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Wiener Morgenzeitung · 1926-05-27 · Heft 2606 (27.5.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2606 (27.5.1926)
Date
1926-05-27
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Donnerstag Vereine, Vortriige und Bekfammkunge«. K ' Reffebnrran der Hamburg-Amerika-Linie. Berka«k von Schiffs-, Eisenbahnvnd Schlafwagenkarien für In- und Ansand, Flugscheine, Auskünfte über Hotel?, fachmännische Veranstaltungen von Gesellschafts- und Verel» sfabrien, Geldwechsel. Bureaustrmben nnnnterbrochen von S bis 5 ilbr nachmittags (Samstag von 9 bis 2 Uhr). Wien. 1. De;. Kärntnerstrahe 38 E Kinder anfs Land. In der Ferienkolonie Böslau sind nrch einige Zcchlplätze für israelitische Kinder vmt 6 bis 14 Jahren zu besetzen. Anmeldungen ehestens bei Herrn Jgna; Nenfeld, 7. Bez., Mariahalferftraße SO. Tel. 39-4-93. Serichtssaal. Der Sohn gegen den Vater. Die Affäre Heigl. ^-r einem Schöffenstnat des Landesgerichtes 2 unter Boesitz oes Obc':lai'd>'sgcrich'.siates Dr. Hatte! stand gestern zum zweiten Male der 26jährige Kaufmann Karl H e i g l, um sich wegen versuchter schwerer Körperverl e tz u n g e n an > e i n e m Vater und seiner Stiefmulter zu ve.antivvr'.en. Karl Heigl hat gegen seinen Vater. einen chr stl i ch so z i a l en Bezirksrat. der sich mir 'einer Gattin aus einem Gasthause in Mauer nach Hause begab, acht Schüsse aus einem Rovvlvcr abgegeben, ohne jedoch jemanden zu treffen. In der ersten Verhandlung war Heigl arrch wegen Veruntreuung angeklagt und wurde zu zehn Monaten schweren Kerkers verurteilt. Der Vater des Angeklagten und die anderen Verwandten hatten sich der Aussage entschlageu. Der dagegen erhobenen Nichtigkeitsbeschwerde wurde Folge gegeben und eine neuerliche Verhandlung angeordnet. Der Anklagte bekannte sich nur teilweise schuldig. Er habe damals nur einen Skandal Hervorrufen wollen, um die Qeffentlichkeit aus die Schandtaten seines Vaters aufmerksam zu niachen. Der Vater habe ihn immer gehaßt. Er mußte schon nnt sechs Jahren ans dem Hause, weil seine Eltern in Unfrieden lebten. Als er 15 Jahre alt war, hatte ihn der Later an die Front mitgenommen. Er war Batteriekommandant und wurde wegen Feigheit in Untersuchung gezogen. Seit dieser Begebenheit verfolge ihn der Vater mit seinem Haß. Als der Angeklagte 17 Jahre alt war, lernte er eine junge Frau kennen, in die er sich verliebte. Diese Frau hat ihm nun den Vater abspenstig gemacht und dann s e l b st geheiratet. Außerdem lebe er wegen der Ansfolgung eines Schmuckes, der von seiner Mutter stamme, mit dem Vater in Streit. Heber sein Borlebe.» befragt, erzählt der Angeklagte, daß er nach dem Zusammenbruch bei der ungarischen Roten Armee gedient' hat und sich nach dem Sturz der Räteregierung bei der österreichischen Legion in Zaleregerszeg anwerben ließ. Ueber die Tat selbst befragt, sagt der Angeklagte, er habe den Revolver mitgenommen, weil er Angst vor dem Vater hatte, und habe nur Schreckschüsse abgegeben. Ich war in verzweifelte« Stimmung.' Meine Frau und mein Kind haben nichts zum Essen gehabt. Ich hatte nicht einmal 2000 Kronen auf das Fahrgeld. Der Vater des Angeklagten sowie besten Stiefmütter erschlugen sich der Zeugenaussage. Die leibliche Mutter Karl Heigls, Franziska Heigl, erzählte, daß der Vater den Sohn bis zur Scheidung gut behände!