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Wiener Morgenzeitung · 1926-06-20 · Heft 2630 (20.6.1926) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2630 (20.6.1926)
Date
1926-06-20
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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T Tetze O Men, SonntäK --------•'- ■ ■ —.i Smumophonaufttahme für jedermann «Wich. Ae deutschen technischen Zeitschriften beschreiben eine neue SP re ch Maschine, die eS gestattet, Sprache, Gesang und Musk? in einfachster Weise aufzunehmen und sofort wiederzuZcben. Die gange zweckmäßige Vorrichtung läßt sich nachträglich an jeder vorhandenen Plattensprechmaschine auf einfachste Weise anbringen und ist. sofort betriebsfähig. Ein ‘ Tonarm, der mit einem Trichter und einem Meniibramträgcr nut zwei Membranen verbunden ist, wird ans den Apparat montiert. Zur Aufnahme der Schallkurven dienen Papierplatten mit präparierter Wachsschicht. Diese Platten sind -U'rrzcrbrechlich, bloß ein Millimeter stark, etwa 40 Gramm schwer und infolge der Massencvzcuguug sehr billig. Die Ausnahmen werden mit der kleinen Aufnahmemembran bewerkstelligt. Nach einfacher Umdrehung des Membranträgers, wodurch die größere Wiedevgechemembran in Funktion tritt, kann^iemeuaufgcnommene Platte sofort wrcdevgegcben werden. sto* rasende Molarrav. Ein Todesopfer. — Zwei Verletzte. In den ersten Morgenstunden des gestrigen Tages Hot 'sich in Hietzing ein Mvtorradunfall ereignet, der ein Todeso p f e r forderte. Gegen halb 2 Uhr früh fuhr ein Motorrad, das der Buchbinder Nikolaus E r t l lenkte, durch die Gloriettcgassc. Im Beiwagen saß die Fürsorgerin Sophie Hochedlinger und eine zweite Frau. Bei der Lairrzerstraße verminderte Ertl, in der Meinung, daß sich die Gloriettegasse fortsetze, nicht die Geschwindigkeit des Wagens und sah erst im letzten Augenblick, daß die Straße keine Fortsetzung hat. Er riß den Wagen herum und fuhr dabei mit voller Wucht an einen Mast der städtischen Straßenbahn. Alle drei Personen wurden aus dem Wagen geschleudert, wobei Sophie Hochedlinger derart unglücklich zu liegen kam, daß das Motorrad auf sie fiel. Mit einem Schädelgrundbruch und Gehirnvorfall wurde sie von der Hietzinger Rettungsgesellschaft bereits als Leiche gesunden. Die zweite Frau kam mit leichten Verletzungen davon. Ertl blieb unverletzt. — In der Liebiggasse wurde der 60jährigc Vertreter Felix Spitzer auf der Fahrt mit seinem Motorrad zu Boden geschleudert und erlitt mehrfache Rißwunden, so daß ihn die Rettungsgesellschaft auf die erste Unfallstation überführen mußte. — Bei der Aspernbrücke ist gestern der 37jährige Rechtsanwalt Dr. Isidor Blatt beim Ucbersetzen der Fahrbahn von einem Motorrad niedergestoßen worden und erlitt mehrfache Verletzungen. Die Rettungsgesellschaft überstihrte ihn in das Spital der Barmherzigen Brüder Wie n, 20. Juni. * Das Wetter. Gestern nachmittags setzte der Regen dxeder ein, um mir entsprechender Slärke cmzuha'ien. Die V ö ra u s s a g e lautet rVeränderlich, kühl, u.n beständiger Wettercharakter andauernd. * Von ei>:em Hunde gebissen. Am .17. d. früh wurde der Handelsschüler Baldessari im letzten Waggon eines von Hetzendorf gegen das Hauptzollamt fahrenden VerbindungszugLs von einem in Begleitung einer zirka 20jahrigen Dame befindlichen großen schwarzbraunen Wolfshund gebissen. Die Dame, die mit dem Hunde in der Station Rennweg ausstieg, konnte bisher noch nicht ausgesovscht werden und wird ersucht, sich zwecks Untersuchung des Hundes beim Kommissaria: Landstraße zu