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Wiener Morgenzeitung · 1926-06-08 · Heft 2618 (8.6.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2618 (8.6.1926)
Date
1926-06-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wirrt, Dienstag tätentt Morsenzeltun« _ & 192*> Nr. mS SÜB! rüMIMNMlüMMM UHI HUNMfeWffiSOI ÜIM’UMH! MI-WLW-M-UZMUIZW 11 r-i! III U 111 F=i III: tlii it-iX nr-rti4 iILlJ ir%l t MUS fJtX lUMIMLU WVtll Ernr MMogmphische Skizze von Schalom Schwarzbarth. In ei-nvm Brief an den Alltor des ..Lexikons der jiidiffchen Literatur und Presse", Zrlnvur ReiL in. schildert Schalom Dchwarzbarth fern beweis Scbsn wie wlgr: „Geehrter lÄRoze! Dr. Jakob Meir Salkino übc-rsandte . wir einen Au-fruf an sic jüdischen Literaten »ntd Dichter für i»ä .Lexikon der Mischen Literatur und Presse" Jim Glauben, daß .-rach ich meinen Teil zur Mischen Kunst und Literatur beizutragen Hobe und in Wertschätzung Jhvsr unermüdlichen,Ivrrtvollen, nichtigen großen Arbeit;, bin ich mit Vergnügen bereit, Ihrem Wunsche nochgalkommen: Schalom den Jizchak Schwargbarrh (Baal Hachaloimois), «Geboren am 6. AuUust 1886 (alten Stills) in Jfmael, Beßarabren. Mit siebzehn Jahren Fesseln an -den Händen getragen, Kascha (Grütze) mit Borschtsch (Rübensuppe) bis 17. Oktober 1905... Da ich wegen Verteidigung der jüdischen Wre Uitö meiner Zugehörigkeit zu einer revol-ttionären Organisation vensolgt wurde, fuhr ich ins Ausland, wo ich die freiheitlichen" Gefängnisse von Oesterreich-Ungarn zu kosten bcckam; in der Schweiz verfolgt, beeilte ich mich 1911 an der Verteidigung des schwachen Frankreich gegen die .Urbaren" toilzunchmen. Dioine geistige Nahrung habe ich meinem gottseligen Vater &u danken, der mir mehr war als ein Vater und eine Mutter (int Alter von sieben Jahren hatte ich meine Mutter verloren). Er war mir Freund und lieber, treuer Kamerad, denn ich blieb von vier Kindern als jüngster und einziger zurück. Um diese Zeit mußte mein Vater cmf Grund des Gesetzes, das den Juden das Wohnen fünfzig Werst von der Grenze verboten hatte, Jsmael verlassen. . In B a l t a, wo ich meine Jugend verbrachte, und wo außer den Metzgern, die dem Schweinen, mit denen sie handelten, schr ähnlich sohcn, nur jüdische Kauslcute vom Typus Menochem Mendel z».i Haufe sind, wo das Ende der Welt bis zum grünen Berg und die Windmühlen mit ihren Flügeln an den Himmel reichten, konnte ich nichts sehen... Meine Bildung ging leider nicht über das BeEh-Hamidrasch hinaus. Memr einzige geistige Ouelle war, wie ich schon bemerkte, mein lieber, treuer Vater und Kamerad. Nicht nur, daß ich von ihm Bildung, Lebensart und Liebe für alles erbte, auch sein „Herz, das jedem Schmerz zugänglich n>ar, und beim Anblick der Hölle des anderen fror", habe ich geerbt. Mehr als einmal tvcpf ich ihn in einem Winkel sichend und weinend. Sein Gebet zu Gott war stets in Tränen gebadet. Beim fünften P o g r o m erblickte ich zu mein er Ueberraschrmg dem einzigen. älteren Juden auf den von uns Jungen errichteten Barrikaden — es war mein lieber Bater. Ich hatte mich förmlich geschämt. Auf meine Frage, wie er zu uns Jungen komme, an twortete er mit den Worten des Baters der Hasmorräcr: Besser zu sterben wie Helden auf dem Schlachtfeld, als wie Schafe, die auf d-ie Schla ch-tba-w-t geführt werden. Als ich als Freiwilliger in den Weltkrieg enttrai, gab er mir den Segen: ,^Der Gott unserer Propheten stehe dir bei, mein Kind. Der Gott unserer heiligen Märtyrer, Daniel, Chananja, Mischell und Afarje, soll dich behüten und beschützen, mein Sohn..." ] Kunst. Bühne, Buch. „der ewige Stritt." Gastspiel des Moskauer hebräischen Theaters Habima. Carl-Theater. 