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Wiener Morgenzeitung · 1926-06-12 · Heft 2622 (12.6.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2622 (12.6.1926)
Date
1926-06-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I Polen: Wien. Zum Abholen in der Expedition, Ii.,Taboistr. 1-3, oder in einer VersdileJsatelle Trafik) monatl. 5 SchttSitg Strasaenverkaui in Wien durch die Kolporteure der Firma Q o I dachM l.ed. >.. Wollreiie N Mit Postversand ihr Wien und Oesterreich monatffcb 6 Schilling 1 sch ec ho-Slowakei. Mon. K22. Jugoslawien: . Mon.Din.60. Polen:Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien. Mon. Frcs. 18 - Wiener Morgenfeitung rttraTiwgi E«gl a nd: Mon. 4*Schöüng. ftafieo: Momtl. HB Uae: Rumänien: Men. l'ÄVLei. Bulgarte«:Moti.lOOLewa* Schweiz und das übrige Auslend monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II* Taboritr* 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-3 (Druckerei lg. Steinmanm Oesterreichisches Postspai* ''actuahlungen bei 1‘rai». rrhahunntn Vorbehalte» kassen-Konto Nr. 150.69h MBW«iBWliM31HiHl^ Rk. 2622 Wie«. Samstsg, 12. Juni 1926 8. Jahrgang Kim Rote Englands an SoiojetmUand. Wegen der NuierMung de« GeneraMreits. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ei« vorangesetztes E gekennzeichnet. We Ausrollum -er Petljma- Pogrome. Z-rsammenstöste zloischen Ukrainern und Juden in Paris. Paris, 11. Juni. Hier kam cs Mischen Ukrainern und jüdischen Arbeitern zu Zusammenstößen im Zusammenhang mit dem Attentat Schwarzbarths auf Petljura. Eine größere Gruppe jüdischer Arbeiter wurde in einer dunklen Mbengafse von Ukrainern angegriffen. Erst die Polizei konnte die Ruhe wieder- Yerftellen. In den hiesigen jüdischen Kreisen hat die Tendenz, den Prozeß Schwarzbarth zu unterdrücken, große Unzufriedenheit hervorgerufen. Man befürchtet, daß die ukrainischen Kreise sich bemühen, es zu keinem Prozeß kommen zu lassen, da sie das Aufrollen der Petljura-Pogrome vor einem öffentlichen Gericht befürchten. Der Verteidiger Schwarzbarths, Rechtsanwalt Dr. Henry T o r r e s, hat gegen die Uoberführung Schwarzbarths zur psychiatrischen Beobachtung Protest eingelegt und die Fortführung der Nntersnchung verlangt. Die ukrainischen Kreise bemühen sich, in der hiesigen Presse die Unschuld Petljnras an den Pogromen zu beweisen. Das Komitee des Delegations Fmves bereitet im Einvernehmen mit den Personen, die das gesinnte Archiv über die Pogrome in der Ukraine besitzen, die Herausgabe einer umfangreichen Schrift vor, in der dokumentarisch die Schuld Petljnras an tat Judenpogromen in der Ukraine bewiesen werden soll. Zu diesem ZWÄk werden sämtliche Materialien gcfmmnelt und kn der allernächste« Zeh in her Form eines Schwarzbuches herausgegeben. z«iamme«km»ft Lloyd-Vkumer. ' (Gigendienst der .Wiener Morgenzeitung".) Kairo, 11. Jmn. De.r britische OLerkommifsar in Aegypten, Lord Lloyd, reist in den nächsten Tagen nach Jerusalem, um mit dem Oberkommiffär Palästinas, Feldmarschall Lord ' Plumer, Besprechungen über aktuelle politische Fragen zu führen. Die spamsch-ftanzSMen MarMstzschaavlnngen. Beginn am Montag in Paris. Paris, 11. Juni. Der spanische General I o r d a n a wird morgen in Paris erwartet, . so daß die französischspanischen Marokkoverhandlungen Montag am Quai d'Orsay beginnen können. Die Blätter geben der Meinung Ausdruck, daß die Verhandlungen von kurzer Dauer sein werden, da sich Schwierigkeiten hinsichtlich der Verwaltung der alten Marokkozonen nicht ergebet: können. Beide Regierungen seien sich darüber einig, daß jede I n t e r v e n t i o n fremder Mächte auf der Konferenz vermieden werden müsse. Brasilien rieht sich nur dem Mlkerbnnd zurück. Genf, 11. Juni. (Schwerz. Dep.