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Wiener Morgenzeitung · 1926-05-11 · Heft 2591 (11.5.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2591 (11.5.1926)
Date
1926-05-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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WWW t XBKtl, DkMEs. Llmir NMal und die amerikanischen zioniften. («geubienst der ^Wiener Morgenzeilung".) Rew-Aorl. Dr. Körner, der Präsident der Wiener Hakoah, stattete dem bekannten Führer der nichtzionistischen Judenschaft und Vorkämpfer des Krimptojekts, Louis Marshal, einen Besuch ab. Dr. Körner nahm die Gelegenheit wahr, Herrn Marshal über den Konflikt, welcher zwischen den amerikanischen Zionisten einerseits und Herrn Marshal und der von ihm geführten Gruppe andererseits anSgebrochen ist, zu befragen. Herr Marshal erklärte: „Ich trete seit Jahren für die landwirtschaftliche Besiedlung der Ukraine nnd der Krim mit rufsifchen Juden ein. Ich bin auch für die Besiedlung Palästinas. Aber Palästina ist zu klein, um alle in Betracht kommenden Inden zu erfaffen. Alle matzgebende« amerikanische» Juden find meiner Ansicht. Meine intime Freundschaft mit den beide» hervorragenden Zionisten Präsidenten Weizmann nnd Prof. Dr. CHajes beweist nur, daß auch sie nicht gegen meine Ansicht sind. Aber mit den amerikanischen Zionisten ist eine Verständigung leider nicht möglich. Wir beginnen jetzt mit der Kampagne für die Srimsammlung. Es sollen 15 Millionen Dollar aufgebracht werden, aber ich bin überzeugt, daß wir 2v Millionen bekomme« werden. 1+5 Millionen, davon sollen für Palästina verwendet werden. Ob es »uni» Rußland bei der Bolschewikenherrschaft bleiben wird oder eine Republik oder eine monarchische Regierung eingesetzt wird, die Inden, welche jetzt Boden bekommen, werde« ihn behalten." * Die amerikanischen Zionisten waren die letzten vier Jahre hindurch die eifrigsten Verfechter des Gedankens der Verständigung und Zusammenarbeit mit den Nichtzionisten, insbesondere der innigsten Vereinigung mit Herrn Marshal und seiner Gruppe. Die unzählige Male wiederholten feierlichen Erklärungen Marshals, daß er für die Förderung des Palästinawerkes mit all seinen Kräften eintreten wolle, waren letzten Endes ausschlaggebend dafür, daß auf den zionistischen Tagungen die Anträge Dr. Weizmanns und der amerikanischen Zionisten auf Erweiterung der Jewish Agency, d. h. auf Einbeziehung der Assimilationsjnden in die Führung des nationalen Aufbauwerkes, gegen die Stimmen der radikalen Minorität durchdrangen. Der Name Marshal. war der Sturmbock gegen die widerstrebende Minorität, Wenn nun- Herr Marshal die amerikanischen Zionisten als verbohrte, böswillige Menschen hinznstellen sucht, mit denen man nicht diskutieren kann, so wirkt das grotesk. Für jeden, der die Verhältnisse kennt, bedeuten die Worte Herrn Marshals nicht mehr als einen Versuch, mit demagogischen Wendungen einen Umsall zu beschönigen. Was die Gegner der Heranziehung von Herrn Marshal und anderer Nichtzionisten zur Leitung des nationalen Aufbauwerkes voraussagten, ist eingetroffen. Bei der ersten Gelegenheit, die sich ergab — und glücklicherweise vor dem endgültigen Abschluß des verhängnisvollen Paktes mit den Assimilationsjuden —, sind ..die Marshal-Leute vyn Palästina zur Ukraine und der Krim abgeschwenkt. Von . ihrer glühenden Liebe zum nationalen Heim in Palästina ist ein Restchen Asche geblieben, die Quote 20:1,5. Die amerikanischen Zionisten mußten daraus die Konsequenzen ziehen, , trotz ihres Verständigungswillens. Ebensowenig Achtung einflößend als der Umfall des Herrn Marshal ist sein Versuch, Zionisten gegen Zionisten auszuspielen: Weizmann und Dr: Chajes gegen die amerikanischen Zionisten. Persönliche intime Beziehungen werden gewiß nicht dahin führen, daß Doktor Weizmann und Dr. Chajes die Wege des Zionismus.verlassen, um Genossen des Herrn Marshal zu werden. Daran