« habe. Dann hat er sein Verhalten gründlich geändert. Nach dnrchgesührtem Beweisverfahren erkan-Ue der Gerichtshof den Angeklagten Karl Heigl nur der Uebertretüng t^c-p/rlght 1923 Nachdruck verboten >, Joseph Opatovsky, ‘'lew York (26 Fortsetzung) Roma« eines Pferdediebes. Von I. Opatoschu. Sauivel blieb, ein wenig aus der Fassung gebracht, stehen. Rachels Schritte und das Knarren der Tür klangen lange in seinen Ohren nach. Ter Boden schien unter seinen Füßen zu schwanken, 'u schwinden und er hatte das Gefühl, er würde bald in der Lust hängen bleiben. ., Eine ble'erne Müdigkeit legte sich um seinen ganzen Körper; er setzte sich auf eine Stufe, vergrub den Kopf in seine großen Hände und schloß die Augen; zwischen seinen Zähnen wurde ein eigenartiges Knirschen hörbar, das sich wie der Ton einer scharfen Säge anhörte, die durch eine alte Eiche si'hrt. San.vel fühlte, wie es ihn hinriß; er mußte etwas :un: „So ohne weiteres Weggehen? O nein! Hätte ich sie jetzt hier, :ch würde sie erwürgen! Ich laste mich nicht so treten; mir darf keiner in die Trippe spucken! Was glaubt sie eigentlich? Ein Dieb hat kein Herz im Leib? Und was hat sie da mit den Möhren anrichten wollen? Wann habe ich bei ihr Möhren gekauft? Jetzt liegt sie gewiß schon im Bett und lacht sich ins Fäustchen, wie leicht sie mich losgeworden ist! Na, warte nur, mein Täubchen! Lange wird deine Freude nicht dauern! Ich werde dir gleich zeigen, daß ich noch da bin; mich loszuwerden ist nicht so leicht! Ich nehme einen Stein und schnleiße dir das Fenster ein, daß die Scherben fliegen!" Auf der Suche nach einem Stein durchlief Sanwel die halbe Gaste; aber von den Steinen, die dort lagen, sagte ihm irgendwie kein einziger zu. Er ging wieder zum Fenster zurück und fragte sich unaufhörlich: „Wo nehme ich nur einen richtigen Stein her, rundlich, mit einer scharfen Ecke?" Dann trat er ans Fenster und schaute angestrengt hinein; doch er sah gar llichts. In einiger Entfernung stand ein Nachtwächter mit seinem dicken Stock und schaute argwöhnisch auf Samvel hinüber; dann ging er laigam auf ihn zu. Sanwel war so in seine Gedanken versunken, daß er den Schritt des Wächters gar nicht _Wiener Moeftemettuna_ gegen die körperliche Sicherheit und der Uebertretüng des Waffenpatents schuldig und verurteilte ihn zu vier M on aten strengen Arrests.- - Sas U-tell gegen Froreich. Bndapest, 26. Mai. Die Königliche Kurie hat henke über Dr. F r o r e t ch, der seinen Schwiegervater, den bekannten Rennstallbesitzer E g y e d i, ermordet hat und in erster Instanz zu vier, in zweiter Instanz zu sieben Jahren Kerker verurteilt worden ist, ein Kerkerstrafe von zwölf Jahren verhängt. Mlirdprozeß In Krakan. (Eigeudienst der ..Wiener Morgenzeitung".) Krakau, 25. Mai. Heute beginnt vor dem hiesigen Schwurgericht der Prozeß gegen den Rechtsanwaltsanwärter Dr. Johann Bader, der angeklagt wird, seinen Kollegen, den Hörer der Rechte Ludwig M a r g u l i e s, erschosten zu haben. Die Motive des Mordes sind bis heute in tiefstes Dunkel gehüllt. Der angeschossene Margulies konnte noch im Spital vor seinem Tode Dr. Bader als seinen Mörder angeben. Bader gibt die Tat zu, verteidigt