-Ag.) Wie der Vertreter Brasiliens, Mell o-F r a n c o, gestern in seiner Erklärung angekündigt hatte, hat der P r ä s.i d e n t der brasilianischen Republik den Präsidenten des Völkerbundrates ein Dokument zugehen laffen, worin der Standpunkt Brasiliens dargelegt wird. Es geht daraus hervor, daß sich Brasilien nicht nur aus dem Völkerbnndrat, sondern auch aus der Völkerbundversammlung zurückzieht. Der brasilianische Minister des Aeußem hat an alle sütamerikanischen Länder, 'die nicht dem Völkerbund angehören, die telegraphische M i t t e i l u n g. von dem Entschluß Brasiliens ergehen lassen, sich am Völle rbnndzrt desinteressieren. Re Schulden der Sxsnltan«. Rom, 11. Juni. Me die „Tribuna" aus San Remo berichtet, haben die Lieferanten des verstorbenen Exsultans Muhammed des Sechssten nach dessen Tod eine Forderung von 200.000 Lire erhoben. Da der Schwiegersohn desselben sich weigert, die Schulden zu bezahlen, drohten die Gläubiger mit der Segnestr.i.ernng des Sarges, der am 16. d. nach Damaskus überführt werden soll. Der Adjutant des verstorbenen Sultans wttrde wegen eines Mordes verhaftet, den er an dom Arzt des Sultans verübt haben soll. London, n. Juni. Die Negierung hat an die Moskauer Regierung eine Note wegen '2er Unterstützung der Streikenden bei dem letzten großen Ausstand gerichtet. Der Sekretär des Bergarbeitervorbaltdes Cook teilte gestern in einer Rede mit, daß die Bergarbeiter aus Rußland zuerst 350.000 Pfund und später 30.000 Pfund erhalten hätten. Diese Gelder kämen nicht v o n d e r r u s s i s ch e n Regierung, von der er übrigens Gelder anzunehmen bereit sei, da es sich um eine Arbeiterregierung handle, sondern von den russischen Gewerkschaften. Cook griff dann im weiteren Verlaufe seiner Rede den Führer der britischen Eisenbahne >r heftig an und beschuldigte ihn, im Einverttchmen mit der britischen Regierung und mit den S t r e i k b r e ch e r n zu stehen. Der Inhalt des Protestes. London, 11. Juni. Wie das Reutevsche Bureau erfährt, hat die britische Regierung nunmehr einen endgültigen Beweis in Händen, daß ein Teil des dem Gevwrkschaiftskongreß während des Generalstreiks angebotenen Geldes von der Sowjetregierung selbst stammt. Die Note an die Sowjetregierung erhebt Einspruch gegen ein Vorgehen, das als u n g e r e ch t f e >r t i g t e E i n m i s ch u n g in die inneren Angelegenheiten Großbritanniens angesehen wtrd. Man nimmt an, daß die Note bereits nach Moskau unter w e g s ist. Der Grund dafür, daß. nicht früher ein Schritt unternommen wurde, ist, daß die britische Regierung zunächst noch keine volle Gewißheit 'über"lhrÄ"Untcrlagen hatte. Als sich eine endgültige Bestätigung für die Ve-rantwortlichkeit der Sowjetregierung ergab, war man der Ansicht, daß es unmöglich sei, den Dingen weiter freien Lauf zu lassen. ' Man steht in dem Generalstreik den Versuch, eine Aenderung SteteMtafetMttl M die Prager Polizei. Schwere Zusammenstöße noch einer Kommnnistenversnmmlnng. Prag, 11. Juni. Die durch die G e t r e i d e z ö l l e urtb die Kongru«frage heworgerufene Spannung hat heute abends nach einer k o m m u n i st i s ch e n Versammlung zu schweren Z u s a m m e n st ö ß en zwischen - Demonstrant e n und Polizei geführt. Die kommunistische Parteileitung hatte für sechs Uhr abends eine Versammlung gegen die Zölle und die Teuerung auf dem Havlicek-Platz einberufen. Der kommunistische Abgeordnete Haken teilte zu Beginn der Versammlung mit, daß die Polizei den Zuzug von Versammlungsteilnehmern ans den Vorstädten verhindert habe. Mehrere tschechische, slowakische und' deutsche Redner prachen über die Bedeutung der neuen Agrarzölle für die arbeitende Bevölkerung, die eine empfindliche Verte u e r u n g d e r Lebens m i t t e l zur Folge haben werde. Während die Versammlung selbst ohne Störung verlief kam es nach Schluß der Versammlmig zu schweren Zusammenstößen. Die Demonstranten wollten ans den Wenzels-Platz ziehen, m eine zweite Versammlung angekündigt war. P olizei zu Fuß und ztl Pferd stellte sich ihnen entgegett und drängte die Massen zurück, wobei die Polizisten von ihren Knüppeln Gebrauch machten. Die Demonstranten leisteten verzweifelten Widerstand und eröffneten ein Steinbombardement auf die Polizei. Ein Lastauto mit Demonstranten versuchte den Polizeikordon zu durchbrechen und in die Wachleute hinein z »fahre n. Das Auto konnte aufgehalten werden, die Insassen wurden verhaftet. In der Nähe des Gebäudes der Znckerindustriellen war die Situation am'bedrohlichsten. Hier sielen plötzlich Schüsse. Bon welcher Seite sie abgefeuert wurden, konnte in dem Getümmel nicht festgestellt werden. Die Polizei ritt Attacken und es gelang ihr auf diese Art, den Havlicek-Platz und die