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Wiener Morgenzeitung · 1926-06-06 · Heft 2616 (6.6.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2616 (6.6.1926)
Date
1926-06-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wiener Morgenzettnns 6. Juni 1926 9t. M« Sie Boraussetzuugen zur Aushebung der Kontrolle erfüllt. SeKerrekch vük dem Dölkeebund. — Sie Kreditteste für Kabelvud LeiephoobM. Genf, 5. Juni. Heute vormittags hat Generalkommissär Dr. Zimmer man über den Rechnungsabschluß von 1925 dem Finanzkomilee Bericht erstattet. Um 4 Uhr nachmittags fand eine Plenarsitzung des F i n a n z k o m i t e e 8 statt, an der Bundeskanzler Dr. Name k, Finanzminister Kollmann und die Reserenten teilnahmen. Nach einleiteltden Worten des Bundeskanzlers führte Finanzminister Kollmann ans, daß das Budget für .1925 in dem vorgesehenen Rahmen geschlossen habe und der Rechnungsabschluß über das Jahr 1926 rechtzeitig fertiggestellt worden sei. Hiermit seien die im Dezember für die e n d g ü l t i g e A u f h e b u n g der F i n d n zkontrolle festgestellten Voraussetzungen erfüll t. Im Jahre 1926 sei die Entwicklung der Einnahmen bisher nicht ungünstig. Was die Staatsansgaben anlangt, so arbeite die Regierung trotz der großen Schwierigkeiten, dar durch die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse verursacht werden, mit großem Ernst an der Einhaltung der Präliminarziffern. Der Minister hält es für seine Pflicht festzustellen, daß Oesterreich nicht damit rechnen könne, in naher Zukunft neue produktive Investitionen aus den laufenden Einnahmen zu bestreiten. Die österreichische Regierung habe die Absicht, je nach Gestaltung der Verhältnisse für die Bedürfnisse der Kaffegebarnng durchs' Ausgabe von kurzfristigen drei- bis sechsmonatigen Schahscheinen Vorsorge zu treffen. Bundeskanzler Dr. Ramek verwies darauf, daß in den letzten Jahren w i ch 1 i g c I n v e st i t i o n e n z ur ü ck g c st c l l t werden mußten. Die dringendste In- PERÜCKEN Die besten u. bissigsten | nur im <3§%HBEN'FR5SiER-SALON Wien, z. Graben 12 iog Telephon 74*2-20 vestition, die wir jetzt beginnen und in den nächsten Jahren durchführen müssen, ist der A u s b a u d e S Internationalen Kabelnetzes und der Telep h o n a n l a g e n. Um mit den Arbeiten schön jcht beginnen zu können, müßten die Kreditr.este für diesen Z w e ck tu Anspruch genommen werden. Da eS sich aber auch um eirren umfassenden Plan für mehrere Jahre handle, müsse die Regierttng daiaN denken, die für den Ausbau notwendigen Mittel ans dem Anleihewege zu beschaffen. Der Bundeskanzler ersuchte das Finanzkomitee, die K r e d i t r e st e für produktive I nv e st i t i o n e it int Jahre 1927 zur Verfügung zu stellen und die Durchführttng der weiteren Investitionen zu fördern. Der Präsident des Finanzkomitees, Dubais, beglückwünschte die österreichische Negierung zu ihren Erfolgen, so daß alle Voraussetzungen zur Aufhebung der Kontrolle erfüllt seien. Er äußerte nur die Besorgnis, ob nicht die Beamtenbesoldung und die Besoldtmg des Eisenbahnpersonals das budgetäre Gleichgewicht beeinträchtigen könnten. Er führte atls, daß die österreichische Volkswirtschaft Entlastung brailche ltnb daß man sie sicherlich nicht weiter bclasteit dürfe. Bttndeskanzler Dr. Ramek gab hierauf beruhigende Erklärungen ab. Das gesamte österreichische Parlament sowie die gesatitte Bevölkerung geben sich ausnahmslos Rechenschaft über die Wichtigkeit der Erhaltung des budgetären Gleichgewichtes und seien einig darin, daß cs niemals wieder eine Inflation, niemals wieder eine Defizitwirtschast geben dürfe. Keine österreichische Regierung würde zü solchen Mitteln greifen. Nun wuren noch einige technische Fragen betreffend bot von der Regierung beantragten Kabelbaü erörtert, ivorauf die weiteren Verhandlungen auf die nächste Sitzung des Fittanzkontitees vertagt wurden, die überntorgen, vielleicht schon morgen, stattfinden wird. $85 bestochene Hakenkreuz. SrrchMungen im Femeaasschuß der Leutschea Reichstages. