Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2602 (22.5.1926)
- Date
- 1926-05-22
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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©pfte 8 Wien. Samstag tzrmgMV des WcchrHettÄxweNeS weiterS die Einvernahme von Zeugen, -ah wahren!- der Tät-Kert Gattermayers als zeichmmgsberechtigter BeMnlttmgsrat der Denkschösterreichischen Wirtschastsbank die AbermrS bedenklichen Dpebulationen Bronners begründet wurden, an denen die Bank zugrunde ging. Ferner beantragte er Zerrgendeweis Aber den Umstand, daß Gattermayer als Hauptschrfftleiter des hakenkrerylerychen Parteiorganes in diesem gegen die „plmrmäßrge DvÜksartsbvnMng" derrch die Banken zu Felde gezogen und deren Entergmmg begehrt habe, ovwohl er gleichpitig BerKvalMn-gsrat der genannten Bank war, deren bisher christlicher BanchrW>ent gerade wahrend der Tätigkeit Gattermayers durch Dtraßer abgelöst wurde. Auch seien die Angestellten der Deutschösterreichrschen WirtschaftSbrnk so ziemlich die einzigen gewesen, die einen erfolgreichen Kampf um einen Kollektivvertrc^ führen muhten, obwohl der Gewerkschaftsfunktionär Gattermayer zeichnender Derwaltungsrat war. Doktor Richter bot weitere Beweise darüber m, daß Gatteamcher einem Cafetier Wtien verkaufte, den Kaufpreis persönlich einkassierte und daß dieft Wien dermaßen schlecht waren, daß sie, noch vor chver Aushändigung an den Käufer den Wert van Makulaturpapier erreichten. Auch fei Gattermayer erst über ausdrücklichen Auftrag seiner Vorgesetzten Bchörde aus dem Vevwaltungsrat der Bank geschieden. Bei Durchführung dieser Beweise werde sich ergeben, dah Gattermayer sich an das Programm seiner Partei in keiner Weise gehalten habe. Der Richter stellte mm die Frage, ob Janistyn behaupten wolle, daß Gattermayer in der Bank irgend welche kriminell« Delikte begangen halbe. Janistyn erklärte, darüber mchtS Näheres zu wissen, wies aber darauf hin, daß der -richmmgsberechtigte Beöwaltungsrat einer Bank gesetzlich und moralisch für bas, was die Bank tue, verantwortlich fei. Der Richter lehnte sämtliche Beweisanträge ab und verurteilte Janistyn zu einer Geldstrafe von 20 §chilling. In der Urteilsbegründung führte er aus, Janistyn habe zugegeben, gesagt zu haben, Gattermayer halbe bei der Bank „mitgegaunert". Wenn er damit auch nichts anderes getan habe, als die Kritik Rentmeisters an den Banken mit Bezug auf Gattermayer zu wiederholen oder anzuwenben, so sei darin doch eine Beleidigung gelegen. Das teure Uestch. Beim Landesgericht 2 fanden gestern unter dem Borsitze des Hoftates Doktor H a e r t l zwei Verhandlungen gegen Fleischhauer und Fleischverschleißer wegen Vergehens der Preistreiberei statt. In der ersten Verhandlung hatte sich der Fleischhauer Ignaz Pazelt aus Langenlebarn zu verantworten. Die Wirtschaftspollzei hatte erhoben, daß er eine Kuh rm Gewichte von 580 Kilogramm gekauft habe mtb für das Kilogramm 1.40 Schilling bezahlt hatte. Pazelt hat einen Erlös von 1064 Schilling für die Kuh erzielt und einen Gewinn von 191 Schilling, was nach den Berechnungen der Pveisprüfungsstelle als übermäßig be- ^ichnei wird. Den Fleischhauern wiw nämlich ein rechtmäßiger Gewinn von 12 Prozent zuqebilligt, der in diesem Fälle' weit überschritten war. Der Angeklagte gab )u seiner Verantwortung an, es seien in der letzten Zeit die Stzsen in untzcheuerer Weise gestiegen. Schon die Zufuhr des Fleyches kostet mehr als das doppelte, sein Gewinn an" dem Fleischvevkauf habe gerade hingereicht, -eine Auslagen zu decken. — In