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Wiener Morgenzeitung · 1926-05-30 · Heft 2609 (30.5.1926) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2609 (30.5.1926)
Date
1926-05-30
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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SlöÄe 8 Men, SoMag Memr Msrsr«kzrkk«M 80. M«i 1926 3h. Mg Hunderte Damen und Hrrrea Überzeugen sich täglich, daß das Warenhaus BrüderSchtffm a n n in der Taborstraße 48 seine Popularität dem Motto: Bei niedrigstem Preis beste Qualität! zu verdanken hat. Nachstehend einige Beispiele: Waschwaren (oro Meter): Blaudruck —.98 €>., Cotton de Lene —.85 S., Waschkreton — 98 S., Jackenfutter 2.10 S.. Etamine. 115 cm breit, 2,20 S., Etamine. in allen Farben. 1.98 S., Seidenelot, 140 cm bret, in allen Farben. 9.50 S. Damenwäsche: Garnituren. Hemd und Hofe. 3.90 S., Garn turen, Handaiour gestickt, 7.50. Damenhemden 2 80, 2.60, 1.68 S.. Damengarnituren (Hemd, Hose und Nachthemd) 9.80 S.. Miederleibchen —.98 S., Seidentumper 12.50, 7.50, 5.90 S., Schafwolljacken 9.80 S. Leinenwaren (vro Meter» r Ir» Webe 1.10, —.85 S.. Ia Chiffon 1.20. —.95, —.88 S., Hosenköper 1.10 S.. la Stretfgradl 1.40 S., Ia Damastgradl 1.70 S., Bettücher, 140 cm breiig 2 40, 1.98 S.. 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Diefenbachgasse 59 Gerichtssaal. Reportgeschäfte der Rationalbank. Mißbrauch des Instituts durch einen Angestellten. Die Firma Alois J o kl n. Co. litt, wie zahlreiche andere Firmen, in den Jahren 1923 und 1901 an Kapitalsmangel. Der Eigentüuver der Firma lernte an der Börse den Börsenagenten der Firma Benbassah u. Mutt, Josef Brydl, kennen. Dieser erklärte, in der Lage zu sein, kreditbedüvftigen Firmen gegen Belehnung von Effekten bei der Oesterreichischen Nationalbank größere Darlehen zu beschaffen. Er stehe mit dem Oberinspektor der Bank, Mfred Walde, auf gutem Fuß, und der Effektenkassier der Nationalbank, Karl Tausche!, sei ein Schwager. Die Firma ging auf Brydls Vorschläge ein und übergab durch chn der Nationalbank verschiedene Effekten. Das Leihgeld wurde auf vier Wochen befristet und ein jeweilige hundertfünfzigprozentige Deckung vereinbart. Die Zinsen wurden mit zehn Prozent pro anno festgesetzt. Dir Klage, mit welcher die Firma Jokl die Ausfolgung von Effekten im Werte von 100.000 Schilling verlangt, bAauptet, . daß diese Kostgeldgeschäfte nicht mit den Funktionären der Nationalbank, sondern mit dem Institut selbst getätigt wurden. Dies gche schon daraus hervor, daß die Skontisten der Bank die verpfändeten Effekten bei den kreditwerbenden Parteien abholten. Am 12. Mai 1924 erfuhr die Firma Jokl, daß die Nationalbank das Deckungsdepot der Firma Jokl wegen des Kurssturzes Zum exekutiven Verkauf gebracht habe. Gegen Brydl und Walde wurde eine Strafanzeige erstattet, in deren Verlauf es sich herausstellte, daß Walde sich von Brydl nachträglich Verikaufsantrüge unterschreiben ließ, um aus diffe Weift den Bechuff der Effekten rechtfertigen zu können. Es liege also eine Bersch l e i e r u n g des wahren; Charakters des Kostgeschaftes vor. Diese Angelegenheit wurde auch anläßlich eines