Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2624 (14.6.1926)
- Date
- 1926-06-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Wi err: Zum Abholen In der txpeditloft, ILTaborstr. 1-3, oder ln einerVerschleissteRe Trafik) monatl. 5 Schilling 5tr«ssemrerkaul in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied. j„ Wolleeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling i s c h e c h o - S1 ow a k ei: Mon.JK22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen:Mon. 5 Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 ><actl Zahlungen bei V reiz* erhOhangen rorltehaHe» mmmmmammmmm Ar. 2624 Wiener orgrnMung Wie«, Montag. 14. gnuilgLK l^li99QtMni4<KDH^i MbüWMiifi DM MMoMM umwc inuuw« n bhs Rttmdnleii: Mon. WkhLel. Barfgef#eo»MoHulOOI.em«a Scinrel* tnd das «Mm Redaktion, Admtobtetlon; Wien, U.Toborth«! Telephone: 44-0-38,43449 Ab 6 Uhr: 2Ä, 2&4M2!X^ Untvefsttatsstmsse 6-8 (Druckerei lg. Stehrmann) OestecreJOhlsches Postspar* kessen-Konto Nr. 150.693 wmmmmmmmmmm 8. Jahrgang yni redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mttieilungen sind durch ein vorangesetztes £ gekennzeichnet. 9fe Mische PolM in Rumsinien. Erklärungen Dr. Mayer Ebners. Bukarest, 12. Juni. In einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphenagentur erklärte der Präsident der Einheitspartei in der Bukowina, : .Herr Dr. Mayer Ebner, der als einziger Bukow inner Jude »m die rumänische Kammer gewählt worden ist, über die Aussichten einer einheitlichen jüdischen Politik in der rumänischen Kammer: Ich ibin zwar auf der Regiernngsliste gewählt worden, dies aber nur auf Grund eines lokalen Abkommens zwischen dem Minister für die Bukowina D o r i Po p ov i c i und der Mischen Einheitspartei. Auf Grund dieses Abkommens wurde ich in die Kammer gewählt, während bei den Senatswahlen durch die Gemeinderäte ein Bukowinaer- Jude in den Senat entsendet werden wird. Außerdem hat uns Herr Minister Popovici auf kulturellem Gebiet eine Reihe Zugeständnisse gemacht. In allen Volksschulen sowie am Czernowitzer Staatsgymnafium werden .Hebräisch und jüdische Geschichte als Unterrichtsfächer eingeführt; beim staatlichen Lehrerseminar wird eine jüdische Abteilung bestehen, die Lehrer für jüdische Schulen ausbilden wird. An ‘ben jüdischen Schulen wird die Sabbatruhe 'beobachtet werden. Alle durch die frühere Regierung ' entlassenen Mittclschullehrer werden wieder angesteltt. Ein wichtiger Punkt des Abkommens betrifft die Verleihung.'der Bürg e r- <rechte an alle jene, die am Tage der Ratifizierung 'des FiiedeMwrtrages in Rumänien wähnten. . > Meine Stellung zu der Regierung ist trotzdem eine abwartende und absoürt unabhängige/ Ich werde überall dort - hervortreten, wo. es gelten wird,. die jüdische Ehre und die Mischen. Rechte zu schützen. Meine .Hauptaufgabe wird es sein/ eine demokratische M'^chznaüonäMMepräsentanz'M: das. ganze Reich zu .schaffen, .sei res in der Form eines Nütionalrajes oder eines jüdlschuationalen Äaatsverbandes.^.Die jüdischen Deputierten-und Senatoren solle« vor dieser sentanz verantwortlich sein üich Gven. Direktiven Mgem'Man muß die Umstände und die Atmosphäre, unter denen wir zu kämpfen haben werden, nicht unterschätzen. Zehn Eugisten sitzen im Parlament. Diese'wollen, wie sie sagen, deü Schwerpunkt ihres Kampfes in da s P a r lä m ent verlegen. Umso besser: Wir werden ihnen im Parlament zu 'begegnen wissen. Kongreß der Mischen Studentenschaft m AmnSnke«. Das jüdische Stndentenkomitee in Bukarest Hai für den lä. Juli nach Czernowitz einen Kongreß der jüdischen Studentenschaft ganz Rumäniens einberuftn. I« Rumänien zählt man ungefähr 4000 jüdische. Studenten. Der Kongreß wird über die politische Lage der StndeMen und über eine wirtschaftliche Organisation derselben beraten urid entsprechende Beschlüsse fassen. Die zionistischen Stirdenlen, die einen Großteil der Mischen Studentenschaft bilden, haben die folgenden Punkte auf die Tagesordnung gesetzt: Die Beziehungen zu der allgemeinen zionistischen -Organisation, das Kulturprobtem, Palästinaarbeit, Organisierung der Jugend fürPalästina u. a. m. ' Aurisemttismns ei» Hindernis für bot Frieden. Ter Bund jützi'scher Fragen iruterbveitete dom in Paris abgehaltenen gchntm Jhrngreß für Frauenstimme recht eine Denkschrift, m welcher