Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2626 (16.6.1926)
- Date
- 1926-06-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ujojoüjn oesaEEnssai Wien: ZumAbboien indet i dtcrdi___ Flenn Gol d schraied, J, WotteeAe n ''.Mit ßoafcretsattd Mt Wien / xma (/MnrCKn nonracn 5 SeMWng Wiener &23oty« De<ut*chl *i*d: Mon. Gm. 4» Prsafcreich, Belgien: Mon. Frcs. B *«chsahltm«en bet Frei«* erhaima«en Vorbehalte« Morgenreilung England: Mon. 4 Sehl Hing. It aW^eo; Monatl. 20 Ums: Rcmsaten: Mo«. M) Lei. BotgatteojMoiUOOLairf. Schweiz und das übrige Anstand monatlich Fees. 5 Redaktion, AdtftfnlsfeaHoti: Wien, IL Tabor*4r. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steimnann) Oesterrefchisches Postspar* kassen- Konto Nr. 150.698 «r. 2628 Wien. Mittwoch. 16. Snni 1926 8. Suhrgaug Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mit« tetlungen find durch ei« vorangesetztes E gekennzeichnet. Wchmann nach London abgereift. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 15. Juni. Der „Heint" meldet aus Berlin: Der in Genf weilende Präsident Weizmann ist in dringender Angelegenheit nach London berufen worden und dorthin abgereist. Er wir) seinen Berliner Besuch erst in,einem späteren Zeitpunkt absolvieren. Naldwi» Sber den Kahlenstrelk. Erhöhung der Arbeitszeit. London, 15. Juni. Baldwin gab heute nachmittags nn Unterhaus seine mit Spannung erwarteten Erklärungen über die Krise im Kchlenbergbau ab. Er führte aus, baß er es für üb^.'slüss'g halte, den Ernst der Lage besonders zu. unterstrekcheü und sich damit begnügeals Beweis dafnr die Tatsache dnzuführen, daß England Kohle im Ausland kaufen müsse. Die Ursache der Krise sei darin zu suchen, daß' die Blüte der Bergbauindustrie in der Zeit vor 1924 auf einer - künstlichem Grundlage aufrechterhalten wurde. Das einzige Hilfsmittel zur. Behebung der Krise sei nach seiner Ansicht erstens die Reorganisierung der Grubeni n d u st r i e, zweitens der Abbau der Regien. U^ter diesen Verhältnissen werde die Regierung inden nächsten Tagen einen neuen Gesetzentwurf vorlegen, durch den die Ar b e i t s z e i t der Bergarbeiter auf unbestimmte Zeitdauer von sieben auf a ch t Stunden tägliche r h ö h t wird. Er habe die Zusicherung erhalten, daß die Arbeiter in ge-, wissen Grubendistrikten eine Stunde Mehrarbeit unter Beibehaltung der alten Löhne annehmen würden, ob nun ein Abkommen zwischen den Grubenbesitzern und den Bergarbeitern zustande komme oder nicht. Es sei selbstverständlich, schloß der Premierminister, daß die Regierung, falls eine Einigung auf der Basis der Regierungsvorlage zustande kommen sollte, der Kohlenindustrie eine zeitweilige finanzielle Hilfe gewähren würde. Ser Kampf um die Verfassung in Polen. Sestnsitzung am 22, Juni. Warschau, 15. Juni. Der Sejm wird für den 22. Juni einberufen werden, um ein B u d g e t p r o v i s o >r i u m sowie die von Pilsudski geforderten Aenderungen der Verfassung'zu beschließen. Die Session wivd Mitte Juli geschlossen werden. Eine Auflösung des Sejms, die durch eigenen Beschluß erfolgen kann, ist derzeit noch nicht in Aussicht genommen. Große Volksveirsammlungen, die wegen der Frage der Verfassungsänderung einberufen worden waren, haben unter anderem eine Entschließung angenommen, in der die Wahl des Präsidenten der Republik durch eine allgemeine Abstimmung gefordert' wird. Las Duell Slrzßnsll.Szeptlitti. * Warschau, 15. Juni. Das mit großer Spannung erwartete Duell zwischen S k r z y n s k i und S z e p t y c k i hat hetkte früh in einer Warschauer Reitschule stattgefunden. Szeptyeki, der den ersten Schuß hatte, traf f e h l, woraus Skrzhnski seine Pistole nieder legte und erklärte, er hoffe, daß wegen seiner Verdienste unr das Vaterland niemand auf ihn schießen werde, er wolle also auch n i cht auf. e i ll e n Po l e u schieße n. Die Sekundanten stellterr dann fest, daß der GhreulMdel in ritterlicher Weise ausgetragen sei. _ -; flrtoto in Waidhosrn gestorben. Im Krankenhaus zu Waidhofen ist g e st e r n mittags der angebliche russische Großfmt Cyrill O r l o w an a l l g e m et n er S e p s t S g e st o r d e n. ■n^ieder eröffnet! —» Hotel National Wien, II. Taborstrasse 18 Telephon 42*5*93 Vollständig neu eingerichtet, zentrale Lage, 200 Zimmer mit Messendem kalten u. warmen Wasser, Bäder, Zentralheizung, Lift. Kaffeehaus und Restaurant im Hause! Mftssige Preise! Neue Leitung 1 Krisen in Paris und in Prag. Sefamtvemlffiou des Kabinetts Vrland. — Bencfch von feiner Partei abbemfen. Frantenfturz.