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Wiener Morgenzeitung · 1926-05-23 · Heft 2603 (23.5.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2603 (23.5.1926)
Date
1926-05-23
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite t Wen, Sonntag Dauerstrümpfe haben Weltruf 6?* Elegant, unverwüstlich / Ueberau «rtidltllch Zentrale: LEO SUSSMANN Wien, 1. Bezirk, Sckwerlgasie Nr* t Rüstung statt Abrüstung. — y. W * e n, 23. Mai Das Krregsproblem ist zum so und sovielten Male angegangen worden und zum so und sovielten Male mutz es wieder zurückgestellt werden. Die Abrüstungskonferenz in Genf ist gescheitert und hat sich, um die erlösende Vertagungsresolution besser ausstatten zu können, in eine Unzahl von Cinzelkommissionen aufgelöst. Im nächsten Monat wird der Völkerbund wieder zusammentreten und bis dahin soll irgend etwas geschehen/ das der zuschauenden Menge Achtung einflö tzt. Das Problem ist, weil es eben ganz einfach daliegt, mit den Spitzfindigkeiten der zünftigen - Staatsjuristen nicht zu lösen. Wann ist das Rüsten offensiv, wann ist es defensiv? Ueber diese Frage stolpert die Konferenz. Wie soll sie Antwort finden, wo doch sicherlich jeder Staat für sich die Defensive beansprucht und die Offensive dem geehrten Nachbar zuschiebt? Wie soll Antwort gegeben werden in einer Konferenz, in der der französische Vertreter in den Pausen die Verlustliste aus Marokko studiert, in der die östlichen Randstaaten Berücksichtigung ihrer besonderen Situation und Ausnahmsrecht begehren, in der keine Regierung sitzt, die nicht daheim das Schwert geschärft und das Pulver trocken hält? Diese Konferenz wiederholt das Bild des Völkerbundes im ganzen wie im einzelnen. Er will und soll ein organisiertes internationales Recht schaffen und er ist nicht imstande, ' die Frage der Zusammensetzung seiner leitenden Korporation zu verabschieden. Er kann dies alles nicht. Denn die Voraussetzungen, die bei der Gründung des Völkerbundes maßgeberÄ waren, die Teilung der europäischen Welt in Sieger und Besiegte, liegen zerfetzt am Boden. Die Braven und die Schlimmen verhungern nebeneinander und das stolze, hochmütige Europa, das sich unterfangen hatte, die Weltherrschaft festzuhalten, ist ein armer Knecht Amerikas. Die große Dollarunion ist nicht vertreten. Aber sie läßt durch die südamerikanifchen Staaten ihren Willen Mitteilen. Europa muß abrüsten. Mer niemand will beginnen, denn niemand verkennt die Heuchelei. Amerika hat heute die stärkste Armee, die beste Flotte und den größten Appetit. Amerika prefft die Abrüstung als die erste Vorbedingung für eine Gesundung. Und was der Völkerbund und seine Kommission nicht für das GaNze erzielen kann, das wird auch in seinen Teilen, in den Staaten, zum verwickeltsten Problem. Immer und ewig ist es das Verhältnis zwischen Mehrheit und Minderheit, das Klärung verlangt und sie nie finden kann. Im Völkerbund stehen die großen Staaten den kleinen gegenüber, erschöpfen sich beide in kleinlichen Intrigen, um den Schein der Macht zu wahren. In den Staaten kämpfen die Mehrheitsnationen für den Staat als obersten Zweck; firr den Staat ihrer Sitte, ihrer Sprache, ihres Rechtes. Sie dulden die Minderheit nur als das Helotenelement, das Steuern zu zahlen, Arbeit zu leisten und dafür noch dankbar zu fein hat. Die Minderheit ist das eine Mal die arbeitende Kläffe, die, abgeschnürt vom Volk, selbst zu einem Voll geworden ist; das andere Mal ist die Minderheit eine Nation. Sie will ihr Recht. Die Mehrheit weigert es ihr und schafft sich durch Gesetz die Macht. Hinter das Gesetz stellt sie die Macht. Und so fft auch in den Staaten dre Mrüstung ein Problem, dessen Ernsthaftigkeit niemand — o nein — leugnet, an das sich aber niemand wagt. Jahrhunderte historischer Entwicklung sind spurlos verschwunden, in