Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2605 (26.5.1926)
- Date
- 1926-05-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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- Ukraine 3× ep/1001131
- Banat 1× ep/1272623
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tpoteif. aS groiiyt LJM1IJF] Wi en: Zum Abholen in 6« Expedition, IL Taborstr. 1*3, oder in efeierVersehleJsstefle fTraftk) monatl. 5 SchllHag Strassenverkaaf in Wien durch die Kolporteure der Firma O o I d schmied, 1.. Wölfadle 11 >v#t Postversand für Wien und Oesterreich monatticb 5 Schilling r sch echo- Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Morn Din. 60. Polen: Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 ^achxahltmgen bei Peel«* er begangen Vorbehalte« mssmmmmmmamm Nr. 2805 Wiener orgemeilmlg Mev.Mttwoch, 26. Mai 1926 England: Mon.4 Schilling, UaUen: Monatl. t6 Lite: Rumättten: Mon. 170 Lei. Btrigarlen:Mon.lOOLew«, Schweiz und das Äntze Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, It Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43*349 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 &, Urtiversttatestrasse 6-8 i (prackerd lg. Stehnpaoo), Oeaterfddtisehes Postspatkassea- Konto Nr. 150.693 ' 8. gahrgaua Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind dnrch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Marokko kaviwliett. Abd el §dr:rm verlangt Waffenstillstand. -- Frankreich lehnt ich. Paris, 25. Mai. Infolge der raschen Fortschritte der sranzösischen Offensive hat Abd el Krim an den Gouverneur Steeg einen Brief gerichtet, in welchem er einen Waffenstillstand und die Wiederaufnahme der Berhandlnngen verlangt. Er gibt damit zu, daß er den Krieg als verloren betrachtet. Steeg hat den Brief sofort an die Pariser Regierung telegraphiert und um neue Jnstruktiorum ersucht. Nach weiteren Meldungen aus Fes geht dort das Gerücht, daß Abd cl Krim auf dem Wege nach Tanger ift. Wenn er diese Stadt erreichen würde, würde er dadurch der Gefangennahme durch die Franzosen oder Spanier entgehen. Der frühere Sekretär Abd el Krims, el Metnafsi, hat sich gestern den Spaniern ergeben. Er erklärte, er habe sich deshalb als Gefangener gestellt, weil er um sein Leven fürchte. Abd el Krim habe nämlich die Gewohnheit, diejenigen, denen er zu irgend einer Zeit Geheimnisse anvertrauen mußte, u m b r i n g e n zu lassen. Der französische Ministerrat hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, auf dem von Abd el Krim gemachten Vorschlag nicht einzugehen. Der Brief enthalte keine Garantien und sei nich/ genügend präzisiert. Der Gang der militärischen Operationen könne nicht geändert werden.. WMreform 1« Frankreich. Paris, 25. Mai. (Wolfs.) Im heutig«: Ministerrat wurde auf Vorschlag der Ministers des Innern Durand beschlossen, der Kammer nach deren Wiederzusammentritt den Wahlresorwentwurf zu unterbreiten. Günstiges Fortfchreiten der ensttfch-tSrkischen Verhandlungen. London, 25. Mar. Das Reutersche Bureau glaubt zu wissen, daß die englisch-türkischen Verhandlungen günstig sortschreiten. Die türLische Regierung scheint von dem Wunsche beseelt, zu einem Abkommen zu gelangen. Me Wahlen in Aegtzvteu. Kairo, 25. Mai. Die ParlamwtAvahlen haben mit einem großen Sieg der Opposition geendet. Die Nationälpart-el (Zaghlul) erhielt 164 Mandate, die Liberalen (Regierungspartei) 25 Maudate. Es wurden ferner drei Unabhängige, sechs Nationalisten und vier Abgeordnete der nrohannnedanischen Union gewählt. Man rechnet mit dem Rücktritt des Ministerpräsidenten Ziwar Pascha. Lie Wahlen 1» Rumänien. Bukarest, 25. Mai. (Tel.