unter anderem ausgeführt wird: „Bit find überzeugt, baß jede Abrüstung für die Herbeiführung des Friedens so lange unwirksam bleiben müsse, a!kSin den Herzen die Waffen des kmtfesiionellen und Rassenhasses zu rückbleiben. Untier den Feinden einer moralischen Mrüistung steht der Antisemitismus zlveisvl-los an erster Stelle. Wir Mlen uns verpflichtet/ die Auftnerffaniikeit des Kongresses ganz besonders auf 'den Schul- und Universität sa nt isemrti smu s zu -lenken, der von derselben Jugend geführt >wjr>d, die zm Realisierung des Friedens cmfgerufen werden soll. Der Antisemitismus bildet ein ernstes Hindernis für jede Pazifizierungsbestrebuug und joden Wersuch, eine moralische Abrüstung zu erzielen." Der Bund Mischer Frauen ersucht daher den -Frauenkongreß, sich mit diesem schwerwiegenden Problem im Sinne des Friedensgedankens ernstlich zu befassen. In einer Zuschrift des Sekretariats des Franenkongresses wurde der. jüdische Frauenbund nunntehr. verständigt, daß..W. in., der, Denffchrist zum Ausdruck: gebrach^-Minsche -e-ine'..derr Resolutionen des Kongresses bilden. . Der Sampf um den BollseMcheid. Große Demonstrationen in Berlin. Berlin, 13. Juni. .Heute in den Mittagsstunden wurden hier von den Anhängern wie von den Gegnern des Volksentscheides großeKundgebungen veranstaltet. Mehr als 15.000 Anhänger der Rechtsparteien hatten sich im Lustgarten versammelt, wo bekannte rechtsstehende Führer Ansprachen hielten. Die Kommunisten. veranstalteten am Fricdrichshain, am Humboldtshain und auf weiteren Plätzen Kundgebungen, die ebenfalls eine starke Beteiligung aufzuweisen hatten. Im allgemeinen verliefen die Kundgebungen dank der umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen ruhig, nur in verschiedenen Straßen der Stadt, durch die sich die Demonstrationszüge bewegten, kam es zu Reibereien, so daß die Polizei ein griff und eine Reihe von Angreifern feststellte. Die Aussichten der Mstiimnunn. Berlin, 14. Juni. Der „Montags-Morgen" berichtet, daß das Reichskabinett dem nächsten Sonntag,, an dem die Volksabstimmung durchgeführl wird/ mtt Sorge, ja sogar mtt einem gewissen Pessimismus entgegensieht. Wahrend die mehr rechts gerichteten Mitglieder der Regierung Hamit rechnen, day etwa 17 Millione n Stimmen für die Enteignung der Fürsten abgegeben werden^ sind, die eigentüchen Führer der Regierung über-' - ...Jj,^..^•** \ jrr;—>..■ m:^i 8tw ReMMeN itt Polen. Warschau, 13. Juni. (P. T. A.) Ministerpräsident Bartel erklärte Abgeordneten der Linken gegenüber, er wünsche nicht, daß sich der Landtag durch eigenen Entschluß auflose, sondern er wolle, ihn im geeigneten Augenblick durch einen Att des Präsidenten der -Republik auflosen, dem-das Recht hiezu durch eine Aenderung der Verfassung zuerkannt werden soll. Auf jeden Fall müßten die Wahlen frühestens binnen sechs Monaten stattfinden. Die Regierung werde keine Vollmachten, sondern bloß eine Aenderung der Verfassung verlangen, die es der Regierung ermögliche, solange das Parlament nicht tage, Verordnungen mtt Gesetzeskraft zu erlassen. Die Regierung werde nackchrücklichst darauf bestehen und verlange vom Landtage die Genehmigung aller von der Regierung vor Mitte Auni Mw.rbwitctten diesbeJÜglichen GesetzMtwürsti Die Konferem der Kleinen kntente. Belgrad, 13. Juni. (Avala.) Die Konferenz der Außenminister der Kleinen Entente wird am 17. d. in Veldes eröffnet werden. Die Konferenzarbeiten werden drei Tage in Anspruch nehmen. Am zweiten Tage wird zu Ehren der Vertreter der Presse der Kleinen Entente ein Frühstück gegeben, worauf die Pressevertreter einen Automobilausflug in die Gegend des Wocheinersees unternehmen werden. Am 20. d. wird eine Konferenz der Journalisten der Kleinen Entente abgehalten werden, worauf diese Laibach und andere Gegenden des Landes besuchen werden. Der euMch-russische Konflikt. London, 18. Juni. (Reuter.) Die Note der britischen Regierung an die Sowjetregierung betreffend die finanzielle Hilfe der Sowjets für die englischen Streikenden sott, wie verlautet, vor ihrer Ueberreichuug einer freunoschastlichen Ueberprüfung unterzogen werden und dürfte einfach die Ansicht der britischen Regierung darleg eu, ohne eine.Antwort zu fordern. Der Gewerkschaftskongreß erklärt in seinem an Premierminister Baldwin gerichteten Schreiben, daß