1. Die DavstelLurrg. In der Nacht nach der Premiere fühlte ich inich gedrängt, anzuzeigen, daß die Habima ihr Publikum die Geburt der Galuth-Tragödie erleben ließt Die Bedeutung des Abends beschränkt sich nicht auf die vollendete — wenn man sehr streng ist, bis auf die Darstellung des Ahasver vollendete — künstlerische Leistung. Habima, vor die Aufgabe gestellt, die historische Schicksalsstunde des jüdischen Volkes zu gestalten, war zum ersten Male befähigt, durch ihren inbrüuftigen Willen zur jüdischen Erneuerung befähigt, das reiche Pfund russischer Theaterkultur, welches ihnen ihre teuern Lehrer und Erzieher eingehändigt hatten, sich cmzneignen und frei zu verwalten. So war die Trauer um den Fall Jerusalems, so traf sie der Verlust des Knäbleins, welches zum Messias hätte gedeihen sollen, s o raste der Schmerz der Ahnungsvollen, s o wurde der erste Schritt Ahavers auf dem Weg über beit Erdball getan — gesehen von einer Generation, die das Epigonentuck zu überwinden und in die jüdische Erneuerung zu schreiten sich anschickt. Die Nachricht vou der Zerstörung des Tempels ist Entscheidung. Die Klage der Mutter um den Knaben, den sie am Tage der Tempelzerstörung gebar, ist Maß des Schicksals, den diese Zerstörung bewirkte. Und Ahasvers Aufstieg in der Schlußszene, zur Höhe führend — nicht bloß in den Theater- Himmel — ist gewaltiges Symbol. Wie hier Sehnsucht jüdischer Künstlermenschen durch Selbstzucht, Gemeinschaftsgeist und den brennenden Ehrgeiz, diese Aufgabe zu meistern, in ein Gesamtwerk zwingt, und wie dieser Abend zum Gefäß wird, aus dem die heroische Klage derRowiner aufstergt, ist nicht zu sagen. Frau Rowiners „unbekannte Frau" ist der künstlerische Höhepunkt des Ereignisses Habima. In Pinskis „Ewigen Juden" ist sie wahrhaftig „die Tochter Zions". — Nach vierjähriger Trennung von dem, an denn meine Seele hing, hatte ich bloß einen Monat lang das Glück, ihn pr sehen: am 15. Kislew 5678 (1918) ist er gestorben. Mein erster Band Lieder „Träume und Wirklicickeir", der 1920 in Paris erschien, ist nicht nach meinem Wunsch, denn ich war noch naiv und unerfahren. Jetzt bereite ich ,Briefe aus der Fremde" vor, einen Band KriegserMungen, in denen die Inden fast der ganzen Welt eine nicht geringe Rolle spielen. Der zweite Band Lieder „Jugend und Liebe", die ich noch vor dem Kriege und zum Teil in der letzten Zeit geschrieben habe, von denen ein Teil in der Londoner „Zeit" uns im „Arbeiter freund", ferner ein paar Bilder aus meinen: ^Tagebuch" über meine Kriegserlebnisse vom 17. bis zum 20. Jahr sind bereits in der freien Avbeitorstimme" in Amerika mid im „Arbeiterfreund" in London erschienen. Ich hoffe, daß die zjwei Werke „Brief aus der Fremde" und „Aus meinem Tagebuch" ein vollständiges Werk ansmachen, das i-n Buchform erscheinen wird. Da ich Führer einer Abteilung gegen die Pogrome war, habe ich über die