Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2587 (7.5.1926)
- Date
- 1926-05-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Im redaktionellen Tekl enthaltene entgeltliche Mittellnngeu find durch ein vorangefetztes E gekennzeichnet. Konkurrenzloä in Preis und Qualität L&T.PIOWATI Feine Wurst- und Selchwaren Garantiert ohne Gefrierfleisch! sss Erhältlich In allen Detall-VerkaufafStellen Ae Mrottoverhandlungen ergebnislos abgebrochen. MugenÄgeudc Anttvorl der Nifdelesicrtvn. Udschda, 6. Mai. Amtlich wird gemeldet: In Beantwortung der Anfrage des Generals Simon bestätigte. Dümster S. Mohanrmed Azerkane, es sei ansgeschlossen, die Antwort abzuändern, die er auf die am 30. April gestellten Fragen bereits erteilt habe. Er bemerkte, die Rifleute würden bloß 5V französische und spanische Gefangene im Austausch für fünfzig ihrer eigenen Leute ausliefern. Infolgedessen erklärte General Simon im Namen Frankreichs undSpauiens, es sei z w e ck- Los, »och weiter zu verhandeln. Hiemit waren d^. Verhandlungen abgeb roch e n. Ein Torpedobootzerstörer wird die Rifdelegierten nach Adschr z u r ü Ä b ringen. Die siebente BölkerbundversüMmlung WWev Punkt dev TagesvVbuuugr Die Auf- . «ahme Deutschlands. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng"-) - - Genf, 6. Mai. Der Präsident des BvWeMtwdrates,!Gvaf Js'hii, hat soaben die Einladung zur siebenten Bölkerbundverfammlnng ergehen lassen, die auf Morrtag den 6. Septnnlber nach Genf einberufen wird. Auf der vorläufigen Tagesordnung stehen die Berichte des Rates über die. Regelung internationaler Streitfragen und über die Fortschritte, die in 8ep Frage der allgemeinen Sicherheit durch Ken Abschluß von Konventionen und Vertrügen erzielt worden sind. Danach kommt. als elfter Punkt der vorläufigen Tagesordnung der Bericht der Kommission über den Uufnahmeantrag Deutschlands,. der im März verschoben wurde, und als Mölfter Punkt der Bericht der Studienkommffsion für die Ratsfmgen und die eventuellen Acktrüge des. BMerbundrates. DleRegierungskrise in Polen. Wtos lchnt ab. Warschau, 6. Mai. Nach der Demission SkrzhnÄis hat der Präsident der Republik die Führung der lausenden Geschäfte den bisherigen Ministern «nvertrant. Der Präsident hatte wegen Lösung der. Krise Besprechungen mit den Präsidenten der Kammern sowie mit denr Abgeordneten und früheren Mrnrsterpräsidenten Witos, dem Präsidenten der christlichdemokratischen Partei, Chasinski und anderen Abgeordneten, die als Kandidaten für das neue Kabinett genannt werden. Nachmittags wurde bekannt, daß Abg. Witos den Auftrag, das neue Kabinett zu bilden, a b g e l e h n t habe. Chafinski übernimmt die Regierungsbildung. Der Obmann des christlich-demokratischen SejmEtubs, Chasi nski, hat versuchsweise den Auftrag zur Kabinettsbildung übernommen. Seine Bemühungen bewegen sich vorläufig in der Richtung, eine Mehrheit aus den RechtKparteien und der Mitte zu schaffen. , Auflösung der italienischen Kammer? Mailand, 6. Mai. Wie der „Avanti" meldet, 'hat 8er Innenminister Federzo n.i im Parlament aufs neue den .Antrag auf Auflösung der Kämmer eingebvacht. Man ist allgemein der Ansicht,'daß die Kammer demnächst ^einberufen werden wiM um ihr eigenes Todes-, urte il zu vollziehen. In Budapest beginnt heute früh der Frankenfälscherpvozeß. Die einzelnen Stadien dieses großen politischen Skandalös sind noch in frischester Erinnerung. Es ist bekannt, daß die Regierung des Grafen Bethlen durch einen energischen Schritt des französischen Gesandten gezwungen werden mußte, sich in die Untersuchung einzulassen, und daß der Widerstand des amtlichen Ungarn. schließlich die Aufmerksamkeit der Welt auf das System lenkte. Der M in ist e rp r ä f i d e n t mußte, durch verschiedene Veröffentlichungen in die Enge getrieben, gestehen, daß er schon im November des Vorjahres die Vorbereitungen der Affäre