Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2609 (30.5.1926)
- Date
- 1926-05-30
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Serie fl) Wien, Somtfag Wiener Moraenzeituna M. Mi 1SSK Rr. Ms Wie«, Lrelfronteukampf. Oesterreich—Frankreich heute um 6 Uhr in Simmering. Vorher: Wiener Amateurteam geg.nl Vorarlberg. Der Wiener Fußballklub hat heute wieder eure schlvere Kraftprobe zu büstcheu. Gegen drei Gegner haben sich Wiens Fußballspieler zu schlugen. Der betzontendste Kampf findet u«n1 5 U h r auf denk S immerin «ger Sportplätze statt. Das Publikllm hat heute Gelegenheit, die Vertreter eines Landes zu begrüßen, das den Kreis der Fußball-Länderkämpfe Oesterreichs nunmehr als ständiger Partner erweitert. Frankreichs Nationalmannschaft Hai die österreichische Elf schon einmal «egen sich antreten gesehen. Das Spiel, das in Paris im PeEng-Stadion stattfand, endete damals mit einem sicheren Siege Oesterreichs (4:0). Seitdem hat Frankreich, das sich durch beit großen Aufschwung seiner Provinzvereine für repräsentative Kämpfe tve.sentlich verstärken kann, einige bemerkenswerte Erfolge, darunter gegen die Schweiz und Italien, erzielt. Die Franzosen treten auch heute mtt einer starken Mannschaft an, die alles daransetzen wird. Oesterreichs Vertretern den Sieg so schwer als möglich zu machen. Schiedsrichter ist Herr C e j n a r (Prag). Die Mannschaften lauten: Frankreich: Cottenet(A. S. Cannes);Cant h e l o u (Rouen). Wallet (AmienS); V t l l a v l a n e (Cette), DomergueS (Niemes). D e d i e n (Cette): G a I« la y, ©rat (Olymvique. Marleille), Seniubeiy (Club Francais. Parks), Lieb (Bilchweiler), G o f s e l t n (S. A. Eft). Oesterreich: Aigner (Simmeringt»Tandler (Amateure). Blum (Vienna); Richter (Rapid), R e s ch (Wacker), Schneider (W. A. ©.); Cnttt ,Amateure). Gschweidl (Vienna), Sindelar (Amateure), W i t f e r (Amateure), Wessely (Rapid). Vor dem Länderkampf, um V,3 Uhr, trägt eine Wiener Auswahlmannschaft gegen da» tüchtige Team Vorarlbergs ein Match aus. Dte Mannschaften spielen in folgender Aufftellung: Wien: Sporrer (Akademicher Sp. Cl.); Popovich (W. A. ©.), Kral (Baumga>ten); Scholz Kricket), Tem>er (Sturm 14), Patzak (Wr. Sportklub); Koller (Crickei). Wollner kW. A. C). Wiudtner (Simmerii'ger Sp. Cl.). Röscher (Cricket) Wanicek (Amateure). Ersatz! Metka (Donaufeld), Schölz sticket), Chalupka (Elektra). Vorarlberg! Schlach er; Hofer. Grab err; Kunz. Kanalz, Ho er; Juffel, Kannenmüller Riedmann, Peterlunger Fischer. Hofer, Juffel und Fi'cher gehören dem Tuinerbund, alle übrigen dem F. C. Lullenau an. Wie« gegen Krakau. Die alten sportlichen Bezichungen zwischen den beiden Stadien «werden heute durch das Spiel der beiderseitigen Auswahlmannschaften fortgesetzt. Die Krakauer haben seit j«eher eine ziemliche Spielstärke bekundet und sich namentlich «in internationalen Begegnungen sehr gut gehalten. Die Zwei nach dem Krieg ausgetragenen Spiele der beiden Städteteams zeugen «für die Klasse Krakaus. Ein Kampf endete torlos. der zweite wurde in Wien knapp i.g gewonnen. Folgende Mannschaften sind nominiert: Wien; Fe gl; Jellinek. Schramseis (alle Ravid); Stevan (Slovan), Hoffmann (Vienna). Kurz (Simmering); Bulla (Dtenna). Schlaffer >W. A. C.). Zdarsky, Buresch, Beybl (alle Slovan,. Ersatz! Hofer, Mbauer. Krakau: Sogla; Kaezor, Gintel; Krupa, Kotlarezyl Zastawniak; KubtnSky, Rejmaun IH, Kaluza. KowalSky, Sperling Französische Fußballer im Rathause. Gestern vormittags erschienen im Wiener Rathause die Mitglieder des französischen Fußballverbandes. Sie wurden im SitzungIaale des Sta-rtssenats in Vertretung des Bürgermeisters vou Staidtvar Richter begrüßt, der insbesondere auf die völkerverbindende Macht des Sportes verwies. Vizepräsident Gevain (Paris) dankte namens der Gäste für die Begrüßung und betonte Ebenfalls die voWewersöhnende Teüdenz der verschiedenen Sportdisziplinen. In Vertretung des Oesterreichilscken Fußballbundes sprach PrasÄent Pantucek, der die Gäste in der St«adt Wien herzlich willkommen hieß. Unter sachkundiger Führung besichtigten die ausländischen Sportsleute sodann die Räume des Rathauses und «die Sammlungen der Stadt Wien. Wacker—Bratislava 3:2 (2:1). Wegen des regnerischen Wetters hatten sich im ganzen 1000 Zuschauer zu diesem Spiel eingesunden. Die Mannschaft i Brattslavas, von der man sonst gute Leistungen gewöhnt ist, ' mußte sich von den ohne Kutan und Resch spielenden Meidlingern eine Niederlage gefallen kaffen. Das erste Tor der Sieget wurde durch eine krasse Of-side-Slellung erzielt. Bei den Gästen zeichnete sich der Torhüter H o l l y ganz besonders aus. Das Fehlen Pribojs machte sich ihr Angrrff der Preßbnrgcr bemerkbar. Die Türe jchissen für Wacker Parofsky (2) und Machhörndl, für Bratislava Soral und Boharsky. Me Meisterschaft der Märschen Amatoarvereine. In der dritten Klaffe spielen Kadimah gegen M. A. K. Hermania und Hasmonea gegen Heuwag. Beide jüdischen Vereine haben gute Chancen. Makkabi wird gegen den führenden S. C. Nordstern 12 kaum eine Niederlage verhindern können. Unentschieden dürfte das Match Bar-Kochba—Wien-Ost enden. Vor einer schweren Aufgabe steht der Hagibor. Sein Gegner Auto hat mehrere ehemalige zweitklassige Spieler und nimmt den zweite Platz in der Tabelle ein. Bleiot der jüdische Klub erfolgreich, so ist ihm die zweite Stelle nicht mehr zu nehmen. Auch der I. A. C. hat in den führenden Neulerchenfelder Amateuren einen schwer zu bezwingenden Gegner. _ Slovan—Hertha 3:0 (2:0). Beide Mannschaften nvt zahlreichen Ersatzleuten. Bei Hertha trat nach langer Zett wieder Ostricze! an. 500 Zuschauer. Das Spiel W. A. C.-Simmering wurde wegen des Regens abgesagt. Die englische Elf in Kanada. Dienstaa trug das englische Team in Montreal das erste Spiel gegen eine repräsentative Elf der Provinz Quebec aus. Die EnAänder siegten vor .6000 Zuschauern 5:3. Bar-Kochba veranstaltet Samstag den 6. Juni im Ottakringer Bräu, 13. Bez., Hietzinger Hauptsttaße 30, ein Gartenfest mit Akademie und Tanz. Beginn 6 Uhr nachmittags, Ende? Gäste willkommen! Gegner gesucht von Bar-Kochba für sämtliche Sommertermine. Zuschriften an Guistav Fried, 13. Brettonseerstraße 49. _ Turnen. Jüdffcher Turnverband. Die nächste Sitzung des Turnver'- bandes firübet Montag den 31. d. im Sitzungszimmer des Makkabi, 15. .Bez., Herklotzgaffe 21, um 9 Uhr sta!'. Die Kadrmah-Schwerathletiksettion trainievt Än Rvflau» raut Ehvlichhof. 