unbeschreiblichen jüdischen Leiden und Martern viel zu ergäben . . . Ich hoffe, daß Die alles berücksichtigen werden und bleibe mit Gruß und Hochachtung Schalom Schwarcharch (Baal Hachaioimois)". Ern DerteMgnngs-fon'ds für: Schwnvzbnr^h in Amevikn. Das New-Horker „Jewish Morning Journal" eröstnete gleich nach Bekanntwerden des Attentats Schwärzbarths auf Petljura eine Sammlung für einen Verteidigungsfonds, die gleich am ersten Tage 1000 Dollar ergab. Der Pariser Korrespondent des Blattes hatte mit Frau Schwarzbarth eine Unterredung, der zu entnehmen ist, daß Schwarzbarth in der letzten Zeit Intensiv an der Fertigstellung seiner Memoiren über die Pogrome in, der Ukraine gearbeitet habe. Diese Arbeit habe ihn furchtbar erregt. Oft pflegte er mitten im Schreiben aufzuspringen und aufgeregt im Zimmer auf und ab zu lausen und zitternd die in seiner Erinnerung wach gewordenen grausigen Szenen aus jener furchtbaren Pogronrzeit zu erzählen. Besonders schwer litt er bei dem Gedanken an seinen blinden, 80jährigen Onkel, den Petljuras Pogronvbanden in grausamer Weise gemartert und dann aufgehängt haben. Am 3. Juni wuvde Schwarzbarth zum erstemnal vor dem untersuchenden Friedensrichter, Herrn Peyre, in Anwesenheit seines Verteidigers, Henri Torres, verhört. Schwarzbarth wiederholte seine frühere Erklärung, daß er Petljura ermordet hat, weil er in ihm den Verantwortlichen fiir die grauenvollen Pogrome in der Ukraine gesehen hat. Er schloß mit den Worten: ,^Jch habe einen Mörder ermordei." Nach dem Verhör wurde Schwarzbarth eine Zusammenkunft mit seiner Frau gestattet. Israel Zangwills Gesundheitszustand gebessert. Der Gesundheitszustand Israel Zangwills, der vor einigen Tagen einen Nervenzusammenbruch erlitt, hat sich etwas gebessert. Er wurde in einem Erholungsheim untergebracht und muß laut ältlicher Anordnung vollkommener Ruhe pflegen. Man hofft auf seine: baldige Genesung. \ Nahum Zemach, nicht im Vollbesitz der physischen Mittel, bewältigt den Ahasver nur geistig. Diese Ausführung der Habima hat sittliche Größe., O. A. 2. Die Musik. Der Schöpfer der Musik, Alexander K r a i n, das Mitglied der bekannten russisch-jüdischen Musikerfamilie, ist einer der namhaftesten Vorkämpfer für den Ausbau der jüdischen Kunstmusik. Wir verdanken ihm neben verschiedenen, säst durchwegs im Judentum wurzelnden Liedern und Kainmermusikwerken eine symphonische Dichtung „Salome" und eine Art hebräisches Requiem „Kadisch". Wie von seinen anderen Werken spürt man auch in der Musik seines „ewigen Juden" die Nachwirkung des französischen und russischen Impressionismus, . namentlich Debussys und Skrjabins, was jedoch nicht hindert, daß die Musik in ihrer Auswertung alter jüdischer Motive, in der frei psalmodierenden Rezitation, in den magischen Orchesterfarben — Soloflöte, buntes Schlagwerk usw. — weit mehr orientalisch als europäisch amnutet. Ja, der Impressionismus mit seiner Loslösung von der Diatonik baut hier gewissermaßen eine Notbrücke zum Orient. Nach der klagenden Olvertüre, deren schaurige Blechbläserattorde das Schicksal des Tempels vorausahnen lassen, wirkt umso diesseitiger das bunte opernhaft orientalische Treiben der Verkäufer auf dem Marktplatze. Wieder fällt das für den Musikstil der Habima so charakteristische