sich aber mit Notwehr, denn er behauptet, daß Margulies, der sich einige noch unaufgeklärte Verfehlungen in'der Ablieferung eines Geldbetrages an die Kaste der Studentenverbindung „Ognisko" zuschulden kommen ließ, zuerst auf ihn den Revolver richtete und ihn so zur Selb st Verteidigung zwai^g. Die Untersuchung und die Zeugenaussagen ergaben jedoch, daß beide Vorgefundenen Revolver Dr. Bader gehörten und daß Margulies nie einen Revolver bei sich trug. Da sowohl die Motive als auch der Hergang der Tat völlig unaufgeklärt sind, zeigt sich in den Kreisen der Krakauer Bevölkerung, besonders der jüdischen Studentenschaft, ein großes Interesse für diesen Prozeß. Die Familie des Getöteten richtete an das Präsidium des Gerichtshofes den Antrag, sich für unzuständig zu erklären und die Sach-, an das Lemberger Gericht abzutretcn, da der Angeklagte der Sohn eines angesehenen Krakauer Advokaten ist. Dieser Antrag wurde aber abgelehnt. Die Verhandlung ist für zehn Tage onberaum' Wenn man einer verheirateten Frau ein Visum verschafft. Frau Rosa K., eine 34jährige Frau, seit 17 Jahren verheiratet und Mutter von zwei Kindern, lebte mit ihrem Gatten Israel in Unfrieden. Einmal ist sie ihm dnrchaegangen, allerdings nur bis Baden. Einanderesmal drohte sie nur, durchzugehen, worauf er ihre Kleider zerstückelte, damit sie nicht davongehen könne. Schließlich schlug und würgte er sie im Cafe! Fluß rn der Brigittenau, und das Ende war, daß sie nun tat-! sachlich durchgegangen ist, und zwar nach Konstantinopel j zu einer bekannten Familie und von dort nach Athen zu der; Familie des Handelsreisenden Abraham Tarnopolsky; aus Jelisabethgrad in Südrnßland. Abraham Tarnopolsky ( verschaffte der Frau K. das türkische Visum und wurde! deshalb von der Staatsanwaltschaft wsgen Verbrechens der I Entführung angeklagt. Tarnopolsky wurde gleich nach | der Flucht der Frau K. verhaftet und 18 Tage hindurch in ' Untersuchungshaft belasten. Gestern hatte er sich vor dem Einzelrichter Oberlandesgerichtsrat Dr. Dörr zu verantworten. Der Angeklagte verantwortete sich dahin, daß er das türkische Visum aus reiner Gefälligkeit der Frau K. verschafft habe^ weil er mit ihr Mitleid hatte. Er bestritt entschieden, ein internationaler Mädchenhändler zu sein, wie es während der Erhebungen hieß. Der Richter verurteilte Tarnopolsky wegen Verbrechens der Entführung zu 14 T a g e n s ch w e r e n Kerkers mit der Begründung, oaß er einer verheirateten Frau ein Paßvisum ohne Wissen des Ehegatten verschafft hatte. Die Strafe ist durch die. Untersuchungshaft, verbüßt. Der Ehegatte wurde mit seinem materiellen Anspruch — er verlangt von Tarnopolsky als Schadenersatz und Schmerzensgeld 130 Millionen Kronen — auf den Zivilrechtsweg verwiesen. Den Schaden erlitt er dadurch, daß seine Frau ihren kostbaren Schmuck und sein ganzes Bargeld, 1000 Schilling, mitgenommen habe. Hörle. Erst als ihn der Wächter fest keim Arm packte und ihm befahl: „Komm' mit, Nachtvogel!" kam 'Sanwel wieder zur Besinnung, als würde er plötzlich nüchtern, und riß sich los. Der Nachtwächter gab ein lautes Pfeifsignal, während er Sanwel mit beiden Händen festhielt. Mit der übernatürichen Kraft eines Irren warf sich Sanwel auf den Wächter, rang mit ihm eine Weile, schlug