20. Bez.. Klchtern'eubur gerstraße, Ecke Traunselsgasse, an jedem Dienstag und Freitag abends ab 8 Uhr. Gäste willkommen. Copyright 1926 Nachdruck verboten oy Joseph Opatorsky, New York (29. Fortsetzung) Roma« eines Pferdediebes. Bon I. Opatoschu. Spät nachts kam Baruch aus dem Hause. Sanwel stürzte sich auf ihn, warf ihm den Fetzen über den KHff und hielt ihn rückwärts fest. Baruch versuchte sich loszureißen und schrie asm Hilft. Rachel trat vor die Tür. Ns Sanwel Rachel eMckte, ließ er Bamch los und 8ef davon. der Schenke saßen au einem großen Dffch einige ZSnrscheu, Sanwel unter ihnen, und tranken. Seit Gradul gestorben war und Bejle Sanwel andertraut hatte, sie sei schwanger, war er ganz aus dem Geleise geraten; er fühlte sich schuldbewußt und mied sie. Zu Hause bleiben konnte er nicht; jeder Winkel trieb ihn hinaus; so drückte er den Hut ins Gesicht, ging in die Schenke und trarck. Jetzt saß er «wie ein HolMotz da, stützte den Kopf in seine großen Hände und schaute in sein volles Bierglas. Seine blauen Augensterne schienen mit einem trüben, wässerigen Häutchen überzogen und hatten einen stumpfen, nahezu idiotischen Ausdruck... Sanwel sah ans einmal viele Kirchenglocken, große und kleine. Sie kgannen zu läuten und klangen unaufhörlich. Sein Hirn stieg in die Hiche und schwankte auf und ab wie auf Spiralfedern. Mojschele Byk kam ohne Hut, mit wirrem Haar hinter «einem Tisch hervor. Er stellte sich mitten in der Schenke auf, gähnte und hustete und versuchte dann, ob er drei Ellen weit spucken könne. Dann ging er auf Manftl zu, die, in ein warmes Wintertuch gehüllt, die Hand unterm Kopf, aus einer Bank schlief, und versuchte sie zu umarmen. Manka öffnete schlaftrunken die Augen und bat: „Gib' mir Ruhe, Mojschele, lass mich schlafen!" Mojschele wickelte Manke ftst in ihr Tuch ein und kniff sie dabei in den Busen. Dann ging er zu Sanwels Tisch und begann ein Gespräch mit seinen Zechgenossen. Das Wort „Rußen der Gärtner" traf Sanwels Ohr und ermunterte ihn. Er ließ den Kopf weiter in die «Hand gestützt, spitzte die Ohren und hörte dem Gespräch zu. „Und wann heiratet sie?" fragte ein rothaariger Bursche mit einer Hasenscharte. ,^Jn acht Tagen, am Sobbatcharmka", antwortete Mojschele. . „Da müssen wir bald mit Marem ftrecheu!" tzwach der Rothaarige weiter. v ,Oa ist nicht viel zu sprechen!" erttgegnete Moffchele prahlerisch. „Voriges Jahr ist uns, Sanwel und mir, kerne einzige Braut ausgekommen!'An dem Tag, da die Braut ins Bad geführt wird, gehen wix eirAch, zu Marcin und geben ihm eine Flasche Schnaps; sÄne Fbau läßt uns dann hincnch oben, wo der Kessel steht. Mer dort heißt's acht geben, Burschen! Ein Schritt daneben und du steckst mtt -en Füßen im heißen Kessel!" ,Mrd es wenigstens dafürstehen?" fragte der RothaarHe und beleckte feine Lippen. „Nur Geduld, bu wirft dich noch viel mehr belecken!" antwortete Mojschele lachend, zwinkerte mit den Augen und deutete auf Sanwel. ,^Die hat einmal ihm gehört; ganze Nächte hat er«, sich mitihr herumgeschleHü." Sanwel wußte, daß Mojschele von ihm sprach; er wnrde totenbleich, faßte den vollen Kmg Bier und schüttete ihn Mojschele ins Gesicht. „Ist es am- Ende nicht wahr?" Mojschele trat