melden. * Ein Autodieb. Gestern nachts erstattete der Chauffeur W u k r i t se'w i t s die Anzeige, daß ihm das Auto seines Diensigebers, das er auf einen Moment unbeaufsichtigt hatte stehen lassen, gestohlen wurde. Noch in her Nacht wurden sämtliche Wachstuben des Wiener Polizeirayons davon verständigt und schon wenige Stunden später wurde das Auto von zwei Wachebeamten aus der Fahrt gegen die Stadt in Hernals gesichtet. Die Wachebeamten wollten das Auto zum Halten veranlassen, der Leuker verlangsamte fein sehr schnelles Tempo jedoch nicht und raste weiter. Die Wachebeamten benützten nun ein eben vorbeikondmendes zweites Ant'o, mit dessen Hilfe sie das verfolgte Auto einholen und zum Stelzen bringen konnten. Der Lenker, der gewesene Chauffeur Pranzl, dem schon vor Jahren der Führerschein wegen eines durch ihn verschuldeten Auwunsalles abgenammen worden ist, wurde verhaftet. ' * Die Beriirhrsschutzanssteüuug. Die Ausstellung wurde wegen des großen Znlerei > es der Bevölkerung bis einschließlich Sonntag den 27. d. verlängert. Sie ist tätlich von 9 Uhr früh bis 7 Uhr abends geöffnet. Das Programm für beute lautet r Filmvorführungen: 7310, 7,12, 7,4 Uhr r Film der W euer Straßenbahn. „Irr den Straßen Prags". 7,11, 7,3, 7,5 Uhr: Reisefilm derösterreichtfcherrBostverwaltung. 6 Uhr: Der große Film des Berliner Polizeipräsidiums, „Im Strudel des Verkehrs". ' * Es werden keineUrnen Straßenstände bewilligt! Ter Wiereer-Magistrat macht neuerlich darauf ausmerksanr. daß auch für das Jahr 192 0 keine neuen Straßensta.nde bewilligt werden. Es lausen ununterbrochen Gesuche um Berkaufsstände aller Art beim Magistrat ein, die abcd infolge der übergroßen Zahl der vorhandenen Straßenstände nicht berücksichtigt werden können. Solche Ansuchen sind daher v o l l st ä n Ä i g z w e ck l o s. * Weißniihen und Kleidermachen lernt man am besten im Clisabethheim, 2. Bezirk. Malzgasfe 7 sTelephon -13-6-40). Die Einschreibung in diese Schule mit Oef.se nt lichreitsrccht hat bereits begonnen. * Reklame unterm Henkerbeil. Daß jemand noch unter dem Herrkerbeil Geschäfte macht, dürfte in der.blutigen Gchcyichie der Hinrichtungen immerhin ein Novum sein. Irr einer der größten Städte Indiens wurde kürzlich ein Delinquent auf den Ricytplatz geschleppt, als plötzlich ein reicher englischer Kaufmann dort mit einmr Schreiben des Gouverneurs erschien. das ihm erlaubt-, mit dem Todgeweihten zu sprechen, j Cs. fand Mischen beiden eine kurze Rücksprache statt, und kurz darauf gewährte man dem Delinciuenten die letzte Bitte, ein paar Worte zu sprechen. Der Verurteilte reckte sich aus und schrie nnl Stentorstimme über den Gesängnishas: „Browns Schuhwichse (folgt Stadt und Adresse) ist die beste." Dann trat er schweigend derr Weg ins Jenseits an. Der Äausmann hatte sich nämlich verpflichtet, den Erben des Hingerichteten für die eigenartige UeÄMe ein« größer« Summ« ««Wzahlen, Wiener Moesenzettung ^öbelkLbrik J. Spira Peine 01t Wi88, TU, ““2 Wohnungseinrichtungen (Ecke Karl-Schweighoter-üasse) Feinste Herrengarderobe nach Maß liefest zu mäßigen Preisen in tadelloser Ausführung (auch auf Tei'lzahluug Rudolf Soldstein. 