ihn nieder, versetzte ihm einen Fußtritt gegen die Brust und schwang sich über den Zaun in Nutzens Gartdn. Pfiffe tönten von allen Seiten; es dauerte nicht lange, da hallten die schweren Tritte der Wächter durch die Stille der Nacht. Sanwel wußte, es sei gefährlich, jetzt davonzulausen, da er sicher gefaßt würde. So suchte er ein Versteck. In einem Winkel des Gartens war eine Kartofselgmbe, über der ein großer Stein lag. Sanwel wälzte den Stein fort, stieg in die Grube, schob den Stein vor und drickte sich unter ein Wasserrohr; in dieser unbequemen Lage verblieb er. Bald tönten Stimmen int Garten. Man suchte ihn. Er unterschied Nutzens Stimme. Tann wurde San.vel zwangsläufig von der Vorstellung beherrscht, er sei entdeckt; er wurde sortgesührt, alle schlugen aus ihn los; Rachel stand daboi und sah zn. Sanwel war zu allem entschlossen, sogar den Revolver zu gebrauchen; er zog einen eisernen Schlagring ans der Tasche und streifte ihn über die Finger. '* Es wurde still. Sanwel blieb noch eine Zeitlang liegen. Dann verließ er sein Versteck und 'schlich, ganz durchnäßt, durch Seitengassen zu Graduls Haus. « Bei Gradnl war es hell. In einem großen Holzbett lag Grad«!l. Sein Gesicht war aschfahl. Er röchelte wie eine Gans. Veint Tisch saß Bejle mit verweinten Augen. „Was gibt es Neues? Mar der Doktor hier?" fragte Sanwel leise. „Ja!" antwortete Bejle mit einem Seufzer. „Nun. was sagt er?" Ach was, Doktor!" stöhnte der Kranke, hustete und spie einen Blutklnmpen aus, der so groß ivar wie ein Kupferzehtier. „Hör', Sanwel, nur Gott kann Helsen... Es stcht L7. Mai 1926 Nr. 2606 Bolkrwirt. Neue AiNküge zur zMiarlftmvrlk Eine Enquete über die SchuhMe. In der gestrigen Sitzung des Zollausschnstes des Nationalrates wurde die Generaldebatte über die Zollt ari.snobelle begonnen. Berichterstatter Heini kündigte für die Spezialdebatte die Stellung von Z u s a tz a n t r ä g e n an, durch die noch unter anderem folgende Z o l l p o s i t i o n e n geändert werden sollen: Zucker anderer Art (Traubenzucker, Fruchtzucker ulw) von bisher 18 aus 16 Golokronen pro 100 Kilogramm, über zwei Jahre cwe GebrauchSpferde von bisher 80 ans 100; bis zu zwei Javren von 40 auf 50 pro Stück; Elainsäure von 6 auf 13 pro 100 Ki'ogramm; Brot und Zwieback 6 zum Zoll für 100 K-stramm; Weizenmehl, Teigwaren (Nudeln ulw.) 8 zum Wetzeumehlzoll; Kaolin, das bisher zollftet war, loll mit einer Goldkrone pro 100 Kilogramm verzollt werden. Für nicht besonders benannte S t r i ck w a r e n soll der Zoll von 250 auf 500, für Strümpfe und S o ck e n von 250 aur 700. für Knüpfteppiche von 350 auf 500, für V e l o u rt e p p i ch e von 200 aus 300 erhöht werden. Während der Zoll für Arbeiter- oder B a u e r n s ch u h e u n verändert bleibt, wird der Zoll ftir andere Schuh waren aus Leder von 125 auf 220, für L e i n e n s ch u h e von 125 auf 160, für Schuhe unter 900 bis 500, -ferner für K, aben-, Mädchen- und Kleinkinderschuhe und -Sandalen von 170 auf 300 erhöht. Der Zoll für P a n t o f f e l und H a u 8 s ch u h e >oll in Hinkunft statt 180 230 betragen. B r e n n h o l z, das bisher zollfrei war. wird eine Zollbelastung von einer Goldkione bekommen. Der Zoll für Spiegel-und Tafelglas wird m't 25 (17), für Porzellan mit 