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Wiener Morgenzeitung · 1926-05-11 · Heft 2591 (11.5.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2591 (11.5.1926)
Date
1926-05-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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iPoten-.aSttrowt Wi en ztcs Abholen in det Expedition, II, Taborstt. 1-3, oder in elnerVerschleisstelle fTrafik) Monet), 5 Schilling Strassenverkaut in Wien durch die Kolporteure det Firma 0 o l d schm ied, U Wolleelle 11 Mit Postversand Hit Wien und Oesterreich tnonaiücb 5 Schilling I sch ec ho-Slowakei: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs, 18 naehnhlmte» bei frei*- erbSbnttea Vorbehaltes '' er •*# «r. 2591 Wiener . . . .♦ WW»W»WWWWWUW»WWW»W>WWWW»M Wien. Lirnstag. 11. Mai 1926 flxiMLii England; Mon. 4 Schilling. Italien: Monatt 18 Uns Rumänien Mon. 170 Lei. Bulgarien Mon.IOOLew«. Schweiz und das adrige Ausland monatlich Frcs. b Redaktion, Administration Wien, IL Taborah*. 1 Telephone: 44-0-38. 43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (DiiiCkerei lg. Steinmann>! ——- öesterreichisches Postsparkassen - Konto blt. 150.69»- 8. Iahrgaus Bethlen hat von den Fälschungen gewußt! Sensationelle Anrsage» Raba» lm Budapefter Prozeß. lElgendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Im redattionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durdi ein vorangesetzteS E gekennzeichnet. Weizmanns Rückkehr aus krez Israel. Audienz bei Lord Lloyd in Knivo. - Wie I. T. A. unter dem 2. d. meldet, weilte auf seiner Rückreise von Palästina nach London Dr. Weizmattn in Kairo und wurde von Lord Lloyd, dem britischen. Repräsentanten in Aegypten, in längerer Audienz empfangen. In London langte Präsident WeizMann am 7. d. mittels Sonderzuges an, der ungeachtet des Generalstreiks für besondere Zwecke verkehrt. Bon Dover nach London reiste er gemeinsam mit dem früheren Obetkommrssär für Palästina, Sir Herbert Samuel. Ein mglifch'italienisches PalSftinaabkommen. Rom, 10. Mai. Wi« der „Meffaggerk" meldet, sicht der Abschluß eines englisch-italienischen Abkommens rmmittelbar bevor, das den Italienern in Palästina bchpglich des Handels, der Schulen und der religiösen Gesellschaften eine bevorzugte, Siet1uA.cz einräumen wird. Sie Flaggenlrise in Seutschland. Die Demokraten fordern Luthers Rücktritt. ' Berlin, 10. Mai. Die sozialdemokratischen Führer -wurden heute vom Reichskanzler Dr. Luther empfangen, der ihnen das Schreiben Hindenbürgs zur Kenntnis brachte, in welchem der Präsident die Reichsregierung äufsorderte, die Schaffung einer Ein.her'ts'fla'Ag'e."' fürdas Reich vorzubereiten. Es möge — so heißt es in diesem. Brich; — ein Ausgleich geschaffen werden zwischen den Zielen des neuen Deutschland und der geschichtlichen Tradition. Die Sozialdemokraten erklärten daraufhin, für sie hake sich die Lage nicht geändert. Ihre Interpellation über die Flagge »frage wird morgen vom Abgeordneten Breitscheid im Reichstag begründet werden. Wieverlautet,-haben die Demokraten dem Reichskanzler nahegelegt, v o n s e i » e nt A mt zurückzutreten, da sich vielleicht dann leichter eine Lösung finden lassen wer-de, doch haben sich die Minister m i t de m Re ich ska nzlc r sol ida risch erklärt. , , Die deutsche, VoWpartei wird --g.e g.e n das sozialdem o kr a t j sche und das völkische Mißtrauensvotum stimmen. Sollten die Demokraten - aus der Regierung ausscheiden, so fft die Volkspartei entschlossen, an der bisherigen Minoritätsregierung ohne die Demokraten festzuhalten. Demission des Staatroverndikettors Schott. Nach einem Konflikt mit SeMonschef Prügen. Gelegentlich einer Sitzung, die gestern vormittags, in der Bundestheaterverwaltung stattfand, kam es zwischen Sekttonschef Dr. Präger und Direktor Schalk zu einem sehr schweren Meinungskonflikt, so daß Direktor Schalk sich veranlaßt gesehen