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Wiener Morgenzeitung · 1926-06-09 · Heft 2619 (9.6.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2619 (9.6.1926)
Date
1926-06-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Das altbewährte Kräftigungsmittel . für Körper und Nerven Ae Kontrolle über Sefterreich beendet. raße 231 Regierungswechsel in Frankreich? Gin KaMnett der früheren Ministerpräsidenten. (Eigendienst der ..Wiener Morgeuzertung") Paris, 8. Juni. In den späten Abendstunden haben sich die Gerüchte über einen bevorstehenden Kabiuettswcchsel verdichtet. Man spricht von einer kommenden Regierung der früheren Ministerpräsidenten. Dem neu zu bildenden Kabinett sollen außer P o i n c a r e auch Briand, H c rr i o t, Painleve und Caillaux angehören. Finanzminister Per et hat heute abends einen besonderen Kurier zu Briand gesandt, der den Ministerpräsidenten auf seiner Rückreise von Gens yach Paris über den Peretschen Plan eines ,/großen Ministeriums" unterrichten soll. In Mekka. Kairo, 8. Juni. (Reuter.) Der'König von H edschas, Jbn Saud, hat.den.Kongreß in Mekka eröffnet, der die Zukunft der heiligen Stätten v om Hedschas und die Frage des Kalifats prüfen soll. 59 Delegierte vertreten Indien, Rußland, Java, Syrien, Palästina, Aegypten, Nedschd, Hedschas und den Sudan. Den Vorsitz führt Dherraf A dman, während die Führer der indischen und der russischen Delegation Vizepräsidenten sind. Keine italienisch-englischen Mbrnachnngen Wer Mossul. Rom, 8. Juni. (Wolff.) In einem Leitartikel über die Mossulifrage polemisiert „Messaggero" gegen die in dev auswärtigen Presse erschienene Behauptung, daß Italien -das Mossulabkommen bedauern würde, weil dadurch gewisse Absichten zerstört würden, die Italien seit der Unterredung Mussolinis mit Chamberlain in R a p a 'l i o gehegt habe. In Rapallo sei mit England über keinerlei Abkommen bezüglich der Türkei unterhandelt worden. Mossnl von Angova ratifiziert. Angora, 8. Juni. (Havas.) Die Nationalversammklng Hat den Mossulvertrag und das türkischsyrische Abkommen ratifiziert. Der Farzismu« in der rfchechnslowniei. Unruhen in Proßnitz. (EigeMenst der ..Wiener Morgenzeitung".) Prag, 8. Juni. In P r o ß n i tz wurde gestern eine von der Legionärgenleinde und den fortschrifttlichen Parteierr einberufene antifasziftische Versammlung abgehalten, während die Faszisten eine G e g e n v e r s a m mlung im Gewerbehaus veranstalteten. Nach Beendigung der antifaszistischen Versammlung marschierten etwa 3 0 0 0 Teilnehmer zum Gewerbehaus und drängen in die Faszistenversammlung ein. Es entstand ein g r o ß e.r T u m u l t, der bald in eine w ü st e S ch l ä g e r e t überging. Die Gendarmerie, die bereits am Tage vorher verstärkt worden war und Bereitschaft hatte, drängte die Antifaszisten curs dem Saal und säuberte den Platz vor dem Gebäude. Hierauf verließen die Faszisten unter dem Schutze inu’ Gendarmen die Versammlung. Die Stimmung war so gefährlich, daß sich j ede r e i n zel ue Faszist von de n Genldarmen bis zu seinem Wohnhaus b egleiten ließ. Die Straßen wurden durch Kordone abgespevrt und jeder Passant: mußte s i ch legitimiere u. . Im ganzen kvurden.acht P e r> s o n e n v e rle tzt; ein Mann erlitt durch einen Stockhieb eine schwere Verletzung am Kopf und mußte: ins Spital gebracht werden. Heute ist die Ruhe nicht gestört worden. , 31mmetmaiu Genf, 8. Juni. Im österreichischen Komitee des Völkerbundes, in welchem Chamberlain den Vorsitz uhrte, erstattete heute Mittag der Generalkommiffär , inrmerman einen kurzen Bericht. Er stellte