der zweiten Verhandlung hatten sich die Fleiichverschbrißerin Marie' Niederer und ihr Vetter Georg Seidel, der als Gehilfe bei ihr tätig war, gleichfalls wegen' Preistreiberei zu verantworten^ Frau Niederer beweib: am Schwendermarkt chr Geschäft und soll für ein Kilogramm Kopffleifch 2 Schilling und für Suppenknochen als Zuwage 60 Gros^n verlangt haben. Auch diese Preise wurden von der Preislprüfungsstelle als übermäßig bezeichnet, weshalb gegen sie und ihren Gehilfen die Anklage eryobeck wurde. — .Der Gerichtshof erkannte den Fleischhauer Fgnaz Pazelt schuldig und verurteilte ihn zu 10 Tagen strenge n A r r e st s, verschärft durch ein hartes Lage r, ferner zu 10 0 0 Schilling G e l d st r a f e, Pazelt meldete die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung an. — Die zweite Verhandlung gegen Marie Riedever und Georg Seidel wurde zum Zweckder Vorladung von Sachverständigen vertagt. _Q&tentt Morüeirzeitrrns_ Volkswirt. 9er giganllM Kamp? um den graoken. Das Ringen zwischen der Spekulativ« und der franzSsischen Regierung. Der Kampf um die Erhaltung des Frankenkurses scheint seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Während noch vor drei Tagen der Franken einen Tiefstrekord aufzuweisen hatte, wurde gestern von sämtlichen internationalen Devisenmärkten eine kräftige Reprise gemeldet. Cs sind dieselben Panikerscheinungen zu beobachten, wie es im April 1924 der Fall war, als das Haus Morgan mit einer kräftigen Intervention für den Franken einsetzte. Dieselben Faktoren, die damals am Werk waren, scheinen auch jetzt ihre Hand im Spiele zu haben. Das Bankhaus Lazar frere, daS bekanntlich vor zwei Jahren den Kurs des Franken absichtlich tief hinunter trieb, um dann die Äontermine einzuzwicken, scheint auch jetzt ähnliche Absichten zu hegen. Wenigstens werden solche Pläne von der Baissespekulation befürchtet. Die Kontermine des Franken hat allem Anscheine nach ihre Wurzel sowohl in Frankreich selbst, als auch in Antwerpen, London und New - Aork. Der Wiener Platz halt sich von diesen Transaktionen vollkommen ferne, da die Schläge, die er vor zwei Jahren erlitten hat, bis heilte noch nicht überwunden sind. Außerdem fehlt auch der Wiener Spekulation das notwendige Geld, um sich an solchen Transaktionen zu beteiligen. Deswegen ist Wien an der Schwankllng und der jetzigen Reprise fast gar nicht interessiert. Anders in Frankreich und London. . Hier wird das Ringen der französischen Regierung und des französischen Finanzministers ‘ um die Wiederherstellung des Ansehens des Frankens mit größter Aufmerksamkeit beobachtet. Der berüchtigte 20. Mai, an welchem ein großer Posten französischer Schatzscheine fällig war und der den Kulminationspunkt des Frankensturzes bildete, ist vorbei. Nun kann an eine kräftige Stützung geschritten werden. Hinter den Kulissen scheinen sich sehr wichtige Verhandlungen abzuspielen. Aus Pariser Zeitungsstimmen geht hervor, daß zwischen dem französischen Finanzminister Peret und dem Gouverneur der französischen Nationalbank wichtige Verhandlungen gepflogen werden. Es handelt sich darum, neben dem seinerzeit vom New-Porker Bankhause Morgan zur Verfügung gestellten Stützungskredite auch noch im' Bedarfsfälle die bei der Nationalbank angesammelten Devisen ebenfalls in Anspruch nehmen zu dürfen. Die Nationalbank kann einem solchen Ansinnen nicht ohneweiters zustimmen, da dadurch die Gefahr der Entblößung aller Mittel drohen würde. Ob tatsächlich ein solches Ansinnen gestellt wurde, ist vorläufig noch nicht offiziell bestätigt. Tatsache ist, daß derzeit intensive Verhandlungen zwischen den beiden Faktoren schweben und daß auch von dieser Seite eine Stützungsaktion fiir den Franken unternommen werden dürfte. