Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2599 (19.5.1926)
- Date
- 1926-05-19
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Serie 6 Men, Mittwoch Wiener Morftenzeltnnü A"4 I fschle, Ware« fast sämtliche Kommittentenefiek- 1 e it verpfände t und attrt Teil schon exekutiv verwich. Beim Zusammenbruch des Bankhauses standen Aktiven i« der Höhe von 13,3 Milliarden Kronen Passiven in der Höhe in der .Höhe von 51,4 Milliarden gegenüber. Ans die Gläubiger wäre demnach eine 25prozentrge Ausgleichsqiwte entfallen, von der sie aber in Wirklichkeit nur 13F Prozent ansbezahlt erhielten. . Auf die Frage des Vorsitzenden erklärte sich der Angeklagte Friedrich Kalmar nichtschuwig. Deine Zahlungsunfähigkeit sei auf die wirtschaftliche Lage Mrückzusi'chren. Im Febmar 1W1 hat die unglückliche F r a n k e n s v e k n l a t i o n das Wektengeschäft, das florierte, zugrunde gerichtet, Ich war bestrebt — erklärt Kalmar —, immer weniger Geschäfte zu entrieren ais mir beauftragt wurden. Leider war es schwer, die Leute von der Frankenspekulativn ab-rhalten, da sie von einem Deutliche« Tanmel ersaht waren. Die unmittelbare Ursache der eingetretenen Zahlungsunfähigkeit waren die ungünstigen Gerüchte, die über das Bankhaus verbreitet wurden. Der Bankenverband stellte einen Kredit in der Höhe von einer Milliarde zur Verfügung, um die verpfändeten »wmmittenteneffekten wieder frei m bekommen. Auf eine Frage des Vorsitzenden gibt der Angeklagte an, daß die Effekten nur deshalb verpfändet wurden, weil das Bankhaus in der Lage war, sie wieder anPschaffen. Deshalb Knne ihm eine Deruntreuung nicht vorgeworM werden. Der Vorsitzende konstatierte dagegen, daß zur Zeit der Effektenverpfändnng die Passiven bereits 38 Milliarden betrugen. Er fragte den Angeklagten, warum er seine Kommittenten nicht um Nochschüsse für ihre notleidenden Kontis aufgefordert habe. — Der Angeklagte erklärte, daß er dies Wohl getan habe, daß er aber bei leinen Mahnungen zu wenig energisch gewesen sei. Fm weiteren Verlaufe seines Verhöres gab der Angeklagte an, daß er von seinem Prokuristen nicht über den wahren Stand des Uniernchmens unterrichtet wurde. Nach dem Verhör mit dem Angeklagten wurde die Verhandlung unterbrochen und wird heute fortgesetzt. _ Attentatsversuch auf Hofrat Ramsauer. Bor einem Schöffensenat unter Vorsitz des Hofrates Dr. Ramsauer hatte sich gestern der 32jährige Maurergehilfe Matchias Wieger wegen ichwerer Körperverletzung zu verantworten. Er hat beim Kegelspiel dem Johann Leixner einen Schlag auf das Auge versetzt und dem Ludwig Rosegger durch einen Messerstich in die Niere eine schwere Verletzung hergebracht. Matthias Wieger, der kchon wiederholt wegen Gewalttätigkeil vorbestraft ist. wurde vom Gerichtshof zu zweieinhalb Jahren schweren Kerkers verurteilt. Kaum batte der Vorsitzende das Urteil verkündet, als'Wieger, der gegenwärtig eine Kerkerstrafe verbüßt und aus der Haft vorgefuhrt wurde, das auf dem Gerichtstisch stehende Kruzifix ergriff, es aber nicht von der Stelle rücken konnte, weil es auf der Tischplatte festgemacht ist. Nun griff Wieger nach einem Leuchter und wollte ihn gegen den Vorsitzenden schleudern. Aber auch der Leuchter war ftsige macht und wurde nur durch das Rütteln des Angeklagten ganz verbogen. Dabei schrie Wieger fortwährend: „D u Bluthund, d u v e rfluchter!" Vier JustrKvachebeamte