Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2590 (10.5.1926)
- Date
- 1926-05-10
- Page
- Seite 12 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Satte IS Men, Ssmkttc, vhm)r •^wtttontf# Seim man in der CEedße srancaise Moli er es „?lvare" : ^qen hat, tarnt weiß man zweierlei: dieses Theater verdat Wae» Ruf, eine der echten Bühnen her Welt $t fern, uW die Mrcht Mokieres ist unvergänglich. Mer di« Comedie fvananse hat auch ihr« modernen Len- HMonen. Zwei Antoren haben dort ein Stück Zur Aufführung ge- K«M (Amiel und Obey), das ,^a Carcasst", Vas Gerchpe, betitelt -ist. Nach der Premiere las man in der Zeitung tatz diefe Tragikomödie nichts bietet, was die Öffentlichkeit ernstlich verletzen Ännte, und daß die Vorstellung in vollkommener Ruhe ftattftnden konnte. Aber es kam anders. In einer der nächsten Vorstellungen gab es einen regulären Dhmtersiaudal. Ein Zufchanrr erhob sich und hielt eine RÄ>e; der Schauspieler der Haufitrollr erwiderte; daraich Proteste in den Zeitungen; Angriffe in der Kammer. Und warum daÄ alles? Das Stück, das sicherlich nicht besonders stark P, hawdett bon einem General, der von seiner Frau betrogen wird; der vom Geld« eines Lievhckbers seiner Funk lebt; dessen Sohn, OWier m der Besatznngsarmoe, die Regtnrentskasie bestiehlt nnd dann Selbstmord beycht. Der General macht wirklich eine sehr klägliche Figur, und auch sanft sind die Autoren nicht sparsam gewesen, ihre handelnden Personen lächerlich zu machen. Wer die Vorwürfe, die man erhoben hat, daß das Stuck die Familie, das Heer und seine Führer, das Land ttrfb dos Volk beleidigen, waren 'doch unberechtigt; denn es fchlt vMig jede Tendenz der Derallgememeruny. Man kann nicht einmal sagen, daß das Drama ergreifend ist. Schon die Komstöfi-ion ist nicht zwingend, und der dritteist anycklebt. Aber die Meinungen find geteilt und gerade Mil das Stück literarisch «W rrnwrgrerfbar ist, hat man es hier nicht verstehen Dnnen, Harm». ch gerade diests Thema sein mutzte. * Der betrogene Ehemann scheint i« der modernen fvanTöstschar TheaterLtteratur. in Mode zu sein. Fm Theotre de Paris spukte man rin Drama von Henri Batille: „L'Animab&ax",. das auch dieses Motiv bringt -und in der Atmosphäre der Presse und der VvKssührer spielt. Und in einem anderen Theater gibt man ein Drama von Henri Bernstein: „Felix", der Kriegsschi^er, der sich' eine Freundin nimmt, mit ihr lebt, von ihren guten Eigenschaften beeinflußt wird, die ihn bann aber doch hintergeht; Schluß sentimental: beide -werden trotzdem' versuchen, weiter MsammenMgchen. Auch aus diesen Buhnen wird ausgezeichnet gespielt, und das lindert die Gsdanken- 0M«rt. Aber -man versteht es doch nicht recht, wie. ein Volk, das Mokiere hervovMbracht hat, sich mit dieser mageren Kost betrügt. * 1 Amüsant, weil weniger anspruchsvoll, sind die Revuen: S»ä'ch-a Guitry ist jetzt ein sehr beliebter Autor, und außer einem sehr ansprechenden Singjpiel „Mozart" , in seinem eigenen Theater (er und.seine Frau spielen die Hauptrollen), hat er «ne hoMsche Revue geschrieben: Bive la ReipMique, die man im Thoatre Mari-gny gibt. Abgesehen von einer sehr -interessanten Aufmachung, ist man immer wieder erstaunt über die Freiheit, «rrt' der hier Mißstände der französischen Politik -und des öffentlichen Lebens gegeißelt werden. Aber es ist eben.doch anders rüs in der „Earcaffe". Esprit und ausgelassene Horterkeit kaschieren alles und umhüllen all. die Bitternis -in überaus charmanter Weise: Ein Bi'ld, um das anzudeuten, das die Börse davstellt. Alle Valuten und Börftnstapiere treten auf, singen, tanzen und sagen ihr Sprüchlein; und