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Wiener Morgenzeitung · 1926-05-18 · Heft 2598 (18.5.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2598 (18.5.1926)
Date
1926-05-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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1 Polen: 2S groszy | Wien; Zum Abholen in def Expedition, II., Taborstr. 1-3, lodekln einerVerschlefsstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkaul in Wien durch die Kolporteure der Firma Gol dschmied,!.. Woüzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling T sch ccho-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 5 Zloty. Deutschland: M6n. Qm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 •Naehcahlangen bei P r e 1 *. erhAhangen torbehtlien (preis 20 ai England: Mon.4Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien- Mon. 170 Lei. Bulgarien Mön.IOOLewr. Schweiz und das übrige , . Ausland monatlich Frcs. i Redaktion, Administration: Wien, 11. Taborstr. I Felephone: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Diuckerel lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen - Konto Nr. 150.692 Nr. 2598 Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesehtes E gekennzeichnet. Lord Plumer in Amman. Ern Vertrag Mischen England und Transjordanien. Jerusalem, 16. Mai. (I. T. A.) Der britische Oberkommissär für Palästina, Felbmarschall Lord P lumer, 'wellt gegenwärtig in Amman, der Hauptstadt Transjordaniens. Es verlautet, daß er in Amman seine Unterschrift unter einen zwischen G r o ß h r i t a u n ie n tt rtd T ra n s jorda n i c tt abgeschlossenen Vertrag setzt. Wie erinnerlich, besuchte im Mai 1923 Sir Herbert Samuel, der damalige Oberkommissär, die Stadt Amman. Nach seiner Rückkehr erklärte er offiziell, es sei zwischen der britischen Regierung und dem Emir Abdullah von Transjordanien ein Abkommen geschlossen worden, laut ivelchem die Existenz einer unabhängigen Regierung t n Transjordanien unter Emir Abdullah anevlannt wird unter der Voraussetzung, daß.diese Regierung eine konstitutiv n e H c ist und es der britischen Regiernng Ermöglicht, ihren internationalen Verpflichtungen mit Bezug auf das Territorium, welches unter den Vertrag fällt,- zu erfüllen. Das Abkommen werde dem Völkerbund zwecks Billigung unterbreitet werden. Wahrscheinlich hat Lord Plumer jetzt in Amman diesen Vertrag int Rainen der englischen Regierung unterzeichnet. England »ach dem Streik. London, 17. Mai. Die ArbeitttmL-Überall. i u .n o riw a l e m U m s a.n g wieder ausgenommen, auch, in den' Scechäsen) ^mrt'' AnZnaihttte 'Pon' MamHestLr,. tvv-He ^gewprk-. schastlich orgairisierten' Dollar-beiter. sich weigern, mit mcht^ oMnisierteu zu arbeiten. Die Behörden -lehnen, es ab, die letzteren zu entlassen. Im Untechaus.erklärte--in Beantwortung einer Anfrage Schatzkanzler Churchill, er schätze die durch den Streik verursachten Ausgaben der Regierung aus 750.000 Pfund Sterling. Er glaube nicht, daß esnottvendig sein iverde, eine E r h ö h u n g von 2 t e u e r n zu beantragen. Das voll dem r u s s i s ch e n B e r g l e n t e k o n g r c ß den englischen Bergarbeitern gemachie Angebot .von 2,600.000 Rubeln wird wahrscheinlich Donnerstag auf einer Konferenz der Bergleute -erörtert werden. Der Sekretär der Bergarbeitergewerkschaft, Cook, erklärt -in einem Interview, ivenn man sich an irgend jemanden um Geld wendete, würde man das Geld von den russischen Bergarbeitern ebenso gern nehmen wie von irgend jemand anderem. Der panirlamische Kongreß. Kairo, 