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Wiener Morgenzeitung · 1926-06-07 · Heft 2617 (7.6.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2617 (7.6.1926)
Date
1926-06-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Budapest, 7. Juni. Die Wiederkehr der Unterzeichnung des Friedensvertrages bot gestern dön Erwachenden Magyaren Anlaß zu großen Demonstrationen gegen das Judentum. Schon während der ersten Reden' einzelner Erwachender begannen die Studenten ’ antisemitische Bemerkungen und Hetzrufe zu machen, die sich gegen Schluß immer mehr steigerten. Den Höhepunkt der Demonstration erreichte die Rede des Abgeordneten Lendvai, der eine überaus scharfe Hetzrede gegen das Judentum hielt und mit deü Worten schloß: „Bald wird die Zeit des ungarischen Mrssolini kommen!" Nach der Rede wurde Lendvai von den Studenten bereits als ungarischer Mussolini gefeiert. Nach Schluß der Versammlung wollten die Studenten einen Demonstrationsumzug veranstalten, der bei der Aufhetzung der Studenten leicht zu Gewalttaten geführt hätte. Die Polizei mußte in riesiger Anzahl ausrücken, um die Absichten der Studenten zu vereiteln. Mit knapper Mühe würde eine Demonstration vor der fanzöfischen Gesandtschaft, die auch vom Militär geschützt wurde, verhindert. Der Nothelfer der MrMvauch eines Hindenburgbriefes als deütschnationaleH Kampfmittel gegen die MMenentelgnnn^ Berl.in, 6. Ami. Der, „Montag-Morgen" Meldet: Der Hauptschlager dor: Agitation gegen den Bolksentscheid. über die Fürstenenteignung soll nach. einer: Meldung des. „Vorwärts" ein Schreiben .des Reichspräsidenten H in.de nb u r g werden, das in 'den nächsten- Tagen in einer deutschnationalen Wochenschrift publiziert und in Form einer . Flugschrift in die Masten geworfen werden soll.. Es handelt sich -um einen Privatbrief, den..'der Reichspräsident. am 22. Atai an den Vorsitzenden des Re'ichshürgerrates Lö'bell gerichtet hat, und zwar als Antwort auf dessen Bitte, zur Frage des Volksentscheids öffentlich Stellung zu nehmen. .Hindenburg erklärt in diesem. Brief, '„aus staatsrechtlichen, sich aus der verfassungsgemäßen Stellung des. Präsidenten ergebenden Gründen -der Anregung nicht entsprechen zu können". Bedauerlicherweise schloß aber der Reichspräsident an diese korrekte Erklärung noch längere persönliche Ausführungen über den Volksentscheid an, die l e d i g I i ch f ü r den E m p f ä n g -e r des Brieses bestinMit waren. Wenn Herr v. Löbell diese Privaten Ausführungen jetzt zu Agitation s z w e ck e n in die Oestentlichkeit bringt, so -ist dies ein g r o b e r V e r t r a u e n s b -r u ch. Boi der geplanten Veröffentlichung des Hindenburg- Briefes scheint Herr v. Löbell, der jetzt von neuem die Rolle des Nothelfe-rs für die Rechtsparteien spielt, übrigens nicht nur bloß Agitation gegen den Volksentscheid treiben, sondern auch den Reichspräsidenten für >den Fall eines Sieges des Volksentscheids festlegen zu wollen, Bartel neuerlich volnischer Ministerprilstdent. Warschau, 6. Jrmi. (Poln. Tel.-Ag.) Der Präsident der Republik hat den Chef der zurückgetretenen Regierung, Professor Bartel, mit der Bildung des neuen Kabinetts betraut. Bartel wird seine Regierung Dienstag nach seiner Rückkehr ans Lemberg, wohin er sich aus Gründen privater Natur begeben hat, bilden. Man erwartet große Veränderungen in der Zusammensetzung des Kabinetts. Bor der Auflösung des Landtages. Warschau, 6. Jnni. (Poln. Tel.