Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2594 (14.5.1926)
- Date
- 1926-05-14
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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mML.......-.MKM»W.^..—.-.-.—..WP..«M.wWi— Mch dem Seneralftreik in 8«ßla«d. A«ch keiae Mgemeiae «nsaahme »er «rdE. (Eigrndimst -er „Wiener MsrgenzeKnn-.") London, 18. Mai. Abg-schm von der allgemeinen Befriedigung über die Beendigung des Getteralstreilks zeigt di« Lage in London am frühen Morgen kaum eine Aenderung. Sehr wenige Streikende Hachen bis jetzt die Arbeit wieder ausgenommen. DA SiotMNVSNMffNayMeN für den Verkehr, namentlich der Omnibusse und der Eisenlahneu, sind noch immer aufrecht. Bis jetzt ist noch kein Straßenbahnwagen in Verkehr gesetzt worden. Auch die Zeitungen erschienen noch in verkleinertem Format. Mgemein wird die Disziplin bewundert, die di« Führer der Gewerkschaften anläßlich der jüngsten Zusammenstöße mit der Polizei, deren Zahl übrigens nicht bedeutend war, unter den Streikenden aufrechtzuerhalten wußten. Die öffentliche Meinung ist von der Reserve der gestrigen Erklärung des Premierministers Baldwin offener betroffen, und allgemein besteht der Wunsch, seinen Rat in die Tat umzusetzen, vorwärits und nicht rückwärts zu blicken ohne Gehässigkeit und Rachsucht angesichts der ungeheuren Aufgabe des Wiederaufbaues und Fortschrittes. Im Stadtviertel Poplar hat die Polizei Streikende, die, unzufrieden mit der Einstellung des Ausstandes, sich vor dem Bureau der Gelvrrkschaften angesamnreL hatten, zerstreut, wobei etwa 40 Personen verletzt wurden. In Ilford (Grafschaft Essex) haben die Gewerkschaften beschlösse n, den Streik f o r tz u setzen, da die Allgemeine Omnibusgesellschaft sich weigerte, Ausständige, die verhaftet wochen waren, wieder auszunehmen, und da die North-Eastern-Bahn Strerkci'te nur auf Grund eines neuen Abkommens wieder anstellen will. In Hüll haben die Transportarbeiter und die Eisenbahner beschlossen, die Arbeit nicht wieder aufzunehmen. Gvofte Unsicherheit. London, 13. Mai. Wie jetzt bekannt wird, trug zur Entscheidung des Gewerkschaftsrates, den Streik abzubrechen, in starkem Maße der schwache Widerhall bei, den die Streikorder bei den Anhängern der Gewerkschaften der Maschinen- und Schiffbauer fand. Ein weiterer Faktor soll der starke Druck gewesen sein, den die Gewerkschaften der Zeitungssetzer ausübte, die befürchtete, daß ihr günstiges Lohnabkommen bei Fortdauer des Streiks bedroht würde. Es herrscht im allgemeinen große Unsicherheit. Ausschreitungen in Doricaster. London, 13. Mai. (Reuter.) Im Kohlengebiet von Doncaster versuchten gestern nachmittags etwa 300 Bergarbeiter, den Straßen bahn Verkehr aufzuhalten, wobei sie einen Zeitungstransport überfielen und mehrere Lastenautomobile plünderten. Ein starkes Polizeiaufgebot zerstreute sic. Etwa 80 Bergarbeiter wurden verhaftet. Versuchter: Sabotageakt. London, 13. Mai. (Reuters Gestern morgens wurde entdeckt, daß der Versuch gemacht worden war, die Hauptei ,s e n b a h n st r e ck e zwischen E d i n b u r g und Glasgows Hilfe von Gruben e xp los ivsto ss e n i n d i e Lust zu sprengen. Neue Srvenmente zur RelalMMs' iheorie. Einsteins Rolstivitätstheorie hat weit über den R cihnren Ser Physik hinaus einen großen Kreis von Interessenten gesunden, größer als wohl jemals vorher eine physikalisch? Theorie es vermochte. Cs liegt das daran, daß zwar nicht die Relativitätstheorie, die einen reinen und strengen physikalischen Charakter hat, wohl ober ihre Folgerungen das Gebiet des Philosophischen berührt. So ist es kein Wunder, daß sich Heine das Interesse wiederum regt, nachdem aus Amerika die Kunde kam daß neue physikalische Experimente die Relativitätstheorie in Zlveifel gestellt, ja sogar umgestoßen hätten. Um