Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2600 (20.5.1926)
- Date
- 1926-05-20
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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-Sit« ß SK. 28vd Of«t, GonnerSkag Wiener Morsten^eitnnft 20. Mai 1926 $t Ehre« z« bring««, das heißt, den größte« Nutzeffekt mit möglichst geringen Kosten zu erzielen. ES ist dies der einzige Weg, der aus den Trümmern der Wirtschaft wieder zu Wohl« fahrt und Fortschritt führen kann. Nachstehend das offizielle Eommnniqne: Generalverfammlirrotz der Allgemeinen österreichischen Lotan-Eredtt-Anstatt. Unter dem Vorsitze deS Präsidenten Dr. Rudolf Hi eg« hart hat gestem die 61. ordentliche Generalversammlung der Mtionäre der Boden-Eredit-Anftalt stattgefunden. Bor Eingehen in die Tagesordnung entwarf der Vorsitzende in längerer, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Rede ein Bild der gegemwärtigen wirtschaftlichen Lage, worauf Direktor Steiner den Bericht des Vorstandes über die mit 1. Jänner 1926 aufgestellte Golderöffnungsbilanz und die Umstellung des Aktienkapitals verlas. Hieran schloß sich eine längere Debatte, in welcher die Aktionäre Kommerzialrat Richard Schellbach Matthias v. Löbl und Erwin Pendl der Verwaltung für ihre Aufstellung der Golderöffnungsbilanz neuerlich bewahrte traditionelle Umsicht sowie für ihre im vergangenen Jahre unter schwierigen Verhältnissen entfaltete erfolgreiche Tätigkeit d«r wärmsten Dank und die vollste Anerkennung ausdrückten. Sodann wurden die vorliegende Golderöffnungsbilanz pro 1. Jänner 1925 sowie der hierüber erstattete Bericht des Vorstandes einstimmig genehmigt und die in diesem Bericht enthaltenen Anträge mit Stimmeneinhellig« k e i t angenommen. Demgemäß werden von dem ausgewiesenen Eigenvermögen von 60,000.000 S. als Aktienkapital 30,000.000 S., eingeteilt in 600.000 Aktien zu Nominale 60 S. bestimmt, 20,000.000 S. als Kapitalsrücklage au8« gewiesen und hiervon 16,000.000 S. als Dotation des statutarischen Reservefonds verwendet. Für je einzuliefernde 6 Stück Aktien zu je Nominale 3000 K. wird eine neue Aktie zu Nominale 60 S. ausgegeben werden. Die vorgeschlageneu Statutenänderungen wurden mit Stimmeneinhelligkeit genehmigt. Ebenso wurden die Rechnungsabschlüsse für das Jahr -1925 sowie die Anträge des Verwaltungsrates wegen Verwendung des Reingewinnes einstimmig angenommen. Der Dividendencoupon pro 1926 gelangt mit dem Betrage von 7.20 S. für jede neue Aktie zu Nominale 60 S., demnach mit 1.20 S. für jede alte Aktie zu Nominale 3000 K., insoferne innerhalb der im Goldbilanzengesetz vorgesehenen 14tägigen Frist ein Protest gegen die Aufstellung der Goldbilanz nicht eingebracht wird, nach Ablauf dieser Frist, v. i. ab 4. Juni d. I., zur Einlösung. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurden die turnusmäßig ausscheidenden Berwaltungsräte Dr. Georg Günther und Isidor Mautner für die statutenmäßige Funktionsdauer wiedergewählt. (Entgeltlich.) Sie Fusion Auglobank'Kreditanstalt. Wie in finanziellen Kreisen verlautet, sind die Verhandlungen zwischen der Anglobank und der Kreditanstalt sehr weit gediehen. Sie stehen bereits vor dem Abschlusses Schwierigkeiten macht nur die gebührenrechtliche Frage der Fusion. Hier, sind noch'eingehende Verhandlungen mit dem Finanzministerium notwendig, Bor Abschluß dieser Verhandlungen kann an die Perfektionierung des Vertrages nicht 'geschritten' werden. Wie in gut informierten Kreisen verlautet, haben die Verhandlungen bereits vor sechs. Wochen eingesetzt. Ursprünglich, war daran gedacht, auch das Londoner Institut in die Fusion ^einzubeziehen. Die englischen Faktoren waren aber hierzu' nicht geneigt. Schließlich kristallisierten sich dieDer- Handlungen auf den Uebergang' des Wiener und des Buda-! pester Instituts. Bei der. Prüfung des Status wurde, festgestellt, daß der Bankbetrieb der Anglobank hoch aktiv und es der Bank gelungen ist, die Spesen mit den Einnahmen in richtigen Einklang zu bringen. - Dieser Umstand bildet ein - Devisen Amsterdam « . Hetgtad *.»»», derlln Brüssel Budapest * . . i Bukarest . » « . , London« . . . . , Mailand . . . . . New*York « » « Paris . . . . . . Prne .... .8. Oew 464.80 12.4460 168.20 20.69 08.80 2.6176 84.87 27.26 700 66 2c.31 20.0176 Ittifenna» Baltttenkurfe dom IS. Mai 1826. war« aei, Sofia.. .... 5 6.11 Stockholm .«••«, . i89 io Warschau ....... 66.76 ZOriCfi . . . .. 138 83 Valuten Amartkantscte Noten rio.60 eo Belgische Noten .... — — _ Zl Butgat. Not. —__ Deutache Noten .... 167.06 168.65 RnpHsche Noten — 285 SV 12.4880 168.70 20.61 «0.10 2.8878 84.47 27.88 7oS 65 20 41 ■10.9076 War» 8.16 184.70 67.26 187.13 Praneoatidne Noten . . Holländische Nöten . . italienische Noten . « , Jugoslawische Noten . . Polnische Noten .... RumlölscHe Nöten ... Russische Noten (Roman.) Schweizer. Noten . . . Tschecho-slow. Noten Türkische Pfund-Noten . l)ni?arlscnr Noten tJSK 20.28 27^27 12.42 68.60 20.88 98.76 "a>, 20.80 27!43 >2.48 67.6 21.— 99.16 wesentliches Aktivum bei den Verhandlungen. Für den Fall einer endgültigen Fusion wird an eine Verschmelzung des Beamtenkörpers unter möglichster Schonung des Beamtenstandes gedacht. Re Italienische Rnmsinieuauieihe. Bukarest, 19. Mai. Der Unterstaatssekretär im Finanzministerium Mauotleseu ist heute abends nach Rom abgereist, um namens der rumänischen Regierung das D 0 k «- mentüber dteitalienischeAnleihea« Rumänienzuunterzeichnen. Zur Unterzechnung des rumäntsch-italtenischen Anleihevertrages wird auch der Londoner Gesandte T i t n l e S c u in Rom eintreffen. da der Anleihevertrag auch einen poltttichen Anhang enthält. Ueber den Inhalt dieses politischen Annexes wird einstweilen Stillschweigen bewahrt._ Set Araftm» «itzt die Araabnchnungsobiigationeu mit. Die Schwankungen der Lira blleben auch auf die Wiener Börse nicht ohne Wirkung. Dies äußert sich in erster Reihe in dem Sturze, der Abrechnungsobligationen, welche auf Lire lauten. Bekanntlich find seinerzeit an Abrechnungsschuldverschreibungen ebenso wie Pfundobligationen auch Lireobligationen zur Ausgabe gelangt. Während die Pfundobligationen ununterbrochen in großen Mengen aus dem Markte genommen werden und eine kräftige Steigerung aufweisen, gehen die Lireobligationen ständig im Kurse zurück. Sie notierten zuletzt nur 123.000 K. für 100 Lire, trotzdem sie noch in der Vorwoche mit 172.000 K. bewertet wurden. Sie sind also um 49.000 K. gefallen. Wenn bedacht wird, daß die Lira zirka 2700 K. notiert, so bedeutet dies eine Bewertung der fünfprozentigen Obligationen mit zirka 45 Prozent. Dies ist zweifellos ein äußerst niedriger Kurs, der nur auf das geringe Vertrauen, welches in die Lira gesetzt wird, zurückzuführen ist. Günstiger Stand der Oesterreichifchen Nationalbänk. Drr letzte Ausweis der Oesterreichifchen Nationalbank mit dem Stand vom 15. i>. ist so günstig, daß man in kurzer Zeit mit einer neuerlichen Herab setzirnades Zinsfußes rechnet. Der Barschatz hat sich um 41.635 auf 606,068.362 Schilling erhöht. DaS Wechselportefeuille hat sich insoweit gebessert, als es eine neuerliche Abnahme um 9,978.668 Schilling auftveist. Das GesamtporteseuLÜe betragt nunmehr 74,680.076 Schilling. Auch der Notenumlauf hat ein>r Verringerung um 