kannte; alle leitenden Kreise stehen im begründeten Verdacht, dos patriotische Unternehmen gedeckt zu haben. Die Personen, die es leiteten, die Win dis chgrätz, N adossy, Baroß, Gero usw. gehören zu den stärksten Stützen des christlichnationalen Kurses. Mit dem falschen Geld sollte die neue Aera der Gegenrevolution finanziert und eine Reihe von Putschen begonnen werden, die von Budapest bis München denr Pogrom-Faszismus die Herrschaft sichern sollten. Ein weitverzweigtes Netz von geheimen Organisationen ltttib von offen wirkenden Bevbänden ist errichtet worden, in dem die Uebevwiftdung der nationalen Gegensätze b's zu einem gewisien ^.Grade gelungen ist. Deutsche und magyarische Streitikrc^te bilden den Kern, aber es bestehen auch VerbinbungeEzu dem rumänischen - Antilsemitensührer Cuza und Zn dem russischen Monarchisten, ' deren Führer, der weißgavdiMche General. B i sku ps i, an-den Vorbereitungen betHsigt war. Die Idee selbst stammte,^ .^wie.MrzW.-eiM..heM^ffser^Ln,^der Spion T rMi tfch- Lin co l nverraten ^hat,' vonr.. M^rschall Ln de ndor-ff/der schon ick Mais 1920 durch den Obersten Bauer m Budapest einer „einflußreichen.Persönlichkeit" den Plan vorlegen hatte lassen, durch die Prägung falscher RÜbelnoten die russische Gegenrevolution zufinanzieren. Die Aufdeckung, der Fälschungen. durch die ho llä ndis ch e P o l i z e i hat rm Dezember 1925 ungeheures Aufsehen erregt. Was intimer die . ungarische ' Regierung unternahm, um Spuren zu verwischen und ihre eigene Mitschuld zu verdecken, konnte nur in ihrem Bereich, im Kreis ihrer Gewalt erreicht werden. Im Ausländ hat sie das Mißtrauen gegen Ungarn nicht einischränken können. Die peinlich en Erlebnisse des Grafen Bethlen in Genf sind der Beweis dafür, daß das blutige Regime der brutalen Korruption mitsamt dem christlichnationülen Kurs demaskiert worden ist. Diese Kompromittierung kann nicht getilgt werden. Die Beziehungen der ungarischen Aristokratie -im Zu-, fammenwirken mit der zumeist von magyarischen Juden besorgten Propaganda haben nur das ärgste, den Hinauswurf aus dem Völkerbund, abwenden können. Das Ungarn des Horthy ist verurteilt, noch che.dieser Prozeß beginnt, in welchem die Mitglieder der. Geheinrvevbände über, ihre Freunde zu Gericht sitzen sollen. Wie imuner der Prozeß endigt, die Wahrheit ist heute schon bekannt, daß eine innerlich faule Gesellschaft, die geistig und seelisch noch im aisiatischen Mittelalter steckt, einen heimtückischen Angriff auf den Frieden gewagt hat und daß dieses System sich nur deshalb erhält, weil sein Sturz noch ärgeres enthüllen würde. * Die Verhandlung wird vom Senatspräsidenten Dr. Gaza Töreky geleitet, Anklage vom Oberstaatsanwalt Gustav Szt-rache vertreten, während die Verteidigung unter der Führung der raffenschützlerischen Advokaten Dr. Franz Ul a in und Dr. Bela Da n er von einem ganzen Heer von Rechtsanwälten besorgt werden wird. UMer den Advokaten befindet sich nur ein einziger, der kein-Rassenschützler ist, der Verteidiger des Sekretärs des Prinzen Windischgrätz. Es sind -einstweilen insgesamt 19 Personen als Zeugen vorgeladen. Als Privatgeschädilgter ninvmt der Budapester Anwalt der Banq-ne de France, Dr. Paul Auer, an der Verhandlung teil. Die Anklage kantet auf folgeiwe Delikte: Verbrechen der Geldfälschnng, der Jnverkehrsetzung falschen- Geldes, der Dockmen tenfälschnng nnd der betrügerischen Vevwertmrg falschen Geldes. Die Anklageschrift umfaßt 77 maschingvschrisbsne Seiten. Im srsten Teil werden Prinz Windischgrätz, fein Sekretär Defider R a b a, der Polizeichef Dr. Emmerich N a d o s s y und die in die Gcldfälschung verwickelten Leiter und Angestellten des Kartographischen .Jnistitnts -des- Betzbvrchrns der Ge ld fälschung wegen Nachahmung und Herstellung vmr 28.000 bis 30.000 Stück französischer Tansendfrankenscherne bezichtigt. Die Anklageschrist schildert