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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-28 · Heft 2579 (28.4.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2579 (28.4.1926)
Date
1926-04-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I Polen 25 giosiy l Wien; Zum Abholen indet Expedition, Il.,Taborstr. 1-3, oder ln elnerVerschlelsstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkaut in Wien durch die Kolporteure der Firma Gol d Schmied, l„ Wollzelle 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling 1 sch ec ho-Slowakei; Mon. I<22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Bel gl en: Mon. Frcs. 18 ftacheahlongea bei Prell* erbOhnagen Vorbehaltes Nr. 2579 Wiener ———B—— Me». Mittwoch. 28. AM 1926 HAGAU, oietsnzerin wana ijn IIJHCH-Kino Täglich Vorstellungen um: «Uhr 6.48 8.30 IPrets aö gj England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien; Mon. 170 Lei. Bulgarien Mon.IOOLew«. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. n Redaktion, Administration: Wien, 11. Taborsir. I Telephone; 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr:~2MÖ2, 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (D.uckerel lg. .Steinmann) Oesterreichischcs Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 mm Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Neuerliche Unruhen in Kallutta. Das Postgebäude geplündert. London, 27. April. (Tel.-Komp.) Aus Kalkutta werden heute neue blutige Zusammenstöße zwischen Hindus und Mohammedanern gemeldet, bei welchen vier Personen getötet und 16 verwundet wurden. Auch die Polizei, welche die Kämpfenden zu trennen suchte, verlor einen Toten und 12 Verletzte. Das P o st g e b ä u d e wurde g e p l ü n d e r t. In einigen Straßen der Stadt liegen die Toten schon seit zehn Tagen u »beerdigt, so daß der A u s b r u ch v 0 n E p i d e m i e n befürchtet wird. Die vorbereiteude Weltwirtschaft«' koufereur. Genf, 27. April. Der vorbereitende Ausschuß der Internationalen Wirtschastskonferenz hat heute die allgemeine Aussprache über die Aufstellung seines Arbeitsprogramms abgeschlossen. Aus der Diskussion ergab sich, daß Einigkeit darüber herrscht, daß das Problem i n e i n z e l n e F r a g e n a u f g e l ö st wird, die drei oder vier Unterausschüssen überwiesen werden sollen. Morgen vormittags sollen in einer vertraulichen Sitzung diese Unterausschüsse gebildet werden. Nachmittags wird eiye öffentliche Sitzung abgehalten, in der Vizepräsident T h e u n i s eine zusammenfüffendL Dar-» stellung über die Aussprache der ersten beiden Tage geben wird. Man hofft, daß bereits morgen nachmittags einige Unterausschüsse mit ihren Spezialheratüngen beginnen können. Anfangs der nächsten Woche wird dann der Ausschuß selbst wieder zu einer Vollsitzung zusammentreten, unr seinen Bericht fertigzustellen, der dem Völkerbundrat in der ordentlichen Sommertagung im Iuli zur weiteren Veranlassung unterbreitet werden wird. Me valästinensische Gendarmerie. London, 26. April. (I. T. A.) In der heutigen Sitzung Des. Unterhauses fragte Kolonel Wedgwood den Kolounenmmister, ob er Mitteilen könne, wieviel Juden bei der neuen palästinensischen Gendarmerie Aufnahme fanden; wie stark das neue Polizeilkorps ist; wieviel Juden in der alten Gendarmerie dienten. Kolonienminister A m e r h erwiderte: Ich werde de» Oberkommissär um die gewünschte Information ersuchen. Kolonel Wedgwood: Wäre der Minister ln der Lage, mir zu sagen, was er zu tun gedenkt, um den durch die Aenderung in der Gendarmeriegeschassenen. sehr unglücklichen Eindruck verwischen? Minister Amerh: Ich glaube, wenn über die wirklichen Tatsachen Klarheit herrschen wird, wich ein solcher Eindruck von selbst vergchen. . Nordana letzter Weg. Akarseille, 26. April. Die sterblichen Ueberreste Max N o r d a u 's wurden heute nachmittags vorn Bahnhof St. Charles zum Dampfer ,^Lamartine" überführt. Zu der Kür hatte sich eine große Versammlung eingefunden. Sämtliche jüdische Korporationen sowie das Rabbi na t von Marseille hatten Vertreter entsendet. Auch die gesamte Presse der Stadt war durch Delegierte vertreten. Frau Nordau, die den Sarg begleitet