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Wiener Morgenzeitung · 1926-05-19 · Heft 2599 (19.5.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2599 (19.5.1926)
Date
1926-05-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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j Polen; 2S grom Wi en: Zum Abholen ln de» Expedition, 1L Taborstr. 1-3, oder lit einerVersehlelsstefte 'Trafik) monatl. 5 Schilling Slrassenverkanf hi Wien durch die Kolporteure det Firma Gold schmled, J« Woilxelle II MR postversand für Wien und Oertoteich monottteh 5 Schilling Tschecho-Slowakel: Mon. K2L Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mo«. 5Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4» Frankreich, Belgien: Mon. Frca. W riathiahinngm bei Prcii* erhShatgea wcM»b» St. 2599 Mm. Mittwoch. 19. Mot 1926 umntm England: Mon.4 Schilling. Italien: Monatl. iS Lire: Rumänien: Mon. IW Lei BuIgarlentMon.IOOLew*. Schweix und das übrige Ausland monatlich Fres. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborntr. 1 Telephone: 44-0-38, 43-3-18 Ab 6 Uhr: 2i-102, .25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (Diuckerei Ig. Stelnmann) Oesterreichlsches Postsparkassen-Konto Nr. 150.69? 8 gobrsons. 9m rrtxrttionellen Teil enthaltene entgeltNche Mtttrünngen find durch ei« Vorangesetztes E gekennzeichnet. BekUndigung zwischen Warschau und Posen. HMsAidSR gegen eine MilitäEktntur:. (Eigerrdienst der „Wiener Morgenzaittmg".) Berlin, 18. Mai. Nach einem Warschauer Telegramm des ,Berliner Tageblattes" ist tzs zwischen Warschau und Pose» M einer Versöhnung gekommen. Die Poseuer Truppen, die vor Warschau lagerten, haben den Besch! zum Abmarsch erhalten. Ms heute abends sollen die letzten Soldaten von Warschau abgerückt sein. Pilsudski hat die Errichtung eme^ MilLtärdikta'tur abgelehnt. '; Die Unruhen in Indien. Kalkutta, 18. Mai. (Reuter.) Bei einem zwischen Hindus und Mohammedanern in Kargpur bei Kalkutta erfolgten Zusammenstoß wurden fünf Personen getötet und 21 ernstlich verwundet Sin Zwischenfall ank dem Kalifatskonarek. London, 18. Mai. Wie Reuter aus Kairo meldet, verlautet, daß aut der zweiten Sitzung des KalifatSkongrosses zwischen dem Delegierten P a l a ft i n a S, Hüffe i n, und dem A e g y p t e r M i m i a n i schar,e Meinungsverschiedenheiten entstanden. Letzterer erhob sehr nachdrücklich Einwand gegen die Verlesung des Telegramms über die letzte französische Beschießung v o n D a m a 8 k u S, indem er fügte, der Kongreß Hobe r e l i g i Ü s e und nicht politische Aufgaben. Die Frage wurde schließlich , ei n e m AUS schuß überwiesen. . Die Gilqerfahrt nach Mekka. Kairo, 18. Mai. Die ägyptische Regierung hat beschlossen, die M e k k a - P i l g e r f a h r t zu g e st a t t e n und hat die drei von Sultan I b n Saud gestellten Bedingungen angenommen. ' die sich auf das Verhalten der Besucher des Heiligen Grabes und besonders auf das V e r b o t v o n M u s i k und Mitsühren von T a b a k beziehen.' Brasilien gegen Sen Völkerbund. Rio de Janeiro, 17. Mai. In einem offiziös inspirierten Artikel droht d-e Tageszeitung „O (Blob o" mit dem Auet r i t t B r a s i l i e n S a u S d e m V S l k e r b u n d, falls die Entschließung der Genfer Kommission über die R a t S s i tz e vom Völkerbund ausgeführt werden sollte. Die vorgeschlagene Löiung sei für Brasilien unannehmbar und nur ein Trinkgeld, mit dem der europäische Imperialismus die Fügsamkeit Amerikas kaufen wolle. ■_ SrvlofionskatastrOhe in Klausenbürg. Sechzig Tote. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Klausenbmg, 18. Mai. Bei einem R i e s e n b r a n d, der durch eine E ^plosion in einer hiesigen Fabrik entstand mid auf di« benachbarten Gebäude Übergriff, sind sechzig Menschen ums Leben gekommen. Ueber 500 Arbeiterhäuser sind vernichtet. 