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Wiener Morgenzeitung · 1926-05-18 · Heft 2598 (18.5.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2598 (18.5.1926)
Date
1926-05-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Sieit, Dienslag Wiener Msegeirzettima iS. Mai 1926 «in Bischof ans Mexiko anrgrwies««. London, 17. Mai. Di-: rnexiftutischen Behörden haben, wie „Daily «JJtaif" meldet, den Bertreü-r des Papstes, den Bischof gantan«, des Landes vettviesen, da er beim B treten Mexikos sich unter falschen Namen angomeldet und den Awe ck seiner Reise u n r i chi i n ang cgcben lMe. Ter Bischof bestreitet diese Am'chllldlgnttgcn, erklärt aber, daß er freiwillig nach den Bereinigten Staaten gchen werde. Bekanntlich hat die mexikanische Regierung alle auslandiHHen katholischen Geistlichen und Lehrer ausgetviestn. Me AchtrehniShrige schiebt ans ihren Briiutigam. Die achtzchnjähriac Schneiderin Hermine Teuer hat gestern abends ihren Bräutigam, den ztvanzigjahrigen PostanMtellten Wilhelm Kralicek, in der Wohnung seiner Eltern, Waldgasse 41, aus einem Revolver einen Schuß in die linke 'Schläfe versetzt und ihn schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Sie wollte sich dann selbst erschießen, wurde aber von dem Vater des Bräutigams daran gehindert. Sie ließ sich ruhig festnohmeu und zeigte tiefe Reue. Sie hat die Tat deshalb begangen, weil sich -ihr Bräutigam von ihr los- Pkgerl wollte. _ Schnlschlnb am 10. Snii. Das Unterrichtsministerium hat, entgegen dem i„ eiatem früheren Erlaß eingenommenen Standpunkt, daß der Unterricht an den Schulen aller Grade bis jitm 15. Juli fortzuführen sei und am 15. September wieder zu beginnen habe, dieser Tage an die LandesregierunKM einen neuerlichen Erlaß in dieser Frage gerichtet. Nach diesem wird es den Landesschulräten ermöglicht, den 12., 13. und 14. Juli als schulfreie Tage Zu erklären. Es bleibt daher formell beim Schulschluß am 15. Juli, tatsächlich erhalten die Schüler aber bereits am 10. Juli die Zeugnissound wenden aus der Schule entlassen. Dr. 2tz88 Wien, 18. Mai. Gestern herrschte warmes, abends sehr —=*-- v ■ Unsicher, wahrschein- * Das Wetter. _ schwüles. Wetter. Die Voraussage lautet lich trüb Mt Regen, etwas kälter. * Hofrat Karl Rosler gestorben. Hofrat i Rosler, langjähriger leitender Redakteur der Nachrichtenstelle, ist gestern abends verschieden. P. Karl Amtlichen w ( —- w vvv|U/lVUfrlli * Die heutige Fortsetzung unseres Romans muß infolge drucktechnischer Hindernisse entfallen. * Razzia auf Schwarzfahrer! Die Straßenbahndirektion hat die allgemeine Fahrscheinkontrolle auf die Stadtbahnli'nien ausgedehnt. Insbesondere für die Sonntage ist mit Rücksicht auf die erhöhte Frequenz eine verschärfte Ueberprüfung der Fahrkarten verfügt worden. Die Straßenbahndirektion wird nun an gewissen Tagen alle Kontrollorgane nur aus der Stadtbahn verwenden, wodurch gewisse Uebelstände beseitigt werden dürften. * Ein pathologischer Wüstling. Am 14. d. wurde der 23jähriae verheiratete Losverkäufer Otto P e j s ch a unter dem Verdacht verhaftet, zu Beginn der vorigen Woche auf verschiedenen Abteilungen des Allgemeinen Krankenhauses eine Anzahl Schwestern in der zudringlichsten Weise belästigt und an einer den Versuch unternommen zu haben, sie zu vergewaltigen. Pejscha hat das ihm zur Last gelegte Verhalten zugegeben und sich daärit entschuldigt, daß er unter