hatte, ging sofort an Bord des Dampfers. Ihre Tochter, Fräulein Maxa Nordau, trifft morgen hier ein, um gemeinsam mit der Mutier die Reise nqch Palästina mitzumachen. Der Dampfer vLamartine" geht morgen ab. Me Reprüsentantenwahlen in Berk«. Berlin, 26. April. (I. T. A.) Gestern haben sämtliche Parteien bei dem Wahlkommissär ihre Kandidatenlisten für die am 16, Mai stattsindenden Mhlen zur Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde eingereicht. w* B OS O n ders billiger f* »»■ ■■ #|i i ■ ■ ■ ■ Die Wetzelsdorser Merzaros-Baeran-Immendörfer und Ramsauer — Sine dringliche Anfrage im Nationalrat Die Niederschlagung des Strafverfahrens wegen der Fälschung tschechischer Fünfhundertkronennoten in Wetzelsdorf bei Graz durch nt a g y a r i s ch e E m i s s ä r c wurde gestern von den Sozialdemokraten im Nationalrat wiederum in Form einer dringlichen Anfrage zitr Debatte gestellt. Die Anfrage bezieht sich auf die Erhebungen, die der vom steirischen Landtag eingesetzte Untersuchungsausschuß eingeleitet hat, und beruft sich namentlich aus den Minderheitsbericht der sozialdemokratischen Ausschußmitglieder, der schwere Ungesetzlichkeiten von Gerichts- und Polizeibehörden nachweist. Vor allenr kam dabei hervor, daß die Niederschlagung des Strafverfahrens gegen Meszarös und seine Mitschuldigen ohne triftigen Grund unter ganz unbegreiflichen Begleitumständen erfolgte, daß aber nach der Niederschlagung dieses Strafverfahrens auch die strasgerichtliche Verfolgung mehrerer Personen, darunter steirischer Heimwehrfunktionäre, die der Verbreitung solcher Banknoten überwiesen wurden, unterdrückt worden ist. Die Mitschuld des Landeshauptmannes R i n t e l e n konnte nicht restlos erwiesen werden, dagegen hat die Untersuchung des Ausschusses ergeben, daß die steiermärkische Landesregierung ohne Wissen der sozialdemokratischen Mitglieder in enger Verbindung mit Horthy-Ungarn einen. ,,gemein.samen hM,o,yf ideptendienst" errichtet hatte. Zahlreche Beziehungen zwischen den steirischen Monarchisten und den Ungarn wurden, wie der Bericht mitteilt, aufgedeckt. An den Fälschungen beteiligt waren christlichsoziale Heimwehrsührer, die auch in dem Bericht namhaft gemacht werden. Einer dieser Führer, Franz W a l ch, hat bei seiner Verhaftung ausdrücklich erklärt, der Landeshaupttnann R i n t e l e n wisse von allem. Der Bruder Rintelens, ein Grazer Rechtsanwalt, hat seine Verteidigung übernommen. Festgestellt wurde weiters, daß die ungarischen Fälscher, die steirischen ChriMchsozialen und Deutschnationale aus der Tschechoslowaker, vor allenr der gewesene Abgeordnete Dr. Baera«, gemeinsame Pläne verfolgten. Vizekanzler Dr. W a b e r mußte zugeben, daß Dr. Baeran bei ihm zu vermitteln versuchte. Es wurde ein Brief Baerans an den Oberlandesgerichtsrat Dr. R a m s a u e r, der : die Untersuchung führte, gefunden, in welchem Baeran darum ersucht, die Sache geheim zu halten, damit keine Verwicklungen in der Tschechoslowakei entstehen. Baeran dankt Dr. Ramsauer „für sein freundliches Entgegenkommen". Nach der Niederschlagung des Verfahrens gegen Meszarös sind in Wien und in anderen Orten Oesterreichs und der Tschechoslowakei die falschen Fünshundertkronennoten wieder ausgegeben worden. Die österreichischen Behörden haben auch zahlreiche Fälscher verhaftet, Hofrat I m m e nd ö r f e r hat aber bewirkt, daß sie wieder freigelassen wurden. Er hat der Polizei telephonischdenAu ft vagerteilt, jedeweitereVerfolgnng der Angelegenheit einzustellen. Die falschen Noten , sind den Fälschern wieder von der Grazer Polizei ausgefolgt worden. In der Interpellation wird der Bundeskanzler gefragt, ob er bereit sei, wahrheitsgemäß mitzuteilen, wer den Antrag auf Niederschlagung der beiden Strafsachen angeregt, wer ihn beschlossen und welche Einflüsse ihn herbeigesührt haben, und ob er veranlassen wolle, daß alle für ein g esetzwidrigesBorgehen in diesen Strafsachen verantwortlichen Funktionäre zur Verantwortung gezogen werden. In Begründung dieser Anfrage betonte Dr. Eisler, daß es der Grazer Polizei nicht um die Aufdeckung, sondern um die Niederschlagung desVerfahrenszu tun war, dem eine Parodie auf eine Polizeierhebung