mtt geballten Fäusten auf Sanwel zu. Manka, die nicht mehr schlief, trat zwischen Mojschele und Sanwel, um-Frieden zu stiften. Sie versuchte Mojschele bei der Hand fortzuziehen: e,, JBt macht einen Spaß und du kommst sofort in Hitze!" Mojschele riß sich schimpfend von Manka los und Äieb auf seinem Platz stehen: „Laß mich los! Da gibtts keinen Spaß! Was glaubt er, was? Ich fürchte «mich vor ihm? Ich habe den noblen Herm in seiner Ehre gekränkt? Ich habe gesagt, daß er sich mtt Nußens Tochter herumgeschleppt hat! Ist das vielleicht eine Lüge?" Sanwel sprang hastig auf, schleuderte Manka zur Seite und' stürzte sich auf Mojschele. Bald lagen beide auf dem Boden und wälzten sich im Staub wie zwei zojtige Hunde. Mit wilden Schreien fuhren sie einander in die Haare und Augen. Wütend sprang Saywel auf, spie Mojschele ins «blutüberströmte Gesicht und stürmte hinaus. Es war finster und fror. Sanwel ging auf der Straße, wo die Schenke stand, auf und nieder, ballte die Fäuste und sprach zu sich selber: ,/Das muß em Ende nehmen! Ein Ende! Vetter so leHey kann ich nicht!" Er stellte de« Kragen seines. Petzrockes auf Md ver- . fachte, die Hände in dev Rocktaschen, angestrengt sich an «Äwas ' zuerinnern. Aber ft oft er einen Gedanken fassen wollte, kamen ihm tausend nebensächliche Dinge und Geschichten, «die er. längst vergessen hatte, in dm SÄrn und brachten feine Ge-- /dasÄen irr Unordnwig. Mas will eigerMch Gvadnl von mirS" fuhr es ihm durch den Köpft v Plötzlich sich sich Sanwel in einem dichtW WM aus vrnem Baumstumpf fitze». Im Kreis brenne« große Feuer, haWe Kälber braten dam», Fässer voll Schnaps und Brer ß«d in der Nahe aufgestapelt. Sanwel ,Mmde" Legt auf dem Gras, W, tvvM mrd lacht. Ringsum weiden wÄständig gefttteMe DonkoftMchftrde mit lange» Schweife». BejL und Rachel fitzen neben ihm«. Fern ertönt em Trompetenstoß. EMg schwingen sich alle aus die Psieche, erWeSfe» W Gewchve und machen sich schußbevett. Reiter sprenge« heran, auf gvoßm weißen ReGen wK schkva'rzen Wecken auf dom Bauch. Au der Spitze rettet auf einem kohffchwarAen Roß' m Gerippe. Es reitst ohne Zügel, mtt goftnAom Kopf, eine hange Lanze i» der Knocherchaäd. , Sanwel erbebt. Das Gerippe springt Äb, krchL drohNSnö auf rmB «WM Sanwel mit seinem Knochenfinger: ^e, du lustiger Bruder, fomnt* her. Jetzt HMen wir Abrechnung!" Sanwel nickt mA dem Köpft fpvingt ab mrd 'begmirt! mit dem Gerippe zu vingen. Er spürt, wie das Skelett mit seinem beinharten Kinn Löcher in seine Brust bohrt. Sanwels Hiebe aber treffe« i» die leere Lust. Nirgends oiu Widerstand, wohin em schlW, fährt seine Hand ins Leere. Wildes Lache« dröhnt durch den WM. (Fortsetzung solM JEDERMANN soll bei der IS. S «Kr.senfosfvom 8anI(Iisll8 Zekslksmmsr & 5eks«srs, Wien, L, Stephansplatz fl ■ 9** Ziehung am 22. und 24. Juni 1926 "WU« j^erse der Lose: lk S 32.—, VS 16.—, 8 8.—, V« 8 4^— I Prämie: 500.000 Schillins Haupttreffer: 250.000 SchllliRfl | Bei der 13. istorreichischen Klaasenlotteris wurden eowoM die areten Haupttreffer der II., II)., IV. Klaaun, al« auck dar grSBte Haupttreffer der V. KbieoT g im Betrage von 200.000 Schilling pd die Prümin im Betrage von 300.000 mit Soholhainnior»looon gewonnen. | 82