2000 Personen sind obdachlos. Das. Feuer, das gestern ausbrach, konnte bis heute mittag nicht gelöscht werden. Sin Berg zulammengeftürzt. Zweieinhalb Millionen Kubikmeter Erde in Bewegung. — 5 Tote, 13 Verletzte. Franksitrt, 18. Mai. Die „Franksirrter Zeitmig" berichtet ans Aachen: Der an der holländisch-belgischen Grenze gelegene Mäuseberg ist gestern zusammengestürzt. In den Berg waren zum Zwecke der Züchtung von Champignons Gänge gegrüben worden. Es haben sich etwa zweieinhalb Kubikmeter Erde in Bewegung gesetzt. Die Einsürrzstellen sind» stellenweise über 50 Me-ter tief. Dem Unglück ist eine Anzahl von Pevsonen zum Opfer gefallen. Bisher wurden fünf To te und dreizehn Verletzte sestgestellt. '' ' Bethlens Freibrief für die Mischer. Die Aussage des MiMerpröfidenten. — Schwere Belastungen durch WindischgrStz und — Eine Srttörung der Vertreters der Bank von Frankreich. (Eigendienst der Miener Morgenzeitung.") Budapest, 18. Mai. Scheinbar hat . heute der Fälscherprozeß seinen Höhepunkt erreicht. Der Ministerpräsident Graf Bethlen legte seine Zeugenaussage ab und das gesamte diplomatische Korps war dabei anwesend. Von dieser Seite her ist der Graf seit den letzten Monaten so ziemlich geschnitten worden. An seinem letzthin stattgehabten Empfang nahmen nur der österreichische und der polnische Gesandte sowie der Vertreter des Malthese rordens teil. Gestern befanden sich die Botschafter vollzählig im Gerichtssaal, um die Rede Bethlens anzuhören, die nach der Sachlage eine Verteidigungsrede war. Graf Bethlen ging von seiner Praxis nicht ab. Er stellte alles ausnahmslos in Abrede. Immerhin ging aus seiner Aussage hervor, daß er den Plan der Geldfälschung schon im Jahre 1921 gekannt hatte. Den so viel erörterten F r e i b r i e f hat er, wie er sagt, niemals ausgestellt. Aber die Erklärungen des auf dem Krankenlager einvernommenen rassenschützlerischen Abgeordneten Hir lauteten sehr bestimmt und.sind ebenfalls unter Eid abgegeben worden. Windischgrätzder den Grafen Bethlen so weit als nur möglich schonen , wollte, verweigerte jede Mitteilung. Aber er brach schließlich das Schweigen und bestätigte,, daß der. ominöse Pries vorhanden sei. /• ... - ... Der^Text des Briefes ist inzwischen von anderer S e i t e her in die OesfentÜchkeit, wenn auch nicht die des Gerichtes, getragen worden. Er lautet: „Ich gestatte die Verfertigung der für die Propaganda notwendigen D r u ck s o r t e n. Ich bestätige, daß diese Aktion mit meiner vorherigen G e n e h m i g u n g ins Werk gesetzt wird. Stephan Bethlen, Ministerpräsident. Budapest, am 28. August 1925." Die weitere Beurteilung liegt nicht mehr bei dem Gericht allein. Dieser Brjef kann nicht so einfach wegdenientiert werden, .Nach der Stellungnahme Bethlens, der den Hir einen Defraudanten nennt, wird dieser Wohl noch mehr sagen. Aber das, was schon jetzt aufrecht steht, genügt bereits. * ■ In der' heutigen Verhandlung sagt Abg. Lingauer aus, bei dem Abendessen im Jänner 1922 bei Stephan Friedrich sei nur im allgemeinen von Geldfälschung gesprochen worden. Windischgrätz habe damals erwähnt, daß die Negierung die Jrredentabetuegungen nicht nur nicht fördert, sondern nicht einmal wohlwollende Nachsicht ihnen gegenüber bekundet. Daher wäre es zweckmäßig, die Battknoten einer feindlichen Macht nachzuahmen. Die Anwesenden waren' mit Ausnahme von Meszaros gegen den Plan. "Dann wurde Graf Emmerich Karolhi als Zeuge einvernommen. Er hat im „Pester Lloyd" in einem! P *-■■■ ' Regierung der „ , w ..yi erklärt, sein .- . . geschöpft zu haben, daß er dem Rerchsverweser H o r t h y und dem Grafen Johann Z i ch>y vorzulegen hatte. — Bors.: Wollen Sie uns den Inhalt des Schreibens mitteilen? — Karo ly i: Ich habe nnch verpflichtet, den Inhalt nur Horthy und den: Grasen Zichy mitzuteilen. Nur Abg. Ulain könnte mich dieser Berschwiegendie Rolle des Grafen Paul Teleki Sprechen. In dem Schreiben wird erklärt, daß Graf Teleki en Prinzen Windrschgrätz mit dem pensionierten Legationssekretär Hajos, dem Führer des Raubes in der Bankgasse, zusantmengebracht hat. Graf Teleki hat von einer anderen Stelle den Auftrag dazu bekommen, die kartographische Attstalt für die Fälschungen zur Verfügung zu stellen. — Es entspann sich nun!eine erregte Debatte. Der . Staatsanwalt und sämtliche Verteidiger verlangen, das Gericht möge den Grafen Karolyi verpflichten, über den Inhalt des Schreibens ausführlich auSzusagen. Dr. Auer, der Vertreter -er Bank von Frankreich, gab folgende Erklärung ab: „Was hier vorgeht, ist einfach unmöglich. Die Aufmerksamkeit der ganzen Welt ist auf uns gelenkt. Es ist ausgeschlossen, so fortzusahren, daß die wichtigsten Zeugen der Aussage ausweichen und daß der Gerichtshof ihnen dabei Vorschub leistet. Nach einer langen Beratung beschloß der Gerichtshof, daß Graf Karolhr nicht aussagen müsse. Dieser Beschluß wurde im Saale mit großer Erregung ausgenommen. Der Gerichtshof begibt sich sodann in das Rochus-Spital, wo in Anwesenheit der Hauptangeklagten, aller Verteidiger, und zahlreicher Journalisten der kranke ' Abg. Georg Hir als Zeuge einvernommen wird. Hir erteilt mit schwacher Stimme auf die Fragen des Gerichtspräsidenten zögernd, seine Antworten. Der Präsident stellt an Hand der Protokolle, die Hir vor Palla v i c i n i und S i g r a y abgefaßt hat, verschiedene Fragen. Hir gibt in diesen Protokollen an, Windischgrätz hätte ihm gesagt, Bethlen -wolle den Prinzen, düpieren, da er die im Nationalverband untergebrachten falschen Frankennoten für eigene Zwecke verwenden wolle. Hir erzählt, nach dem ursprünglichen Plan hatte die deutsche Großindustrie im R nhrgebiet die falschen. Fr a n k e n. verwerten, o l l en. Lvcarno habe jedoch die Ausführung dieses ‘ " sodann aus, daß ihnl Minister- ~ " ' 3 in einen Brief ' ': auszüstellen, worin die Durchführung der ' g e.p lan t e n patriotischen Aktion ausdrücklich gestattet wird.-Das Original dieses Briefes, sagt Hir, befinoet sich im Besitze des Prinzen Windischgrätz. Er selbst besitzt eine Kopte des Brieses. Hir weigerr sich indessen, anzugeben, wo diese Kopie sich befindet. Er fügt hmzu, daß er nicht nur'eine'Abschrift des vom Ministerpräsidenten gegebenen Salvus condrretus, sondern auch ausführliche Protokolleüber jede Phase der Falschungsaktion in Besitz habe.. Windischgrätz bestreitet, daß der Ministerpräsident eine Milliarde.für: die Aktion in Aussicht gestellt hätte. „Hir und ich pflegten den Ministerpräsidenten des öftern zu besuchen, wobei wir wieder^- holt Geld für irredentistrsche ^Zweckeverlangten, jedoch für solche, die mit den Frankenfälschungen.in keinerlei Verbindltng standen. m ... Auf die Frage des Verteidigers Ularn erklärt Prinz Windischgrätz, der Schutzbries sei nicht in soinenr Besitze. — Präs.: War er es auch nicht? — Windischgrätzr halte mich , Brief zu wiederholt Windischgrätz: Er.stammte aus dem Sommer 1923. Ich 'ch aber nicht für berechtigt, mich überdieseit z u äußern. —- Auf die Frage des Präsidenten ange^egenyeir vezog, vezreyungsweiie oaraus, uug Wille Schriften .'"Präs.: Schriften? — Hir: Jawohl! Dre Franken fälsch ungen'waren indem Briese als Schriften bezeichnet! Wir verstanden darunter die Franken.'In.d.em Briefe stand, . . daß die Regierung den Beginn der Arbeiten gestalte, und auf dieser Grundlage begann mau mit der Erzeugung der Franken. ' „ . . Prinz Windischgrätz erklärt es für unrichtig, dag Hir das Bindeglied zwischen ihm und dem Ministerpräsidentett gewesen sei. Wir verkehrten, sagt Prinz Windischgrätz, mit demMipister- Präsidenten unmittelbar. Wenn in dem erwähnten Brief auch nicht ausdrücklich von Franken die Rede war, so hat er sich doch jedenfalls darauf bezogen. . . Zu. einer dramatischen Szene kommt es, als der Vorsitzende T ö r e k y Hir auffordert, die^ Kopie des.. Freibriefes vorzulegen. Hir weigert sich, worauf der Präsident ihm' die energischesten Maßnahmen androht, um die Kopie zu beschaffen. Auch Oberstaatsanwalt Dr. Sztrache.:beantragt, das-Gericht möge Hir mit allen Mitteln zur Herausgabe des Dokumentes zu zwingen. Der Gerichtshof beschließt sodann, die Polizei zu einer H a u s d u r ch s u. ch ü n g t.n der W o hnung Hirs aufznfordern, und begibt sich in das Gebäude des Strafgerichtes zurück. ■ ■ : Upr 4 Uhr nachmittags wurde dre Verhandlung tm Strafgericht fortgesetzt. Die Tribünen sind in Erwartung der Einvernahme des iRinisterprästdenten überfüllt. ' ' ' . ' , Bo son d Br * H i li i 9 e r ln Stoffen, Seide, ‘ ' etc, im Warenhaus Il„ Taborstrasse 48 Telephon 47*1*79 Ed gm Eo detail

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