glaubt Herr Marshal doch selbst nicht. Das ist ein Mätzchen,. dem Antisemiten abgeguckt, der augenverdrehend beteuert: „Ja! Wenn alle Juden so wären wie Sie!" — Wenig beruhigend ist auch die kategorische Erklärung, daß den ängesiedelten Juden in der Ukraine und Krim nie ein Härchen gekrümmt werden wird, weder von Bolschewiken noch von Zariften. Leider ist das eine Sache, die sich dem Machtbereich des so beruhigten und zuversichtlichen Herrn Marshal entzieht. Das Experiment, Juden inmitte nein er fremden Um gebungaufeinem Boden, der seinen russischen Besitzern entzogenwurde, anzusiedeln, ift und bleibt gef ä h r l i ch u n d z e i g t v o n g e w i s s e n l o s e r L e i ch tfertigkeit. Unter der landhungrigen Bauernschaft der in Frage kommenden Gebiete gärt und grollt blutgieriger Zorn gegen die jüdischen Eindringlinge, gegen die unglücklichen Schützlinge Trotzkys und Marshals. Soeben ist eine Meldung eingelangt, neben der die Hohlheit der großsprecherischen Versicherungen Marshals bezüglich der „Sicherheit der jüdischen Ansiedler" so recht erkenntlich wrrd. Im Zusammenhang mit der jüngsten Ritualmordhetze in der Ukraine hielt der Präsident Petrowski eine Rede, in welcher er feststellt, daß die ukrainische Bauernschaft noch immer stark antisemitisch ist und daß dieser Antisemitismus durch das jüdische Siedlungsprojekt neuerlich aus-, geflammt i st. Aber Herr Marshal in New-Aork ist ganz beruhigt! '% mttmt Moesenzetkrmk Verdiente Züchtigung der Magvaronen. Brief aus Bratislava. Die jüdischen Magyaronen in der Slowakei gaben nicht eher Ruhe, bis sie die wohlverdiente Ohrfeige über das ganze Assimisotionsgesicht schielten. Und Mr ein« VM Sr. Dittchlaücht Nikolaus v. Hotthy von Budapest MS diktiert« Ohrfeige, was als neuer BÄveis dafür dienen möge, -atz die Jrredenta in der Slowcckei von den Magyaren noch wie Vor geschürt wird. Die Sache kam in einer vor einigen Tagen in Bratislava abgchaltenen Konferenz der Vertreter der beiden magyarischen Parteien, der magyarisch-nationalen und der chrisüichsozialen Partei zutage, in weicher über die Modalitäten einer Fusion beraten tvnrde. Die ungarische Notionalpartei ist eine Gründung des Schwiegersohnes des Barons. Julius W lasst cs, Josef Szentivanyt-Klimo. Ursprünglich wollte sich diese Partei auf die Kleinwirte stützen und spekuliert« auf die Stimmen der Bauern. Erst einige Wochen vor den Pariamentswahlen taufte die Partei, um jüdische Stimmen zu . ködern, ihren Namen Ms „Magyarische Nationalpartei". Bei ^diesem unsauberen Wahlgeschäft spielte der als Magyawm bekannte Äfsimilant, der Luoenecer Fa-, brikant Tarjan (ehemals Teutelbaum), von dem e8 bekannt wurde, daß er der rassenschützlerifchen Partei in DlovenÄo mehr als eine Million tschechischer Kronen fiir den Wahlsonds zur Verfügung stellte und seiner Werbearbeit war es auch zum Teile zuzuschreiben, daß die Stimmen der Ztzcken zersplittert Und die Juden in der Tschechoslowakei um. ihre entsprechende Vertretung im Parlament gebracht wurden, während die Rassenschützler mit .Hilfe jüdischer und bäuerlicher Stimmen zu acht Mandaten gelangten. Ae assimilatorischen Magyanmm triumphierten um fo mehr, als der Führer der Partei, Szentivanyi, unter dem Titel ,KirchenpolitSsche Sektion" einen Parteiousfchuß einsetzte, welcher die Aufgabe hatte, ,chas Verhältnis der magyarischen Mitbürger israelitischer Konfession zur Partei und zum Staat zu regeln." Dieses phllosemitssche Schillern patzte «m der anderen rassenschühlerischen Fraktion un-ter Führung des ganz unter dem Kommando der Erwachenden Ungarn stehenden Geza S z u l l ö ganz und gar nicht. Er betrachtete das Paktieren mit den Juden als einen Verrat am Rassenischützlertum. Es kam zu scharfen Auseinandersetzungen. Sgullö war vor drrzem in Budapest und nach seiner Rückkehr kam es in der gemeldeten Konferenz zum offenen Bruch. An der Konferenz war auch der jüdische