diese augenblickliche Krise der Theovie zu verstehen, müssen wir uns kurz an ihre Entstehung erinnern. Die Relativ itätstheorie löste die bis dahin herrschende vor relativistische, sogenannte „klassische" Theorie der Physik ab — deren Unhaltbarkeit heute auch noch an vielen anderen Puukren ofreubar geworden ist — und entsprang im besonderen aus der „klassischen" Glektrizitärölehre. Sie hatte zunächst mir Philosophie nicht das Geringste zu tun und wurde lediglich zu dem einen Zweck geschaffen, bestimmt« Erscheinungen der uns umgebenden Natur zu «Mären. Die Elektrizitätslehr« war nämüid) in jenen Geburtsjahren der Einsteinschen Theorie arg ins Gedränge gekommen. In ihrem Ausbau hat.-u sich verschiedene Widersvrüchz hsrauSgestellt, di« man nicht miteinander verei waren konnte. Das Licht ist bekanntlich n-ch^S anderes als elekrtsche Wellen, wie sie heute vom Radio her jedem bekannt sind, nur daß dies« Wellen, di« unser Auge als Licht empfindet, ein« unglaubliche kurze Wellenlänge haben. Ein Lichtstrahl ist sin elektrischer Wellenizug, bei dem jede eiiMlue Welle, je nach ihrer Farbe, den 3000steu bis 4Q0Qften Teil eines Mllimeters lang ist. Elektrische Wellen, und darunter auch Lichtquellen, pflanzen sich nun nicht nur in der Luft, sondern auch im lustigeren Raum fort. Ueberbrückt doch z. B. das Licht di« gewaltige Kluft zwischen der Sonne «td der Erde, also den völlig von Luft und anderer Materie Lvvd Reading Kontrollor btt ©rtrfrett* reovganisatton? Ämtern, 13. Mai. Das Kabinett hat sich heute versammelt umb über die durch die Zurücknahme der Streikorder geschaffene Lage beraten.Viel bemerkt wurde, daß Lord R e a d i n g, der frühere Bizekönig von Indien, ein« lange Unterredung mit Baldwin hatte. Man glaubt zu wissery daß die Regierung Lord Reading aufgefordert hat, als Kontrollor den Vorsitz in dem konsultativen Ausschuß zu übernehmen, der mit der Reorganisation der G r u b e n i n d u st r i e beauftragt inerten soll. Wenn das Benzin ausreicht, beabsichtigt das Luftschiff ohne zu landen nicht nur bis Kap Narrow, sondern durch die B e h r i n g st r a ß e bis nach N o m e zu fliegen, wo Amundsen den norwegischen Konsul beauftragt hat, an einer geeigneten Stelle 100 Mann für das Landungsmanöver zu sielen. Tas Luftschiff wird in Nonre demontiert und nach Nordamerika gebracht werden. Fortdauer des Erseuvahnerstreiks. Der Eisenbahnerstreik wird fortgeführt. Der Vollzugsausschuß der Eisenbahner stellt in einer heute abends veröffentlichten Mitteilung fest, daß die Eisenbahnerexekutive in Uebereinstimmung mit den: Beschluß des Kongresses der Trade Unions den Streikbefehl widerrufen und die Wiederaufnahme der Arbeit angeordnet habe. Da aber fetz: zahlreiche Gesellschaften unannehmbare Bedingungen für die Wiederaufnahme der Arbeit stellen, hat die Exekutive den Befehl an die Eisenbahner hinausgegebcn, den Streik so lang« fortzufetzen, bis die Gesellschaften die unannehmbaren Wiedereinstellungsbedingungen zurücknehmen. Unterhauserklärungen. London, 13. Mai. Vor überfüllten Tribünen und in einer 'Atmosphäre fieberhafter Spannung wurde die heutige Unterhaussitzung eröffnet. Der Prinz von Wales und der Herzog von Dort wohnten der Sitzung bei. Als erster Redner sprach Ramfay Mac Donald, der nochmals betonte, daß der Generalstreik entgegen dm Behauptungen der Regierung ein rein industrieller Kampf gewesen sei zu dem Zwecke, um die Grubenarbeiter gegen die ihnen angedroihien Lohnreduktionen zu schützen. Premierminister Baldwin cr'klarte, daß die Folgen 'des Generalstreiks wohl nicht schon in einem Tage zum Verschwinden gebracht werden könnten. Jetzt sei wederder A u g c n '61 i & z u klagen noch zu triumphieren. Tie Regierung hübe durchaus nicht die Absicht, die feindselige Haltung vieler Arbeitgeber, d:« die