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeijung^.) ö Seite 2 Dien, Sonntag |\ -Dauersirümpfe haben Wcliruf ■ - Fleg-am, unverwüstlich / UiberaH irhlttllch Zentrale: LEO SUSSMANN Wien, 1. Bcslrk, Schwert^aiie Nr. t ....ff «mw — Um den Orient — y. / t n. 6. Juni. Um die Seele des Orients wird geworben. Abd el Krim hat sich ttach zweijährigem Widerstand ergeben und ist weinend in die Gefangenschaft gewandert. Die Mächte streiten sich bereits um die Beute. Eine neue Algeciras-Konferenz wird attgeküttdigt, auf der eilt Einvernehmen über die Frage versucht wird, wie das wehrlose Land aufzuteilen wäre. Frattkreich wehrt sich mit allen Kräften dagegen, daß die Angelegenheit verbreitert wird und daß außer den direkt Beteiligten noch jemand anderer einen Vorteil erhasche. Dagegen ist Italien der, Meinung, daß es bei der nunmehr eintretenden Verschiebung des Kräfteverhältnisses ant Ausgange des Mittelmeeres nicht leer ausgehen dürfe. Ein Ausgang ist immer auch ein Eingang und der heißt in diesem Falle Gibraltar und ist mit englischen Kanonen gespickt. Wenn die Kottfcrenz zustande kommt, so wird dies ritt, diplomatischer Echee Frankreichs sein und es werden int Rathause von Algeciras — wo einmal Goluchowski brillante Sekundantendienste getan hat — auch die anderen Großen Platz nehmen; preisend mit viel schönen Reden werdeit sie der großen Kulturmission im Orient gedenken, in der Hauptsache aber um die Bergwerke im Atlas hadern. Die Sache ist zu oft schon dagewesen. Cs wird ein scharfer'Kampf der Diplomaten werden und am Schluffe wird man sich auf ein Provisorium einigen, an dem einige Armstrongs fett verdienen. Marokko wird dein Sultan übergeben und es wird ihm gestattet lverden, Unabhängigkeit zu markieren. Die arabische Welt zählt einen freien Staat mehr. Sie ist übrigens dieser Tage auch noch um einen zweiten unabhängigen Staat dieser Art bereichert worden. Es ist eine Republik Libanon mit einent Präsidenten und einer nationalen Regierung errichtet worden und die Drusen, deren Beruhigung so viel Blut gekostet hat, werden sich wohl sagen, daß sie das erste Ziel ihres Freiheitskampfes erreicht haben. Die bekommen eine funkelnagelneue Demokratie init allen Attributen. Aber sie werden sehr bald darüber belehrt werden, wie es um Geschenke solchen Charakters bestellt ist. Ihre Republik ist aus den europäischen Intrigen geboren und das Scheindasein, das sie führen wird, verdanken sie nur dem Bestreben Frankreichs, den peinlichen Debatten in der Mandatskontmission zuvorzukommen. Es ist noch erinnerlich, daß im vergangenen Herbst in dieser Kommission an einent Tadelsvotum gebraut wurde und daß sogar der Vorschlag auftauchte, denn Beschluß in solenner Fornt einer syrisch-arabischen Notabelttversammlung mitzuteilen. Es versteht sich von selbst, daß diese Freundlichkeit zwei Fliegen mit einem Schlage getroffen hätte. Frankreichs Autorität wäre zerfetzt gewesen und den arabischen Anrainern in Palästina wäre ein deutliches Signal gegeben gewesen, daß auch für sie und ihre 'Proteste gegen England und den Zionismus ein klares Präjudiz geschaffen sei. Woher