-Ag.) Die Parteien der Rechten verlangen, daß der Landtag erst nach Annahme der Aenderrrrrgen der Verfassung und des Wahlgesetzes sowie der Maßnahmen zur Sicherung des Budgetgleichgewichtes und der finanziellen Sanierung aufgelöst werden soll. Die Bauernpartei und die Linke fordern die s o f o v ft fl e A nflös ri n g des Landtages nnd Neuwahlen im September. Das Moffulabkommea lmlmeichnet. Konstantinopel, 6. Jnni. (Havas.) Das Mossnla b k o m m e n ist unterzeichnet worden. Fortdauer der Kontrolle i» Ungarn Wegen klnfvruche» Frankreichs «ch der rfchechostowakei. Genf, 6. Juni. Br kands Ankunft i« Genf, dlk mor^tzsn früh erfolgt, WÜrd hier mit großer Spammmg erwartet. Er wird gleich bei feinem Eintreffen eine Konferenz mit Chamberlain haben nnd von dem Ergebnis dieser Besprechung wird das Schicksal der ungarischen Anttäge abhängen. Das Finanzkomitee hat sich heute den ganzen Tag mit der ungarischen Frage befaßt. Wie verlautet, habe» die Experten Frankreichs und der Tschechoslowakei sich gegen die Aufhebung der. ungarischen Kontrolle ausgesprochen. Se?terreich vor dem Bölkerbaad. Genf, 6. Juni. Heute hat das Finanzkomitee keine Plenarsitzung abgehalten, sondern nurinterne Besprechungen gepflogen. Die nächste Sitzung ist für morgen vormittags anberaumt. Man hofft, daß die Anträge des Finanzkomitees noch am Nachmittag ausgearbeitet werden können, so daß die Sitzung des ö st e r r e : ch: sch e n Komitees schon am Dienstag stattsinden könnte. Am gleichen Tag wird das KontroMomitee zusammentreten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß auch der'Völkerbund noch am Dienstag die österreichische Frage aus die Tagesordnung stellt. Jedenfalls aber dürfte am Mittwoch Bundes kanzler Tr. Ramek an der Sitzung des 'Völkerbundes teilnehmeu, in der die Beschlüsse betreffend Oesterreich g** faßt werden. Die Atzorlmung des Waad Leami ia Gras eingetrossen. Genf, 6. Juni. (I. T. A.) Die Abordnung des Waad L e u m i (Nationalrat der palästinensischcn Juden), die nach Genf gesandt wurde, um vor der M a n d a t s k o n: m issi on des Völkerbundes die Interessen -de-r jüdischen Bevölkerung zu vertreten, ist hier eingetroffen. Sie besteht -bekanntlich aus Rabbiner Uz-iel, Dizengoff und Dr. Arlos o r o w. . Dr. Weizmann kommt nach Berlin. Empfang in der Philharmonie. Berlin, 6. Juni (I. T. A.) Der Präsident der Zionistischen Organisation, Prof. Dr. Chaün Weizmann, wird, von Genf kommend, wo er' die Zionistffche Organisation vor der ständigen Mandatskommission des Völkerbundes vertritt, um die Mitte dieses ° Monats einige. Ta ge,^in, ^Berlin weilen. In seiner Begleitung werden sich die Herren Dr. Ed t r; Mitglied der Zionistischen Exekutive^ nnd Dr. Bertold F e'i w el, der Leiter des .Keren Hajessod, befinden. Ans. Anlaß der Anwesenheit Dr. Weiznmnns in Berlin wird am 13. d., abends, im großen Saal der Philharmonie ein von der Zionistischen Vereinigung für. .Deutschland irnd dem deutschen' Keren Kajemeth verärlstalleter öffentlicher Empfang stattsinden. . . . . - . - Lord Plnmers Zustand gebessert. Jerrrsalem, 5. Juni. (I. T. A.) Der- Gesundheitszustand des Oberkomnlissärs für Palästina, Feldmarschall Lord P l um e r, hat sich soweit gebessert, daß das. aus Anlaß des Geburtstags des englischen Königs für heute angesagte Staatsdiuer unter dem Vorsitz des Oberkommissärs stattsinden kann. Jerusalem, 6. Juni. (I. T. A.) Das Organ der arabischen Exekutive in Palästina „Felestin" teilt mit, daß R ikabi Pascha, der Premier Transjordanietts, dem Druck der öffentlichen Meinung des Landes weichen mtb zurücktreten mußte. Seine Stelle wird kein Araber, sondern der'britische Vertreter in Transjordanieii, Kolonel Cox, einnehmen. Wie „Felestin" mitteilt, hätte sich die öfferttliche Meinung gegen Rikabi Pascha deshalb gewandt, iveil er für die „Annexion" Transjordailiens durch Palästina eintrat und Transjordanien der zionistischen Jnunigration öffnen wollte. Er sei