ttags gestreikt. Auch wollen die Studenten sich nur dann/mit der ministeriellen Verfügung einverstanden 'evklärerr/ wenn die Relegationen in irgend einer Form.unwirHm'gemacht werden. -Die Korporationen und Gruppen sowie der Vorstand der Studentenschaft tagen nnausgefetzt. Eingeweihte sind der Meinung, daß Kultusminister Dr. Becker mit weiteren Widerständen rechnen nnd seme-r Verfügung eventuell scharfe Dur ch-führn-ngsmaHma-hme n folgen lassen muß. _■ Konferenz für hebräische Knktnr md Erziehung. Samstag abends wurde im 'Hanse der'sozialen -Hilfsgemeinschast Anitta Müller die Konferenz für hebräisch» Kültnr und Erziehung eröffnet. Die Begrüßungsansprache hielt Oberrabib'mer Dr. Chajes, der auch znm Ehrenvorsitzenden der Konferenz gewählt wurde./Vertreter.zahlreicher JnsKtutionen begrüßten die Konferenz. -Herr Dst e f e nd r u ck sprach über die hebräische Literatur und die Jngend. Mnrwmsall in einem Comptoir. Am 18. d. hat der LHährige Comptoirist Cigon'.T i nt« ner beim Pobizetkonunissariat Herrmls augezeigt, daß an ihm am gleichen M>end ein Raub verübt worden sei. Er war gegen halb 9 Uhr abends allein iiu Ghemikalietultagazin >des Doktor Ludwig Schön von einem riübekarmten Manne,.der sich ln das Magazin emgefchlichen hatte, überfallen und durch einen Schlag zu. Boden geischlagen worden, so das; er bew n ß t l o s liegen blieb. Der Täter flüchtete inzwischen/Als er wieder zu isich kam, entdeckte er, daß ihm feine Brieftasche nrü 240 S. entwendet worden war. Mord an der Gattin. / ■ Gestern ist im Sicherheitsbureau eine Zuschrift aus Chikago eingel-anfen, in der uni die Verhaftung eines gewissen Adam Davidson ans Atmore Alabama. ersucht wird, der am 31. März in Chikago feine' Gattin erschossen' hat. Der Mörder dürfte sich vermutlich nach Errropa geflüchtet ' häben. Das rasende Motorrad. Vor dem Hanse, 2. Bezirk, - Lasällestraße 2a, stieß ge, steril nachmittags ein Motorrad, das der 26jährige - Kaufmann Ilias Schwamm lenkte und in dessen Beiwagen die Vjährige Private Berta Goldwert saß, mit einem Straßeiwahllzilg der Linie „P" zusammen. Schwamm imd seine Begleiterin wllrden vvin Rade geschleudert, der Mann lrug eine Quetschwunde am linken Fuß . und Hautaüschürfnngerl, die Frau eine Qlcetschung des lirsten Knies ixtvon-