der kluge Gedanke kam, das haben die englischen Blätter bei Gelegenheit der Kämpfe um die Ratssitze des Völkerbundes unverblümt herausgesagt. Sie wiesen auf den Vatikan hin, der den Völkerbuna sprengen und zugleich England von der palästinensischen Seite her angreifen wolle. Frankreich hat nun das Votum nicht abgewartet xtnb so entsteht eine unabhängige Republik mit einem Parlament, das die tvundervollsteu Angriffspunkte für die Balgereien der interessierten diplomatischen Vertreter bieten wird. *4* Css ist eben ein eigen Ding, dieses Werben uni die des Orients. Für alle diese Staaten sind die Volker des Morgenlandes nur Schachfiguren. Niemals noch hat eine europäische Partei ernstlich gegen diesen Usus Stellung genommen und selbst die Proteste hervorragender Schriftsteller, wie Pierre Loti und Mültatuli, verpufften in unschädlichen Büchern. Erst in unserer Zeit hat sich eine Bewegung gebildet, die von Sympathie für einen Punkt des Orients überfließt, nämlich für Palästina, den Punkt, dem das jüdische Volk zustrebt. Die Araber dieses Landes sind das Lieblingskind der antijüdischen Strömung geworden. Bis zu dem Zeitpunkt, wo der Völkerbund das Mandat zur Errichtung der jüdischen Heimstätte erteilte, waren diese Araber so gut wie unbekannt. Die Internationale des Hasses hat sich ihrer erinnert und sie hat sich für ihre so durchsichtigen Zwecke auch du logische Brücke gebaut. Sie überträgt einfach ihre Tendenzen und ihr Wollen aus die Juden und imputieri ihn-"! Usntpanonsgelüste nach europäischem Muster. Das ist, wie die Sache liegt, ein bewußtes Mißverstehen. Jrt keinem Punkt läßt sich das jüdische Streben mit oc.n europäischen .cheich,'testen. Die Juden wollen in dem hur': lchrhundertelange Mißwirtschaft fast verödeten und verkarsteten Land sich eine Heimat schaffen. Sie verdrängen kernen Araber und.wollen seine Eigenart weder verletzen noch für sich ausbeuten. Das Land ist schwach besiedelt und der jüdische Anspruch geht nur .nach freiem .Bchen. Ätzer die Jntermlivgaje des Berlin, 3. Juni. Im. Fe m e u n t c r f u ch u n gsa.. rs ch ich des Reichstages wurde heute der Schriftsteller Franz v. Puükammer zum Falle Baur (der in die Isar geworfen tckrrdc) vernommen. Puttkmttmer httte als Berichterstatter sozialdemokratischer und demokratischer Zeitungen in München eine.» Reihe vaterländischer Verbände besucht. Einnial habe er eine Felddienstübung der Nationalsozialisten mitgemacht. Er habe dies über Aufforderung getan und der Einblick in das Treiben der N a t! o n a l s o z i a l i st e n fei für seine Berichterstattung lohnend gewesen. Ba ur habe die Diktatur ausrufen wollen. Zeuge habe auch an einer Weihnacht s f c i e r und Fahnenweihe d c s B l ü ch e r- Bundes teilgenommen..' Bei de-r Fahnenweihe wurde ' eine Reihe blutrünstiger Reden gehalten. Die ganze Unternehmung sei mit französisch c m G c ld g r oßge zö g e n worden. Abg. Schäfer (deutschnational) bemerkt, der Zeuge habe selbst.früher zugegeben. Baur zum Attentat auf 2 ch e i b p m a int augestiftet zu haben, was Zeuge verneint. Ter Vorsitzende oerliest die Aussage Puttkammers über den Plan Baurs zur Ermordung Scheidemanns. ' Danach habe Zeuge damals seine Unterstützung zugesagt, wen» er een Mordplan ausmhre. Zeuge erklärt, er habe Baur nicht widersprochen, u nt den Plan genau - zu erfahren. Er habe ihm aber weder zugere.et, noch ihm Geld oder Revolver gegeben. Abg. Schäfer fragt den Zeugen,, ob er Baur in seinem Attentatsplan bestärkt habe. Zeuge: Wissentlich nicht. Auf weitere Anfragen des Abgeordneten Schäfer wird