der Geuerakrat während des Ausstandes keinerlei von der russischen Regierung stammende Gelder erhalten habe. DK Wuuderknren des Do« varofaio. Rom, 13. Juni. Die Blätter berichten aus Neapel, daß ein Geistlicher von Seccavo ^Quarto, Don Luigi G a r o-s a l o, seit einiger Zeit' durch Verabreichung von E r d p >i l l e n und ,Ansteigen von.Grdumschläge n W u n d e r k n r e n bewirke. ErMbe einen Pon/den Aertzten austzegebenen Arbeiter ans diese zeugt, daß der kommende Sonntag für die Fürsteudiener sehr unangenehme Ileberraschnngen bringen wird. Wie dem Blatte berichtet wird,, hat Reichskanzler Marx sich im vertranten 5kreise dahiir geäußert, er werde sich, hüten, ein negatives Ergebnis des Volksentscheides z n prophezeien. Beim Volksbegehren habe er damit gerechnet, daß die erforderliche Zahl von vier Millionen Stinuneil knapp erreicht werde. Nachdem er aber dann erlebt habe, daß ohne eine besonders laute oder stürmische Agitation 1 2,5 M i l l i o n e u Stimmen gegen die Fürsten abgegeben wurden, müsse man sich beim Volksentscheid auf jede Möglichkeit gefaßt machen. Die Stimmung im Kabinett ist insbesond.'re deshalb eine besonders -düstere, weil der Hindenbrug-Brief gerade in Zentrums k,r eisen eine katastrophale Wirkung zuungunsten der Fürsten zeitigte. Aus Zentrumskreisen laufen täglich Meldungen über einen fiirstenfeindlichen Umschwune der Sttmwung unter den Wählern ein. Sogar in B a y e r n haben sich neuEings nicht nur - niedere, sondern auch hohe G e i stl i che für die Enteignung der Fürstengüter ausgespdochcn. Die Masse der Zentrmnswähler' im Westen ist^ zweifellos nach dem Hindcnburg-Br'ief nach links abgerückt. r Waffe gerettet, eine an''Inneren"'DerletzltNgey -ertrantte Fran-- - - geheilt unv viele andere Personen aller Stände besonders von Tuberkulose und Lähmungen geheilt, so daß die Ortschaft bald von zahllosen Kränken überschwemmt worden sei. Don Garo« falo sei von den Polizisten verhaftet, nach einer Verwarnnng aber wieder freigelaffen worden. Die Begeisterung der Menge und deren .Glaube seien unbeschreiblich. Mischer HaMverkerkongreß m Leipzig. Ende Mai fand in Leipzig die sicLente Tagung des Zentral» Verbandes jüdischer Handwerker Deutschlands, statt. An der Festsitzung im Kristallverein nahmen Vertreter der Stadtbehörden, der Gewerbekammer und anderer kommerzieller und gewerblicher Organisationen teil. Den Geschäftsbericht erstattete der Verbandspräsident Wilhelm Markus (Berlin), der bekanntgab, daß in verschiedenen Städten Deutschlands Ortsgruppen gebildet mtir in Breslau Darlehenskaffen für den jüdischen. Mtttelstand gegründet worden sind. Der Verband hat wiederholt cm den größeren politischen Ereignissen während des letzten Berichtsjahres im Sinne der Verbandstenderrzen tettgenommen. Es folgten dann Referate über „Erziehung zum Handwerk" und „Ausbildung zum Handwerk", an welche sich eine sehr angere^e Diskussion anschloß, in welcher ganz besonders die Fragen erörtert wurden: welches Jntereffe hat die nicht, der Handwerkerschaft augehorende Mische Bevölkerung an der Erziehung des Nachwuchses zum Handwerk? Welches Jntereffe hat der beretts bestehende jüdische Handwerkerstand an einem Nachwuchs aus jüdischen Kreffen? und welches Interesse hat die chrfftliche Bevölkemng cm einem Nachwuchs von jüdischen Handwerkern? Alle drei Fragen wurden im bejahenden Sinne beantwortet. Wm soll ans dem Prater werden? Die Gemeinde Wien will ihn von dor BundeSregiernng übernchmen. Zioffchen der Regierung und bm Bürgermeister schweben seit einiger Zeit Verhandlungen,' die eine Ueberncchme des Praters in das Eigentum der Gemeinde Wien zum Gegenstand ha'ben. Der .Handelsminister!hcet Hon vor einiger Zeit den Bürgermeister Seitz eingeladen, an BerhaEingen wegen der Ausgestaltung des Praters teilzunchmen. Es handelt sich hisbei um die Ka wa listi ern ng, die Wafs e rverisorgnng, die öiff e n t li che Be leuch tu-wg mdd die Straßenpflege des Praters. Der Bürgermeister hat darauf geantwortet, daß die Gemeinde prinzipiell zu solchen Verhandlungen bereit sei, daß sie aber schon jetzt bemerken müffe, weitgehende Investitionen nur dann vornehmen zu 'können, wenn ihr.der Prater als Eigentum zugeführt 'werde. Die diesbezüglichen unverbindlichen Besprechungen sollen schon m der nächster Zeit begiWeu. '