— Agrarzölle. (Eigendienst der „Wiener Morgenzettnng".) Paris, 16. Juni. Der um 6 Uhr abends zusammengetretene Kabinettsrat.dauerte eine Stunde. Nach Schluß der Sitzung teilte der Unterstaatssekretär im Ministerpräsidium, Dantel ou, in einem Communique mit, daß die Minister nach Prüfung der Lage zu der Ueberzeugung gelangt seien, daß der bloße Wechsel im Fi na üzr e ssort unmöglich sei und unter den gegebenen Umständen das Gesamtka b i n e t t d e m i s s i o n i e r e n müsse. . Sämtliche Minister haben sich ins Elhsee begeben, um dem Präsidenten ihre Demi s s i o n z u überreichen. Die Nachfolge. Man spricht von der Möglichkeit eines Kabinetts P o i ncare, Tardieu oder Eaillaux, falls Briand, der zweifellos zunächst von D o u m e r g u e mit der Kabinettsbildung betraut werden wird, die Mission ablehnen sollte. Suspendierung der Getreidezölle. ... Paris, 15. Juni. Die Kammer hat einmütig der Suspendierung der Geireidezölle bis zum 31. Juli zugestimmt. Schließung dev Produktenbörse? Äandwirtschaftsminister B i ne t erklärte, daß er scharfe Maßnahmen gegen die Aufwärtsbcwcgung d e r. G e t-r e i d e p r e vf-e zu ergreifty gedenke. Er plane unter äuderem die ArizeigePflicht' für-'M. E-^nteertxäge. und Verträge und wenn nötigdierBeschlagnahnw derselben.. Außerdem sei die 'S ch l i e'ß u n g d e r Pro-d u t-Uirßiä -r ]e -m Aussicht genommen. v ' ' ’ Herriot für ein Getreidemonopol und Brotkurte. Paris, 15. Juni. Kammerpräsident Herriot erklärte gestern auf eine Anfrage im Lyoner Stadtrat/daß er für die Schaffung - eines st a a t l i ch e n. G e t r ei de Monopols eint-rete, das sowohl die Jnlandernte austanft als mich allein zum Import von Getreide berechtigt sein soll.. Dadurch allein wolle man verhindern, daß das Getreide zu spekulativen Zlvccken zllvückbehalten werde. Herriot erklärte sich sogar für die Wiedereinführung der Brotkarte, wenn das Bedürfnis.dafür bestehe. Benesch zum Rücktritt ausgesordert. Prag, 15. Juni. Der konzentrische Sturmlanf der Opposition gegen das Kabinett C e r n Y hat die Stellung des Ministers Benesch als des einzigen parlamentarischen Ministers in der Beamtenregiemng u nhaltbar gemacht. Der Klub der Abgeordneten und Senatoren der tschechoslowakischen Sozialisten, der. Partei des Außenministers, hat gemeinsam mit dem Vollzugsausschuß der Partei heute beschlossen, den Minister Dr. Benesch, der augenblicklich in G e n f wellt, telegraphisch z u m R ü ck t r i t t aus der Regierung aufzusordern. Benesch befindet sich im Augenblick.aus der Reise von Genf nach Veldes, wo am Donnerstag die Konferenz der kleinen Entente beginnt. Demonstrationsstreik gegen die AgrarMe. Prag, 15. Juni. Auf Anregung der Betriebsräte der metallurgischen Betriebe wurde um 2 Uhr nachmittags die Arbeit in den Fabriken eingestellt. Die Arbeiter zogen in die innere Stadt, wo eine P r o t e st v e r s a m m m l u n g gegen die A g »r a r z ö l l c abgehalten wurde, an der auch die Arbeiter anderer Branchen, wie Textil- und Bauarbeiter und andere, teilnahmen. Nach Schluß der Versammlung versuchten einige Abteilungen, auf dem Wenzelsplatz zu demonstrieren, wurden aber ohne Schwierigkeiten von der Polizei zerstreut. Große Kundgebungen. Prag, 15. Juni. Die Stadt stand heute im Zeichen der großen 5kundgebüngen 'der Arbeiter gegen die Getreidezölle. Aus den Straßen herrschte A lärmst: m m u n g. Alle Geschäfte , der inneren Stadt wurden in den Mittagsstunden geschlossen. Die Zugänge zum Parlament waren durch mehrere Kordons Gendarmerie mit aus gepflanztem Bajonett und Polizei zu Fuß und, zu Pferd abgesperrt.. Die Versammlung endete