-Komp.) Heute haben im ganzen Land die Wahlen für die rumänische Kammer begönne)!. Nach den bis abends vorliegenden Nachrichten sind die Wahlen in den größeren Städten glatt verlaufen. Dagegen ist es auf dein flachen Land, den oppositionellen Blättern zufolge, zu Zusammenstößen zwischen oppositionellen Wählern und der Gendarnrevie gekommen die oppotionclCcu Wähler wurden an vielen Orten verhindert, ihre Stimmen für den oppositionellen Kandidat^: abzugeben. In Bukarest betrug die Wahlbeteiligung 70 Prozent. Nähere Resultate werden nicht vor morgen früh bekannt sein. Meldungen aus Siebenbürgen und dom Banat zufolge sind auch dort die Kammerwahlen in Ruhe verlausen. Ier Budavester Prozeß. Heute Urteil. Budapest, 25. Mai. .Heute vormittags hielten die Angeklagte)) ihre Schlußreden. Das Urteil wird hew-be mn 6 Uhr abends verkündet werden. , Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Mg. Hir das Meineidsverfahren eingebettet. Petljura erschösse«. Wege» der Massenpogrome ln der llkatev. (Sigendienst der „Wiener Morgenzeitung.^ Paris, 25. Mai. Der ehemalige Direktor der ukrainischen nationalen Republik, Semen Petljura, ist heute gegen 5 Uhr nachmittags auf der Straße erschossen worden. Er übersetzte eben die Rue St. Michele im Quartier Latin von einem Trottoir auf das andere. In der Mitte der Fahrbahn trat ihm ein Mann entgegen und gab unter dem Rufe „M ö r d e r!" aus einem Revolver einen Schuß auf Petljura ab. Dieser stürzte nieder. Als er wieder aufstehen wollte, feuerte der Mann in rascher Folge noch mehrere Schüsse ab. Die Tat erregte rieft g e s Aufsehen. Es sammelte sich eine große Menschenmenge an, die den Attentäter lynchen wollte. Dieser blieb jedoch ruhig stehen und sagte den ihn Umdrängenden: „Ich habe einen Mörder bestraft!" Polizei eilte rasch herbei und es gelang ihr nach längerem Bemühen, den Mann festzunehmen und abzuführen. Petljura wurde inzwischen aufgehoben und noch lebend in ein nahegelegenes Spital gebracht, wo er jedoch kurz nach seiner Einlieferung stark Der Verhaftete würde auf dem Polizeikommissariat -. einem BerM Ä«tetzzvgen.>G^MM, Samuel S ch w a r z- J& a r t z« Heißen und * : ,; aus Sm o le nsk, der H ei matstad t P e tljuras, zu stammen. Er ist von Beruf Uhrmacher nnd lebt schon seit längerer Zeit in Paris. Er hat die Tat begangen, v um an dem Judenmörder Petljura Rache zu nehmen. Ob er einer politischen Partei angehört, konnte bisher nicht eruiert werden. Petljura ist 40 Jahre alt geworden. * Semen Petljura ist. ermordet worden. Sem Name )var der Mitwelt bereits ganz aus dem Gedächtnis gekommen. Nur die jüdische Gemeinschaft wahrte ihn, insbesondere aber das Judentum der Ukraine, das auf allen seinen Friedhöfen die Opfer dieses Petljura U)id seiner Banden zu betrauern hat. Er hat wie jeder dieses Schlages in der Folgezeit abgeleugnet, die viehischen Scheußlichkeiten, die in dem weiten Land vorgefallen waren, anbefohlen zu haben. Er hat sogar den Weg zu jüdischen Politikern gesucht und — )vas noch weitaus trauriger ist -7gesunden. Aber die Töten aus Proskurow und aus, Bachmatsch und aus Smarinka und aus tausend anderen Städten und Dörfern standen gegen Petljura auf, den Mann, der den Chmielnicki noch i'chertrofsen hat. Er ist erschossen worden und sein Tod ivar rascher und barmherziger als der der jüdischen Märtyrer, die seinen Horden in die Hände gefallen waren. ch Nachdem im Ma-i MS der Hetnlaun Sko vopaöski unter deutschem Einfluß durch einen Putsch die demokratische Regierung des Professors Hruszewski in Kiew gestürzt hatte, wunde eine ukrainische nationale Regiemug gebildet, an der«) Spitze ein jiünfgliedric;es Direktorium stand. Der leiteitöc Kopf war der Volks sch ul lehre r Semen Petljura. .In: Oktober 1918 besetzte er Kiew und von hier aus bis Mitte dioveutber dieses Jahres die ganze Ukraine. Petljura ging der Ruf des. Patriotismus und der Energie voraus. Er entfaltete als Drrektior eine starke ausländische Propaganda, mit der er eine)) doppelten Zweck Verfolgte: Er wollte vorerst die westulramische Republik, Die der ehemalige österreichische Abgeordnete Petrusziewicz am A. Oktober gebildet hatte, für sich gewinnen und gleichzeitig die Sympathien der Diegermächte bei t^n bevorstehenden FriedensverhaMrrngLN für den selbständigen ukrainischen Staat sicher):.. Inzwischen begannen aber die Bolschewiken tarn Norden her