einem Zwange handle. Die seither fortgesetzten Erhebungen haben den Beweis erbracht, daß Pejscha für seine Handlungsweise nicht zurechnungsfähig erscheint. Er hat sich wegen seiner Veranlagung schon mehrere Male in Pflege auf dem Steinhof befunden. * Weiteres Sinken der Arbeitslosenziffer. Der Stand der unterstützten Arbeitslosen in Wien istz in der ersten Hälfte des Monats Mai um 1924 auf 78.012 zurückgegangen. In dieser Zahl sind die im Bezüge der außerordentlichen Beihilfe stehenden Arbeitslosen nicht inbegriffen, deren Zahl um 546 auf 7232 gesunken ist. * Im Autobus von Wien nach Mariazell. Kommenden Sonntag wird die neue Postautolinie Wien—Mariazell dem allgemeinen Verkehr übergeben werden. Die Route führt über Mödling—Heiligenkreuz—Alland nach Altenmarkt, von hier durch das Gölsental nach Kaumbera und Hainfeld, dann über Lilienfeld nach dem 1000 Meter hoch gelegenen AnnabeM. Bon hier geht es rasch nach Wieneroruck an der Mariazellerbahn und hierauf in Serpentinen nach Josefsberg, dem höchstgelegenen Orte Mederösterreichs, und schließlich über Mitterbach nach Mariazell. Die Fahrten mit dem 21sitzigen Autobus werden nur bei schöner Witterung und nur dann unternommen, wenn sich beim Verkehrsbureau genügend Teilnehmer gemeldet haben. Der Fahrpreis beträgt für eine Fahrt 20 S., für die Hin- und Rückfahrt 36 S. * Internationaler Wohnungs- und Städtebaukongretz in Wien. Ueber Einladung der Gemeinde Wien veranstaltet der internationale Verband für Städtebau, Landesplanung nud Gartenstädte in der Zeit vom 14. bis 19. September iu Wien einen internationalen Wohnungs- und Städtebaukongreß. Während der Tagung wird im Künstlerhaus eine allgemein zugängliche Städtebauausstcllung bis zunr 3. Oktober zu schell sein, in welcher zum ersten Male auf Grund von allen Ttädteplänen und zeitgenössischen Bildern die städtebauliche Entwicklung Wiens bildlich oargestellt wird. Der Kongreß wird anschließend an die Wiener Herbstmesse seine Tagungelt beginnen. * Eine ungarische Delegation in Wien. Ani Sonntag nachmittags traf eine aus Abgeordneteri und Gemeinderäten Budapests bestehende, ungefähr siebzig Mitglieder zählende Abordnung zum Zwecke des Studiums der städtischen Einrichtungen in Wien ein. Tapeten Wallis Wien,! , Wipplingerstrasse 15 Tel. 67307,69292 Neueste französische Literatur in bester Ausstattung nur $ 1.— pro Band Soeben eingetroffen: Henry Bordeaux, La maisön / Franc!« de MIomandte, L’aventure de Therese Beauchamps / Claude Farrfere, La batailie / Lucle Delarue-Mardru«, La cigale / Ren6 Benjam n, Les justices de paix / Myriam Harry, La petite ttile de Jerusalem , Henri Ouvernois, Morte la bete / Louis Barlhou, Les amours d’un poöte / Co» iette, Cheri / Colette, La maison de Ciaud ne / Pierre Louys, La femme et ie pantin / Marguerüe Audoux, Marie-Claire / Claude Anei, Ariane , Ren« Boylesve, Je vous ai desiree un soir / Raymond Radiguei, Le . bal du cumte d’Orgel Versand nur gegen Nachnahme oder Voreinsendung des Betrages von der neueingerichteten französischen Abteilung der Buchhandlung R. Löwit,Wien, 1. Bezirk Rotenturmstraße 22 Rtrdtoprogkatrrm. Munte Welt. Die Lebensdauer der Matter und Nadeln. Die Blätter, die jetzt mit aller Macht ihre Knospen sprengen, ha bell alle nur eine ganz bestimmt begrenzte Lebensdauer. Nach beit Forschungen Zederbaucrs leben die Laubblätter im allgemeinen nicht länger als zwei bis vier Monate, die