um 5 Uhr - nachmittags. Die Arbeiter zogen zum größten' Teil freiwillig ab. Zurück blieben Jugendliche, die anscheinend in keiner Partei organisiert sind und den Versuch machten, den Polizeikovdon zu durchbrechen und. aus den Wenzelsplatz zu gelangen. In einigen Straßen ritt die Polizei scharfe Attacken, ohne daß es zu B l u t v e r g i e ß e n gekommen wäre. Gegen 8 Uhr abends bot der Wenzelsplatz ein bewegtes Bild. Berittene Polizei, die sich in breiter Front entwickelte, unternahm eine S ä u b e r u n g s a k t i o n. Ein Trupp der Demonstranten griff das Gebäude der nationaldemokratischen ,',Narodny Li.sty" an, wo die Fensterscheiben eingeschlagen wurden. Es soll auch eine H a n d g r a n a t e vor dem Hans geworfen worden sein. An zahlreichen Stellen in ganz Prag kam es zu. Prügeleien mit Faszisten. In der Stephansgasse, einer Seitengasse des Wenzelsplatzes, sollen spät abends Schüsse gefallen sein. Erst gegen 9 Uhr abends gelang es der berittenen Wache, die Straßen mit gezogenem Säbel und den Gummiknüppeln der Fußmannschaft zu säubern und die Ruhe herzustellen. Es wurden viele Verhaftungen vorgenommen. Die Z a h l d e r V e rlotz t en ist noch nicht fest gestellt. . TAmultszenerr im Senat. Prag, 15. Jnni. Im Senat, auf dosten Tagesordnung die Zollvorlage stand, kam es heute zu w ü st e,u T u m u l tsz c n c u, die den Krawallen im Abgeordnetenhaus nicht viel nachstanden. Als Prädent K l o f.a c den. Saal betrat, wurde er von den Kommmlisten mit ungeheurem^ Spektakel empfangen. Die Kommunisten riesen 'Klofac zu: „Auf dem Wenzelsplatz ist heute wieder gefchoffen-worden! Arbeiterblut ist geflossen!" Den -tschechischen Agrariern und deutschbürgerlichen Abgeordneten riefen sie zur „Henker! Schinder! Laßt die Polizei kommen, damit sie uns hier ermordet!" Im weiteren Verlauf der Sitzung'erneuerten sich die Tumulte immer wieder. Nur mit Mühe'konnten Tätlichkeiten verhindert werden. Me sasziftische Kramarsch-Partei. . Prag, 15. Juni. In der gestrigen Versammlung der Nationaldemokraten'auf der Sophieninsel ergingen sich die Redner in Beschimpsungen der Deuts ch e.n, I n d e n u nd Soz iali sten. Ueber das Thema' „Jäszismus. und Demokratie" sprach Abg^eordneter S i s, -der eine eventuelle Berufung der Deutschen zur Regierung als Signal für eine große faszistische Erhebung bezeichnet. Die'zweite Quelle, aus der der Faszismus feine Kräfte beziche, sei die Mißwirtschaft im Staate, die dritte der Kommuni s m -u s. Gegen alle diese Gestchven müssen sich alle Nationaldenkenden vereinigen und auch nicht davor zwrückschrecken, Verfassung und Wahlrecht'zu ändern. Dr. Rasch in jun. erklärte als nächster Redner, der Faszismus habe bereits Erfolge zu verzeichnen. Das nationale Bürgertum hat aufgehört, sich zu fürchten und sei bereit, Schlag gegen Schlag zu führen. Es sprachen dann noch eine Anzchl Redner in ähnlichen: Sinne, worauf an Dr. Kr a m a r z und Mussolini Begrüßungstelegrannne äbgesaM.wurden. Die Versammlungöteilnehmer wurden schließlich aufgesordort, sich heute nachmittags vor der Redaktion der „Narodni Listy" einzusinden. Für die am Freitag verwundeten. Polizisten wurde eine 'Sammlung eingeleitet. Mehrere der Anwesenden wrprden von Faszisten in brutaler Weste angegriffen u:ck> ans dem.Saale, geschleift. Am ärgsten erging es einem Besucher, der selbst das Faszistenabzeichen trug und das Vorgehen seiner Gosir:- nungsgenosten rügte. Er lvnr.de mit H r: n d s'p.e i t s ch e u und Schlagringen blutig geschlagen und die Treppe heruntergÄvorsen, wobei er sich ein Bein brach. Nach den: „Ceske Slovo" nxu' der Betreffende der SekreM des nakiona!- sozialistffchen Esten'bahnew-erbnndes. Sk Haltung der Börse. Prag, 15. Juni. Das Agrarzollgesetz hat auf die heutige- Getreidebörse keinen E i n f l u ß ausgeübt. Die Börse beobachtete angesichts des Demonstrationsstreiks der Meta 11 arbeiter äußerste Zürn ck h al t u n^g. Hiezu 'komntt allerdings auch die Tatsache, daß die MWen mit srenlder Ware überdeckt sM und daß der Mehchandest mH singefiihrtem Atchl zur Genüge versehen ist.