der Verfolgung von Verbrechern die Konsequenzen zu ziehen wären. Man habe auch aus der Aussage des Gendarmeriedirektvrs Tienel - erfahren, daß die steirische Landesregierung in den Jahren 1919 bis 1921 mit'der damaligen ungarischen' Regierung einen gemei ns a m e n K o n f i b e n t e.n di e n st unterhalten hat.. Das war in einer Zeit, als der blutige Kampf der österreichi-- schen. Gendarmen und Wehrmänner nach blutigen. Opfern leider dazu geführt hat, daß'.die Negierung den bittere u W e g nachVenedig antreten und den Prager Vertrag abschließen mußte. Gerade in diese Zeit fällt die sonderbare Behandlung ungarischer Verbrecher, und es ist eine entsetzliche Aufklärung, die die Untersuchung im ungarischen Parlament uns mit der Feststellung gegeben hat, , daß, unter den Hauptveranstaltern des burgenländischen Bandenkrieges sich derselbe.Mesza.ros,befunden hat, der damals in so hohem'Maße die Gunst österreichischer Stellen genossen hat. Nach der Abolition wurden noch kistenweise gefälschte Noten von Graz nach Budapest gebracht und in der Villa des Prin-en W iudischgrätz verwahrt. Die Tätigkeit dev Wiener Polizei bei der Aufdeckung dieses Verbrechens wab geradezu musterhaft. .Sie hat alles aufgeklärt und das Ergebnis , ihrer Tätigkeit der Staatsanwaltschaft übergeben. Die Oberstaatsanwaltschaft /hat sich damals gegen diesen Skandal einer Abolition zur Wehr gesetzt. Man muß sich nun fragen, wie ein beliebiger Staatsanwalt die Freilassung .der Fälscher beantragen konnte. Redner bespricht nun ausführlich das Vorgefundene Schreiben des Abgeordneten, Baera n, der selbst der Mitschuld an der Banknotensälschung verdächtig war.Dieser hat mit dem Untersuchungsrichter einen Briefwechsel über die Enthaftung, über die, Höhe der Kaution und über die außenpolitischen Wirkungen der gerichtlichen Tätigkeit geführt. Es ist der jetzige Hofrat Ramsauer, ein Mann, dessen Name wegen seiner unerbittlichen; Gemütsroheit verrufen ist. Der damalige Polizeipräsident Schober hat dem Untersuchungsausschuß mitgeteilt,, er könne auf Ehre und Gewissen versichern, daß.er von dieser Abolition nichts gewußt hat und daß er die Abolition nt t t Entrüstung abgelehnt hätte, wenn man an ihn mit einem solchen Ansinnen herangetreten wäre, weil sie mit der offenen und klaren Politik, die er damals Ungarn gegenüber gemacht habe, in einem unüberbrückbaren Gegensatz gewesen wäre. Herr I m m e n d ö r s e r, der Verantwortliche Chef der Wiener Staatsanwaltschaft, erklärte, der Abolitionsantrag sei offenbar im Kopf irgend eines Referenten der Staatsanwaltschaft entsprungen. Vizekanzler Dr. Waber leugnet rundweg eine Intervention. Das Rätsel wird infolgedessen immer unlösbarer. Vielleicht liegt die Aufklärung in dem s o n d e r b a r e n G e schm a ck, den ein paar Politiker eines benachbarten Landes hatten, sich gerade, mit Leuten, die im Kampfe, gegen Deutsch'österreich standen, in derartige verbrecherische Umtriebe einzulassen. Vielleicht haben sie das sogar für eine nationale Betätigung gehalten. Wir haben einen Funktionär der steirischen Heimwehr namens Faul and einvernommen und es hat sich ergeben, daß die Noten des Herrn Huber, 'die ihm die Grazer Polizei zurück-gegeben hat, im Dezember'in Wien mit sehr viel Erfolg verbreitet wurden. Es wurden dabei drei Bankbeamte auf frischer Tat ertappt. Die Bankbeamten beriefen sich auf Fauland, dieser, den die Wiener Polizei verhaftete, sagte wieder, er habe die Noten von Huber bekommen, und Huber, der nach seiner Angabe vor der Grazer Polizei die Noten von einem Manne mit jüdischem Aussehen gekauft hatte, mußte vor dem Untersuchungsausschuß zugeben, daß er sie bei einer gemeinsamen Konferenz mit .Meszarös von einem ungarischen Tei l n-e h m e r zur Besorgung von Waffen erhalten hatte. Auch dieses Verfahren wurde eingestellt, und zwar über telephongrunde lag. sDie ganze Verantwortung treffe den Leiter äeser eigentümlichen Polizeibehörde, Hofrat Kunz in 8raz, dem gegenüber aus seiner ganz ungeheuerlichen Art In Stoffen, Seide, Wracftwaren etc. im Warenhaus 11., Tahorstrasse 48 Telephon 47-? 1*79 Eggros io detail *»

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