Schiedsspruches der Wiener Effektenbörse erörtert und hiebei festgestellt, daß tatsächlich Koftgeschafte gemacht und Wien lombardiert wurden. Die Klage behauptet, daß die Oesterreichische Nationalbank für den Vorstand ihrer Wektenabtorlung zu haften habe, da dieser von ihr mit den weitestgehenden Vollmachten ausgestattet war. Sie sei daher verpflichtet, die Mtien gegen BeKchlung der Dar'lehensschuld an die Klägerin zurückzustellen. Die Nationalbank bestritt, daß zwischen ihr und der Firma Jokl ein wie immer geartetes Bertvagsvechältnis. bestanden habe. Die Aufträge seien lediglich durch Brydl erteilt worden, seien aber keine Kostgeldgeschäfte gewesen, sondern ganz reguläre Verkaufsausträge. Die Behauptung, dir Nationalbank habe Reportgeschäfte gemacht, sei vollständig aus der Äfft gegriffen. Als einziger wurde, da Josef Brydl nicht erschienen war, Ob-rin>r.?!tor der Nationalbank, Mfted Walde. der seither in Pension ist, rinvernommen. Er behauptet, daß' es sich um vollkommen reguläre Verkanfsaufträge gehandelt habe, die -.mmer nur von Brydl, niemals aber von der Klägerin erierft wurden. Nach stundenlanger Dauer nmtzte die PeHachluntz neuerdiM vettaz! werden. - Har UrteU gegen Hlinka bestätigt. Prag, 29. Mai. Der Oberste Gerichtshof in Brünn bestätigte gestern die durch die Preßburger Gerichtstafel voll- > zogene Vemrteikmg des Führers der slowakischen Volkspartei, des Abgeordneten Hlinka, wegen einer Verhöhnung des Präsidenten Masaryk. (Er hatte den Präsidenten ,Aa te'leben" genannt.) Der Oberste Gerichtshof forderte die Preßburger Gerichtstafel auf, über die Bedingtheit der Verurteilung zu entscheiden Sin Kapitel Wohnungsnot. Die Pftündnerin Pauli,ne P i ch n e r, ein altes, kleines, verhutzeltes Weiblein, besitzt im 16. Bezirk eine Wohnung, die aus einem einzigen Zimmer besteht. In diesem Zimmer wohnen außer ihr nicht weniger als sechs Untermieter, und zwar zwei Männer und'em Ehepaar mit zwei Kindern. Im Frühjahre kündigte die Pfründnerin dem Ehepaar N a w r a t i l die Wohnung und machte als. Kündiaungsgrund Gewalttätigkeit und ÄbenÄedrohunv durch die Gekündigten geltend. Die Lab an. am 19. Februar von Frau Nawvstil überfallen und am Haffe gewürgt und geschlagen worden zu sein. Es ' "vren Zeugen einvernommen, die die Angaben der Klägerin be-..;;v]ten. Teils wollten diese Zrugen selbst dabei gewesen sein, teils hörten sie unmittelbar nach der Tat, wie die Frau vom Uebevfall erzählte. Das Bezirksgericht Hernals gab dieser Klage statt und sprach die Räumung der Wchnung durch die Gekündigten aus. Geyen dieses Urteil evgvisf das Ehepaar Nawratil die Berufung, in der es ausjührte. daß eine Lebens« bedrchung nicht stathgefunden habe. Damals habe es sich mn einen Streit gchandslt, der dadurch bervomernfen wurde, daß die Klägerin die kränklichen Kinder des Ehepaares hu Alter von sechs Monaten und Mi Jahren dem Zuge aussetzte. De-r' Senat wies die Berufung des jungen Ehepaares ab, bestätigte die Kündigung und erklärte eine Revision des Urteiles für UMlässig. Im AngeMicke der UrteilsveMndigung sprang die junge Frau erregt auf, stürzte vor den Richtertisch und schrie den Borsitzenven erregt an: „Das ist unerhört! Wie kann man mich mit meinen Mi KiiMrn au!f die Straße fetzen?" Weinend und a^s luchste errygt tzerlich sie Hann mit ihrem Ga.tteir den .TM. Volkswirt. Dlktschattsoloffen. Die zweite Grotzbankbilcmz. Die gfftern vorüffeMichte GoÄdbilanz des Wreirsv Bankvereins hat verhältnismäßig keinen ungünstigen Eindruck gemacht. Wchl hat auch diese Bank in ihrer Bilanz die große Schmälerung ihres Geschäftes insofern zum Ausdruck gebracht, Äs ihr jetzt ausgewiesencs Eigenkapital in Gold tm ein Viertel des FricdonAap'Ms bildet. Die Bank hat dadurch, daß sie dem nicht altzn leichten Entschluß der Erniedrigung der Dividende faßte, gezeigt, daß sie mit den tatsächLichen VerhLltnffsen rechnet »imd sich von keiner falschen PrestigepoMk Veiten läßt. Cs steht schön fest, daß mit Ausnahme der Nlsderöstevreichbfchen Eskompteg'esellschaft, die ebenfalls eine Herabsetzung der Dividende vor hatte und dies auch den anderen Banken vorgcschlagen hat, aber schließlich davon abgekommen ist, die übrigen Wiener Banken eine kleinere Dividende als i int Vorjahre zur Ausschüttung bringen werden. Es seien imr kurz einige Bilanzposten erwähnt. Wenn im Jmmobilienkonw ldas Wener, Bankgebä-nde mit 8.8 Millionen Schilling bewertet ist, so entspricht dies dem tatsächlichen Werte. Hingegen scheinen die sonstigen Gebäude mit Mer sechs Millionen Schiillmg etwas zu hoch geschätzt zu sein. Der Umstand, daß keine Atzepte ausgcgeben siwd, zeigt, daß die Bank kerne Mobil>is>ierungstratt on in Anwendung gebracht hat und mit dM Einlagen ihr Geschäft befriedigt. Aus dem Monsortialkonto lassen sich schwer genaue ^Schlüsse ziehen. Im Gclwinn- und Verlustkonto zeigen die Spesen gegenüber dom Frieden ein starkes Anwachsen. Im Frieden betrugen zum Beispiel die Gchätter 1 Prozent, heute machen sie 6 Prozent der BilaWstvmam: aus. Die Abschreibungen an den JmmobMen sind geringer als im Frieden, wo sie 6 Pwzent betrugen. Jetzt betragen sie nur 1 Prozent, was schr wenig ist, wenn in Betracht gezogen wird, daß sich ein Gebäude in weniger als achzig Jahren albnützt. Das ungünstige Verhältnis zwischen Zinsen und Provisionen muß besonders a!u>ßfallen. Vor dem Kriege wären die Zinsen zweimal so hoch Äs die Pro-' Visionen. Heute ist fast das Umgekehrte der Fall- Die Banke« haben in dieser Hinsicht ihr Geschäft geändert.: Es kommt in dieser Provisionspost die Beteiligung an den Geschäften zum Ausdruck, was für das richtige Bankgeschäft nicht immer von Vorteil ist. Wes in allem kann gesagt werden, daß auch diese Bank, die vor dem Kviage eine führende Rolle hatte, an' EinWutz stark eimgebüßt hat. Das große amerkkanifche Geschäft hat eine starke Mindemng erfthren. Es wurde zum Teile von, anderen Banken übernommen. Hier scheinen manche Unter- lassungen und der Mcmge'l einer stärkeren Initiative eine Rollos zu spielen. Es war hoch an der Zeiit, daß ein neuer Zug m diese Bank oirckehre. Ob Direktor Heinsheim er alle in in der Lage sei n wird, die vochamdenen Lücken vMommeu zu Men, wich erst die EnSvlicklüng zeigen. Das Wiederaufleben der lateinifchen BMnzunion. - Bor dem Kriege bestand zwischen den romanischen Dtiaaten