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Wiener Morgenzeitung · 1926-05-21 · Heft 2601 (21.5.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2601 (21.5.1926)
Date
1926-05-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Polen r LS atoiiyj Wien. Zum Abholen ln der Expedition, 11., Tabor stf. 1*3, oder In elnerVerschlelsstelle Trafik) monatl. 5 Schilling Stfassenverkaüt in Wien idarch die Kolporteure der Firma Gol dschmied. U Wollzelle 11 Mit postversand fflr Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling ,i schecho-Slowakel: Mon. K22. Jugoslawien. Mon.Din. 60. Polen:Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belglen: Mon. Frcs. 18 i I' >aehMHitmgen / r e t — s r hähtt tuten rorbchtlic» Bit. 2601 Wien. Freilag. 21. Mai 1628 llUkLIH England: Mon.4Schü»tog. Italien: Monatl. 18 Lfee Rumänien: Mon. 170Lei, Bul gari en? Mon.IOOiewa. Schweir und das flbrige Ausland monatlich Frcs. h Redaktion, Administration Wien, 11« Taborstr. I Telephone: 44*0-38. 43-3-1n Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.. Ünlversitatsstrasse 6-8 (D. ackere! lg. Stelmnamv Oesterrelchlsehes Postsparkassen-Konto Nr. 150.69 8. FaHrgaag Am redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ei« vorangesetztes E gekennzeichnet. 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Unter den Stämmen des Gebietes von Taurirt herrscht große Verwirrung, da mehrere derselben durch die Verbindung der bei Suk-el-Arba und 6ek T a u rirt operierenden Truppen mit jenen, die bei A d sch dir operieren von vollständiger Einschließung bedroht sind. Im Mittelabschnitt hat eine neuerliche Vorwärtsbewegung der französischen Truppen eingesetzt. Von Burdub ausgehend, .besetzten sie ohne Schwierig-' ketten die Linie. Tauerz—Tazaib. Die.Verluste bei allen gestrigen Angriffen waren gering. Die Aktion erstreckt sich auf eine Front von 40 Kilometer; 80 Bataillone sind an derselben beteiligt. gmweuel nach Paris bemfen. (Eigendienst der ..Wiener Morgenzeitung".) Paris, 20. Mar. Der Oberkommissär von Syrien,' Henry he Jouvenel, ist nach Paris zurückberufen worden. „Daily Herald" meldet aus Paris, daß diese Maßregel mit der Absicht der Regierung Zusammenhänge, Syrien in den Bö'lkerb u n d auszunehmen, um auf diese Weise die eigenen Truppen zurüchziohen zu können. Explosion einer Pulverfabrik. In Böevtheiirr am Mwiri. — 9 Tote, 3V Verwundete. /—r- Panik unter der Bevölkerung. Aus Berlin wird gemeldet: In Wert heim am M a t n ist gestern ein Teil der dortigen Pulverfabrik > n d i e L ü f t geflogen. Zahlreiche Personen wurden unter den Trümmern begraben. Bis jetzt wurden 9 Töte und 30 Verwundete geborgen. Man glaubt aber, daß noch etwa zehn Personal tot r unter den Trümmern begruben' liegen. Durch umherfliegende Mauerte!le und andere Trümmer wurde die gesamte Belegschaft von etwa 100 illtann verletzt. An der Stelle, wo sich die Arbeitsränme befanven, gähnt jetzt ein riesiger Trichter in der Ewe. Nicht einmal die Grundmauern der Werkhänscr sind noch borhanden. Sluch die in der Umgebung befindlichen Wohnhäuser haben schweren Schaden erlitten. Die Explosion setzte mit' einem gewaltigen, donnerartigen Getöse ein, worauf eine riesige Stichflamme in die Höhe schoß, der eine ganze Anzahl weiterer schwerer Explosionen folgte. Der Luftdruck der Explosion war so gewaltig, daß in den umliegenden Ortschaften zahlreiche Hansdächer abgetragen, mehrere Gebäirdr ' ganz zerstört und zahllose Fensterscheiben zertrümmert wurden. \ Durch die heftige Erderschütternng, von der die Explosion s begleitet war, entstand unter der Bevölkerung-eine wilde; Pani k. Alles stürzte ins Freie und erst nach mehreren Stunden wagten es die Bewohner, ihre Häuser wieder aufzusucheu. „Leichtsinn und Sberflsichlichlett. 'Sie Rede der Staatsanwaltes gegen Windischgk'ütz. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 20. Mai. Der Fälscherprozeß ist in das letzte Stadium getreten. Die Plaidoyers haben begonnen und nächste Woche wird man schon das Urteil hören. Den Reigen der Reden eröffnete der Oberstaatsanwalt Dr. Gustav Sz t r a ch e. In den leitenden Kreisen rühmt man ihm nach, daß er der ge- ' Heimen Spitzenverbindung der vaterländischen Vereine angehöre und daß er aus seiner Funktion einer der genauesten Kenner der magyarischen Katakomben sei. Näheres hierüber siehe seine Anklagerede! Er sang den Hymnus auf die Patrioten, die sich selbstvergessen gegen 30 Prozent Beteiligung am Gewinn in den Dienst des Vaterlandes gestellt hätten. Der Mission, das Thema auf die pure, nackte Fälschung zu beschränken, kam der Redner mit ansehnlicher Geschmeidigkeit nach. Nur Windischgrätz ist der Schuldige, alle anderen waren sein Gefolge. Dieser Windischgrätz! Allen Zorn wendet der Führer der Unterirdischen gegen diesen beispiellos leichtsinnigen Menschen. Er hat die falschen Noten in offenen Koffern herumtragen, er hat jede Vorsicht fallen lassen! Man begreift die Erregung des Herrn Oberstaatsanwaltes . . . Vor seiner Rede war noch die Bulassa-Angelegenheit besprochen worden. Ter Konzipient war vor dem Abflug nach Konstantinopel verhaftet worden. Er hatte den Auftrag, das Original des.Geleitbrieses, den Meszaros .bei, sich, trägt, zu holen. Das Gericht nahm die Sache gleichmütig zur. .Kenntnis und Töreky schloß das Beweisverfahren: Er weiß schon genug. Budapest, 20: Mgi. $pu- FraMy.fcilHrMWtz'., ver-^' kündet heute der Vorsitzende, die Entscheidung öes Gerichtshofes, daß er den Anträgen. auf Ergänzung des Beweis- Verfahrens nur züm T e i l Folge gebe, wogegen die Verteidigung die N i ch t i g k e i ts b e s ch w i r d e anmeldet. . . Im ergänzenden Beweisderfcchren befragt der Vorsitzende Windischgrätz, Nadossy und Gero, ob sie die Herstellung falscher.Franken mit dieser Aktion als beendet betrachtet haben. Die Frage'wind von den Angeklagten unter Hinweis darauf bejaht, daß der größte Teil der Instrumente und Maschinen noch vor dem Bekanntwevden der Frankenaffäre vernichtet worden fei. Daß die Verbreiter der falschen Franken sich mit Hilfe von halben Visitkarten vor der Berliner Gesandtschaft gegenseitig legitimieren sollten, ist nach Angabe des Prinzen Windischgrätz eine Idee des Jankovich gewesen, von der die Berliner Gesandtschaft keine Ahnung gehabt habe. Der Vorsitzende trachtet sodann unter neuerlicher Befragung der Beamten des kartographischen Instituts die Frage zu klären, ob im Institut die Arbeiten auf Befehl verrichtet worden seien, doch sind die Aussagen auch diesntal widersprechend. , Hajts s'gte bei der Konfrontierung auch Gerö ins Gesicht, daß er ntcht in der Frankere ffäve beurlaubt wurde, sondern zu dem Zweck/ die Herstellung plastischer Landkarten zu studieren. Gerö dementiert dies und gibt die Erklärung ab, daß der Name „Herstellung plastischer Landkarten" der Deckname zur Frankenfälschungsaffäre war. Nach dieser erregten Konfrontierung wurden noch andere Angestellte des kartographischen Instituts verhörte die' erklärten, daß Gerö derjenige war, der in der Fvankenfälschungsaffäre das Kommando führte. N.:ch Verlesung einiger amtlichen Schriften verhört das Gericht Albert Gyöndössh, der erklärt, daß der Nationalverband mit der Frgn-kenfälschungsaffäre,in keiner Verbindung gestanden ist. W i n d i s'ch g r ä tz erklärt in bezug auf den gestern bei dem Konzipienten B u l i s s a beschlagnahmten Brief an Meszaros, er habe den Brief geschrieben, als er nochnicht verhaftet mar. Der Brief Windischgrätz' an Meszaros. Der beim Advokaturskandidaten B u l i s s a beschlagnahmte Brief des Prinzen Windischgrätz an Meszaros in. Kvnstantinopel lautet, wie dein Ungar. Tel.-Korr.