Magyawm Ta rjan anwesend. Szuliy erklärte, sich mit Juden nicht an einen Bevatungstisch zu setzen nnd stellte einen in diesem Sinne gehaltenen Antrag. Tarjan versuchte''es mit emern Protest, warf der Partei Undank und Irreführung vor und verließ, da er sich betrogensah, die Beratung, nachdem er seinen rossen reinen Gesinmmgsgenossen einen kräftigest magyarischen Wunsch 'zuties.' Selbstbewußter -und chrenvollerware es allerdings gewesen, -wenn- Herr Tarjan den- Rassenschühl-erk diesen Spruch ztPevusen hätte als sie ihn zum Verrat amjüdischen Volk verleiteten. ' Alexander Fried mann. Re Erweiterung des BSllerbundmtes. Oefferrtliche Beratungen tizt Stnvrerrkornrnrssion. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung") Genf, 10. Mai. Die Studienkommission für die Ratsfragen ist heute vormittags im Völkerbundhause zusammengetreten. Zum Präsidenten der Kommission wurde der schweizerische Bundestat M o t t a gewählt, zurü Vizepräsidenten der argentinische Delegierte Lebretton. Die Kommission hat zur allgemeinen Ueberraschung beschlossen, ihre Sitzungen im Prinzip öffentlich abzuhalten. Tatsächlich wurden eine halbe Stunde nach dem Zusammentritt der Kommission die Pressevertreter zur Sitzung zugelassen, .auf die sich die Oeffentlichkeit der Sitzungen beschränken wird. Als erster meritörischer Redner legte Lord Robert Ce eil ein ausführliches' Arbeitsprogramm der Kommission vor und sprach Namens seiner Regierung die Ansicht aus, daß die Kommission unbedingt zu einer endgültigen Lösung der Fragen kommen müsse. S e i a l o j a (Italien) trat für die Einstimmigkeitall er Beschlüsse ein, weil sonst der Völkerbund zu jenem Ueberstaate werden müßte, den heute die meisten Staaten ablehnen. Eine Einstimmigkeit der Beschlüsse des Völkerbündrates wäre aber nur dann möglich, wenn die Zahl seiner Mitglieder höchstens um zwei oder drei vermehrt wird. Auch der spanische Delegierte Palacios setzte sich entschieden dafür ein, daß die Einstimntigkeit der Beschlüsse des Rates beibehalten werde. Paul Boncourt (Frankreich) warnte vor der verfrühten oder zu weitgehenden Aenderungen. Da die Zahl der ständigen Natssitze jetzt durch den berechtigten Wunsch Deutschlands, nachträglich unter die Gründerstaaten des Völkerbundes ausgenommen zu werden, eine Vermehrung erfahre, könnte man auch eiye Vermehrung der nichtständige^ Sitze ins Auge fasten. Sine tschechische Krlegrerfindung. Prag, 10. Mai. Wie die Mütter melden, ist es emmn tschechischen Chemiker gelungen, einen neuen Explosivstoff für Kriegszwecke herzustellen, der ausschließlich Als heimischen Produkten hergestellt werden kann und so in Bedarfsfälle die Unabhängigkeit der tschechoslowakischen Sprengstofferzeugung Mertzellt. tt. Mai 1026 Rr. Wi Vor dem Friedensschlutz ln Snslanvl Jrrvtrekte Fühlungnahmen. — Wie der MuS» stand beendet werden soll. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 10. Mai. Im Unterhalts «Hielt sich heute abends das Gerücht, daß ind!rekte- B ö rh <r n o l ir n g e n durch Vermittlung von Lstkioutäbgeordnetett iM Gänge seien, und man sprach davon, daß Ende dieser Woche di« o f f i z i e l l r n V e x.h a n.d lurtgen wieder angenommen werden könnten. Die Regierung soll bereit sein, die Unterstützungen für die Kohle n i n du str i« vorläufig weiterzuzahlen nnd eine Revision des Arbeiter, st a t u t s in Angriff zu nehmen. In diesem Falle würden Trade Unions den GeneraPreMefehl zurücknehmen. Ueber den Sonntag hatten indirekte VerhaMunge« siatiHchtMn, die den Zweck hatten, die Regierung und dm Gewevkschaftsrat näherzubringen. „Times", die wieder in. beträchtlichem Umfang erscheinen, wissen darüber Einzelheiten zu melden. Die Unterhändler, so schreibt das Blatt, wissen, daß nach Balbwins Erklärung der bedingungslose Abbruch des Streiks dm ersten Schritt zum Frieden darstellen müsse. Die Unter. Händler schlagen vor, daß nach Beendigung des