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß die Stabilisierung des Franken den Gegenstand dieser intensiven Beratungen bildet. Hansseartige Steigerungen auf den Devisenmärkten. Die schon am Vortage eingetretene festere Tendenz auf den Devisenmärkten führte gestern zu weiteren hausseartigen. Steigerungen der beiden Frankendevisen und der Lira. Die Befestigung war auf allen Devisenmärkten gleich stark. Die Umsätze haben einen enormen Umfang angenommen, da die Kontermine möglichst rasch ihre Verbindlichkeiten einlösen will und deswegen um jeden Preis bei ihren Deckungen zu Konzessionen bereit ist. Die Devise Paris erhöhte sich in Zürich auf 15.90. Der Schlutzkurs war 15.77 gegen 15.25 vom Vortage. Auch Brüssel blieb von der festen Haltung _22. Mai 1926 Nr. 2602 nicht ausgeschlossen. Vorübergehend übertraf die Notieruüg die Bewertung des französischen Franken. Sie erreichte den .Kurs von 16.50. Der Schlnßkurs war 15.76 gegen 15.80 vom Vortage. Verhältnismäßig am meisten profitierte die i t alieNische Lira, die sich von 19.82 auf 20.87 besserte. Zugleich mit diesen Kursgewinnen ermäßigten sich auch die Dis kontsätze der einzelnen Devisen. So senkten sich,die Leihsäy? fiir Lire von 80 Prozent auf 24 Prozent pro anno. Etwas schwankend hielten sich die O st d e v i s e n. Der Zloty war in Prag rückgängig. In Wien und Berlin zog er dagegen an. Der nordamerikanische Dollar wurde im Wiener Usancenhandel mit 11.00 bis 11.20 Zloty bewertet. Die Devise Warschau notierte in Wien 60.26 nach 60.15 vom Vortage. Auch der Leu lag nicht einheitlich. In Zürich erhöhte er sich von 1.90 auf 1.91. In Wien war er leicht rückgängig, während er sich in Prag etwas befestigte. Die Kursänderungen der übrigen Devisen waren minimal. Die Bank von Frankreich für de« Franken. Paris, A. Mai. (Tel.-Konip.) In dein heutigen Ministerrat, der wie der gestrige der Franikenkri.se gewidmet war, teilte Finanzminffter Peret mit, daß die Einlösung der am 20. d. fälligen kurzfristigen Dchatzscheme auf die befriedigendste Weise verlaufen sei. Die Lage des Schatzamtes könne als gesund bezeichnet werden. Wie dem „TempS" aus RegiemwgsEreffen mitgeteilt wird, soll durch die Beschlüsse des Kabinetts verhindert werden, daß die Kursspekulation nicht noch durch eine Warenspekulation verschlimmert werde. Die Regierung wünscht daher die Operationen auf dem Finanzmarkte so schnell durchzuführen, daß Hausseoperationen auf dem Wirtschaftsmavkt unmöglich werden. Die beschlossenen staatlichen Interventionen sollen kontinuierlich wiederholt werden. Als Flmmzmmistek Peret dm Quai d'Orsay verließ, erklärte er, das Einvernehmen Zwischen der Regierung und der Bank von Frankreich sei, entgegen umlaufenden Gerüchten, nie gestört gewesen. Man habe darüber beraten, auf welche Werse eine wivksame Intervention zur Wrederaufrichtmrg der französischen Devise durchzuführen sei. Neue Maßnahmen seien in Mssicht genommen, über die die Verhandlungen günstig Verliesen. Die Bank von Frankreich sei entschlössest, die Regierung bis zum Siege des Franken zu unterstützen. Die Frage der NnsfubeemSbigung. Ende der nächsten Woche wird die M o n a t s v e sammlnng des Generalrates der Oesterreichischen Nationalbank stattfinden, in welcher auch über die Zins f ußherab s e tz u n g beraten werden dürfte. Aus dem privaten Geldmarkt herrscht