Löhn« reduzieren und die Arbeitszeit erhöhen wollen, zu begünstigen. Baldwin appellierte an das Haus, ihm zu glauben, daß die Regierung keineswegs das Ziel verfolge, die Trade Unions zu vernichten. Lloyd George stellte fest, daß ter G e n «r alst r e i k nicht durch die Regierung, sondern durch die öffentliche Meinung zum S t i l l st a n d gebracht wurde. Die Regierung sei moralisch verpflichtet, keinerlei Repressalien weder von seiten ter Arbeiter noch der Unternehmer zu dulden. Nach der Rede Lloyd Georges wurde die Sitzung auf morgen vertagt. freien Weltraum. Die klastisch« Eletktri-zitätslchre nahm daher an, daß es einen Stoff gäbe, >den sogenannten „Lichtäther", der der Träger aller elektrischen Wellen und auch des Lichtes sein soll. Diesen Aether stellte man sich als ein unendlich dünnes Gas vor, daß die ganz Welt durchdringt, den leeren Weltraum ebenso wie die Poren jedes Körpers. In ihm sollte sich das Licht fortpflanzen, ähnlich wie der Schall in der Lust. Soweit war alles in schönster Ordnung, obwohl schon darnals dieser sagenhafte Aether, den man aus den verschiedenartigsten Gründen die merkwürdigsten und verschiedenartigsten Eigenischasten ^schreiben mußt«, bei manchem ein .gewisses Kopsschütteln erregte. Nun aber tauchte di« Frage auf, ob der Aether von teil Körpern, die er durchdringt, mitgenommen wird, wenn sie sich bewegen. Die ersten Messungen der Geschwindigkeit des Lichtes waren Berechnungen aus astronomischen Daten gewesen. Allmählich aber hatte sich die Kunst der Experimental,Physik so verfeinert, daß man die Fortpflanzung tes Lichtes trotz seiner ungeheuren Geschwindigkeit von rund 300.000 Kilometer Pro Sekunde auch auf der Erde messen konnte, und endlich hatte man sogar ein« Methode gcfuntott, die es erlaubte, diese Geschwindigkeit nicht nur auf dem freien Felde, sondern sogar ton Laboratorium zu messen. Als man so weit war, konnte man daran gehen, die oben erwähnt« Frage experimentell zu prüfen. Man maß die Geschwindigkeit des Lichtes einmal während die Luft in der dazu nötigen Apparatur sich bewegte und einmal, wenn sie in Ruhe war. Wenn ein sich bewegender Körper, zum Beispiel di« Luft, den Aether, in dem sich das Licht fortpflanizte, mitnahm, so hätte das auf die Geschwindigkeit des Lichtes nicht ohne Einfluß bleiben können. Es ist dies «in ähnlicher Fall/ wie tvenn wir ein Flugzeug betrachten, das eine bestimmte Eigengeschwindigkeit hat, dessen Geschwindigkeit, von ter Erde aus gemessen, aber je nachdem größer oder kleiner erscheint, wenn eS mit oder gegen den Wind fährt. ES stellt« sich bald heraus, daß die Gsschwindijgr-it tes Lichtes immer di« gleiche blieb und mau mutzt« daraus schlichen, daß ter Archer durch Körper^ die M bewegen, nicht «rtychührt wird. Mt ftf wks . mm MtifSifM WWMlMWW HBpMWMf imitm tfm n. iw tm 8 tftif abend« MWHM Im Zentralheller, Wen, 11. ToborstraBe llr. I Tagesordnung: Lage in Palästina — Lage der Juden in Oesterreich — Sifte. kung der zionistischen Organisation Redner: Dr. D. Friedmann, Präs, der zionist. Organisation — Dr. L. Plasdikes, Oemeincferat — Dr.). Löwenherz, Vlzepräs. der Kultusgetqeinde — Ing. Robert Stricker — Dr. N. Gelber Sas Programm des Mischen Regicrnngschess. (Eigendienst der „Wiener Worgeuzeitung".) Beirut, 13. Mai. Der Chef der syrischen Regierung, Achmed Rami B e y erließ eine Proklamation an das syrische Volk, in welcher erklärt wird, daß die politischen Ziele tes syrischen Volles nicht mit Gewalt, sondern nur im Wege von Verhandlungen und 'durch di« Hoffnung auf das Durchdringen ter Gerechtigkeit erreicht werden können. Es sei unmöglich, alle Teile Syriens durch Krieg mit den Konattonalen miteinander zu vereinigen, diese müßten vielmehr friedlich gewonnen werden. Der Anfftand habe d e n T o d v o n