Blätter der Nadelbäurn-e jedoch, die Nadeln, sind bedeutend langlebiger, indem ihre Lebensdauer zwischen anderthalb und vierzehn Jahren schwankt. Für die Lebensdauer der Nadeln haben namentlich der Standort der Bäume, bezw. die äußercli Einflüsse große Bedeutung, denn es zeigte sich, daß freistehende Bäume ihre Nadeln länger behalten als stark beschattete Bäume. Ferner ergab sich, daß die Lebensdauer der Nadeln mit der Seehöhe ihres Standortes zunimmt. Kiefernadeln in einer Höhe von 230 Meter lebten bis sechs Jahre, in Höheil von 1400 Meter iteun Jahre, in einer Höhe von 1750 Meter jedoch zehn bis dreizehn Jahre. Ein non entdeckter Ringelvmrm. Man sollte es eigentlich nicht für möglich halten, daß noch neue Tiere entdeckt wevdell, und doch kommt der Fall zuweilen auch noch in der Alten Welt vor. So hat jetzt Prof. Eh.' Gravier in einer Sitzung der Biogeographischen Gesellschaft Mitteilungen über einen bisher unbekannten Ringelwurm, Meroierella enigmatica Faurel, gemacht. Das Tier gehört der Gattung der Röhrenwürmer an, Mid ist 8 bis 10 Millimeter lang. Zuerst wurde cs 1921 indem Kanal von Eaen nach deni Meere entdeckt, und zwar im Brackwasser, und von Prof. Faurel untersucht und bestimmt. 1924 wurde -es auch in den Londoiler Docks, in dem kleinen spanischen Mittelmeerhafen Gandia llnd in deni sraltzösischen Küstenfluß Ranoe (Manche) aufgefunden. Ob der Wurm von auswärts eingeschleppt worden ist, weiß mali nicht. Man forscht jetzt an den Küsten nach, ab er auch noch in anderen Gebieten dovkommr. Das Wasserwerk als Arzt. Langjährige Beobachtungell habeli bekanntlich ergeben, daß Mallgel an Jodaufnahme zur Erkrankung all Kropf sichren k-alili, umgekehrt wirkt eine Beseitigung dieses Mangels heilend. Es ist interessant, daß einzelne Städte, iil denell viele Kropferkrankungen au-ftraten, veranlaßt gesehelt haben, die Wasserleitung in ben Dienst der -K ran khei tsbekärnpfung zu stellen. Die englischen Städte Jlkeston an der Bahn Leioester—Sheffield und das benachbarte Heartor setzen ihrem Tviukwasser allgemein ständig ein Gramm Jodnatrill.m auf sechzig Kubiknleter zu, bei einem Durchschnittstagesverbranch von, 7200 Kubikmeter. Die Zufügung erfolgt 'beim Pumpen des Wassers. Aehnliche Experimente haben in -Aitierika stattgefunden. Nach Meinung des Gesulddheitsrates von Massachusetts wäre es jedoch zweckmäßiger, dem Speisesalz Jod beizumischen, etwa in dem Prozentsatz, der dem Gehalt des Meerwassers an Jod entspricht. Heute Dienstag den 18. Mai. 11 Uhr: Bormittagsmusik. 16 Uhr lo Mt» : Nachnnttagskonzerr. — 17 Uhr Ü0 Mia. r Stunde der Frau» Die Frau in Japml Allee Schale!. — 18 Uhr 26 Min. r Ferdinand Redlenbacher als Begründer der Ml 'ch nentvissenkchaft Ing. D'. Illilhelm Exner. — 19 Uhr 10 Min : Französisch. - 19 Uh» 40 Min.r Englisch für Vorgeschrittene — 20 Uhr 1c Min.: Vorträge des Schrammelgnartetts Franz Fresar. — 21 Uhr 15 Mn.r Heiterer Wiener Vortragsabend. _ Kunst, Bühne, Buch. Bier Wiener Premiere» fanden an einem Abend statt. Irrt Deutschen Vollstheatck Sascha Guitrhs Lustspiel „1715 Francs", in der Reinhardt- Bühne Ellgeii O. Reills „Kaiser Jonas", im Modernen Theater Kurt S o rr n c n f c I b § „H äud c" und irr der „Bühne der Jungen" Rolf Lauckners „Schrei ait# der Straß e." _ Aur den Theatern. Op erntheater Dtorgen, 7 Uhr, „■<£ a t m c n". B n r g r Y e a t e r. Morgen, 7 Uhr abends. „Louis Ferdinand, Prinz von Preußen." (Abonnement VI Gruppe.) Akademietheater. Morgen, %8 Uhr abends „Hochzeitstage". _ Direktor Karl Lion gestorben. Der Direktor der Buk um A.