freie Variieren kurzer jüdischer Motivformeln auf, wieder die in ihrer Mannigfaltigkeit deni Orient abgelauschten Uebergänge zwischen Solo und Chor, zwischen Sprache und Gesang. Eigenartig wieder wie im „Dybuk" die Steigerung der Tänze vom unmerklichen Nicken und Wiegen bis zur Ekstase. Und ganz wunderbar ertönt die einförmig dumpfe Klage uni den zerstörten Tempel. Alles in allem ein starker mystischer Zug in Musik und Darstellung, orientalischer Klänge, orientalischer Gewandfarben und orientalischer Bewegungssormen bringen das Unwirkliche, Zeitlose der Legende erschütternd zum Ausdruck. Wenn die Habima auch in Moskau geboren ist, ihre seelische Heimat und das Ziel ihrer Sehnsucht ist der Orient. Und in dem Jneinanderkreisen verschiedenartiger musikalischer Elemente gelangt doch immer wieder das Bolksliedhafte und das Kultmäßige des orientalischen Judentums zum Durchbruche, slb, „Mrr. ßhenevr Stritt." Deutsches Volkstheater. Der Inhalt dieses Lustspiels von Frederick Lonsdale ist Ivahrlich nicht erzählenswert. Bier Akte Konversation. Jetzt versteht man erst, woher Lonsdale die „Problematik" und die „Konflikte" des „Reinen Tisch" geschöpft hat: aus theoretischem Konversationsgeist. Mit dem Theater hat das so viel zu tun wie Gymnastik mit körperlichem Wohlbefinden und Schönheit. Voraussetzung und Maßstab, weiter nichts. An diesen Konversaliouskimslstilcken lernen die Schauspieler und zeigen, was sie können. Nach Hause geht man aber ebenso unbefriedigt wie von einer Klavierübungsstunde. Der große Erfolg galt der lzerrlichen Elisabeth Bergn e r, dem Gast, der die Premiere zu einem „gesellschaftlichen Ereignis" machte. Der Zauber der Bergner liegt in ihrer Natürlichkeit und scharfen Nuancierung der Sprache. Dieses zarte Körperchen spricht Stürme, Flammen, Heiterkeit, Weiblichkeit, spitze Zynismen, Gleichgültigkeit und Ruhe mit einer atembeklemmenden Nonchalance und Sicherheit. Sie spielt im Spazierengehen, so nebenbei; hat sie überhaupt spielen gelernt'?! Sehr ähnliche Qualitäten hat Anton Edthofer: auch er macht es auf der Bühne wie zu Hanse. In jedem Akt gibt es ein Rededuell zwischen den beiden Künstlern, und der ganze dritte Akt ist ein Wortwechsel zwischen dem zynischen, routinierten Lord und der resoluten Cheney: diese Gespräche, scharf pointiert und zielsicher, sind Meisterwerke der schauspielerischen Konversationskunst. Vortrefflich auch und viel zum Spielerfolg des Stückes beitragend Direktor Beer als internationaler Hochstapler in Kammerdienerlivree, Hans L a ck n e r als beschränkter Großgrundbesitzerssohn und Cäoilie L v o v s k y als die „offene Sünderin" aus besseren Kreisen. John Richards ist ein talentierter Negerschauspieler. Die englische Sal on st immun g führte bis ins Schlafzimmer und bis zum pedantischen Frühstückvinnehmen Karlheinz Martin; üppig und schön die Bühnenbilder Franz Schallnds. Leopold Thaler. Am den Theat«m. Burglbeater Morgen V,8 Uhr abends, „D ne l k a m L i do" (Abonnement VI. Gruppe). Akademietbeater. Morgen. '/,8 Uhr abends, „Jugendfreunde" (Abonnement V. Gruvve). Overutheater. Morgen, 7 Uhr abends, „D e r Prophet". V o l k 8 o p e r. Morgen. ‘/»8 Uhr abends. .Das Dreimäderlhaus" mit Franz Glawatfch als Tschöll. Deutsches Volkstheater Sonntag. 