T a u s e nden Von Menschen und ten Ruin ter Städte heribeigesührt. „Die Gegensätze zwischen uns und dem Libanongebiet" — sagt der Regierungschef — ,-wurden immer größer und tiefer. Unser nationales Leuten zwingt uns jedoch die Gegensätze zu beseitigen und im Wege friedlicher Verhandlungen für Damaskus und Halob eimn Ausgang zum Meer« zu evtverben. Wir werten mit Frankreich verhandeln, um mit chm zu einem Abkommen zu gelangen, die Mandatödaner wie in Mesopotamien auf dreißig Jahre zu beschränkm. Wir werden sofort an die Schaffung des Gesches schreiten, daß die Herrschaft und Selbständigkeit des Volles sichert." Die Antwovt de Joirvenets. Auf diese Proklamation antwortet« Lberkmnmistär de Jouvenel in einem Schreiten, in welchem ausgeführt wird: ,^Jch bin einverstanden, dem Mandat die Form eüneS Abkommens für die Dauer von dreißig Jahren zu geben und daß Syrien das Recht habe, sich seine Gesetze selbst zu schaffen und die zwischen den verschiedenen, unter dem Schutz des Mandats stehenden syrischen Gebieten vochandenen Zwistigkeiten im Verhandlungswege ausgeglichen werten und in Streitfällen Frankreich von beiden Teilen als Schied8r ich ter angerufen werte. Zwischen dem Mandat und den Zielen Syriens besteht kein Gegensatz. Das Mkommen ist bindend. Das Mandat dient als Bürgschaft für den äußeren Frieden. Es gibt ter Bevöllerung jede Freiheit, nur nicht die Freiheit, einander zu «Werfällen..." Irr Flug Madrid—PWtzchluen geM«. ManiA, 13. Mai. Di« spanischen Flieger G a l l a r z.« und Loriga sind heute hier einyelangt; sie haben damit ihre« großen Uug über 18.000 Meilen von Madrid nach den Philippinen vollendet, den sie «n 5. April begonnen hatten. Nun echolb sich sehr bald «ine neue Frage. Wenn der Aecher nicht mitgefühvt wird, sondern immer in Ruhe bleibt, so muß jeder Körper, der sich te'wegt, auch eine bestimmte Geschwindigkeit gegenüber dem Aether besitzen. Wie i-n einem schnell fahrenden Automobil auch bei Windsttlle sich ein starker Lufhzug bemerkbar macht, so müßte auch ein ^Aecherwind" ge>gen jeden Körper drücken, der sich tewagt. Da man mm endlich enien Beweis für die Existenz dieses angenommenen, überall vochandenen nnd bisher noch nie beobachteten Aecher halten wollte, so ging man daran, diesen Aetherwind zu suchen. Weil dies« Experiment« außerordentlich schwierig sind, suchte irwm einen Körper, ter sich möglichst schnell bewegt, wo aöso ter „Aetherwind" besonders stavk sein mußte, und nahm dazu di« Erde selbst, die m einer Geschwindigkeit von rund 30 Kilometer in der Sokunte um die Sonne läuft? Der amerikanische Physiker Michelson war es, te-r diesen heut« vielleicht berühmtesten Versuch der modernen Phyffk tot Amerika anftellte. Der Ausfall dieses Versuches ckber war völlig negattv, vom Ascherwtotd war nicht die geringste Spur festyustellen. Hier nun stand Äve Physik vor einem ernsten P»übl>em. Einmal wurde der Aecher von d«n sich tewsgenten Köchern nicht mitgeführt, die Geschwindigjkeit Ächter vkieb immer die gleiche und das heißt der Aether bsich « Ruhe. Der Aether aber, der sich, weil er m Ruhe Mb, durch feinen Gvgendnick 'bemerkbar machen mußte, tat dies nicht. Aus diesem Widerspruch heraus, zunächst ledi-gickh «m dieses Problem zu klären, wind« di« Einsteinsche RelattvAütLcheori« geboren. Wir können fie an dieser Stell« natürlich weder ableiten, noch auch nur ausführlich dyrle-gen. Aber ihr Grundprinzip ist ja bekannt: Aehnsich wie «r auf der Erde, wie wir seit Köpernikus, Keppler und GnMäi wtffen, kein ^absolutes" immer gültiges Oben und Unten gDt, sondern für die Bewohner ter NordhaMvgel di« Bichttwg im Wsltenvaum Ohe« bstewte-t, dw fm die Gswchner der SSÄhaWSugel Wchm P. so sind noch der RelcrtivitntRheowe MoW die Seft ww dm aesmetrDtest Maße oiWss uhhi «AMIst fHn AflHttV1