28 (bisher 20) vorgeschlagen. Starke Veränderungen weist die Position Bleche und Platten auf. Für Schwarzbleche in der Siärke unt r 2—1 Millimeter wird ein Zoll voN 10 (bisher 7), unter 1—0 3 Millimeter von 1!. (8) vorgeschlagen. Unter dieser Stärke sollen die Schwarzb'eche, dw bisher 9 Goldkronen zahlen mußten, fre lein. Die weite,verarbeiteten Bleche werden im allgemeinen einen DAS ERSTE anihcujitch: und rosste We-k Ober das heut’ge Ruj.land! R e n 6 Fülöp-Miller Geist und Gesicht des Bolschewismus Darstellung und Kritik des kulturellen Lebens ln So w j etruss1and Großoktav, 500 Seiten Text, ca. 500 Bildtafeln nach mei u unveröffentlichten Aufnahmen Geheftet S 41 - Ganzleinen S 51 — Wir sehen das heutige Sowjetrußland, erleben in atemlosem 8 aunen die tiefgreifende Umwälzung, die sich in diesem R iche voli.-og. eine Umwilrung, wie sie die Oeschichle vorher nie kannte die nicht nur den Staat und die Gesellschaft von Qrnnd aut verändert, sondern mit nie geahnter KQhnheit das innerste Wesen des Menschen selbst zu wandeln gesucht. Es fallen die Schleier, die bisher das mysteriöse Antlitz des Bolschewismus ve rh ü 11 ten Die. russische Revolution zeigt ihren wahren Geistund ihr wahres Gesicht! " ‘ Zu beziehen durch BUCHHANDLUNG R. LÖWIT, WIEN, I. ROTENTURMSTR. 22 nicht gut, Bruderherz... Es geht zn. Ende ... Die Kräfte schvinden... Trag' morgen früh, so Gott will, dem Talmud- Thora-Borsteher einen Fsinfer hm; ov soll Psalmen sagen lasten!" Sanwel stand verlegen da und kratzte sich den Kopf, als wäre einzig und allein er daran schuld, daß Gradul krank war. Bejle schluchzte laut ans. Sanwel konnte ihr Weinen nicht mitaHören und ging ms Schlafzimmer; dort setzte er sich auf Graduls Bett. Noch.immer hatte er die Empfindung, er werde verfolgt: „Gleich werden sie hier sein; sie zerren mich voin Bett und führen mich in Fesseln fort." Plötzlich stieg ein Riese, mit einem Auge mitten aus der Stirn, durchs Fenster ein. Er kroch durch die Fensteröffnung; sein Leib hatte kein Ende; schon füllte er das ganze Zimmer, alle Winkel, alle Ritzen; aus dem Auge auf der Stirn blitzten Phosphorstrahlen. Der Riese hielt sich den großen faltigen Bauch vor Lachen und zwinkerte mit dem Phosphorauge: „Bäh! Rachel hat dich stehen lassen! Stehen lassen!" Zornig gab Sanwel seinem schaumbedeckten Pferd die Sporen und zog seinen langen Krummsäbel. Es begann ein heißer Kampf zwischen ihm und dem einäugigen Riesen. Mit einem Säbelhieb spaltete Sanwel den Riesen in zwei Hälften; und aus einem Riesen wurden sofort zwei. Sanwel schlug auf sie los und mit jedem Hieb wurden ihrer mehr. Bald war das ganze Zimmer voll von einäugigen Riesen; alle hielten sich die faltigen Bäuche vor Lachen und aus ihren Stirnaugen schoflen Phosphorstrah'len... Sanwel geriet in Wirt; er sprang vom Pferd, faßte einen Riesen bei der Gurgel, stach ihm das Auge aus, da — ein Donnerschlag! Alles war verschwunden. ■ Schweißbedeckt erwachte Sanwel und öffnete die Augen: Tieft Finsternis; draußen goß es wie aus Fässern. Bejle saß 'auf ihrem Bett und entkleidete sich. Sie vergrub ihren Kopf in den Kisten und weinte leise. Sanwel wollte anfftehen; er konnte Beste nicht weinen hören. (Fortsetzung

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