aus einer Riesent-reppe steigt das Pfund -und fällt der Fvairken; aber er fällt wirklich; immer tot&er versucht er, hinauszuklettern und purzelt, der Clown, unentwegt wieder herrurter. Das läßt sich der Franzose gefallen, weil es charmant 'ist, weil er lachen kann, ohne lächerlich -gemacht zu wevden. ' -Sehr charakteristisch für Paris sind auch die eigentlichen großen Revuen, im Moulin Rouge, im Casino de Paris -nijw. Man gibt sich da schon gar keine Mühe mchr, eiitdt Zusammenhang in die 40 oder 50 Bilder zu bringen. Welcher Aufwand da an Ausstattung, Kostüme, Federn, Kitzrrndem' Prunk und, natür- Wh, nackten oder fast nackten Frauen getrieben wird, das läßt sich nicht setzen. Da tanzt und'singt und wirbelt alles durcheinander. Dü ist der Parier in seinem Element; noch' mehr aber der Fremde, der nach Paris geht, weil man sich doch wo anders in tat Welt nicht' „amüftevm" kann. Werner Bob. Ms den Theater«. Bu r^s-t h e a t e r. Morgen, "7 Uhr, .Maria Stu.a rT. O p e r n t h e at e r. Morgen. 7 Uhr abends. „Das Mädchen aus dem goldene« Westen". Theater i n der Io ) efstadt. Hente zum letztenmal „C r i st i n a 3 H e t m r e i s e". Nenaissancebühne. Dienstag zum erstenmal die Komödie ,D a 8 Sprnngbett bet Sie b e" („Enfin ■euto*) von Sablons und Barde, deutsch von Otto Eisenfchitz, mit Charlotte »«der. Modernes Theater. Dienstag. 7*8 Uhr. Erstaufführung des vieraktigen Dramas ^Urwal d" von Joh« Galswortyy, deutsch von Leon Schallt. Zm Schließung des Carl-Thoaters. Das PyßomL des Carl- Theaters strebt me Einlettuna des Kon-knrsv'o.rfahrens gegen F«m Direktor Eibenschutz an. Roch Eittoitmig des Konmqss Knute der Maffevvrwalter Äe Wi«-d<r»r-offnnng für Rechnung des Personals beantragen. Schalom-Alejchem-Abend. Aus Anlaß des 10. Todestages chatom Alejchems -findet am 13. L. in den Olympiasälen ein tedenSabend statt, welchen die Jüdische BÄSHMiochek üon tzvomüstoltet. Die Gedenkrche hält Schriftsteller M. Groß. «S Schalvm Mejchems Werken bringen die Herren B. Stall »nd Schwager ausgewählte Stücke zmn Bortrag. ES rüangsr ferner Szene» von Schalvm Mchchem durch hervoragerche Mische Schauspieler zur Aufführung und Ovettantor stargulieS stnyt unter anderem Schaiom AlsjchemS Wiegentted". Romain RollmM JHffifi", ein syackottfches Drama to rei Men. gelangte in Paris durch die Amayge Artistiqur ur ersten Aufführung. Das Wett, der BSÄerverMmmg «- "Ännei tvurds oribMi n« mm Wiener Morsenzeitutts Radioprogramm. Heute Sonntag den S. Mai. 10 Uhr: Chorvortri^e der Wiener Sängerknabett. 11 Uhr. Orchesterkonzert des Wiener <Dymphonieorchesters. 16 Uhr. Populäres Orchesterkouzert. Lieder und Duette aus der Operette „Die verbotene Frau". 10 Uhr. Uebertragung aus dem großen Konzerihaussaal. Konzert des Arbeiter-Sängerbundes ^Favoriten" und des Frauenchores ^Favoriten". 21 Uhr. Abendkonzert der Kapelle Geiger: Ges-angvorträgc von Ernst Arnold: Mntt-erlied: Dil,'nur du; Beim Biirgtor am Michaelerplatz. Morgen Montag den 10. Mai. 11 Uhr: Bornrittagsrnuskk. 17.15 Uhr. Märchen der Dichtung. 10. Aus Roseggers Märchen. Gesprochen von Lia Landl. 18.25 Uhr. Die Luftfahrt. 1. Von der Montgolsiere bis Mm Zeppelin. Oberst Franz Hinterstoisscr. 19.10 Uhr. ^erantoknrs. 19.40 Uhr. Englisch. 20.15 Uhr. Attenberg, Morgenstern u. a. Gesprochen von Luis Rainer. 