Ueberfluß an Geld. Der Prtvatsatz beträgt 63/8 Prozent. Vorläufig steht es noch nicht fest, ob die erwartete Herabsetzlmg um ein halbes Prozent vorgenommen werden wird, da die Entwicklung der Geldverhältnisse in anderen Ländern beobachtet werden muß. In England scheint vorläufig die Absicht einer Diskontermäßigung nicht zu bestehen. „Morning Post" stellt in ihrem wirtschaftlichen Teil fest, daß die Börse mit der Beibehaltung des öprozentigen Bankzinsfußes durchaus e i n v e r st a n d e n sei, da es bei der gegenwärtigen Unsicherheit der Lage notwendig sei, so lange vorsichtig vorzugehen, bis die Kohlenproduktion wieder im Gange ist. In dem Artikel wird auch auf die verhältnismäßige Leichtigkeit hingewiesen, mit der gegenwärtig neue Kapitalien aufzubringen sind. Die Zeichnungen auf die von der Gummifabrik Dunlop und von Baumwollspinnereien in der nächsten Woche auszugebenden Aktien sind ohne Schwierigkeiten erfolgt und es verlautet, daß demnächst zwei neue Emissionen von der Treuhändertype aufgelegt werden sollen. Copyright 1926 Nachdruck verboten u loseph Opatovskv, ■'lew York (24. Fortsetzung) Roman eines Pferdediebes. . Von I. Opatofcha. Bon seinen Taten hat man Wunder erzählt; aber als er trank wurde und seine Glieder zu faulen begannen, da haben ihn seine Genossen verlassen. Ich habe ihn einmal gesehen, da war er schon krank: ein Riese mit wilden Augen, einer roten, zerfressenen Nase und roten Flecken auf dem ganzen Gesicht; sein (Äang war steif und wie auf Stelzen." Ein eiskalter Schauer rann Sanwel über den Rücken; seine Fäuste ballten sich. Unbarmherzig spann sich die schreckliche Vorstellung von vorhin in ihm fest: er sah sich schon als Kranken in der Heimatstadt; alle wußten, er sei krank, und wichen ihm in weitem Bogen aus; er mußte im Spital schlafen, wurde von Tag zu Tag schwächer, konnte sich nicht mehr von seinem Lager schoben, nicht mehr auf die Straße gehen . . . Und das alles wegen Rachel, wegen dieser hochnäsigen chasstdischen Prinzessin!" Plötzlich hörte Sanwel ein Geschrei vor seinem Fenster; er sprang auf und kleidete sich hastig an. Mojschele sprach laut auf den Besitzer des Gaschofes ein. Dann wurde die Tür aufgerisien; zwei Pferdehändler zusammen mit Mojschele Byk trugen einen blutenden Köcher herein und legten ihn aufs Bett. An den Kleidern erkannte Sanwel, daß es Gradul war, der stöhnend dalag. Sein Gesicht war kaum zu erkennen; es war eine blutige Maste. Die Augen waren nicht zu sehen; zwei bläulich-schwarze Flecken waren an ihrer Stelle. Aus dem Mund und aus einem klaffenden Loch im Schädel rann Blut. „Was ist das?" schrie Sanwel auf. Mojschele setzte sich auf den Bettrand und streckte die Beine weit von sich. „Die ganze Zeit hat er geschnarcht und jetzt schreit er!" Sanwel schwieg. „Ihr könnt euch später streiten!" warf ein Pferdehändler /in. ,Hetzt lauft um einen Doktor! Der Z^nge verblutet uns sonst! Urw machet Beine mit ihm! Die Polizei sucht ihn!" „Byk, nicht mucksen! Verstanden?" wandte sich Sanwel an Mojschele. „Du gehst sofort zum Doktor!" Mojschele sprang auf und eilte davon. „Wie ist das geschehen?" fragte Sanwel die Pferdehändler. „Ganz einfach! Er wollte ein paar Pferde holen, da hat man ihn erwischt; wären wir nicht gewesen, er wäre erschlagen worden." Sanwel füllte die Waschschüssel mit Wasser und begann den blutüberströmten Gradul vorsichtig-zu waschen. Er fühlte, das alles sei seine Schuld. Mit langen Schritten durchmaß er einigemal das Zimmer und beschloß, noch heute mit dem Kranken heimzufahren. 