HeinrichSgasse zu säubern. Bei den Krawallen nmiden zahlreiche Personen verletzt, darunter zehn Wachleute und der kommunistische Abgeordnete Harns. Die Polizei nahm viele Verhaftungen vor. Die Menge entriß aber die Verhüteten wieder den Wachleuten. Nach Angaben'der Polizei wurden bei den Zusammenstößen 56 Polizisten verletzt, darunter vier schwer. Einem Wachmann wurde ntit einer Eiscrrstange der Bauch tarchstoßen. Bis jetzt wurden 70 Demonstranten veri n den Methoden der englischen R e g i e >r u n g herbeizusiihren. Es ist indessen nicht unmöglich, daß beschlossett werdett könnte, die Frage der Geldsendungen an den Bergarbeiterverband in einem zweiten Meinungsaustausch mit der Sowjetregiernng späte -r a u f z n w e r f e n. Tie gesamte Angelegenheit befindet sich gegenwärtig noch im BeraMngsstaditlM. Der allgemeine Eindruck in gut unterrichteten englischen Kreisen geht dahin, daß sich die Frage rer Wiederaufnahme der Verhandlungen mit der Sowjetregiernng über die verschiedenen noch ausständigen Punkte angesichts „der Tatsache schwierig gestaltet habe, daß letztere für fähig gehalten werden könnte, die Unruhe in England in einer Zeit nationaler Krise zu nähren. 3,627.001) Rubel. Moskau, 11. Juni. Der Z e n t ra lrat der Gewerkschaften der Sowjetunion hat dem britischen Bergarbeiterverband die 5. Rate seiner Spettde im Betrage von 300.000 Rubel überwiesen. Insgesamt wurden bisher 3,6 2 7.0 0 0 Rubel überwiesen. Entspannung im Bergaebeitevsteeik. London, 11. Juni. (Wolfs.) Der Bergarbeiterverband hat gestern ein Ma n ifest wröffentlicht, in dem er nochmals seinen Standpunkt darlegt und eine Intervention der Regierung annimmt, um eine Regelung in der Kohlenindustrie herbeizusiihren. Die Blätter geben im allgemeinen den Eindruck wieder, daß die B e e n d i g u n g d e r B e r g b a u k r ü s e bevorstchc.. Der Kriegsmitrister äußerte in einer Rche, seines Erachtens sei der Zeitpunkt gekommen, in dem Sie Regierung die Hindernisse für eine Wiederaufnahme der Arbeit durch g-e s e tz gebe r Ma ß n a h m e n beseitigen müsse. haftet. Die Zahl der verletzten Bersammlungsteilneh. mer ist nicht bekannt, da sich die meisten vor der Polizei in Sicherheit brachten. _ ArdeUerunruheu in Ssirowier. Warschau, 11. Juni. .In Ostrowiec kam es gestertr zu blutigen Zwischenfällen zwischen der Polizei und den Arbeitern. In einer. Abteilung der dortigen Meta l l w a r e nfabrik der Aktiengesellschaft Ostrowiec war es dieser Tage zu einem Konflikt zwischen der Arbeiterschaft und einem Abteilungsvorstand, einem .Ingenieur, gekommen, in dessen Verlauf der Ingenieur von den Arbeitern gewaltsam aus der Fabrik entfernt wurde. Gestern vormittags hat die Polizei auf Anordnung der Staatsanwaltschaft die Rädelsführer des Vorfalles verhaftet, und die Fabriksleitung hat die Abteilung, in der sich der Vorfall abgespielt hatte, gesperrt und die Belegschaft entlassen. Auf die Nachricht über die Verhaftungen trat die ganze Arbeiterschaft .der Werke i n d e tt >St reif. Am Abend fand vor dem Polizeikommando eine Arbeiterdemonstration statt. Die Arbeiter forderten die Freilassu ng der ^Verhafteten und unternahmen einen Sturm gegeudas G e b ä«de, um die Verhafteten zu befreien. Die Polizei schoß daraufhin in die Menge. Zwei Arbeiter und ein Straßenpassant wurden getötet, sechs Arbeiter teils leicht, teils schwer verletzt. Auch aus den Reihen der Arbeiter wurde gegen die Polizei geschossen und ein Polizist getötet und zwei verwundet/Die Polizei mußte im Rathaus und im Gebäude des Polizeikommandos vor der erregten Menge Schutz suchen. Erst mit Unterstützung herbeigeeilter Militär« b teil ungen gelang es um Mitternacht, die Ruhe Wiede vhorzustelleu. Ministerpräsident Bartel und ^Innenminister M l o d z i a n o w s k i haben den Moiwöden von Kielce beauftragt, eine energische Untersuchung wegen dieser Vorfälle einzuleiten. _ Lettischer Reichstag. Berlin, 11. Juni. Der Reichstag hat heute das Mrßttanensvotunt der Kommunisten mit großer Mchcheit abgelehn t. Der Geschäftsordnungsartsschuß beantragte die A tt s l i eferung des völkischen Abgeordnete« Kube wegen Anstiftung zu«i Movta iSWttMiVMMMDWWWWaiWMWjWMWW mm

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