28,753.637 Schilling-'erfahren. , Er ist auf 759,136.771 Schilling gesunken. .; Die Abschwa chung der Frankendevisen. Die Panifftinrmung wegen des Kurssturzes des französischen Franken hält an der Pariser Börse an. Sie wurde noch vergrößert durch die erfolglosen Verhandlungen P e r e t s in London wegen einer Stützungsaktion für den Franken. Auf allen Devisenplätzen wurden größere Frankenabgaben getätigt. In Zürich senkte sich die Devise Paris aus 14,30. Auf Jnterveniionskäufe der französischen Regierung erholte sie sich auf 14,82 gegen 15,17 vom Vortage., Auch die Dwife Brüssel erholte sich nach einem ebenso großen Sturze wie der französische Franken auf 14,85 gegen 14,90 vom Vortage. Diese Erholungen sind auch darauf zurückzuführen, daß die Spe- , kulation über den Zeitpunkt der Intervention 'noch unsicher ist und bestochen zu Deckungskäusen übergeht. Im allgemeinen. ist., die. Tendenz für den französischen und belgischen Franken äußerst unsicher. — Aeußevst' fest lag die italienische L i r a, da aus Italien die Jnterventionskäufe fortgesetzt werden. Mailand notierte in Zürich 19,75 gegen 18,70 vom Vortage. — Die unsichere Lage in Polen beeinträchtigt auch teilweise die Kursbildung des Zloty. Im Wiener Usancehandel notierte der Dollar 11,— bis -11,50 3-otö. In Berlin hat sich der Zloty nach seinem vorgestrigen Kurs, vertust wieder kräftig erhalt. Die Devise Warschau erhöhte sich von 33,41 auf 35,66. — Leicht rückgängig waren das englische P f u n d und der D 0 l l a t. — Fest dagegen war der L e der sich m Zürich auf 1,905 gegen 1,89 erhöhte. Der neue Generaldirektor der Brünner Maschinen A.«G. Aus Brunn wird uns berichtet: Gestern fand hier die angekündigte Verwaltungsratsitzung der Brünner Maschinenfabrik statt, über welche folgendes Communiannusgygeben wurde: In der unter Vorsitz des Präsidenten Rotier stattaefundenen VerwaltüngSratssitzung wurden laufende Angelegenheiten, insbesondere die BestAlung eines neuen Generaldirektors besprochen. Man hofft, diese Angelegenheit itt kurzer Zeit siner günstigen Erledigung zufuchren zu können. Wie das „Prager Tagblatt" hört, wurde in der Derwaltungsratssitzung der bedingte Beschluß gefaßt, Ingenieur Höde als Generaldirektor zu bestellen, vorausgesetzt, daß es .ihm gelingt, den Vertrag mit der Finze A.-G. in Graz zu lösen. Außerdem wurde beschlossen, neben der Generaldirektorstelle eine Generalsekretärstelle mit einem Tschechen zu besetzen. Der Er^ nennung beider Funktionäre soll meichzeittg erfolgen. Zu diesem Zwecke wurde gleich nach Pfingsten eine neue Verwaltungsratssitzung anberaumt. Gestern sind Vertreter der amerikanischen Finanzgruppe, die die Anleihe für die Brünner Maschinenfabrik gewahrte, eingetroffen, und zwar der europäische Vertreter des Konzerns Lisman, Dr. Ullmaun aus Wien, und der Amerikaner DeSvernine. Sie verhandelten mit den Vertretern der an der Brünner Maschinenfabrik interessierten Banken, wodurch die Situation eine gewisse Klärung erfahren haben soll. Insolvenzen. Das Konkursverfahren wurde über die Derlassenschaft nach BohuSlaw Dvorak Selchw renverchleißer. 