konnten den wie rasend um sich schlagenden Angeklagten endlich bändigen und mit schwerer Mühe in die Zelle bringen. Idyllische PostverhAtnifse in Mattersdorf. Bor einem Schösfenfenat des Landesgerichtes 2 hatte sich vorgestern die Hausgehilfin Paula T. wegen eigenartiger Verschlungen zu verantworten. Sie war bei der inzwischen verstorbenen Postmeisterin von Mattersburg im Burgenlande als Hausgehilfin tätig und hätte außer ihren Hausarbeiten von ihrer Dienstg-eberm den Auftrag erhalten, die gesamte Post auszuträgen. Durch ein volles Jahr hindurch hat sie die gesamt e Post zurückbehalten. Sie verantwortete sich damit, daß sie abends von der Hausarbeit so müde war, daß sie nicht mehr imstande war, die Post auszutragen. Die verschob dies immer von einem Tag auf den anderen und als sie sich dann fürchtete, die Briefe zuzustellen, warf sie sie unter den Dachgiebel des Posthauses. Beim Bezirksgericht Eisenstadt kam es aus diesem Grunde schr häufig vor, daß Verhandlungen nicht durchgefuhrt werden konnten, weil die Parteien keine Ladungen zugestellt erhielten. Die Leute von Mattersburg zahlten ein Jahr lang keine Steuern, weil sie keine Erlagscheine bekamen. Endlich kamen die Mißstände auf und bei einer Untersuchung des Posthausts wurden einige Säcke von Briefen zutage gefördert. Die Angeklagte wurde zu zw e i Monaten s ch w e r e n K e r k e r s verurteilt. Leitangswechsel beim Wiener Nankverei«. Direktor Popper-Artberg — Vizepräsident. schon vor Mi Jahren har der Generaldiröktor Popper- A r t b e r g in der Generalversammlung des Wiener Bankvereins die Erklärung abgegeben, daß er sich mit der Absicht trage, sein Amt niederznlegen, da sein vorgerücktes Alter der Last der Leitung nicht mehr gewachsen sei. Direktor Popper-Artberg hatte daran gedacht, schon damals von seinem Amte zuvückzuj treten. Der Einbruch der Krise veranlaßte ihn aber, vorläufig noch in seinem Amte zu bleiben, bis die Bechältnisse sich wieder ruhiger gestalten würden. Nun da dies der Fall ist, wird Direktor Popper-Arlberg in der nächsten Generalversammlung zurücktreten. Wie wir erfahren, wird Direktor Popper Mn Vizepräsidenten des Wiener Bankvereins gewählt werden. Seim Nachfolger in der Direktion wirb Direktor H e i n 8 h e i m e r sein, der schon jetzt die Agenden des Generaldirekiors ausübt. Ein amerikanischer Revawina-Kredit für die Achrchosiowakei. An Stelle einer Wahrungsanleihe. Prag, 18. Mai. (Tschechoslowakisches Preßburecm.) Amtlich wird mitgeteilt: Auf Grund der Zustimmung der Regirung wurde heute die Vereinbarung zwischen Finanzminister Prof. Dr. E n g l i s, den Vertretern der tschechoslowakischen National bank und dem Vizepräsidenten der National City-Bank in New-Aork, G. Weeks, über einen Revol ving-Kredit für die tschechoslowakische Nationalbank in der Höhe von 20 Millionen amerikanischer Dollar, mit der Möglichkeit einer weiteren Erhöhung auf 30 Millionen Dollar, und zwar für die Zeit eines Jahres mit der Möglichkeit der Prolongation unter^ichnet. Der Kredit kann nach Bedarf, muß aber nicht erschöpft wenden und bedeutet die gleiche Ergänz»!ng des Vorrates an -Edelmetallen und Devisen wie eine effektiv abgeschlossene W ä h r u n g s a n l e i h e. Gegenüber einer effektiven Anleihe hat er -aber den Vorteil, daß er wesentlich billiger % _ Der ungarische Handelsvertrag. Da die ungarische Nationalversammlung den