denen die Menschheit von dem einzelnen Individuum, das in einem Busch die Knochen des Nachbars abnagte, bis zur kollektiven Organisation der Gesellschaft aufstieg. Sie zerfällt in Volksindivümen, me wieder in sich Unterteilungen vornehmen, aber doch nur mehr wie einstmals das Recht des Stärkeren gelten laffen. Und wie einstmals ist es der physisch Stärkere, der in sich Recht und Macht verkörpert. Aus der jüdischen Phantasie kam der politische Begriff des Friedens. Das jüdische Sklavmvolk war das erste, das das Recht der Minderheit aufstellte und die sonderbare Fügung seiner Geschichte hat chm fortan die Stelle der Minderheit zugewiesen. Die jüdische Phantasie hat die geistige Entwicklung aller Böller befruchtet, aber nicht ihre politische. Was das jüdffche Rechtsgefuhl normiert hat, wurde von allen Völkern übernommen, ist aber nicht fester Besitz ihres politischen Bewußtseins geworden und so ist ihre Geschichte heute wie nur je ein nutzloser Kampf gegen das Kriegsproblem. Aus der indischen Phantasie fft die Institution des Bölkrbundes gekommen, aber was ist aus ihr unter der Einwirkung der Machitendenzen geworden? Eine Folie für die fortschreitende Militarisierung der Wett, die ununterbrochen Konflikte schafft und sucht. In den Reden der Abrüstungskommiffion spielt immer die potentielle Kriegsstärke eine Rolle, die Friedenspräsenzziffer. Aber der Militarismus schafft sich immer neue Formen seines Willens. Auf diesem (Gebiet allein entwickelt er Schöpsersinn. Er spannt die I -gcud für sich ein. organisiert sie zu geheimen VerbütldM Md lchkt tze rM Lüge. Er bemächtigt sich der Wle«er Mvraerrzettuns in jedem Volke lebenden Antipathien und dirigiert sie gegen die Minderheiten. Er erzeugt die öffentliche Abneigung gegen die Demokratie und den Völkerbund, er instruiert die Negierungen und ihre Vertreter im Völkerbund, den er in der heuchlerischen Anerkennung der Autorität zu einem papierenen Dasein geführt hat. So geschieht es, daß die Jnternationalität des Völkerbundes in einen blutleeren Schemen verwandelt worden ist. Aus diesem Zustand schöpfen die Feinde der europäischen Welt, ihre Anrainer im Orient, ihre Hoffnungen und ihre Kraft zum Gegenstoß. Die letzte Wurzel des Nebels ist die Heuchelei der Welt, die vorgibt, Frieden zu wollen und doch nicht wagen will, dies grundsätzlich auszusprechen. Sie unterdrückt die Minderheiten und findet darin die Vorwände für ihre Negation des Friedens und der Wohlfahrt. Deshalb schreitet Genf von Mißerfolg zu Mißerfolg. Sie Lffizlettmeffen der deutschen Kriegsmarine. Die Durchhalter und Re Dolchstoßlegende. In dem Untersuchungsausschuß des deutschen Reichstages, der die Vorgänge beim Zusammenbruch der deutschen Kriegsmarine zu prüfen hat, verlas der Abg. Dittmann Zeugenberichte, aus denen man einiges erfährt, was zur Beleuchtung der alldeutschen Dolchstoßlegende sehr wichtig ist. So bemerkte ein Zeuge, er habe sich dadurch angewidert geftihlt, daß in der Offiziersmeffe Mädchen aus Freudenhäusern mit den Offizieren aßen und tranken und von den Mannschaften bedient werden mußten. Die Mädchen wurden oft pudelnackt ausgezogen und mit Offiziersuniformen belleidet. Aus dem Material, das der fortschrittliche Abgeordnete S t r u v e erhalten hat, verlieft dann Abg. Dittmann eine ganze Anzahl von Berichten über Gelage von Seeoffizieren. In Gegenwart der Mannschaften, die sehr schlechte Kost erhielten, hätten die Offiziere geschlemmt und in schwer betrunkenem Zustand die unflätigsten Schmutzereien getrieben. So habe sich der schwerbetrunkene erste Offizier des Kreuzers „Nürnberg" das nackte Gefäß mit Senf beschmiert und es zur Lucke herausgesteckt. Dabei riefen die .Offiziere in Gegenwart der Mannschaften: Das ist unser neuester Scheinwerfer. Anläßlich des Bchiches des damaligen