detailliert die-Vorbereitungen und - die technische Durchsührnng der Fälschung, weiters der Vorgangs der bei der Bevrvertung der Falsifikate-beobachtet wurde, und erwähnt m diesem Falle auch die Tatsache, daß die falschen Noten znech in die Wohnmrg des Feldbifchofs Zädvaveq i gebracht wurden. Besonders ausführlich behandelt die Anklageschrift die Rolle des Pol-i;eichefs Dr. Emmerich N a d o ss y. Dieser — sagt die Anklage — hat das Verbrechen der Geldfälschung mit Vorbedacht gefördert, hat an den Besprechungen der GeldfAscher teilgenonrmen und geduldet, ' daß'Prinz Windischgrätz sich, überall auf Nadossys Mitwifserschaft berufe. Der Polizeichef. förderte das Verbrechen auch dadurch, daß er für sechs Personen, die mit der Verwertung, der Falsifikate im Ausland betraut wnrden, falsche Päffc . besorgte^ für den Obersten Jankovich im-Ministerium des Aeußern eine- Kurierlegitimation heranslockte,.. den.Direktor der Postsparkasse/ Gabriel B a r o tz,- .HKp. dazu, bewog, den .GÄb-' fälschern einen Kredit von 400 MÄ'ionen Kronen zu gewahren. Ein eigenes Kapitel wird in der - Ankvages^rfft der' Rolle gewidmet, die Pie Leiter v des Kartographischen Instituts V. in der Affäre gespielt habenl' 'Dieser-^TeÄrichtet 'sich -geyckrr-inL^ Major Ladislaus^ Gerö,[ den General Ludwig Hajls und gegen den Oberst 'Alexanders K -wr-zi/ Wegen der Jnverkehrsetzung der gefälschter Franken-noten wurden'ursprünglich sieben Personen ängeklägt, doch wurde gegen den Bischof Zadravecz und gegen zwei andevr Beschuldigte das Verfahren von der Königlichen Tafel eingestellt. Unter ddn vier Angeklagten befindet sich. ' auch Oberregierungsrat Joses Szövtsey, der Präsident der Natiortalen Bereiürgüng, bei dem die Falsifikate einige Zeit lang vcvbor-gen wurden. Der dritte Teil der Anklageschvist - erhebt gegen den Pckizsichef'Dr. Emmerich N-adossy .die Ankage wegen Dokumentenfälschung, und zwar in sechs Fällen als Anstift-er und in drei Fällen als Täter. Diese Anklage bezieht sich auf -die erwähnte Tatsache der Paßfälschungen und der Hemuslockung einer falschen Kurierlegitimattion. ' Der letzte Teil der Anklageschrift befaßt sich mit dem Delikt der betrügerischen Verwendung falschen Geldes und richtet sich gegen den Kammerdiener des Prinzen Windischgrätz, Kaspar K o v a c s, und gegen den Beamten Dr. Bsla M a n.k o v i ch. Der erfter-e harre sieben Stück falsche Tausendfrmckenscheine m Verkehr gebracht, während Dr. Mankovich 150 -Stück bei einer Bank gegen einen Kredit von 330 Millionen Kronen deponierte. Di« Anklage richtet sich gegen 24 Personen, von denen sich 14 auf freiem Fuß befinden. Ucberdies sind bisher ungefähr 50 Zeugen vorgeladen, darunter Ministerpräsident Graf Bethlen, VolkswohlfahrtsmÄrister Dr. Vaß, Abg. Graf Paul Teleki, Graf -Entmerich Karolhi,- Abg. Markgraf Pällavieini, Abg. Stephan Fr!i-edr-ich und Feldbi-schof Zadravecz. Die Verteidigung ruht zumeist in den Händen pon der Rassenschntzlerpartet nahesteh^tchert Rechtsanwälten. * . Die Reckernng hrt für den Prozeß «mfangr-eiche Bot kehr-ungett getroffen. Sie hat'hie Aicklägefchrift so rechtzertigt veröffentlichen laßen, daß die Angeklagten rmd die in Betracht kommenden Zeugen sich gut auf.einander einrichten konnten. Sie hat. m den letzten Tagen sich eine gegen den „öffog" gerichtete Aktion der evwachelidert nnd der christlichen Vereine bestellt und das Verbot des Blattes ausgesprochen, um der Oppositions-Presse ein Warnungssignal zu geben. Trotzdem sind neue Enthüllungen nicht ausgesd-lossen -und der Prozeß wird reich an Sensationen 'ein, zumal ja eiirer der Hauptlumpen, der Pwfeffvr Meszar o s, fern von: Schuß stcht und deshalb stark belastet werden kann. Es kommt alles darcmf . an, ob WrndischgM und Nadoffh DiÄretion bewahren werdenbi i 11 ln Stoffen, Seide, Wnschwnren etc. Warenhaus 1L, Taborstrasse 48 Telephon 47-1-19 En gm En detail W