Zeuge immer erregter und ruft schließlich: Sie wollen mit Ihren Fragen in Abrede stellen, daß Sie Mörder gegen unsere Führer schicken. Der Vorsitzende rügt diese Worte. Ta der Abgeordnete Schäfer sich mit der Rüge nicht begnügt, beschließt der Acts- Pogroms will das nicht zugeden und sie hat sich zu allen sonstigeit Motiven auch noch das ihrer gefälschten Demokratie znrechlgelegl -i- Es ist das dieselbe Internationale, die zu allen Koloiiialbrnlalitäten betäubend applaudiert, iveil sie dem Wesen der .Herrennationen entsprechen, die die Segnungen ihrer genialen Errungenschaften aller Welt aufdringen wollen. Das Judentum kommt in Frieden und will keine Expropriation. Es kommt nicht mit Kanonen und Fahnen, dlber es erwirbt sich damit den höchsten Haß jener Gewalten, die ihm den Tod geschworen haben und für die' die Existenz dcs jüdischen Volkes eine ewige Provokation bedeutet. An dem jüdischen Willen wird dieser Hatz zerschellen. Wir wissen die Lüge und die Fälschung richtig ejnzujchätz^. schuß, dem Zeugen eine scharfe Rüge zu erteilen, jedoch von^eincr Bestrafung abgesehen, weil cs sich um eine plötzliche Entgleisung handle. .. Der Zeuge bekundet ferner, er -habe nicht gewußt, daß Baur ermordet werden sollte. Dieser , habe selbst die Ahnung geäußert, daß er keinen Stroh tod sterben iverde. Ihm sei selbst gesagt worden, daß Baur alL unzuverlässiger Schwätzer beseitigt werden sollte. Zeuge erklärt, daß er lediglich für je ine j o u r n ä- . listische Tätigkeit von «den betreffenden Zeitungen bezahlt worden sei. Kleinere Auslagen für Baur habe' ihm , der Abg. Auer wiederyegeben. Nmtmchr wirb Kriminalbeamter Wenzel aus München vernommen, der die Vernehmung im Falle Baur zum größten Teil geleitet hat. Auf Fragen des Abg. Landsberg (Sozialdemokrat)' erklärt der Zeuge, ihm sen bekannt, daß während der Kämpfe in Oberschlesien beim Freikorps Oberlvü'd die Bestimmung bestand, daß Verräter der Feme verfallen. .Hierauf wird Staatsanwalt Stumpf (München) vev nommen. Der Zeuge gibt seiner Vermutung Ausdruck, daß Baur ermordet worden sei, weil er mit Puttkammer in Verbindung stand, den man im Blücher- Bund für verdächtigt hielt. Auf Fragen des Abg. Dr. L e v i erwidert der Zeuge, nach seiner Meinung habe kein; Mordkommando bestanden, von dem die Leitung des Blücher-Bundes etwas wußte. Baur sei auf B eschlu ß d e r Gruppe Berger-Zweugauer ermordet wowen Hierauf vertagte sich der Ausschuß. * Die Mitteilungen Puttkamnvers besage» nichts Neues. Schon vor dem Nodemberpuffch Hitlers war in deutschen Zeitungen behauptet worden, daß die -Führer der monarchistischen Bewegung gute Beziehungen zu dem französischen Gesandten Dard in München unterhalten. Es lvurde auch . viel bemerkt, daß in der Nacht.des Handstreiches der Kahr, Ludendorff und Hitler die französischen Truppen im Ruhrgebiet marschbereit standen und man vermutete, daß sie den Aufstand zum Einvücken in die bayrische Pfalz ^benützen wollten. Puttkammer bestätigt rmn diese Angaben, die auch, als sie anftauchten,' niemals bezweifelt wurden. Me Abanoy-Regierung gebildet. (Eigendienstder ..Wiener Morgeuzeitung".) Jerusalem, 5. Juni. Die Lrbanonregierung lvurde unter dem Präsidium A d i b Paschas gebildet. In der Nähe von Kunaytra fand dieser Tage ein Angriff der Banden statt, der mit einer völligen Niederlage der Angreifer, die 41 Tipe zurückließen, abschloß. Unter den Gefallenen befindet sich auch der Bandenchef A ch m e d M ohamed, der im Jahre 1921 das Attentat auf Geneval Gouvaud verübt hatte» v

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