hat, beim Minister für Unterricht seine sofortige Enthebung von den Direkttonsgeschäften zu erbitten. * Die Verstimmung des Direktors Schalk mit der Bundescheaterverwalkung, ist darauf zurüchuführen, daß der Vertrag mit Kammersänger Piecaver, den er verlängert hat, vom Ministerrat noch nicht' ratifiziert wurde. Kammersänger Piecäver ist wegen der langen Verzögerung. die die Erledigung seines Vertrages erfährt, mißvergnügt und will aus dem Verhalten der Bundescheatevver-waltung, die durch ihren Präsidenten, Dr. P r ä g e r, die Sache an den Ministerrät zu leiten hat, die Konsequenzen ziehen. Gr hat auch bereits seine Absicht kundgegeben, in der heurigen Saison nicht mehr, aufzutreten. Direktor Schalk hat diesen Konflikt zwischen Piceaver und Sektions-. chef Dr. Prager zum Anlaß genommen, auf' die Wahrung s e i n e s P r e st i g e s zu best-ehen unh hat, da ex seinen Willen nach sofortiger Ratifizierung des Vertrages mit 'Pie- 1 caver nicht durchsetzen konnte, seine DemWon gegeben. j Budapest, 10. Mai. Als heute um 9 Uhr vormittags der dritte Tag des Frankenfälscherprozesses begann, war der Berhandlungssaal mit Zuhörern dicht besetzt. Besonders viele Abgeordnete, der Vizepräsident der Nationalversammlung Karl H u s z a r und der Chef der Kabinettskanzlei Dr. Bärta waren erschienen. Gleich nach Beginn der Verhandlung wurde der Sekretär des Prinzen Windischgrätz, R a b a, vorgeruseü. Er bekennt sich u ich ts ch ü l d i g und erklärt, daß er seine ganze Tätigkeit immer nur als Sekretär des Prinzen ausgeübt habe. Trotzdem kann ich aussagen, daß nicht Windischgratz es war, der die Frankenaktion initiiert hat, er hat sie bloß finanziert. Die Initiative mutz an viel höherer Stelle gesucht werden. Ich selbst habe im Jahre 1924 Kenntnis von der Äktion erlangt, von der mir der Prinz mitteilte, daß es eine Patriot i s ch e Angelegenheit sei, deren Zweck hie Wie d e r g e w i n n u n g der o b e r u n g a r i s ch e .n Gebiete sei. Der Prinz teilte mir weiters mit, daß an der Aktion auch Graf Paul Teleki, ja sogar -ein noch vöhergestellter Herr, dessen Namen ich vor dem p a r l a men t a r i s ch e n U n t e rs u ch u n g s a u s schuß bereits genannt habe, teilnehme.. Auf die Frage dös Vorsitzenden, wer das: ist, erklärt Raba: Der Prinz sägte mir, GrasPaulTeleki nehme an der Sache nur darum teil, weil auch der Ministerpräsident . Graf Stephan Bethlen von der Sache wisse. Bors.: Hat Ihnen das Prinz Windischgratz so gesagt? R a b a: I a. Der Angeklagte führt, dann aus, daß der Prinz ihm angedeutet--habe, daß es sich um eine - - staatliche Aktion handle, die im k a r t o g r a p h r s ch e n I n st t t u t durchgeführt werde. Ich selbst habe mich.überzeugt, daß essich um eine Aktion gehandelt hat, welche, in einem staatliche n Geb ä u d e ab g estv i che l t' wurde und an' der Gras Teleki und der Polizeichef N a d o s s y teilgenommen haben. 'Ich selbst habe nur die D i e n st e e i n e s B'o t e y innegehabt. Ich hatte mit Gero die Verbindung aufrecht zu erhalten und besuchte ihn öfters im Hon v edmini st eriurn. Mit Nadossy verkehrte ich im Minist e r i,u m d e sJ n n e r n. Ich habe immer den Eindruck gehabt, daß es sich um eine Aktion handelt, die die staatliche Unterst ü tz u n g g en i e tz t, zumal so hervorragende Männer wie Nadossy, General Hafts, Major Kurtz, Oberst Gero, Feldbischof Zadravetzj, Generaldirektor Baroß und Präsident Szörtseh mit-der Sache zu tun hattey. Graf Teleki war meiner Ansicht nach das Verb i Ilde n de Glied zwischen uns und dem Ministerpräsidenten Bethlen. Ueber seine Reise n a ch M ü n ch e u erzählt Raba, daß er eine Empfehlung bei sich hatte, wonach er in Betrauung des kartographischen Instituts reise und worin die Z ollbe Hörden aufgefordert werden, ihn an der Grenze z u u n t e r st ü tz e n. Der Zweck der Reise war der, Papierproben nach Ungar n zu bringen. In