18 Bez.. Gentzgaffe 65. eröffnet. Mangels Deckung der Kosten wurden die Über Wilhelm R e h a k und Gustav B a nz et. 5. Bez.. Stebenbrunnengasie 97, eröffneten Konkurse aufgehoben. - DaS Ausgleichsverfahren wurde eröffnet über das Kesselröhrenwerk Brüder PriborSty <L Grom u 8. Spezial-Kessel» und Ma'chinenbau in Liesing, Perchtoldsdorferst aße 11—13; üder Jacques P 0 l l a k, 3. Bei. Hirizerftraße 11: über Karl H a r t m a tt tt, 1. Bez, Bauernmarkt 8 über Adolf Schiller, 1. Bez, Coucord aplatz 5: über Moritz Wilhelm Leinwander. Ratengeschäft in PerchioldSborf, Gugqenberggaffe 13; über Adele Barsch, HandelSfrau, 20. Bez., Klosterneudurgerstraße 58. Ausfuhrerleichtemugen in Rumänien. Aus Bukarest wird der Pol. Korr, geschrieben: Als Maßnahme zur teilweisen Aufhebung des EisewvahntransportreglementS wird ab 16. d. die 30prozentige Uebertaxe auf das zum Export bestimmte Getreide, Gemitfe und lebende Vieh aufgehoben; für die genannten Ausfuhrartikel werden in Zukunft dieselben Taxen wre für den inneren Verkehr auferlegt. - Der gestrige Verkehr nahm einen Umsätze waren sehr gering. Es Schutt tmaterialr Fichte 50 Millimeter, von 16 Zentimeter aufwärts 66 S.. Ktstenware, 13 Millimeter, 8 bis 17 Zentimeter. 3 bis 6 Meter 58 S., und 20 Millimeter, 10 bis 17 Zentimeter, 9 bis. 6 Meter 56 S. — Exekutive Verkäufe: Eine ■ schwimmende Schleppladung weiches Langholz, 69s Kubikmeter Br'maquälität, zirka 80% Fichde, 20% Tanne, Sommerfällung 1925 und Winterfällung 1925/26, von 10 Meter Länge auswärts, frei Schiff Regensburg exklusive deutscher Einkuhrzoll, jtt 37 S. pro Kubikmeter. 1 Waggon 50»Millimeter-Pfosten. Fichte und Tanne,-4 bis 6 Meter, 18 Zentimeter avfwärts 60% I. und II., sagefallend, praktisch rot-, und rißfret, ab Ostbahuhof, zu 72 S. pro Kubikmeter. . Wiener ProSuktenbSrte. Trotz der flauen amerikanischen Märkte war die Wiener Börse ruhig. Während Weizen bei geringem Angebot bebauvtet blieb, senkten sich die Preise für Neu- Weizen mfolge besserer Saatenstandsberichte. Roggen und Hafer blieben schwach behauptet, Mats blieb bet geringem Bedmf ruhig. Auf dem Mehlmarkte war prompte Ware gesucht. ES notierten! Werzenr Inländischer 43.75 bis 48.25, Ungarischer Theiß 79/80 Kilogramm 46.25 bis 48.50. Ungarischei 14.— bis 46.60, Jugoslawischer 76 Kilogramm 49.— bis 44.- Wiener Holzbörse. ruh i g e n Verlauf. Die notierten r N a d e l h 0 l z < und Tanne r Gerüstvfosten. llopyrl^ht 1926 Nachdmek verboten >» Joseph'Opatovsky, New York (22. Fortsetzung) Roman eines Pferdediebes. Bon I. Opatofchir. In einer Ecke bearbeitete ein älterer Mann mit einer. großen^ lNatze ein Klavier. Den ganzen Ranm entlang' liefen gepolsterte, mit grünem Samt überzogene Bänke. Da und dort saßen an kleinen Marmortischchen junge Burschen mit eimpaar' Mädchen und tranken. Im Salon wandelten lockende Gruppen junger.' Mädchen in kurzen, durchsichtigen Seidenüberwürftn, die die' jugendlich-festen Formen der Mädchenkörper deutlich sichtbar machten. Zwei Mädchen tanzten; ihre leidenschaftlichen 'Bewegungen lockten noch mehr als ihre tiefen, umschatteten Augen. Um.die Gäste zu unterhalten, sangen die Mädchen einzeln oder, im Chor Couplets und waren auf jede Weise bemüht, sie bei Laune zu schalten und die Losung zu vergrößern. Da und dort verschwanden einzelne Paare in den mitdichten Vorhängen verschloffenen Seitenka'binetten. Sanwel und seine Freunde sähen sich denn Eintri-tt in den Salon aufmerksam um, begrüßten einige Bekannte, setzten, sich zu einem Ecktischchen und bestellten eimge Flaschen Cham-, pagner. Bon. allen Seiten kamen Mädchen singend und tanzend an den Tisch. Sanwel .musterte alle, doch keine gefiel ihm. Die Blondine beim Büfett hatte es ihm angetan. Er bemerkte, daß'sie ein paar Mal durch den Salon ging, ihm mit heil Augen zuwinkte und verschwand. Seine Genossen hatten ihre Wahl bald getroffen und einer nach dem anderen verschwand. Sanwel blieb allein. Vor ihm standen einige Mädchen, damnter die Blondine, und mschellen miteinander.' ,Me gefällt euch diese Wurzen?" — begann eine von ihnen, ein kräftiges Mädchen mit erner Stülpnase, die ihrem dicken Gesicht einen