Frankreich, Betlyien,. Italien, Spanien und der Schweig die lateinische Münzunion. Sie ist durch die KriegsverhAtniffe und durch die nachfolgende JrHation Misch auifgelöst worden. Seinerzeit konnte das französische Geld in Jiialiien, Spanien, Belgien oder Schweiz ebenso verwertet werden, wie das Geld der anderen Aaaten' in Frankreich. Es wird mm versucht, di-eses Verhältnis wieder hergustellen. Die ersten Andeutungen zeigen sich in dien BerhmMungon, welche jetzt zwischen den Fi-NMMännevn Frankreichs, Belgiens und Spaniens in Paris statlfmdcn sollen. Der Gedanke ist naheliegond. Seit einiger Zeit sind Be-, sttebungen im Zuge, eine Kooperation der europäischen Noten-, banken zu ergießen. Durch die VermittLung Englands, das an den! wichtigsten Notenbanken Europas interessiert ist, ist schon sine ge-/ wiffe Gileichwrtigksit in der DiskontoPolUdik bei einigen wichtigen Notenbanken ergielt worden. Nmr soll auch die Währung einer/ Reihe von Ländern gleichgestellt werden. Aus Anlaß der Sonicmng der erschütterten Währungen^ ließe sich dies vielleicht leichter! bewerfftellrgen, als es auf den ersten AngeMick scheint. Beltzieu,! Frankreich und Italien müssen dringend ihre Währung fanierm, Es wäre nicht das Schlechteste, wemr dies» aus der Basis der früheren lateinischen Mimzunion völligen Wörden würde. Dies wäre der effte SchrA zur WchrunMianLeMiy eftres Wirtschaft!-i lüh bedeutenden Teiles Europas. 1 ■ ■ 1 1 Aurmrertattgreit für Anlagewerte. Einzelne Hhpothekar'mstivute und auch Länder bemühen sich jetzt, den Anlagemarkt stärker für ihre Zwecke in Aichrruch zu^ nehnren. Und um das PMÄum dafür zu interessieren, wird ixic; Aninvie-vtrommÄ fleißig gerührt. I« dieser Hinsicht kann nicht! genug vor einer 'Lktzn mschen Ausnahme solcher AMgewerte ohne genaue Prüfung sämWcher Umstände gewarnt werben. Der Vorgang der Niedaröstorreichischieu HypothHkL>wbari>k, welche die ISprogentigsn Pfandbrieife nach zjwei Jahren ans kurzem! Wege auifgekündigt hat, zeigt, daß es diesen Instituten momentan in erster Reihe am die Ausnützung des AnlagsmaMes geht und daß sie bei gürfftiger Gelegenheft dem PMÄmn, das sich Daueranleihenzu beschaffen meint, den Bezug der höheren V>erzirchmg umnöglch machen. Dies« Geftchr ist beii sämtlichen HhpochewrPfanÄbriefen und SandesfchiuldveffchreibMgen wicht auÄgr-- schlosftn. Bei der amerikanischen SchnWverschwlbung des Landes Steiermark Mvden Kautelen gegen.«ine vovzsitige Einlösung ge»! fchaMen, weil man mit dmr ameMlnischen, PMIilmn nicht so Mtz-l zugehen wagt, wie mft dem österveichische«. Abgesehen davon, haben sich emzckre PstrnbbEmMMj entschlossen, nunmehr zum Tprozentigen Pfandbrief ÄSMgcherr,! Es f« daran erinnert, daß in Deutschland, wo die Dichecheiten i in vielen Fällen viel bessere sich md wo die GeldftüssiMt W größer ist, der Sprozentige Goldpfandbrief noch Mig und gab« ist, und daß nach ihm dort lange nicht das Geviß besteht, wie es in Oesterreich der Fäll ist. Bei den La-ndeSschuldoerschveivungen ist aber auch noch in anderer Hinsicht Vorsicht geboten. Die Mtuation dex Länder nnb Gemeiichen M keine tzsWÜgtzr dch hez i 49438402

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