Streiks sowohl die Regierung als auch die Grubenbesitzer und die Bergleute mit aller Deutlichkeit erklären, daß sie den Bericht der Kohlerckommistion an nehme n. Ein Schiedsgericht, in dem die Grubenbesitzer und die Bergleute vertreten zu sei« hätten, soll über die inneren Fragen der Kohlenindustvie beraten. Während dieser Beratungen soll der staatliche Zuschuß für eine bestimmte Zeitspanne noch einmal anfteben, während die Bergleute für die Zeit . der Durchführung der Reorganisationsvorschläge in eine Lohnreduktion einwilüigöA oder die Entscheidung des Schiedsgerichtes annehmen. Im Hauptquartter der Labour Party wird, heute nachts eine lange Sitzung abgehalten, um sestzustellen, ob eine Formel gefunden werden könnte, die di« Bergleute und die Regierung befriedigen würde. Auch das britische Kabinett hielt eine lange Sitzung ab. Es wird sich innerhalb der nächsten 48 Stunden zeigen, ob es zu einer Beilegung des Konflikts komme« wird. Private Aufforderungen an die Negierung M Verhundlungen. Der englischen Regierung sind zahlreiche Aufforderungen! Mgegangen, in Verhandlungen mit dm Streikenden einzutreten. So hat eine Gruppe von Professoren der Universität Cambridge den Premierminister den Vorschlag überreicht, die Be r h a n d l u N g e n d o r t a u fzunehme«, wo sie am vergangenen Sonntag abgebrochen wurden.^ „j. In Birmingham nahm eine Vers «i m lttng v ö n 150 Geistliche n, unter denen sich auch der Bischof von Cambridge befand, eine Entschließung an, m der die Regierung aufgöfordert.wird, auf dem BerhaMungswege eine Lösung des Konfliktes onzustreben. .' I» dev UntenhemAsitzuug, zu der sich die Abgeordneten fast vollzählig eingchutden hatten, dementierte der parlamentarische Sekretär des Innenministeriums die Nachricht, daß die Behörden von Newcastle die Arbeiter ersucht hätten, die Verpflegung der Stäb! zu organisieren. Auf die Anfrage eines Abgeordttetm, ob der Innenminister diejenigen Unterhausmitglied er, die sich als Spezialpol izi st enan werben laffm wollten, dazu ermächtigt habe, wurde kerne Antwort t«ilt. ' ’' 1' - Schatzkanzler Ch« rchil kündigte an, dciß es bei der starken Auflage des Regiemngsorgans, der ,British Gazette", notwendig werdm wird, Papiervorräte zu beschlagnahmen, die für andere Zwecke bestimmt waren. Lloyd George kritisierte die Art, in der die ^Vvrtssh Gazette" redigiert werde. > / Ein Abgeordneter der Arbeiterpartei eMärte, « einem Arbeitewiertel Londons Zeuge von Ueberg iffen der Polizei gewesen zu sein. Der Innenminister erwiderte, daß in diesem Stadtteil mehrere Lastautomobile, die Lebensmittel transportiertenj vvn der Bevölkerung angegriffen wurden, die versuchte, die Wagen in Brand zu stecken. Der Gtreitk ungesetzlich. Die „BritiH Gazette" teilt mit, daß die jursstifchen Sachverständigen der Krone den GeneraPveii als u n g e s e tz l i ch erklärt haben. GegMoärtig wird die Frage gesetzlicher Sanktionen geprüft. Die Versorg-u-ng mA LeBerrSrEteln. Infolge Ersuchens des Generalrates der britischen Gewerkschaften an die irischen Gewerkschaften, den T r a u S P o r t von Lebensmitteln nach Großbritannien zu verhindern, wurde der Hafen von Dublin still ge legt. Ein amtlicher Bericht beisagt, daß die Lage bezüglich der notwendigen Lebensmittel im ganzen Lande befriedigend geblieben sei, Es lassen sich nahezu keinerlei Anzeichen einer Krise feststesien. Heute hat die Stadt infolge der gegenwärtig großen Zahl von A u t o b u s s e u, die zumeist von S t u d e n t e n geführt werden, ein fast normales Aussehen gehabt. Der Straßen bahn verkehr' mußte auch heute unterbleiben. Zu ernste« Tunmtten kam es in H u l l, wo viele Läden geplündert wurden Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett mußten die Polizei llnterftiitzey und Feuerspritzen wurden zur Zerstreuung der plündernden Menge « .Anwendung gebracht, 41 Pe« V

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