-G. und frühere Direktionsrat der Wiener Staatsoper, eilte auf denk Gebiete der Wiener Kirnst bekannte Persönlicbknt, ist gestern nachmittags nach kurzen!, schwerem Leiden im 51. Leibensjähre gestorben. - Das Personell über die Krise in der Staatsoper. Im Oeisterreichischen Bi'chnenverein fand gestern eine Bersanunlung des Gesamtbetriebsrates der Staatsoper statt, um zu den krisenhaften Zuständen in der Staatsoper Stellung Mt nehmen. Es wurde beschlossen, für Sonntag den 30. d. um HM 11 Uhr vormittags im großen Konzerthanssaal eine öffentlich zugängliche Versammlung einzubcmfen mit der Taaesovdnung: „Die Dlrektionskrise in der Staatsoper und ihre Ursachen". sandten Fre * Erweiterung des österreichisch-ungarischen Telephonverkehrs. Seit vorgestern ist der zeitlich unbeschränkte Sprechverkehr zwischen Wien und Kophaza allgemein zugelassen. Die Sprechgebühr beträgt 2 S. 07 G. * Preisverteilrrug an der israelitisch-theologischen Lehranstalt. Am 20. Jjar fand all der Wiener israelitisch-theologrscherl Lehranstalt die diesjährige Preisverterlung aus der Lllex.-Kohut-Stiftung statt. In einer Begrüßungsrede beleuchtete Rektor Schwarz die immense Bedeutung des Thoraftndinms und der wissenschaftlichen Thoraforschung für das Jildentnm und hob das große Berdrenst der theologischen Seminare als der einzigerl Hochschnlerl, au denen die jüdische Wissenschaft blühe, hervor. Der Preis für die „beste Beardeit'nng der inl Talmud als lückenhaft bezeidinetell Stelleil vonk enthymeiltatischen Standpunkt" wurde der Arbeit des Hörers H Hicker aus» Wladimir in Polen zuerkannt. Bereiae. Vorträge und Versammlungen. Versammlung der H e b r a i ü e n. Donnerstag um Uhr nachmittags im Lokale, 2. Bez., Glockengasse 30. * f Jüdisches Realgymnasium. Arnncldnligen für die erste bis achte Klasse täglich zwischen 12 und 1 Uhr, 2. Bez., Castellezgasse 86. Nehemia. Morgen im Lokale der Äkehemia, 9. Bez., Fuchsthalergasje 1, präzise 8 Uhr abends. Bottrag des Herrn Oberbaurat N. S t r i ck e r über: ..Was wollen die radikalen Zionisten von der Mittelschuljugendd* Maskir-Andachten am Schewuothfeste. Zur Vermeidung des großen Andranges in den Gemeindetempeln zur Haskarah veranstaltet der Vorstand der israelitischen Kultnsgelnernde Men am diesjährigen Schewuothfeste, Donnerstag den 20. d. um 6 Uhr früh rm Stabttempel, 1. Bez., Seitenftt'tfi*»tnrifft» A. it*th 4m. o»—.--v n ~ feierliche Gottesdienste Gerda Walde und das Erbe Waffilkor. ukrainischen Ge» eovdneten $ i 11 iy 'i: t v h u. u 11| i n u. ui» |h.ih«.iu,h A.vQltU galt, schwebt gegenwärtig bei Wieller Gerichten eine Reche von Prozesseil, die sich zwischen seilter zweiten Gattin, der bekannten Wiener Sonbrette Frau Gerda Walde und dsrr Kinderli Wafsitkos aus erster Ehe abspielen. Gestern verhandelte ein Senat des Zivillaiwesgerichtes über eine An-- f e ch -t n n g s k l a g e, welche die 'beiden Töchter Wafsstkos, Bera und Laiialw Wassilko. .gepert ihre Stiefmutter eingebracht habeii. Sie bestreiten die Gültigkeit einer Zession eines Betrages von 37.500 Dollar, der sich beim Bankier Bosel:befindet. Kurz vor seinem im Angust 1924 erfolgten Tode bezeichnete Wassilko Freunden gegenüber seine Kinder als außerordentlich reich, da er fürste in jeder Weise