in 1 die Ukraine vortzudringen und cs gelang ihnen, bis zum Februar 1919 die ganze Ukraine, mit Ausnahme des Podolischen Distriktes, zu besitzen. Das Direktorium mußte fluch-i te n und zog sich nach Sta«is!la-u, ÄurÄs die .Hauptstadt der Westukraine, zurück. ■ I): dieser Stabt trat rm Jahre 1049 ehr ukrainischer Kongreß zusammen, der die Bere ruigung der Ost- und Westukra-ine proklamierte. Der Krieg dauerte jedoch fort uub die Westnkraine wurde immer mehr der Schauplatz Der militärischen Mion. Die Regierung, Die auch noch vom 'polnischen Militär bedroht wurde, befand sich von Mai bis Juli in einem ununterbrochenen Rückzug aus dem galiizischen Territorium. Es gelang ihr, eine Armee von etwa 100.060 Mann nach der Ukraine zu bringen. Mn kam es zwischen dieser Armee, an Deren Spitze Pctrusziew iez stanid, zu einem Kamps mit den Scharen Pttljnras und dem Korps seines Kollegen im Direktorium, Winnitschenko, . der mit den Bolschewiken paktieren wollte. Das Ziel Petmsziüwiczs war. die Bereinigung mit den Russen, während Petljura den Anschluß zu den Polen suchte. Die Armee PetvusiziÄviczs wurde fast vollkoMMN ausgerieben und ihre Reste verliefen sich. Pelljura begann auf eigene Faust Den Vormarsch gegen Die Bolschewiken, wobei er die Unterstützung Polens fand. Mavschall Pilsudski, damals Staatspräsident, kam ihm zu Hilft und drang bis nach Kiew vor. Die Schicksäle dieses Feldzuges sind noch in allgemeiner Evinnemng. Die polnische Armee mußte zuvückgenommen werden und die-BoWwiken kämmen unter Bndzienny bis an die Tore Warschaus. Zwischen der Polnischen und der bolschewikischen Armee trieb sich das ausgelöste Bandenheer Pettznras umher. In diese Zeit fallen die furchtbaren Judenschlächtereien in der Ukraine. Die jüdische Bevölkerung ganzer Distrikte wurde ermowet. Der grauenhafteste' Pogrom geschah in Proskurow. Auch in der Umgebung von Odessa und in der Stadt Slnerrnka wurde die jüdische BsvMemng ausgerottet. Im ganzen kamen 200.000 Juden ums Leben und es wurde ftstgestellt, daß 400.000 Waisenkinder zurückgeblieben waren, deren sich später zu einem Teil der Joint annahm. Ein Teil dieser Kinder wurde nach Palästina überführt. Diese Metzeleien geschähe): mit vollen: Wissen Petljuras, der später erklärte, er habe seine Soldaten, die so viel für das Vaterland hatten leiden müssen, in disser schweren Zeit nicht zur Verantwortung ziehen können. An den Namen -Petlsuras knüpft sich für ewige Zetten die Evinnemng an eines der blutigsten Kapitel in der so leidvollen Geschichte der östlichen Jnderchstt. ' Petljura ging, nachdem PUudski die 'Bolschewiken zUvnckgeworsen hatte, nach Warschau und geriet ganz in den Bannkreis der polnischen Politik. Er zag sich spater nach Paris zurück. Gelegentlich hat er auch in Wien Aufenthalt genommen, wo er eine Zeitlang auch eine Gesandtschaft unterhielt, die der Kiewer Ingenieur Sidorenko bettete. In Paris hat nun PetHura di« KuZel ereilt. Frauenwahlrecht in Zndren. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 26. Mm. Wie aus Simla genreldet wird, hat die Regierung be-kanntgegeben, daß in Zukunft die indischen Frauen bei den politischen Wahle n mit den Männern gleichberechtigt sind. Damit echalten die Frauen nicht nur das passive, sondern auch das aktive Wahlrecht und können genau wie die Männer in sämtliche gesetzgeberche Körpersthasten gewählt werden. gaplmr BevAkersng. Aus Tok^o wird telegraphiert: Die Einwoh-ner«! zrfser beträgt nach der soeben stattgefundenen Volkszählung 59,734.704, darunter ein M ä n n e r ü b e r s ch u ß von 288.936. Der Bevölkerungszuivachs beträgt jährlich rund 750.000 Menschen. Infolge des Erdbebens im Jahve 1923 ist die Hauptstadt Tokio hinsichtlich der BevöÜerungsziffer an die zweite Stelle znrückgefallen. An erster Stelle steht Osaka mit 2,114.809 Einwohner»^ Tokio zählt 995.303, Nagoya. 768.560, Kiotz-ch 679.976 und I o k o h ä m a 405.888 Einwohner. l« MA Me. Vilmii etc. Im Warenhaus U„ Taborstrasse 48 Telephon 47-1*79 Engrot Enfletaö /