Nürnberger Oberbürgermeisters Dr. Geßler, des jetzigen Reichswehrministers, seien wüste alkoholische Exzesse der Offiziere vorgekommen. Als Abg. Struve sein Material dem Staatssekretär v. Capelle übermittelt habe, fei der Erfolg der gewesen, daß eifrig nach den Angebern geforscht wurde. Der streng konservative Professor Birk in Tübingen habe in dem Organ feiner Burschenschaft für die Robe m d er v or g ä-.ng e m/Kiel/.mlsschließlich das. skandalöse Treiben «d«r Marineoffiziere verantwortlich gemacht. - r-'PEROCKEN QRABEN-FRISIER-SALON Wien, I. Graben 12 109 Telephon 74-2-26 Die Bilda Hefter Plaidotze». Mtdapest, 22. Mai. Heute wurden die Plaidoyers der Verteidiger fortgesetzt. Dr. Hindy, der Verteidiger Haalas, eines Angestellten kartographischen Instituts, führte aus, daß nur Prinz Windifchgrätz bestraft werden dürfe, denn er habe die ganze Mion eingeleitet. Dr. Tele-k, der Verteidiger Ra bas, des Sekretärs des Prinzen, führt aus, man könne Raba der Teilnahme an den Fälschungen nicht beschuldigen. Das Urteil, welches das Gericht in Hamburg im Falle Olchvary gefällt hat, zeige, daß man auch dort unter dem Eindruck des ungerechten T r i anoner Friedensvertrages stand. Dies möge auch der Budapests Gerichtshof bei seinem Urteil berücksichtigen. Der Verteidiger des Generaldirektors der Postsparkasse, Gabriel B a r 0 ß, plädierte auf völligen Freispruch seines Klienten, da dieser keinerlei strafbare Handlung begangen habe. Gabriel Baroß hatte die Absicht, den Ministerpräsidenten persönlich aufzusuchen und ihn auf di« im Zuge befindliche Fälschungsaktion aufmerksam zu machen. Dies wurde ihm unmöglich gemacht, denn als er sich zur Audienz anmelden ließ, hätte er dem Privatsekretär des Ministerpräsidenten über den Zweck des Besuches Mitteilung machen müssen. Dies wollte Baroß nicht tun, uin keine unnützen Mitwisser zu schaffen. Sodann hielten der Verteidiger des Bela Mankovich «nd schließlich der Verteidiger des Kammerdieners Gaspavd Kovaes, Dr. Dauer, ihre Plaidoyers. Beide verlange» den Freispruch ihrer Klienten. Um 7 Uhr abends wird die Verhandlung auf Dienstag vertagt. Im Gerichtsgebäude verlautet, daß die Verhandlung Dienstag beendet und das U r t e i l M i t t w 0 ch vormittags gefällt iverden wird. Md ei Krim gefangen? Paris, 22. Mai. Nach einer Meldung aus Madrid Wo» sich fünf Kabylensührer den Spaniern unterworfen, indem sie sich an Bord des spanischen Kreuzers „Estramatupa" begaben. Eine Meldung aus Spanien besagt, daß AbV>el Krim von seinen Anhängern, gefangengenommen worden sei. An der französischen Front ist die Höhe von Bern Khacen besetzt worden, die als Schlüssel zum Gebiet der Bem Sergal hezeWst Wich. 23. Mai 1626 Nr. MS Plattfuß»«.... auch in den schwersten Fällen, sowie Frostbeulen, Gewächs* und Schwielenbildung werden unter Garantie in der seit 90 Jahren mit den modernsten Hilfsmitteln eingerichteten ortvopädiichen MeßnNd Scbuhanstatt Andreas Reich. V!., Mariahilferstraße Nk. 109,behoben. Dieser Spezialist arbeitet stirgemndeFiiße nicht. Me Minderheiirjchulen in Rumänien. (Eigendienst der ..Wiener Morgenzeitung".) BuÄkest, 22. Mai. Auf Intervention des Innen» Ministers Oktrwian Goga hat der Unterrichtsminister im Verordnungswege allen konfessionellen und nationalen Minderheitsschulen, denen "die frühere Regierung das Oeffentlichkeitsrecht entzogen hatte, den Charakter einer öffentlichen Schule wieder verliehen, sofern sie den Bestimmungen des Gesetzes über den öffentlichen Unterricht entsprechen. Die Rechtswirksamkeit der Verordnung beginnt am Tage ihres Erscheinens, so daß die Prüfungen in diesen Schulen beim bevorstehenden Jahresschluß bereits volle Gültigkeit besitzen. Durch diese Wiederherstellung -alter Oeffentlichkeitsrechte ist eine große Anzahl j ü d i s ch e r Schulen, besonders