17. Mai. Wie schon kurz berichtet, -begann hier am 13. d. der pan islamische Kongreß, der über die Schaffung eines K a l i s a t Z in Al -e k k a berät.' Er wurde von dem Rektor der Hochschule A l A z b a r eröffnet. Delegierte aus Pa last i n a, dem Irak, dem Hedschas, Jemen, Tripolis und Tunis sind anweisend. Da ein großer Teil der mohammÄHläschen Welt diesen Kongreß nicht für zuständig hält, weil ep^zn sehr unter ägyptlsch-englischem Einfluß steht, so fehlen Vertreter aus I n die n, P e r s i e n und anderen Ländern/.' Der letzte Sultan gestorben. Paris, 17. Mai. Der letzte Sultan der Türkei, Mohammed der Sechste (Wahid Eddin) ist in Sau R e m o einem Herzschlag eblegen. Der Sultan wurde am 1. November 1922 durch Beischluß der großen Nationalversammlung zu Angora entthront und mußte ins Exil gehen. .Im Juli 1925 verurteilte ihn. das Unabhängigkeitstribunal -wegen OrganGeirung des KürÄmaufstandes in contumaciam zum Tode. Tschechische Kolonisation. Prag, l7. Mai. Die Aiwitagblätter melden, daß die französische Regierung der , tschechoslowakischen große Grundstücke auf K o rs i kä und im Mar ok k o.zur Ansiedluug von Tschechoslmvaken angebolon habe. Ein Beamter des Marseiller tschechosle-vakischen Konsulats werde die Grundstücke besichtigen, um zu prüfen, ob sie sich zur Kolonisierung eignen. WA" B « s o n d e r * b i I I l g e Wien. Dienstag, 18. Mai 1828 8, Jahrgang Bollsabstimmung in JeMfchland. lieber Die knteignuug der Fürstenvermögen. — Am SV. Funi. Berlin, 17. Mai. Anrtlich wird gemeldet: Nachdem der Peichstag den im Volksbegehren verlangten Entwurf eines Gesetzes über die Ent e i g n u n g der Für st e nv e r mög e n a b g e l e h n t hat, hat die Reichsregierung in ihrer gestrigen Sitzung beschlossenden Gesetzentwurf zum Volks e n t scheid zu stellen. * Die. Abstimmung findet Sonntag den 20. Juni statt. Die Verordnung zur Durchführung des Volksentscheides wird vom Reichsminjster des Innern im Laufe des heutigen Tages erlassen werden. Das Kabinett Marx. Berlin, 17. Mai. Reichspräsident v. H i n d e n b u r g hat den bisherigen Reichsjustizminister Dr. Marx zum Reichskanzler ernannt itnb ihn gleichzeitig mit der einstweiligen Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsministers der I u ft t z und des Reichsministers für diebesctzten Gebiete beauftragt. Ferner hat der Reichspräsident auf Vorschlag des Reichskanzlers Dr. Marx die Mitglieder der bisherigen Regierung in ihren Acmtern bestätigt. Das neue Reichskabinett ist heute. vormittags um halb 1 Uhr zu seiner ersten Sitzung zusammengetreten, um die Konstituierung der Reichsregierung in deren veränderten Form porzuuehmen. Die Sitzung fand unter dem Vorsitz des neuen Reichskanzlers Dr. Marx statt. Die Negieruttgserklärung dürfte zum Ausdruck ÄMgtzN, daß.die RegMWg^bcmüht sein werde, der Aufforderung pes -Reichsprafrdenten^Me--': “*« ~ Einheitsflagge für das Deutsche Reich zu schaffen, schnellstens Folge zu leisten. Die vorbereitenden Arbeiten würden mit der größten Beschleunigung betrieben werden, so daß die v e r f a s s u n gsmäßi g e Erledigung der Flaggenfrage noch vor dem Sommer möglich sein )verde. Die Regierungserklärung werde ferner betonen, daß die bisherige Politik des Kabinetts unverändert sortgesührt werden soll; besonders gelte dies von der Außenpolitik, deren gleichmäßige Fortführung etiteit feststehenden Programmpunkt bilde. kine Putschdehatte im preußischen (Eigendienst der ..Wiener Morgenzeitnng".) Berlin, 17-..Mai. Im preußischen Landtag kam es heute zu einer großen und-aufschlußreichen Debatte über (die von den Rechtsparteien getroffenen Vorbereitungen zur Errichtung der völkischen Diktatur. Miilifterpräsident Braun wandte sich sehr scharf gegen die von den Nationalen ausgegebene- Parole, die Ergebnisse der Hausdurchsuchungen bei , Oberst L u ck und General Nl e o l a i als Harmlosigkeiten hin - ziistellen.