fest, daß?.lle Bedingungen, die Oesterreich auf sich genommen hatte, erfüllt seien und daß deshalb der Aufhebung der Kontrolle nichts mehr im Wege stehe. Der Präsident des Finanzkomitees, Herr Dubois, schloß sich dieser Auffassung an und teilte die Resolution oes Finanzkomitees mit. Er führte unter anderem aus, daß es sich bei den Kabelbauten um produktive Anlagen handle, weshalb auch das Komitee die 27 Millionen Schilling aus den Kroditresten freigegeben habe. Der Vorsitzende Chamberlain beantragte,, die Resolution des Finanzkomitees zu genehmigen und zu beschließen, daß sie morgen als Vorschlag des österreichischen Komitees dem Völkerbundrat vorgelegt werde. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Bundeskanzler. Dr. R a m e k erklärte in seinem Schlußwort, das österreichische Volk wisse, wieviel der Völkerbund geleistet habe, um das Sanierungswerk einem günstigen Ergebnis zuzuführen. Er danke im Namen der österreichischen Regierung sowohl dem Völkerbund als auch insbesondere dem Generalkommissär Dr. Zimmerman für alles, was er im Interesse Oesterreichs geleistet habe. ' Zum Vertreter der Trustees und zum Vertreter des Präsidenten des.Wnanzkolnitees D. uhwr's« wurde in Gemäßheit der im-Herr Rost ernannt. Die österreichischen Schatzscheine. Der Belicht des österreichischen Finanzkomitees, dessen Einzelheiten wir an anderer Stelle besprechen, kommt bezüglich der S ch a tz s ch e i n e zu folgenden Bedingungen: 1. Die Schatzscheine müssen kurzfristig sein, das heißt, keine längereLaufzeitals sechs Morr a t e traben: ihre FälligkeitdürfteüberfünszehnTage nachAblanfdes Finanzjahres nichthinausreichen. 2. Sie dürften über den Höch st betrag von 7 5 M i l l i o n e n Schilling nicht h i n ausgeh e n. 3. Sie dürften nur aus Sch illing lauten. 4. Sie hätten nur für die reg e l m ä ß r g e n Kassenbedürfntsse ausgegeben zu werden. 5. Da die S a tz u n g e n d e r Nationalbank den Reeskompte oder Lombard b efer Schatzicheine nicht gestatten, empfiehlt das Komitee eine A e n d e r u n g d e r S a tz u ngen der N atro nalbank in de m Sinne, daß f t c d t e s e S ch a tz s ch e i n e. wenn sie mit dem Jndossamerrt einer za b lungsfähige n Prtvatverson versehe rr sind, reeskomptierenoderdaß sie dieSchatzscheine lombardieren kann, beides bis z u m Höchstb e t r a g e v o n 7 5 M i l l i o n S ch i l l r u g. Fortdauer der Kontrolle, keine Freigabe der Anleihereste. Genf, 8. Jum. Das ungarische Komitee des Völkerbundes hat sich gegen die völlige Abschaffung der Finanzkontrolle des Völkerbundes in Ungarn ausgesprochen. Generalkommissür S m i t h wird zwar in der nächsten Zeit, voraussichtlich (£uöe dieses Monats, seinen Posten verlassen und soll auch .keinen N a ch f o l g e r erhalten, dagegen bleibt die Kontrolle über die Pfänder und über die R e st b e st ä n d e der Völkerbundanleihe in der Höhe von 83 Millionen Goldkronen bestehen. Die technischen Einzelheiten der iveiteren Ausübung der Kontrolle sollen vom Finanzausschuß des Völkerbundes noch einer Prüfung unterzogen werden. Als Graf B e t h l e n, der der Sitzung beiwohnte, nach dem Bericht des Vorsitzenden des Finanzkomitees Dubois bemerkte, daß die Kontrolle also aufgehoben werde, p r o t e st i e r t e rr D u b p i s w.i e auch Cha mberlain, der eine Zurückweisung an das''Finanzkomitee, zur Feststellung der technischen Modalitäten beantragte. Diese Rückverweistlug wurde beschlossen und Briand fügte hinzu, daß es sich damit nur um rein t e ch n i s chletzter Bericht. finanzielle Maßnahmen handle, während man dtt politische Seite der Frage bei der Behandlung seines Antrages auf Errichtung einer internationalen Konvention gegen die Falschmünzerei behandeln werde. Nach einer Meldung der Schweiz. Dep.