t>* Siebenbürgen, von einer schweren Sorge befreit worden. Re englische Bergbankrise. London, 22. Mai. Die Mitglieder dos Generalrat.es des Gewerkschaftskongresses haben au Sir Herbert Samuel, den Verfasser des Menwvcmdums über die Regelung des KohlenprMems, die Frage gerichtet, ob er sich mit dem Premierminister B a l d w i n über die Bestimmungen des Mcmoraudmns beraten habe. Tagesbericht. BolkMbliothek..zw«" oder Hitachdnth. bibliothek. Offener Brief an den Obmann der jüdischen Polksbibliothek ,Lion", Herrn Saul Weinreb. > Durch die besonders in der letzten Zeit infolge der Miß« achtung der Mehrheitsbeschlüsse der Ausschnßmitglieder fortwährende Verschärfung der Lage innerhalb des Ausschusses sehen wir uns genötigt, im Wege der Oeffentlichkeit als die überwiegende Mehrheit des Ausschusses die folgende Erklärung abzugeben: Die Bolksbibliochek .Lion" hat als kulturelle Institution die Aufgabe, jüdisches Wissen innerhalb der breiten jüdischen Volksschichten zu verbreiten. Eine Gruppe von Zionisten hat sie vor einigem Jahren begründet. Immer mehr und mchr gewann diese Mbliothek die Sympathien der Oefsentlichkeit. Durch den Zufall, daß bei der letzten Generalversammlung der Obmann der Hitachdnth auch die Obmannstclle der Mbliothek übernahm, und dank der Tatsache, daß die Bibliothek der Hitachdnth seit einer geraumen Zeit Gastfreundschaft gewährt, ist die Bibliothek in die Gefahr gekommen, al§ Bolksbrb.lioth.ek ihre Tätigkeit einzustellen und in Wirklichkeit als ein Anhängsel der Hitachdnth in Oesterreich ihr Dasein zu fristen. Die - bevorstehende Generalversaurmkung der Mbliothek soll den faktischen Uebergang der Bibliothek in die Hitachdnth herbeiführen. Die vom Obmann und den übrigen Hitachduth- Mitgliedern des Ausschusses hiebei angewendeten Methoden widersprechen jedem ' Rechtsgefühl. Es werden bloß die der Hitachdnth nahestehenden Mitglieder in die Wählerlisten ausgenommen und durch Brüskiernng der Rechte der bereits seit Jahren der Mbliothek angehörenden Mitglieder, welche nicht gleichzeitig der Hitachdnth angehören, die Vorbedingungen zur Uebernahme geschaffen. Me von uns gestellten Anträge zur Bermeidnng derartiger Vorgänge, welche gegen den Sinn der Gründer und dem Wortlaut der Statuten gerichtet find, werden nicht zur Abstimmung gebracht. So hat anch Herr WeinrÄb beispielsweise einen ausdrücklichen Mißtrauensantrag des Ausschusses nicht beachtet und erklärte, weiterhin zu bleiben, obzwar acht von insgesamt Äs Ausschnßmitglieder« für das Mißtrauensvotum stimmten. Wir find entschlossen, diesem TreBen mit Mer Energie entgegenzutreten. Wir werden es nicht zulassen, daß die Mbliothek Lion", eine Gründung des Bottes, von einer kleinen Gruppe für ihre Sonderbestrebuugen ansgenützt wird. Wir find dessen sicher, daß die gesamte Mische Oeffentlichkeit und sicherlich auch die unbefangenen Hitachduch-Anhänger es nicht zulassen werden, daß derartige Uebergriffe geschehen. Die bevorstehende Generalversammlung muß dazu führen, daß die Bibliothek wieder ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt werde: EM Stätte des Mischen Wissens für das Volt. Bottsbibliothek ,Ziou" und nicht Hitachduch-Bibliothek. Dte Mehrheit der Ansschußmttglieder der Mischen Botksbibliothek „Zion": Markus Holpern, 1. Kassier; Jetti Retter, 2. Kassiert»; Zwi Poppers, Schriftführer; Marie und Dora Fisch, L. Lindenbaum, Dow RosenÄum» Salomon Röster, Pinkas Silber, Samuel Schwager. 4 Alle Mtglieder n«d ehernMye» Gründer der Mische* BoNsbibliothek „Zion" werden ersucht, ihre Mtglledsbeiträgo beim Kassier oder dessen Stellvertreter nnzuzahlerr, um nicht ihre- Stimmrechtes bei der bevorstehenden Generalversammlung verlustig zu werden. Die Einzahlung kann täglich ab % ]||k jm jjolul tew

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