- Der Ministerpräsident erklärte unter anderem: : . „In der Presse ist geschrieben worden, daß man Gespenster sehe und daß es sich um Ammenmärchen handle. Bei dem, von dein ich spreche, handelt es sich um Aenßernngen des „Berliner .Lokalanzeiger" und der „Deutschen Tageszeitung" vom 13. März 1020. (Stürmisches Gelächter links.) Als diese Artikel in die Hände des Publikums kamen, da schwenkten die Kapp-Le nte bereits in die Linden ein und trafen Herrn Ludendorff, der" bekanntlich damals z n f äl ligdortsp a z i e r e n g i n g. (Heiterkeit links.). In der Reichskanzlei war-man bereits znsammengetreteu. Was wir heute -in derselben Presse lesen, c-st a n f d e n g l e i ch e n T o n g e st i m m t. ' ■ „ ... Ich kann beweisen, , - , daß es sich um ähnliche Dinge ljandelt wie 1920. (Zurufe rechts: Beweisen Sie es!) Es wird erklärt,-daß wir war einer zweiten -r ev o l n t iv n ä reit Periode stünden, vor; einer Llnksdiktatnr. Das geschieht doch nur zu dein Zweck,-um das Streben nach einer Rechtsdiktatnr zu verbergen. (Lachen rechts.) Besonders Lin Artikel in der „Deutschen Zeitung" sucht derOeffentlichkeit klar zu machen, daß wir vor einer solchen L'i nksdiktakur stünden. Ich verweise demgegenüber ans die tatkräftige Tätigkeit des Herrn Ehrhardt, die auf eine Einigung aller rechtsstehenden Verbände hinarbeitct. (Zurufe rechrs: Ist - das verboten?) Ja. Es wird immer ,so dargestellt, als ob diese Verbände ganz härmtbs wären. Es ist . aber festgestellt worden, daß sie nicht nur das treiben, was sie Knacki ihren Statuten vorgeben. Sie sind zmn Teil bewaffnet, sie halten Schießübungen ab, sie haben Pläne ausgestellt, nicht nnr solche,-die geeignet sind, Deutschland gegen einen. Ueberfall von außen zu schützen, sie haben vielmehr auch Pläne gemacht, die direkt auf den Umsturz eingestellt sind. Der Ministerpräsident zitiert dann Stellen aus einem ganz detailliert gehaltenen Aufmarschplan für (wie es dort heißt) „die gro ß e Aus ei n and er s etzung mit d e n N v v e m b e r v e r b r e ch e r n von 1918". (Großer Lärm rechts und Rufe: Beweise!) In den letzten Wochen, sagt der Ministerpräsident, ist es wiederholt ausgesprochen worden, daß man vor der Auseinandersetzung stehe und, daß die Verbände bereit sein mühten, einzügrecfen, man wolle aber nicht den Putsch vom Zaune brechen, man müsse einen Linksputsch ahwarten und im Notfälle müsse man diesen Linksaufstand provozieren. (Stürnkische Unterbrechungen rechts und Rufe: Lügen, Redensarten und keine Beweise:) Es sollte dann nicht bei der Niederschlagung des kommunistischen Aufstandes verbleiben, sondern-man müßte mit politischen Forderungen der Verbände/ vbr allem auf . die Beseitigung der parlamentarischen Verfassung und der gegenwärtigen Staatsmänner, hervor- .treten. Das sind die politischen Bestrebungen dieser angeblichen Sportverbände. (Jninier wiederholte stürmische Unterbrechungen bei den Deutschnationalen. und Zurufe: Spitzelberichte!) In den Sitzungen des Nationalverbandes deutscher Offizier e und bei den A l l d ent s ch c u wurde ganz offen daraus hingewiesen, daß eine völkische Diktatur anzustreben ser. Der Weg, der den Herrenvorschwebt,, geht aus dem Vorgefundenen