-Äg. gab Ministerpräsident Briand die Erklärung ab, daß er grundsätzlich mit der Aufhebung der Funktionen des Generalkommissärs einverstanden sei, daß aber-dadurch in keiner Weise die Prüfung der politischen Fragen .beeinträchligt werde und daß die politischen Fragen, die mit der Finanzsanierung Ungarns zusammenhängen, noch in: Laufe der gegenwärtigen Session des Bölkevbundrates behandelt werden müssen. . Die Vertreter Italiens, Rumäniens, Jugoslawiens und der Tschechoslowakei erklärten sich mit Briand einverstanden. Der Präsident des Jinanzkomitees, D u b o i s, gab eine Erklärung ab, in welcher darauf hingewiesen wird, daß es ein Ir r t u m sei zu glauben, daß durch die A breise des G e n e r a l k o m in i s s ä r s S m i t h jode Kontrolle des Völkerbünde s a u f h ö re. Es würde auch fernerhin der Restbetrag der Anleihe sowie die zu ihrer Amortisierung verpfändeten Staatseinnahmen der Kontrolle durch einen Beamten des Völkerbundes unterliegen. Teovolr Pr:«i-sL!Vent der MaMd«rtskomrrrifsion» Genf, 8. Juni. (Schw. Dep.-Ag.) Die Mandatskommission des Völkerbundes trat heute vormittags zu einer Vollsitzung zusammen. Die Kommission bestellte für ihr Bureau Marchese Teodoli als Präsidenten und van Reels als Vizepräsidenten. Hierauf beschloß die Kommission aus Verlangen der britischen und der französischen Regierung, die Prüfung der Mandate über den Irak und Syrien mr' O k t o b e r zu verschieben. Besprechung Mischen Weizwnnn und Jouvenel. Paris, 7. Juni. (I. T. A.) Der Präsident der Zionisti. schen Weltorganisation, Prof. Dr. Chaim W e i z m a n n, ist in Paris eingetroffen. Heute traf er mit dem hier weilenden französischen Oberkommissär für Syrien, Herrn de I o u v en e I, zusammen. Gegenstand der Unterhaltung waren gewisie Vorschläge de Jouvenels bezüglich Syriens. Dienstag begibt sich.Dr. Weizmann nach Gons, um während dev Behandlung des Palästinäberichtes durch die ständige Mandatskommission des Völkerbundes in Genf zugegen zu sein. (Von uns bereits angekündigt. — Die Red.) Erhöhung des Immigrationsvrrdgets. Jerusalem, 6. Juni. (I. T. A.) Die Zionistische Exekutive in Palästina hat sich'genötigt gesehen, das für dieses Jahr mit 40.000 Pfund veranschlagte Einwanderungsbudget auf 6 0.00 0 Pfund zu erhöhen. Gvund hiezu sind die st»!- genden Erfordernisse infolge des Uebergewichtes dev kapitälslosen Ehaluzim bei der Einwanderung und des Sinkens der Einwandererzahl kapitalskräftiger Persouen. Zwecks Bersörgung dov neu eintreffendeu Jmnngranten mit Arbeit bewilligte die Exekutive einen Zuschuß von 15.000 Pfund zum normalen Arbeitsbudget, so daß die Gesamtausgaben des Arbeitsbudgets sich auf 38.000 Pfund belaufen. Soeben sind vom Komitee des a m e r i k a n i s ch e n Zion i st e ndrive s auf telegraphischem Wege 50.000 Dollar als 'Spezialleistung außer wer normalen monatlichen Zuweisung des Drives eingetraffen. Diese Summe ist für Erhöhung des A-rbeitsbudgets, um der Arbeitslosigkeit in Palästina zu steuern, bestimmt. Sie wird zu Darlehen an Stadtverwaltungen und Arbeiterkooperativen ztvecks Ansführung von öffentlichen uni> privaten Arbeiten in den Städten und in den Kolonien verwendet werden. Die MaivinwanverANg in Palästina. Jerusalem, 7. Jrmi. (I. T. A.) Im Verlauf des Monats Mai sind 1750. Personen zu ständigem Aufenthalt nach Palästina gekomnren. (»"rl

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