gesorgt halbe. In Wirklichkeit. aber lobt Bera voll Unterstützungen ihrer Derwalldten, währeltd Tatiana als Pflogeschwoster tätig ist. Wxt weitere Kinder, Hamilkar und Nadesda, lsben vollkonimen mittellos in Rumallien. . Eine letztwillige Verfügung des Berstorbenen setzt Frau Gerda Walde, zur Un iverlaler b-in. lein-es Vermögens ein, während seine vier Kiinder auf den Pflichtteil gesetzt wurden. ’ Die beklagte Frau Gerda Walde erklärte, die Forderung von 37.500 Dollar lei ihr bei Lobzeiten Wassilkos von diesem zediert ivordeil, west sie ’ ihm zum Zwecke seiner ukrainischen Propagailda 225.000 Schweizer Franken aus ihrem Berntögen zur Verfügung gestellt häbe. Diese Zession wird jedoch bestritten, da feine notarielle Beglaubigung vorliegt. Ueber den Nachlaß Wassilkos sott die Beklagte und Herr Siogmund Basel, dessen Berliner Vertrauensmann Wassilko war, zum Offen'barungseid verhalten werden. Der Senat beschloß schließlich, einen Zengenbeweis darüber zuzulassen, ob und in welchem Ausntas; Frau Gerda Walde ihrem Gatten Geldbeträge zur Verfngun-g gestellt hat und unter welchen Umständen die behauptete Zession zustande gekommeil war. Die Berhandlttng wurde zu diesem Zwecke vertag t. Im Streit um die Wohmmg getötet. Der 35sä!hrige Hilfst arbeiter Johann PriuZ wohnte mit seiner Frau als Untermieter bei Amalie Kern in der Schönbrunnevstraße 183. Zwischen Prinz und deni Sohne der Wohnungsin'habevin, Johamr Kern, kaut es wiederholt zu Streitigkeiten, ivoil Fratl Kern eine Erhöhung des Zinses verlangte. Am 28. Jänner k I. kam es in der Wohliung gegen 6 Uhr abends zu einem Streit, in ^dessen Verlauf Prinz ben jungen Kern durch Messerstiche tödlich verletzte. Prinz verantwottote sich mit Notwehr. Die Anklageschrift bezeichnet, diese Verantwortung als nnglmilbwürdig und weist darauf hin, daß Prinz in der Untersuchung seine Ängabell wiederholt gÄvechselt habe. Prinz ist wiederholt vorbestraft, darunter dreimal Wegelt Diebstähls bis zu zwei Jahren schweren Kerkers. Gestern hatte er sich v». Naem Schwurgericht unter Vorsitz des Hofrates Dr. Gold!st»lrn wegezl Totschlag.es zu verantworten. Prinz blieb bei seiner Verantwortnng. Die einzige Tatzongin, die Frau des Angeklagtell, liegt gegeitwärtig auf der Klinik Kernrauner, wo. sie vor eilligen Tagerl ein Mädchert gebar. Äiachmittags begaben sich zn ihrer Einvernahme die Mitglioder des Gerichtshofes, die zwölf Geschwornen, der Staatsanisvalt und der Äerteidiger auf die Frauenklinik, wohin später auch der Ange-klaKe voll zwei Justizlvachcbeanrteil eskortiert wurde. Hofrat Goldstein unterzog die julige Frau viltem Verhör. Die Frau bestätigte, daß ihr Mann in Nottvehr. gchandelt habe. Nach beelldigtem Verhör gestattete Hofrat Dr. Goldstvin dem Angeklagten, mit seiner Frau zu sprechen. Der. Angeklagte umarmte und küßte sie. Zunr Schluß brachte eme Wärterin das kleine Mädchen in den Krankensaal, um es dem Vater in die Arme zu legen. Träneuüberströmt veräbschiedete sich schließlich der. Mann von Gattin und Kind. Die Geschwovnen V e rne inten die Hauptfrage auf Verbrechen des Totschlages mit fünf Stummil „Nein" gegen sieben Sttmmerk ,^Ja" erkannte» den Angeklagten dagegen des Vergehens de-r fahrlässigen Tötung durch Ueberschreit»ng der Notwehr et n st l nt m i g schul di g, woranf der Gerichtshof Jähamt zu neun MonatHn strenge-n Arreists^der-

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