21.20 Uhr. KonzertaLademie. Reger-Abend. _ SerichtssM. Tormann oder Berteiviger. Wem darf man an den Leib springe«? Am 24. Mar -es Vorjahres absolvierten di« Fnhballvereine Lirdstern und Nord-Wien ein Dieisterschaftsspiel, bei dem es zu argen Krawallszenen kam. Sie ttnrrden durch einon Zusammenstoß auf dem Spielfelde auSgelosk. Gustav Ambros ch vom Sudstern stieß mit Kar! Dorsner vom Nord- Wien so unglücklich zusammen, daß er bewußtlos zu Boden stürzte und in die Kabine getragen werden mußte. Die ärztliche Untersuchung ergab bei Ambrosch einige R-iPPenbrüche und mehrfache Rißquetschwunde«. Die Anhänger des Verletzten wollten an dem vermeintlichen Missetäter Dorsner Rache nehmen und griffen ihn tätlich an. Es kam M einem Handgemenge, bei welchem Dorsner einige Verletzungen erlitt. Wachorgan« eilten herbei und verhafteten einen Minn namens Ostozil, der aus Dorsner mit eenem Schlagrisig losgegangen sein soll. Die Erbitterung auf dem Fußballplatz nahm schließlich solche Formen an, haß die Mannschaft Nord-Wiens von der Polizei vom Spielplatz hmausgeleitei werden mußte. Dorsner wurde beim Bezirksgericht Favoriten wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit angetlagt. Ambrosch «gab vor dem Gericht an, er sei als Tormann tätig gewesen und Dorsner sei.chm mit d'en Knien an den Leib gesprungen, wobei er die Verletzungen erlttt. Daraufhin wurde Dorsner zu einer Geldstrafe von fünf Schilling verurteilt, da der Richter auf Grund der Spielregeln annahn, daß der Tormann einen gewissen Schutz genieße und nicht angesprungen werden durste. Das Berufungs ger icht hob,jedoch dieses Urteil auf und ordnete eiue neue Berhandlung an, die Freitag stattfand. Diesmal änderte Ambrosch fein« Aussage dqhin, er sei n i cht al s T ö rma n n, so ndern als Ve rteidiger tätig gewesen. Da sich ein Verteidiger über Anspringen durch einen Gegner nicht beklagen darf und -derartige Zusammenstöße;u den Alltägl'iOeiten irn Fußballsport gehören, fällte Dr. Kaltenbrunner einet: F r e i s p r u ch'mit der Begründung, daß es sich um einen unglücklichen Zufallgehandelt haben dürft«. , Eine gemütliche GenerÄversammlung. Gestern^ fand beim Strafbezirksgericht 1, Oberlandesgerichtsrat Dr. Sieber, die Berhandlün-g gegen David Robitschek. Obmann des Bethquses in der' Rerulbrandtstraße, statt. Der Kaufmann Julius Gandl hatte ihn wegen Ehrenbeleidigung geklagt, weil Robitschek ihm. als er in der Gvneralversämmlung eine partA- Pölitische Predigt des Vereinsrabbiners Dr. Pollak zm Sprache bringen wollte, das Wort mtt der Bemerktmg entzog': »Halten Sie Jh^r Maul, oder ich lasse Sie hinauswerfen!" Außer den beidevseits geführten Zeugen wurde auch Amtsdirektor Guido Fuchsgelb als Zeuge oinvernommen, der anläßlich der Vorstaitdswahl als' Delegierter der Kultusgemeinde zugegen war. Das Gericht verurteilte den Bereinsobmann wagen Shrenbcleidigung zu 20 Schilling Geldstrafe oder 48 Stunden Arrest und .zur Tragung.der Prazeßkosten. Das Steuermandat des Kurpfuschers. Ein Berufungssenat des Wiener-Neustädter Kreisgerichtes hatte. sich vor- , gestern mit der Ueberprüfung eines Urteiles -des Begitts- ' geeichtes Pottenstein zu befassen, welches den Kurpfuscher Ferdinand Z ö ch l i n g., vulgo R o ß b ö ck, auch genannt „der Höllerha nsl des Tr i estintztales", wegen Kurpfuscherei zu 14 Tagen Arrest verurteilt hatte. Der Angeklagte entstanrmt einer Familie, welche schon fast ein Jahrhundert im Triestmigtal die Lkurpfuscherei betreibt. Roßböck ist Spezialist in der Heilung von Beinbrüchen. Er wohnt in I n n e r h a l lbach, Post 5klein->Zell irn Bezirk Hainfeld. Zu ihnl pilgern die Leute schareMveise, um Heilung zu suchen. Er ist ein Greis von 65 Jahren und ging trotzdem im heurigen Winter m der Nacht zehn Stunden weit in tiefem Schnee, um einem Knecht, der /ich beim Holzfällen einen Beinbruch, zugezagen hatte, zu Helsen. Diese Hilfeleistung mißlang jedoch.' dom Knecht mutzte das'Bein amputiert