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Der Gatte gestaltet den Traum durch seine Noblesse zu einem amüsanten Lustspiel, für dessen zarte, sinnreiche Ausführung Felix Ioskh zeichnet. Die blaue Stunde ist vorüber und der Gatte entpuppt sich Plötzlich als sehr aufmerksamer und fröhlicher Manu. Wozu also die ganze vertrödelte blaue Stunde, wenn die Ehe auch so glücklich war? Kurz: Der Rahmen ist locker und hält nur schwach das Bild, das aber au sich nicht Übel ist'. " Marita W e st ist ein wenig affektiert und nur dort gut, wo sic tiefere menschliche Töne anschlagen und so über die Afkektivn hinauswachsen muß. Also im dritten Akt. Kurt Labatt, auch der verdienstvolle Spielleiter des Abends, ist ein charmanter, gewinnender Gatte, so ein „echter" Mann in der Backsischsprache. Otto S t o r m Prächtig als Pfiffiger Liebhaber und dann in der Patsche sitzender Ehegatte. Sein Zorn hat Simplizissiinus-Format. Die Wiener unterhielten sich gut bei dieser Berliner Geschichte. *-H. 26. 1926 Nr. 3890 wa—w— - . »II. ■ in I Ilw» ■ >.,» „ftitttt tut# dle Weltgeschichte." Modernes Theater. Zwei amerikanische Touristen, ein steinreicher Schweinehändler und eine junge, dumme, spröde Miß, werden während der Besichtigung der Ballille durch des Zufalls Tücke in der Zelle eingesperrt, in welcher die junge Herzogin ü'Arroir die letzte Nacht vor der Hinrichtung Verl,rächte. Die schöne, rassige Aristokratin wurde damals von Danton besucht. Ihre letzten Lebcnsstunden waren heiße Liebesstunden. Alles, was sich damals zutrug, liest die eingesperrte Miß, während ihr Leidensgenosse schnarcht, in dem Tagebuch, das in der Zelle liegt, und — wie man es vom Kino her gewöhnt ist — wird das Tagebuch auf der Bühne lebendig. Am nächsten Morgen, wenn die beiden aus ihrer Gefangenschaft befreit werden, hat das Traumerlebnis die kleine amerikanische Gans gescheit gemacht und sie verlobt sich mit dem Schweinehändler. Der Sketch — nicht auf literarischen Wert zu prüfen, auch nicht auf Logik und schon gar nicht auf Kultur des Dialogs ist flott inszeniert. Das begabte Fräulein Weber ist allerdings als kleine, ahnungslose Miß glaubwürdiger, denn als Chrlffantheme d'Arroir im Reifrock mit gepudertem Haar und in vornehm-heldenhafter Todcsbereitschaft. Herr Körner ist ein Danton mit kräftigem Brustton und in kleineren Rollen tun sich Lilly Karo ly soivie die Herren Friedrich und W i t t m a n n angenehm hewor. Nicht zu vergessen, daß diese dramatische Bearbeitung der Weltgeschichte von .Haus B a ch w i tz stammt und daß er hiezu ein Opus von Rosegger dem Jüngeren benützte. A. Aus den Theatern. L u r g t l, e a t e r. Moraeu. 7,8 Uhr abends, „D u e l k a m L i d o* (Theatergemerude Serie C, rot). Volksoper. Als letzte Vorstellungen der Arbeitsgemeinschaft in dieser Saison wird Dienstag ,.S ch w a r zw a l d m ä d e V, Mittwoch statt „Die weiße Sklavin" „Die Fledermaus" und Donnerstag „Die Meiste rsinger von Nürnberg" gegeben. L « st s p i e l t h e a t e r. Heute, 7,4 Uhr nachmittags, „Rübezahl". Neues Wiener Stadtthe a t e r. Heute „D ie Waise aus Lowood". Johann- Strauß-Theater. Rita Georg tritt weiter täglich in der Ralvb Benatzkyschen Operette „Adieu Mimt!" auf. Auch die übrige Premterenbesetzung bleibt unverändert. _ Gastspiel des Josefstädter Theaters in Budapest. Die Direktion des Theaters tu der Josefstadt hat soeben mrt dem Ungarischen Theater in Budapest einen Vertrag abgeschlossen, demzufolge am 23., 24. und 25. d. ein Ensemblegastswel der Reinhardt-Bühne in Budapest stattfindet. Zur AuffuhrWg gelangt „Die Gefangene". Das Margaretner Orpheum. In einer^Zuschvift an uns erklären die Künstler und Angestellten des Margaretner Orpheums, daß die Sperrung des Operettentheaters nicht darum erfolgte, weil „der Betrieb nicht im Interesse der engagierten Mitglieder geführt werde", sondern daß die Direktion lm' Gegenteil alle ihre Verpflichtungen sowohl gegenüber