-Bur. von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, folgendermaßen: Lieber Julius! Ich bitte Dich, was Du in dieser Angelegenheit weißt, im Laufe Deines Verhörs auszusagen. Es umarmt Dich in Freundschaft Ludwig Windischgrätz." Der Präsident erklärt das B e w e i s v e r f a h r e n f ü r g e s chlo sse n. In der Nachmittagsverhandlung hielt Oberstaatsanwalt Dr.Szt rache die Anklagerede. Die Frankenfälschungsaffäre hat Ungarn in den Mittelpunkt des europäischen Interesses gerückt und die nicht-allzu große Achtung des Auslandes vollends zugrunde gerichtet. Das begangene Verbrechen ist eine Folge der traurigen Lage nach Trianon. Das ungarische Gesetzbuch kennt aber keine Bestimmung, wonach aus politischen Gründen begangene Verbrechen ungesühnt.bleiben. Gekfälschung und Patriotismus schließen einander aus.; Der Staatsanwalt, dessen Ausführungen schon bisher mehr den Eindruck einer Perteidigungsals ein« Anklagerede machten, versteigt sich hier zu der Behauptung, daß ,chas größte Verbrechen der Fälscher darin bestehe, daß sie bei ihrer Mion nicht-mit genügender Ueberlegung vorgegangen sind und daß sie sich einer fatalen. Le i chts in n igke it schuldig 'gemacht haben. Leichtsinn ist das richtige Wort, das auf diese Angeklagten paßt. Keiner von ihnen dachte, daß die Aktion auch mißlingen könnte. Keiner von ihnen wehrte sich dagegen-, daß'die falschen Frankenno.ten auch in Ländern bet-: wendet wurden, b’te, sich niemals im Kriegszustand mit,Ungarn befunden^ haben." Nach dieser Einleitung zergliederte , der Staatsanwalt i« seiner „Anklage"rede die Rolle der einzelnen Angeklagtm und Zeugen, wobei er bemüht war, Windischgrätz als den Haupt- und Meinschuldigen der ganzen Affäre hinzustellen und alle Zeugenaussagen, die im Laufe der Hauptverhandlung die Regierung oder den Ministe r p r ä s i d e n t e n zu belasten schienen, als belanglos und böswillig abzutun. Der Staatsanwalt erklärt,-die Tatsachen beweisen, daß der Prinz im Verlaufe der ganzen Aktion das Kommando geführt habe. Er war derjenige, der den La n de s Polizei che f für den- Pkm gewann, vom Grafen Paul T e l e ki einen Sachverständigen verlangte, mit Ladislaus Gerö verhandelte, im Ausland das technische Material beschaffte und schließlich, als Nadosty und Gerö. schon zu schtvanken schienen, das Entscheidende Wort sprach: „Los!" ' Die Idee, die Noten eines-fremden Staates zu fälschen, stammte vielleicht von Meszaros, vielleicht von S ch u l tz e, vielleicht noch von anderen Personen, von denen man nichts weiß. Die Oberleitung lag aber immer in den Härchen des Prinzen Windischgrätz. Nun richtet der Staatsanwalt h e f t i g e A ng.r i f f e gegen den Prinzen, dem er „Leichtsinn" und „Oberflächlichkeit" vorwirft. Die gefälschten Frankennoten wurden in offenen Koffern m.den Straßen von Budapest herumgetragen, wobei die Primi', tivste Vorsicht außer acht gelassen wurde. Jedermann k o n n t e f i ch F a l s i fit a t e neh m e n, so viel er wollte, womit schon der Keim' zum Mißlingen der ganzen Aktion gegeben war. Windischgrätz nahm sich nicht einmal die Mühe, die Z a hl d e r a u s g e g e b e n e n F a l s i f i k a t e und ihren Aufbewahrungsort evident zu halten. Zur Verbreitung der Noten wählte er den unzuverlässigen und materiell niedergebrochenen Aristide Jankovich, der nichts Eiligeres zu tun hatte, als die falschen Noten in .Holland in Verkehr zu setzen. Naba wieder beschuldigte erst den Grafen Teleki, dann die R e g i e r u n g im allgemeinen, schließlich den R eg i e r u n g s ch e f im besonderen. Diese Beschuldigungen sind jedoch nicht ernst zu nehmen, weil sie voll von Widersprüchen sind.' Graf Anton Sigray und Bischof Graf Johann M i kes sprechen ebenfalls davon, daß die Ree I i i g e i In Stoffen. Seide Wasciuuaren etc, im Warenhaus 11., Taborstrasse 48 Telephon 47-1-79 En gras En detatl «I

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