Material mit aller Deutlichkeit hervor. Es wird von'dieser Seite nicht ein Putsch angestrebt, sondern man wrll die Oeffentlichkeit beunruhigen und so den Reichspräsidenten veranlassen, ans Grund des Artikels 48 die vollziehende Gewalt -lndie H änd e-d e t. Mil.it.ar s zu legen. (Ztvrscheni-itfe bei den DentschnaUonalen: Sehr richtig!) Der Mnnsterpräsident teiltdann folgendes ans einem beschlagnahmten Brief des Jnstizrates Elast mit: „Der von uns zuerst vertretene Gedanke der Diktatur -hat sich durchgesetzt. Der Weg zur Diktatur geht heute nur über den tz 48 der Reichsverfassung. Es muß allesgeschehen, um den He rrn Rer chsprä jibcittcu für dre Anwendung dieses Artikels zu gewinnen. Der Reichspräsident muß davon unterrichtet werden, daß nur eine brauchbare Diktatur charaktervoller Persönlichkeiten (sehr richtig bei den Deutschnationalen) mit dem Parlamentarismus Schluß machen kann." Die Dinge, erklärte der Ministerpräsident, sind durchaus nicht harmlos. Das preußische Volk, das in feiner überwiegenden Mehrheit repnbtikanisch ist (Widerspruch rechts), wird sich das nicht bieten lassen. Die Regierung wird, alle Machtinittelonwenden, um hochverräterische Unternchmungeri uiederzuringen. Reichswehrminister Getzler nüßbilliqt miter allen Umständen die Verbindung der Reichsweyr mit politischen Verbänden intb man darf annehmen, daß Herr v. S e e ck t auf dem gleichen Standpunkt steht. Das ändert nicksts daran, daß zwischen einer großen Anzahl von Kommandostellen der Reichswehr und Teilen der Wehrverbaiidr fortwährend Plaiimäßig znsanimeugearbeitet wird, um für den Fall ei,ivs Putfches eine gefügige Armee zu haben. 2k uu i ft das Schli m m st e d a s, d a ß w i r iv i ch t m ehr wissen, w i e i m Falle e i n e s Hochverrats die R e i ch ü w e h r selber st e h t.. Abgifehen von den obersteil Spitzeil kanii man nicht wissen, was im Ernstfall Unterbefeylshaber machen werden. Es werden ja ber der Reichswehr iinr mehr Leute eingestellt, die ein ausführliches Führungszeugnis der Wehrverbände besitzen. (Lebhafte Hort- Ruse.) Ich habe in üleinem Besitz ganze Stapel von Schreiben, in denen die Reichswehr bei den Sportverbänden zurucksrägt, so znnl Beispiel beim Sportverein Olympia. Da gestatten Sie mir vielleicht eine Frage an den Herrn Abg. Wulle. Er hat bei seiner Aussage im FemenwrduntersuchungsauSschutz erklärt, die dentschvölkische Freihejtspartei habe mit der schwarizen Reichswehr gar nichts z»i tun gehabt-und nichts zu tun habeil wollen, weil sie in, Zweifel gewesen sei, ob diese schwarze Reichswehr im Ernstfälle mit-der regulären Reichswehr in verfassiingstrenenl Sinne ziisammenhalte. Ich möchte Herrn Abgeordneten Wnlle fragen, ob er jetzt dieses etwas zu weitge-- hende Vertrauen, in die VersassnngLtrene der Reichswehr ber> loren hat und sich jetzt der Reichswehr von seinem hochverräterischen Standpunkt aus nslv. (Stürmische Unterbrechung rechts irnd Zurufe bei den Völkischen: Jude u l ü m m e l, S1 a a t s b e k r ü g e r, H'o chv e r r-ä 1er von 1918! — Vizepräsident G a r n i ch t ruft den Redner und die Zwischenrufer zur Ordnung.) Der Redner verweist sodann ans die Waffenfunde. Ganz offen würde zum Bürgerkrieg gerüstet, und zwar mit M i l i t ä r in a ch t. Der Regierung sei für die Energie zu danken, mit der sie den hochverräterischen Unternehmttugeii entgegengetreten' sei. (Lebhafter Beifall links.) In Stoffen, Seide, WaMren etc. im Warenhaus II., Taborstrasse 48 Telephon 47-1-79 En gros En detail

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