den Angestellten, <rls auch gegenüber der Gemeinde voll erfüllt hat. Int Interesse der 70 Angestellten ist zu hoffen, daß das neuerliche Gesuch um Verlängerung der Spielbewilligung eine günstige Erledigung finden wird. Sören.Kierkegaard: Philosophifche Brocken (Gesammelte Werke, Bde 6, 7). So entlegen die Schriften dieses dänischen Philosophen infolge der etwas altväterischen Breite ihrer Darstellung unserer Zeit erscheinen mögen — sie fallen in die Mitte des vorigen Jahrhunderts und die „Philosophischen Brocken" gehören zu den frühesten —, so liegt doch gerade tu ihnen viel von den tieferen Jrnpulsen der mooerncn nordischen Dichter und Denker ausgesprochen. In mancher Beziehung könnte nmn Kierkegaard mit Strindberg vergleichen: auch seiil Suchen erscheint wie voii einem Dämoil beherrscht, nur daß dieses Dämonische, das für sein Leben nur einmal, in bezug aus sein Liebeslsben, schick alhaft lvurde, oust nur ins Innerlich-Beschauliche, seiner theologisch-philosophischen Spekillation reflekttert ist, wahrend sein früh abgelaufenes Leben fast itur am Schreibtisch verlief. Die stärkste innere Spanimmg von Temperament und Geisttgkeit gibt diesen Schriften ihren besonderen Charakter und stellt sie in bezug auf Schärfe der Kritik neben Nietzsche oder Ibsen, in der Abgründkgkeit ihrer religiösen Fragen neben Pascal §der Augusttnns. Allerdings ist seine Ironie an Sokrates orientiert und seine Dialekttk auf cm Paradoxon gerichtet, welches gerade erst, dein „Credo guia absurdum" vergleichbar, das Religiös«, Ueberbegrisfliche beweisen soll; und andererseits schecket sich seine Auffassung des Christentums von allem Dogmatischen, Konventionellen, Historischen. So ist auch — und dies scheint .mir für das Verständnis Kierkegaards besonders wesentlich —- seine Stellung zur Psychologie doppelgesichtig. Eine unglaubliche psychologische Durchdriugilngskraft ist bei ihm auf der einen Seite der Ausdruck eines ins Absolute Kielenden, grüblerischen Erkenntnisdranges imd führt ihn nebenbei wie Nietzichc mehr zur Entwertuiig als Untwertung aller konventioilelleii Werte. Und andererseits ruht für ihn — worin allerdings die bedenklichen Möglichkeiten des modernen Subjektivismus verborgeri liegen — der letzte Sinn des Religiösen gänzlich in der innersten Subjektivität („Wahrheit ist Subjektivität"), derart, daß jede Verinhaltlichuiig, Obiektivierung an sich schon ein Abfall erscheiiit. Das innerste Bedürfen und die ganz liinerliche WNenshaltiing — absolut auf das Absolute aerichtet ~ ist ihm einziger Ataßstab für die Fragen der menschlichen Ewigkeit und Seligkeit, die mcht hedonistisch, sondern m konstantem Leidenszustand und Sündenbewußtsem zu gewinnen seien. Aus solchen Positionen kämpft, nun Kierkegaard aegen die konventionelle Sountagstheologie, gegen alle unwabryaftige religiöse Selvstbefriedigung, gegen die kompromiffelnde cheologische Wi seilschaft, vor allem aber auch gegen das rm Namen letzter Abstraktioneil ,md im Scheine absoluter Lofimoen die Probleme entseeleirde Systetn Hegels. Auf die eilidringeude Art, mit der Kierkegaard das Problem des biblrscheti Süudenfalles trud in einer anderen Schrift das der Opferung Isaaks behaiidelt, sei noch besonders hingewiesen, ebeiiso auf die gelegentliche ungemein geistvolle Behaiidlung nmrlcher spezieller Probleme, wie des'Verhältnisses von Tragik und Hu-mor, der Geltung historischer Beweise m religiösen Fragen, die Antithese des Aesthetischeii iind Relt- Meiu st l l e r.

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