19. „Gaube mir, Rachel," sagte Rußen, der Gärtner, zu seiner Tochter, „alle beneiden mich um einen Schwiegersohn wie Baruch! Und wirklich, Spaß beiseite: Baruch ist der gelehrteste junge Mann in der Stadt, besitzt die Rabbinerbefähigung und steht vor dem Examen; und sofort wie — so Gott will — die Hochzeit vorüber ist, laste ich mich's ein paar hundert Rub.'l kosten und Baruch bekommt eine Gemeinde und wird Now. Kann es etwas Besseres geben?" Nußen schwieg, nahm eine Prise und sah seine Tochter erwartungsvoll an. Rachel antwortete nicht. Sie wurde nur bleicher als sonst und senkte die Augen. „Nun, mein Kind?" Der alte Nußen hüstelte. Rachel hob ihre tränenfeuchten Augen. „Tut, was Ihr wollt!" brach es unter Tränen aus ihr hervor; weinend eilte sie ins Nebenzimmer. ,>Ein junges Mädel, sie schämt sich natürlich ... Na, sie soll sich halt ein wenig ausweinen, das schadet nichts", murmelte Nußen vor sich hin, während er sich auf dem Sofa ausstreckte. Rachel ging ins Schlafzimmer. N-uhelos ging sie in dem kleinen Raum auf und ab; es war chr bewußt worden: da ging etwas vor, Leute trugen sich mit Plänen und Ansichten, um sie glücklich" zu machen . . . Hastiger durchnmß Rachel das kleine Zinuner; mir rasender Schnelligkeit rollten in ihrem Hirn immer neue Pläne ab, um dieser Heirat zu entgehen. Mit einemmal riß alles ab. Rachel blieb stehen; ihre weiße Stirn glättete sich, die Lider fielen halb auf die Augensterne; sie schien etwas zu suchen, wollte eüvas finden, was sie verloren hatte — doch wie zum Trotz vermochte sie sich nicht daran zu erinnern; zornig stampfte sie mit dem Fuß und nahm ihre Wanderung wieder auf. Nach einer Weile spürte sie eine starke Müdigkeit in den Füßen; sie legte sich auf das kleine Kanapee und war entschlossen, noch heute abends dem Vater zu sagen, sie werde in diese Heirat nie einwilligen; sie würde mit Baruch unglücklich sein für ihr ganzes Leben, sie — sie wußte nicht mehr, was sie sagen würde . . . Baruch erschien ihr plötzlich viel häßlicher, als er in Wirklichkeit war. Sie sch, daß seine Nase noch länger und dünner war; bei Gott, sie hängt über den Murrd herab; das junge, bleiche Gesicht hat häßliche alte Züge und die Furche, welche die Nase von der Stirn trennt, bewegt sich unaufhörlich, als säße wer auf Baruchs Nase und stäche dort oben herum; der ganze Kerl sieht aus wie ein verfaulter Hering . . .! Rachel spürte, daß sie fror. Sie preßte die Fäuste au d'e Schläfen und war fest entschlossen, Bamch nicht zu heiraten, und ginge es auch um chr Lchen. Mitten in diesen! Gedanken aber fühlte sie, sie würde diesen Entschluß nie durchführen können, es nie über sich bringen, dem Vater zu sagen, daß sie Sanwel, den Pferdedieb, liebte; sie spürte deutlich: diese Auflehnung, die sie ausdachte, war nichts mehr denn ein süßer Zeitvertreib, mit dem sie sich selbst zum besten hielt. Und Rachel fühlte sich schwach und hilflos wie ein Kind . . . Ihr Haß gegen Bamch war mit einemmal verschwunden: „Was hat der Vater gesagt? Baruch wird gleich nach der Hochzeit Row werden. Und ich werde Nebezin sein. Alle Frauen werden um mich scharwenzeln; jede wird sich geehrt fühlen, wenn ich mit ihr spreche, ehrfurchtsvoll um meine M'immg fragen; zu jedem Fest, das es irgendwo in der Stadt gibt, weche ich geladen, habe einen Ehrenplatz, bekomme das Beste und Schönste vorgesetzt." Rachel bemühte sich, den Gedanken weiter ztl spinnen; da stand ihr plötzlich die Sladtrrbezin in ihrer Serbenhaube, mit den großen Diamantohrringen vor Augen. ^Fortsetzung folgt.)