zwischen Oesterreich und Ungarn abgeschlossenen Handelsvertrag bereits ratifiziert hat, legt auch die österreichische Regierung Wert darauf, den Vertrag rasch in Kraft zu setzen. Aus diesem Grunde wird in der heutigen Hauptansschußsitzung eine Verordnung zur Genehmigung vorgelegt werden, durch die die tarifarischen Bestimmungen des Handelsvertrages mit Ungarn in Geltung treten sollen. Die Bertragszölle mit Ungarn werden nach dieser Verordnung voraussichtlich schon anfangs Juni wirksam werden. Wiener Börsenreform. Die Einführung des Kassatages. In der gestern abgehaltenen Komiteesitzung der Wiener Börsekammer wurde der vom Bureau ausgearbeitete Entwurf der für den Kassahandel in Aussicht genommenen Bestimmungen eingehend geprüft und beschlossen, ihn den Beratungen des Vollkomitees, welche mit größter Beschleunigung durchzuführen sind, zugrunde zu legen. - Das Kassageschäft, welches nach deutschem Muster an der Wiener Börse ausgeübt werden soll, wird spätestens mit der Copyright 1926 Nachdruck verboten -)V Joseph Opatovsky, New York (21. Fortsetzung) Roman eines Pferdediebes. Von I. Opatoschu. 17. Aus ganz Polen strömten in Lowitsch Partien von Kaufifeuten, Scharen von Bauern, ganze Herden Hornvich, Pferde und Schweine zusammen. Durch hie engen Gassen durchzukommen, war unmöglich. Die Wagen und Karren zogen sich bis vor die Stadt hinaus; wer von ferne hinfah, konnte meinen, die Stadt werde von einem halbwilden Bo'lksstamm 'belagert, der plötzlich mit seinem ganzen Hab und Gut angerückt war, alle Wege besetzt hatte und nun mit tollem Lärm in die Stadt stürmte. Sanwel und feine Gefährten besuchten schon am frühen Morgen den Jahrmarkt, schleuderten umher und musterten alle Maren; am Nachmittag gingen sie auf den -Pfevdemarkt. Ter Pferde markt bot den An blick eines Feldlagers, das zum Aufbruch rüstet. In -langer Reihe Wagen und Karren. Die Pferde standen ausgefpannt zwischen den Deichseln, damit die Händler sie 'bester prüfen könnten. Mitten auf dem Platze standen ganze Rudel von Pferden aus den Gukshöfen. Zwischen der einen und der anderen Gruppe blieb eine lange Bahn frei, aus der die Pferde auf ihre Gangart geprüft wurden: Das Pferd wird dem Händler vorgeführt; der mustert es von allen Seiten, schaut ihm ins Maul und drückt es beim Hals; das Pferd niest kräftig; dann führt es ein Knecht im Trab über die Probebahn. -Sanwel schlenderte über den Markt; seine Blicke gingen nach links, nach rechts, nach allen Seiten. Er fühlte sich wohl zwischen den Pferden. Ein Junge mit einem Korb voll Blechhähnen kam ihm entgegen; einen Hahn hielt er im Mund und krähte. San'wel kaufte chm einen .Hahn ab und vergnügte sich damit, zu krähen. Aber bald rvar er des Spielzeugs überdrüssig und tvars es weg. Ein breitschultriger Bursch mit Schlitzaugen schlenderte, di« Hände in -den Taschen, über den Merdemarkt; er Wen jemanden zu suchen. „Hol' mich der Teufel, wenn sehe ich da? Was tust du hier, Sanwel?" Ha, ha, ha!" Freudig lachend fiel Sanwel dem Frager um den Hals.' „Kischka, du! Ich dachte, du säßest noch im „Spital"?*) Kischka blieb -die Antwort schuldig. Er musterte aufmerksam Sanwels Gefährten und spuckte aus. Dann faßte er Sanwel beim Arm und zog ihn in einen Winkel: „Willst du eine feine Dache drehen?" „Da fragst du noch?!" „So hör' mich an", führ Kischka leise fort. „Da drüben steht ein Bauer mit fünf Sußim**) wie Löwen. Wenn die Sache glatt geht, haben wir um' Zehne bei Nacht Pinke."