7,12 Udr vormittags, liest Elisabeth Bergner Artur Schnitzlers Novelle „F r ä u l e i n E l s e". Roland-Bühne. Heute. 8 Uhr abends, Erstaufführung der Komödie ^DleBrautund das schart a ch r o t e T i e r". Neues Wiener S t a d t t h o a t e r. Ab heute. 8 Uhr abends, gelangt der Schwank „E r w i l>l eine mode r n e F r a u" von HanS Naderer mit Christl Hermamt- Slorm wieder zur Aufführung. Theater an der Wien. Wr das am 13. d.. 2 Uhr nachmittags, anläßlich des 125 jährigen Bestandes des Theaters stat>findenden Festmatwee. haben weiter« Kammersängerin Selma Kurz und Opernsänger Josef M a n ow a r d a ihre M twirkung zugesagt. Job ann-S trauß-Td eater. Morgen, 7,8 Uhr, gelangt „Adieu Mim U", Operette von Alexander Engel und Julisune Horst, Texte und Musik von Ralph Benatzky, mit Ma G e o r g in der Hauptrolle, zur ErstauMhrung. Bereioe, Borträge und BersamnüMgeu. Zionistische Juaendgruppe Le o p o l dstadt. Heute entfällt die Ausschußsitzung. * Urania. Donnerstag mn halb 8 Uhr >abonds im Aemen!aal Vonrag des amerikänischen SchrifisteUettn Ina Sizera s s i d v über die Pueblo-Indianer. Jüdisches Realghmnastmn. 2. Boz., Castellesgasse 35. Aneldungen sür die 1. bis Vitt. Klasse täglich zwischen 12 und Uhr. Keren-Kajemech-Büchfeitleerung. Vom Bureau des Jiischen Nationalfonds wird uns geschrieben: Wir erinnern alle nisere Mitarbeiter, baß die Leerung am 31. d. abgeschlossen sein mß. Jede Gruppe hat nur so viel Sprengel zur Leerung erjXtwt, als sie verläßliche Mitarbeiter hat. Jeder Bnchsenchaber muß einige Male auifigesucht werden, damit dann eme lachleeruna seitens des Bureaus nicht nottvewdtg «wird. Dne :ste Seite des R apportibogens enthält die Adressen der Buchsenchabcr und wird bei der nächsten Leerung auf die „Mljilangen" -geklebt werden. Diese öldressen dürfen also mcht abwissen, sondern Essen geschont werden. ■ Aufruf. Eine alte, unheilbar Eranke Frau mit einer .ngenkranken Tochter -wendet sich an edl-e Menschen um penden. da sie sonst dem Hungertod preisgege-beu ist. NMw ">* Sßhweffa er-Ueaen -in unierer Redaktion. Gerichtssaal. „Getaufter Jud" ist eiue Ehrenbeleidiguug. So urteilte der berüchtigte Budapester Senat in einem Ehrenbeilei-digungsprozetz, den der j-udenfeindliche Führer der christlichsozialen Partei GM Lakatos gegen den verantwortlichen Redakteur der „Nepszava" angestrengt hatte. Das genannte Blatt geißelte die Demagogie des Lakatos, der als getaustep Jude die Frechheit habe, den blutrünstigen Antisemiten zu spielen. Lakatos bestritt, tafe er von Inden stamme. Obgleich der Beklagte den Wahrheitsbeweis für seine Behauptung erbracht hatte, Erde er wegen Ehrenbeleidigung zu zwei Wochen Gefängnis und drei Millionen Geldstrafe verurteilt. Jtl der Urteilsbogrü-ndung wird ausgeführt, daß die Behauptung, jemand sei ein getaufter Jude, wohl keine Ehreübeleldig-ung oder Verleumdung darstelle, im vorliegenden Falle aber gnattflziere sich dieser Vpowurf dennoch als Ehrenbeleidigung, weil die Gegenüberstellung, daß jemand, obgleich er getaufter Jude ist, eine führende chvistlichsoziale Stellung einnimmt, geeignet ist, den Kläger als für oine solche Position unwürdig hinzilstellon und unmöglich zu machen-. Der Verurteilte meldete die Berufung an- —

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