werden, und das Mißttwgen dieses Falles wurde ihm zum Verhängnis. Er wurde, wie eingangs evivähnt, wegen Kurpfusche rer zu vierzehn Tagen Arrest verurteilt. Der Verteidiger - des Angeklagten, Dr. Fritz Aufrichr, machte in der Berufungsverhandlunig darauf aufmerksam, daß.sich im Akt ein Steuermandat für das Jahr 1924 befinde, welches adressiert sei an Herrn Ferdinand Zöchling. vulgo Roßböck, .Heilrünstler" 'in Jnnerhallbach, und mit welchem ihm für die Ausübung seänes Berufes als .HeiMnstler" van der Bezirkssteuerbehörtze Lilienfeld 2 ö Schilling als Steuer vorgoschrieben und von ihm auch bezcchlt wurden. Auf der einen Seite werde Zöchling als .^henMnstter" von der Stenerbchörde angesehen und Hm Gold abgenommen tmd auf der anderen Sette wolle der Sttaatsanwalt, also der Kollege des Steuerbvamten, haß der HeiMnsiler vierzehn Tage im Arrest sitze. Wo blecht da die Moral? Der Vorsitzende verkündete nach kurzer Beratung das Urteil, mit welchem das erstrichterliche Urterl anfigeheben und Roßböck freigesprochen wurde, indem der Vorsitzende m der Urteilsbegründung bemerkte, daß sich der Senat den sehr richtigen Ausführungen der Verteidigung nicht habe vettMßen fmm- Tämmmmmmt 9. Mai 1926 M. «U , «olkswirt. Sirtfdjaftsgtofien. Der Cindmck der NmckttttNM in «V. In Tierreich werden die Bauten feit jeher oft fati RÜckgcat d:r Wirt'chai: angesehen. Namenrlich nach dem KttsyL, wmde ihnen große Bedeutung bcigemcsien. In allen Tonarten haben auch die Banklttter -n den GenLralÄersammlunyrn ihre BerÄienste um die österreichische Wirtschaft hervoryehoben und mit Emphase betont, daß die Banken es gewesen wären, die kraft ihrer fürsorglichen Leitung die Nachikvi-egssolgen am besten überwundm hätten. Man HÄ infolgedessen mit einer gewissen. Stzmummg das Resultat der GoWilanzen der Großbanken erwartet. Nun ist die erjstr GoMilauz erßchietren. Sie hat förmbich delprimievend gewirkt. Es zeigt sich, daß die Grotzbantken ebenso schwer durch den Krieg gelitten haben, wie die übrigen österreichischen WrrffchafisstrbiÄte. Trotz der Kapitallsveemchrungen ist deirnoch das Eigenkapital der Banken auf e.in Fünftel gchmcken. Die Reserven sind auf ein Sechstel zusammengefchmolKen. Mr die stillen Reserven ist infolge der hohen Schätzung einMrer Mdiven nicht allzu viel übrig gMieben. Man hätte vielleicht noch derftehen können, wenn die Bila-nzsumme infolge des verringerten Wttmrgskr^rfes eiue Schmälerung ersahreu hatte. Tatsächlich halben aber die wertvollen Aktiven eine starke Devnriniderung erfahren. Heer zsigt sich, daß selbst die Danken, die bisher als die geschicktesten Verwalter deS Kapitals angesehen wurden, insollge der Kriegs- und NachkviegswirtschaftZoecholtrpifse ebenfalls ungemem stark gelitten haben. Auch sie haben es nicht vermocht, sich von diesen rmMckttchen Folgen zu bewahren. Es ist möglich, txitz die anderen Gwßibanöen etwasgünstige« Goldbilanzen zeigen wevden, daß ihr EigenLaprtal etwas größer sein wird, daß es nicht 60, sondern 70 bis 80 Millionen SchMeng betragen wird. Doch dies kann nur möglich sein, indem aus derr bisherigen verborgenen Fonds der stillen Reserven fast alles, was zu holen ist, ausgsschöpft wird. Man muß sich damit aflfheben, daß die finanzielle Bedeutung der österreichischen Banken rin letzte» Jahrzehnt stark gefüllten ist. Die richtigen Konsequenzen miHen aus dieser Tatsache sowohl die Ba n-f«tt als auch die Wärtsch o ft ziehen. Die Banken insoferue als sie die gewaLttM Kosten ihres Leitungsapparates echMch reduzieren müssen. Es geht nicht an, daß einzelne Direktoren für Leistrnvgen, -die »chk allzu sehr über den Durchschnitt sind, m