***) Sanwel -war einverstanden. Er rief Gradul und Mojsche hinzu und sie arbeiteten" den Kriegsplan aus. Bei einer Britschka****) stand ein junger Bauer, ein Weizenbrot unter -dem Arm, von dem er ab und zu ein Stück abbrach, um alsbald mit vollen Backen zu kauen. Hinter ihm standen fünf herrliche Pferde. Sanwel ging hart an dem Bauer vorüber und trat ihm mit Völler Wucht aus den Fuß. Der Bauer packte Sanwel mit beiden Händen und stieß ihn von sich. Sanwel spuckte in die.Hände, ballte die Fäuste und stürzte sich auf den Bauer. Beim ersten Schlag lag der Bauer am Boden. Er wollte sich erheben, doch Sanwel versetzte ihn einen Fausthieb zwischen die Augen, daß er zusammenbrach. Bauern und Juden eilten von allen Seiten herbei. Bon den Wagen her tönten bald Rufe: ,-Schlagt den Juden, den Heilandmörder, schlagt ihn!" . Gradul und Kischka hatten indes die Pferde losgehundrn und waren mit dreien verschwunden. Die letzten zwei bewachte Mojschele, bis die Schlägerei vorüber wäre. Ms dann einige Bauern die Streitenden -beruhigten, trieb Mojschele die Pferde in die entgegengesetzte Richtung. Die Bauern setzten den entlaufnsn Pferden nach. Sanwel und Mojsche verdufteten. *) Einer der vielen Ausdrücke, die die Gaunersprache für Gefängnis hat. **) Pferde (hebräisch). ***) Pargelo. ****) Ein leichter Wagen, wie er in Polen gebräuchlich ist. _19. Ma: 1986 _ MS Durchführung der Schillingnotierung eingeführt werden. Damit soll der erste Schritt zur Ungleichung der Wiener Börse an den Berliner Markt getan werden. Im weiteren Verlaufe sind noch andere Angleichungsmaßnahmen gedacht. Außerdem soll auch die Zahl der an dar Wiener Börse gehandelten deutschen Werte vermehrt werden, während andererseits auch mehr österreichische Werte in Berlin zur Kotierung gelangen sollen. Es wird gehofft, daß durch solche Maßnahmen das gegenseitige Geschäft eine starke Belebung erfahren wird. Der Ärbitrageverkehr mit Berlin wird durch solche Maßnahmen selbstverständlich tvesentlich gehoben werden. Hand in Hand damit soll auch die Ungleichung an die anderen benachbarten Börsen ausgebaut werden. Die Wiener Börse sieht ein, daß sie nur durch gegenseitigen regen Verkehr mit sämtlichen Nachbarbörsen aüs chrer Lethargie erweckt tverden könnte. Me Frankendevisen stlirren wieder. Frankreich erzielt keine Einigung mit den englischen Schuldnern. Aus den internationalen Märkten waren gestern der belgische und französische Franken unter devl Einflüsse beträchtlicher Abgaben sehr stark rückgängig. In Zürich ermäßigte sich die Devise Paris von 15,67 auf 15,17, die Devise Brüssel von 16,40 auf 14,90. Der Tiefstand dieser beiden Devisen, von denen sich erstere um 12 Prozent, letztere um 15 Prozent seit Anfang dieses Monats senkten, ist ans die Flucht vor dem Franken im Jnlande, auf die größere Devisenbeschaffung und auf di« umfangreiche Abgaben in England zur Stützung des englischen Pfundes zurückzuführen. Dazic gesellten sich noch Spekulattonsabgaben, welche durch den schwierigen Verlauf der französischen und englischen Schuldenverhandlungen und durch den ungünstigen Stand der belgischen Staatsfinanzen zu verstärkter Konterminetätigkeit veranlaßt wurden. Die englisch-französischen Schuldenverhandlungen dürften jetzt nicht abgeschlossen werden und sollen dent