auch für die Ailflösuug der arabischen Legion verantwortlich und habe die Elektrifizierung Trausjordaniens durch Pinkas R u 1 y e n b e r g gebilligt. Fronkrrsch» Finanzsorgen. Wirtschastüche Maßnahmen. Paris, 6. Juni. (Havas.) „Quotidien"-behauptete in seiner Morgenausgabe, die Regierung beabsichtige, den Metallbestand der Bank von Frankreich zum Schutze des Franken zu verwenden, die Bank habe dies jedoch verweigert. Nach dem heutiger! Ministerrat bestritt Finanzminister Per et diese Meldung und erklärte, ein solches Gerücht sei vollkommen unverständlich. Das Studium der Regierungsentwürfe, an denen der Minister eifrig arbeite, sei noch keineswegs beendet. Der Zeitpunkt der Einbringung der Entwürfe sei noch nicht bestimmt, wenn der Minister auch damit nicht zögern werde. Ministerpräsident Briand betonte'dringend die Notwendigkeit der. Einschränkung des Verbrauchs, worüber der Ministerrat demnächst neuerlich beraten werde. Parks, S. Juni. (Havas.) Der Ministerrat beriet die finanzielle Lage und beschloß die sofortige Durchführung des Programms der Einschränkung der Einfuhr und der Verminderung des Verbrauchs. Die. Minister des Innern, für öffentliche Arbeiten, Handel und Ackerbau werden zu diesem Zwecke ein Komitee bilden. Der Ackerbauminister legte die Getreidefrage dar. Er nehme die Möglichkeit in Aussicht, die Zollgebühren zurückzuzahlen. Der Mamfche Sejm. Kowno, 4. Juni. (I. T. A.) Gestern spät nachnittags trat der neugewählte Sejm zusammen. Das Alterspräild-rurn übernahm der jüdische-Abgeordnete Finke l^t'ein als das älteste Mitglied -des Hauses. Er erüffuete den Sejm mit einer Arrsprach-e, in der er dem Wunsche Ausdruck gerb, daß sich die D e rn o k r a t i e L i t a u e n s weiter verstärke und bef-est^ und daß dem litauischen Wilna die Befreiung, winken möge. Me- Worte -des Alterspräsidenten fanden starken, lang anhaltenden Beifall auf sämtlichen Abgeordnetenbänken, arrch auf denen der Rechten. In den Besprechungen der Parteiführer wurde den Minderheiten ein Platz im Präsidium des Sejrn reserviert. -Der,-deutsche Abgeordnete Kümb.e-ris vmche zu-m ersten Sejmsekretär gewählt. Hakoah tmf der Heimreise. (Eigendienst der ..Wiener Morgenzeitung".) An Bord der ,-Bvngaria", 6.'J«ni. Die Mannschaft dürfte Donnerstag den 10. d. um %3 Uhr am Westbahnhof aukormnen. Beim Abschiedsbankett in New-Iork sprachen JabotinSky, Abrahmn G o l d b e r g. ^Grover M o 8 k o w t tz und Dr. K ö r n e r. Außer der Zionistischen Organisation überreichten auch der Verband Ott und die Zeitrma „Der Tog" der Hakoah silberne Ehrenbecher. M Wer der Wissenschaft. Tragrschev Tod eines Radiologen. Paris, 6. Juni. (Havas.) Der Radio» löge Abbe Tank eigne ist als Opfer der schädigenden Wirkungen der Radinmstrahlen gestorven. _ Ser Mord in PsaMtten. Die Jagd nach dem Möcher. Wie -uns a»ls Baden gemeldet wird,-dauert die Jagd nach denr Mörder W i ed e irra n rr von' Pfaffstätten unverrrttndert an. Ein großes Aufgebot v a u G e n d a rmerU und M ilitär zu Rad durchstreift unausgesetzt das ga-rrze Gebiet..(Gestern abends wurde der Mörder 'in der Nähe von Nerrdörfl an der Leitha ausfindig gemacht. Es gelang ihm jedoch, die Flucht zu eM-eiseu und zu entkommen. Er hat diesirral nicht wie bisher auf die ihn verfolgenden Gendarmen geschossen, -so daß man armimmt, 'daß ihm die M u n i t i a u, mit der er sich gegen feine Verfolger wehrte, ansgegangen ist. Die Gerrdarnren feuerten wohl auf den Flüchtenden fünf Schüsse ab, doch entkam Wiedemann in der Richtung auf Ka tzelsdorf. Dieser Ort wird nun umstellt, und nran glaubt, den Mörder in kürzester Zeit gelangerrw-'hmen zu können.

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