Paris war er gemeinsam mit Iankovich, doch hatte er selbst dort keinen A u ftrag aNszuführen. Als die Falsifikate fertiggestellt waren, wurden die Npten, etwa 20.000 bis 26.000 Stück — sie wurden nicht genau gezählt — -v in die Wohnung des Feldbischofs Zadravetz gebracht, wo ihre Sortierung erfolgte. Non dort wurden sie unter Begleitung des Sekretärs des Landespolizeichefs, Polizeihauptmanns S a n d o r, in die Wohnung des Prinzen Windischgratz, von dort wieder in die Wohnung Mankovics und von dort erst in den Rationaive r b a n d gebracht. Bei der Sortierung in der Wohnung des Bischofs erklärte uns Zadravetz, welchem Zweck unsere Arbeit diene. Er selbst nahm anfangs auch an der Sortierung teil. Wir konnten dort ruhig arbeiten, denn der Bischof ließ die Vorhänge hinunter. Die Falsifikate wurden mit Schleifen zusammengebunden und die einzelnen Notenpäckchen auf den Boden niedergelegt. Nach getaner Arbeit bat uns der Bischof, wir mögen die Roten aus dem Arbeitszimmer htnaustragen, da sein Sekretär, Pater Bonis. gleichfalls das Zimmer betrete, er aber mit ihm nicht a u f d e m b e st e n F u ß lebe. Auf die Frage, warum schließlich der Koffer vom Nationalverband wieder fortgeschafft wurde, erklärte Raba, daß er von Windischgrätz einmal um Mitternacht den Auftrag erhalten habe, sofort in den Nationalverband zu'gehen, wo nach langem Läuten Szörtsey im Neglige erschien und erklärte, Bethlen hätte an Per e n y i geschrieben und deshalb müssen die Falsifikate weggeschafft werden. Nach einer einstündigen Pause verfügte der Vorsitzende die Konfrontierung Rabas mit den bereits einvernommenen Angeklagten. .Sowohl N a d o,s s y-wie WÜw^s ch g r ä tz -bemühten sich, den Eindruck der Aussage Rabas, durch die Ministerpräsident Graf B e t h l e u,Änd Graf Teleki schwer belastet erscheinet!, nach Tunlichkeit a b z u s ch w ä ch e n. Windischgrätz verwickelt sich bei diesem Versuch mehrere Male in offensichtlich e W i d e r s p r ü ch e. Nadossy erkläre, Raba konnte niemals der Ansicht sein, daß Bethlen Kenntnis von der Fälschungsäktion habe. Raba haut hiebei nervös mit der Hand auf seinen Fuß. Windtschgrätz erklärt seinerseits, er habe niemals die Bemerkung gemacht, daß Teleki der Mittelsmann zwischen der Aktion und der Regierung sei. Ueber einzelne Phasen habe er Raba nichts gesagt, was auch nicht notwendig war, da Raba aus dem geheimen Dossier genau ersehen habe, mit wem der Prinz in Verbindung stand. Der Vorsitzende stellt nun an Windischgrätz die Frage, ob er nicht in einem Privatgespräch einmal erwähnte, daß Bethlen von der Sache wisse? Windischgrätz: Aus diese Frage verweigerei ch d i e A n t w o r t. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob nicht irgend eine Grundlage zu der Vermutung vorhanden war, daß die Regierung nicht ei «schreiten werde, erwidert Windischgrätz: Bloß der Brief Bethlens. Der Vorsitzende fordert nun von dem Prinzen eine klar^Antwort auf die Frage, ob die Regierung die Aktion unterstützte und deren Rückendeckung gebildet habe oder nicht. Windischgrätz verweigert hierauf die Antwort. Am Schlüsse wurde General H a j t s mit Raba konfrontiert. Er gibt an, daß er von keiner Vorgesetzten Behörde eine« Befehl zur Beteiligung des kartographischen Instituts au den Fälschungen erhalten habe. Er selbst glaubte aus dem Umstande, daß der Landeschef die Aktion p a t r o n i s i e r e, die Folgerung ziehen zu dürfen, daß die Sache höheren Ortes genehm sei. Auf die Schlußfrage des Vorsitzenden» ob Gero nach den Antworten der übrigen Angeklagten seine Aussage aufrecht erhalte, erwidert Gero mit erhobener Stimme: „Herr Präsident, Ladislaus Gero lügt niemals." Um 2 Uhr nachmittags wurde die Verhandlung auf morgen vertagt. In Stoffen, Seide Mtraren etc. Warenhaus im ll„ Taborstrasse 48 Telephon 47» 1*79 En gros En detail

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