Vernehmen nach auf Ende Juni verschoben werden. Große Schwierigkeiten herrschen bei den Verhandlungen über die sogenannte Sicherungsklansel. In Brüssel hingegen hat die Regierung einen Gesetzentwurf eingebracht, demzufolge dem Staate Vorschüsse in Höhe von 1,6 Milliarden Franken zwecks 'Rückzahlung der Schatzbons zu gewähren sind. Diese Inflation in Belgien bewirkte, daß der belgische Franken tiefer als die tschechische Krone schloß. Die fortgesetzten Jnterventionskäufe der italienischen Regierung festigten die Tendenz der L i r a, die sich in Zürich von 18,30 auf 18,70 erhöhte. Fester lag auch die Devise B u k a r e st, die sich nach der gestrigen flauen Haltung auf 1,89 in Zürich erhöhte. Unverändert fest lag der Zloty. Die Devise Warschau wurde im Wiener Clearing gestern nach fünftägiger Unterbrechung wieder notiert. Sie schloß mit ßß Die Kursänderungen der übrigen Devisen waren minimal. Eine Kaufmännische Pank in PalSstina. Aus Tel-Awiw wird uns berichtet: Schon zu Beginn der großen Geldkrise, die vor einigen Monaten einsetzte, wurde von den führenden Kaufleuten die Schaffung einer kaufmännischen Bank nach europäischem Muster angeregt. In dieser Bank sollen die Kaufleute eine gegenseitige Kreditorganisation erhallen, die den Ausgangspunkt für eine alle wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen der Kaufmannschaft umfassende kaufmännische Organisation bilden würde. Bor einigen Tagen wurden die Statuten der Bank mit der Genehmigungsklausel der Regierung versehen, so daß die Gesellschaft schon in dev nächsten Tagen mit der satzungsmäßigen Arbeit beginnen wird. ' 18. Spät bei Nacht saßen Sanwel und seine Genossen mit einigen Pferdehändlern in einer Schenke und tranken. „Leute, fahren wir ins Viktoria"!" rief Gradul und pfiff einen Gaffenhauer. ,^Jns „Viktoria"!" stimmten einige halbbctm-nkene Kehlen ein und bald stand die ganze Gesellschaft auf der Straße. „Daß Ihr mir's Uber nicht zu arg treibt, Jungens!" ermahnte Kischka. Morgen nachmittags gibt es neue, schwere Arbeit!" Sie nahmen c-ine Droschke, stiegen schwankend ein und riesen: „Ins,-Viktoria"!" Der Droschkenkutscher blickte mißtrauisch auf seine -Pasta-, giere und machte sich unschlüssig an den Pferden zu schaffen; dann spuckte er kräftig aus und fuhr los; die Fährt ging durch enge Seitengassen. Lärmend trat die Gesellschaft in die Vorhalle des Etablissement ,Miktoria". Beim Büfett stand eine junge Blondine. Sie mochte etwa neunzehn Jahre alt sein. Ihr Haar war sorgfältig frisiert, -das Kleid 'hatte einen tiefen herzförmigen Brustausschnitt. Sie plauderte mit einem dicken Mann in weiten Hosen mit breiter Borte rmd einer weißen Piquetweste, auf der eine goldene Uhrkette baumelte. Die Blondine merkte, daß Sanwel sie mit seinen Blicken förmlich verschlang. Lächelnd erwiderte sie seinen Blick und sah ihm in die Augen, um das kokette Spiel zu versuchen, wer länger d«n Blick des anderen aushielte. Plötzlich flammten ihre weißen Wangen auf, sie erbebte und senkte ihre Augen mit den schmalen Brauen. Hastig raffte sie die Banknoten zusammen, die Sanwel hingeletzt hatte, und ries: ,/Ignaz, führe die Gäste in den Salon!" Aüs einem 'dunklen Nebenraum trat ein livrierter Diener, verneigte sich vor den Gästen und führte sie weiter. Der Salon chatte grüne Tapeten. An den Wänden Frauenakte in gewagten Posen,' Fortsetzung folgt.) G