einem Jahve MiMavdengehölter beziehen und daß sie kostshrÄige AuÄiani^vaistn wache», die, in einzelnen Fallen» 40.000 Dollar und mchr betragen. Der Loitungsapparat muß stark abgeibaut wevden, enHrrechend der geringeren Bedeutung, welche die Banken jetzt kvast Shves geringen Gigenvermögens besitzen. Andererseits aber muß auch die Wirtschüft die richtige Konsequenz aus diesen Tatsachen sichen. Man darf dem BanKapttal nicht mchr den Emstuß eiNvmmren, de» es noch in den letzten Jahren besessen. - Die Banke« haben diesen Edrflutz nnjr deswegen «nM° hindert ausübev können, weil man vermnilete, daß hinter tzpev die Vakvrisrerten GoldmAionen der Vorkriegszeit stehe«. Jetzt zeigt sich, -daß dies nicht mchr der Fall ist. Sie «Wen -infolgedessen nur diejenigen Einschätzungen' gemeßen,. die chnen auf Grund -Hrer jetzigen Kapitalsauswoise Mommt. Geradeso wie sie die Oeffentlichksit infolgedeffen nicht mchr so iu Anstiruch -nehmen kann, wie es bis jetzt der Fall -gewefen, woil die BawkN nicht mehr über diese gewalttgen Mittel verfugeu, ebenso dürstn aber die Banken nicht mchr auf einen solchen Einfluß, wie sie ihn bisher besesien; weil sie selbst verarmt sind. Der: Generrrlftreik irr GntzlernÄ. Der gigantische soziale Kampf, der sich seit vi«e Tagen in England abspielt, wird in Mitteleuropa nicht mit jener Aufmerksamkeit verfolgt, die ihm eigentlich zukommen müßte. Die Reaktion der mitteleuropäischen Börsen ist relattv gering. Sie ist lange nicht so stark, wie dies zum Beispiel in ähnlichen Berhaltnissen vor dem Kriege gewesen wäre. Mitteleuropa ist an der englischen Wirtschaft nicht derart interessiert, wie dies damals der Fall war. Berlin hat vor dem Kriege jede Wirtschastsregung in England sehr genau beobachtet. Auch Oesterreich hat seinerzeit für die Vorgänge in England etwas mehr Interesse gezeigt. In dieser Hinsicht haben sich die Verhältnisse geändert. Man, blickt auf Amerika als den Kapitalslieferanten und ist an der englischen Wirtschft nicht mehr so stark interessiert, trotzdem England die mitteleuropäische Wirtschaft noch immer sehr stark beeinflußt. Die englische Finanz diktiert den mitteleuropäischen Notenbanken ihr Verhalten. Der Weltmarkt wird noch durch England beeinflußt. Die Rückwirkungen sind vielleicht deswegen verhAtnismätzig gering, weil sich die mitteleuropäische Wirtschaft gewisse Vorteile von der stärkeren Auswirkung der sozjälen Krise in England verspricht. Der Stillstand der englischen Kohlenbergwerke bedeutet eine größere Inanspruchnahme der rheinischen und schlesischen Kohlengruben, die bisher unter den Krisenverhältnissen ebenfalls schwer gelitten haben, eine^intensivere Inanspruchnahme der österreichischen Kohlenwerke und ähnliche ' Rückwirkungen, wie sie schon seinMeit bei Anspruch des Ruhrkonflikts zu verzeichnen waren. Die Flucht des amerikanischen und übrigen Ueberseekapitals, welches London als eine Bernnttlungsstelle benützt und durch die sozialen Kämpfe abdirigiert tverden dürfte, könnte den Kapitälstrour auch zu« Teile nach Mitteleuropa ablenken. D e n t s ch l a n d, O e st e r r e i ch und die anderey Staaten, die dem Finanzdiktat Elnglands unterliegen, dürsten zweifellos bei längerem, Andanern des Streiks und größeren sozialen Koniplikationen, eine Lockerung des Druckes erfahren. In dieser Hinsicht können zweifellos kleine Vorteile der nntteleuropäischen Wirtschaft erwachsen. Dies dürfte auch in erster Reihe die Ursache sein, weswegen die Börsen Mitteleuropas ziemlich rnhig der Entwicklung in England-enlgegeus eh en. Und doch wäre es verfehlt, die dortigen Vorgänge mit >. WHgW AnMrksamkcht zu vettolgwi.