mopsähnlichen Ausdruck verlieh ~~ „Da ji|t er ryie eiye Kenne auj dm Ejexn! Wer sich zu ihm setzt, . den schickt er weg! Aber Geld hat er wie .Heu, kommt mir vor. Er hält seine ganze Gesellschaft frei!" „Ein Mordstrottel!" — setzte ein älteres Mädchen lachend hinzu. „Der sieht gar nicht aus, wie eine WurM'." — unterbrach die Blondine — „Ihr kommt ihm nur nicht bei, weil ihr nichts wert seid. Gebt acht! Ich setze mich zu ihm und , ich weite, das Bürschchen läuft mir gleich nach wie ein junger Hund!" „Das wollen wir sehen!" widersprachen einige Mädchen. Sanwel, der das ganze Gespräch mitangchört hatte, bereute es, hergekommen zu sein und wollte sich ■ etwas ausdenken» was' die Blondine beleidigen würde. „Herr X, warum sitzen Sie so einsam und so traurig da?" fragte die Blondine, indem sie sich neben ihn setzte. Sanwel wollte ihr antworten, daß sie das einen Schmarrn ängehe; da traf sein Blick ihre Wangengrübchen und er stotterte: „I.. i.. ch, ich weiß selber nicht..." „Unsinn!" Die Blondine;legte ihre Hand auf seine Knie. ,/Suchen Sie sich ein schönes Mädel aus und amüsieren Sie sich! Ihre Freunde amüsieren sich alle vortrefflich. Wenn das „Viktoria" Ihnen nicht hilft, dann kann Ihnen kein Doktor mehr helfen!" fügte sie lachend hinzu. „Wenn ich mir nun Die' ausjuche?" erwiderte Sanwel schüchternd lächelnd. Di« Blonde lächelte ebenfalls, wurde aber gleich ernst. „Wozu brauchen Sie eine verheiratete Frau? Gibt es zu - wenig Mädchen hier? Wollen Sie, daß mein Alter mir den I Laufpaß gibt?" Sie lachte schrill. Sanwel war es, als hätte er eine Ohrfeige bekommen. Er schwieg. Da fühlte er Plötzlich ihre Hand in der seinen. „Hören Sie, Herr t, bleiben Sie jetzt hier. Und wenn es sich nur machen läßt..." Sie brach lächelnd ab, nickte ihm verheißungsvoll zu und verließ den Saal. Sanwel trank eine Flasche nach der anderen. Einige Male kam Gradül herein, fiel trunken Sanwel um den Hals, küßte ihn ab und versuchte ihn -ins Kabinett zu ziehen. Sanwel blieb sitzen und trank weiter. Gr fichlte seine Glieder immer schwerer werden; sie hingen wie Bleigewichte an . semsm Rumpf. Lange nach Mitternacht kam. da ein Kellner und. führte Sanwel ins dritte Stockwerk; dort öffnete er eine Tür und ließ ihn eintreten. Ein kleines, fcht quadratisches Zimmer mit rosa Tapeten. Eine kleine Lampe mit einem rosafarbenen Schirim warf von einem Ecktisch den erregenden Schein in das kleine Gemach. Querüber stand auf drei Stufen ein großes Himmelbett mit rosaseidenen Vorhängen, im Zimmer lag Parfüm- und Frauenduft. Sanwel blieb wie gebannt stehen und riß die Augen iveit auf. Er unterschied gar nichts; nur da — eine weiße .Hand erschien in der Luft und winkte ihm. Auf einer Plüschottomane, die wie ein Löwe aussah, lag die Blonde in einem rosafarbenen Seidenschlafrock und Pantoffeln mit Silberftickerei. Sanwel fi'chlte seine Sinne schwinden; es schien ihm» daß er träumte. Sie streckte ihm ihre schmale Hand entgegen; die Finger glänzten, als spielten darum meergrüm und rötliche Flämmchen. Sie wiesen auf einen kleinen gepolterten Schemel, der neben der Ottomane stand. Sanwel ließ sich behutsam auf den Schemel nieder nnd holte vorsichtig Atem. „Bist du nun zufrieden?" fragte die Blondine lächelnd. Ihre schmalen Lippen blieben offen und kleine weiße Zähnchen blitzten Sanwel entgegen. Leise faßte Sanwel, den ihre Nähe berauschte, ihre ^ßrd und bedeckte sie mit Küssen. „Du'kannst mir glauben", flüsterte ihm die Blonde zu, „du hast mir gleich gefallen, wie ich dich zum erstenmal ansalh. Um dich zu sehen,, kam ich ein paar Aial in den Sajon. Wer bist du?" Fortsetzung folgt.)