Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2578 (27.4.1926)
- Date
- 1926-04-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Tttre 6 _Wien, Dienstag Tapeten Wallis Wien, l„ Wipplingersfrasse 15 / Tel. 67307,69292 -—-M Wir »Ich Hlr jüdisch« Bttchcr fntsrossi«rl j verfangt die kostenlose Zusendung des grossen I Bücherkataloges II Ein VlerteUahri hundert jüdischer I Literatur 1900-1925 herausgegeben von der R. Löwit Buchhandlung!. Rotenturmstr. 22 WIEN I. Fleischmarkt 1 ♦ Der Katalog umfasst alle Zweige der jüdischen Literatur in dem ersten Viertel dieses Jahrhunderts. Dich- I tung und Wissenschaft, Bibel- und Talmudforschung, Geschichte und Philosophie, Schriften zur jüdischen Bewegung und die umfangreiche Palästinaliteratur j (Geschichte, Geographie, Kolonisationsorobleme und j Reisebücher). Durch übersichtliche Gliederung des umfangreichen Materials wird es auch dem Laien ermög- | licht, sich über die Literatur auf allen Gebieten jüdischen Schaffens zu orientieren. Ein ausführliches Vorwort beleuchtet die Zusammenhänge zwischen jüdischer Bewegung und jüdischer Literatur 102 Gratis / Bestellen Sie sofort eine Verordnung herausgegeben hat, daß das Uebergeben von jüdischen Geschäften während der Ostevserertage keineswegs als Rechtsvereinbarung betrachtet werde könne. Aus allen diesen Gründen wird die Finanzdir-Sktion gebeten, ihre Straßrorschrerbumg aufzuheben. Das verunglückte Haller-Girl. Aus einer gestern vor dem Gewerdsgericht stattgesundenen Verhandlung erfuhr man. daß sich am 8. d. bei einer Aufführung der Haller-Revue ein Unfall ereignet hatte. Die Statistin Eva W. wurde von einem heraibfallenden Brette an der Schütter getroffen und nicht unbedenklich verletzt. Im Allgemeinen KranLeichause konstatierte man einen Svlitterbruch des rechten Schultergelenkes. Fräulein W. bat gegen die Haller-Revue eine Kluge auf Bezahlung von 727 Schilling für Gchaltsvückstände, Kündigungsentschädigung, HeMungskostenevsatz und Schmerzensgeld eingebracht. Die beklagte Revue, vertreten durch Direktor Alexaw der, wendete Unzuständigkeit des Geüverbegerichtes ein und bestritt die Verpflichtung zum Schadenersatz, weil die Klägerin sowohl bei der Krankenkasse wie bei der Unfallversicherung angemeldet war. Weiters wurde Selbstverschuldet: gütend gemacht. Der Vorsitzende, Oberlandesgerichtsrat Dr. Götz-Pelz, stellte fest, daß die Klägerin als Statistin eine Monatsgage von 180 Schilling bezog. Bezüglich chrer Gchaltsansprücke kann kein Zweifel bsstchen. da erst kürzlich beim Gswevbegericht ein Urteil evflossen ist, laut welchem Statisten dem SchanspielMsetz unterstehen. Bezüglich ihrer wetteren Ansprüche mutzte sich di« Klägerin zur Zurückziehung der Klage verstehen, da die gesetzlichen Voraussetzungen fehlten. ..Wiener Morgenzeitung Bolkswitt. -er -rach ia »rflaaer Mafchlaeafabrfl- Attien. WrKe« empfivdüche Kursrückgänge. — Unbefriedigende Erklärungen der Verwaltung. — Die erfolgr:ckhe Prager Kontermine. An der gestrigen Börse fand der Kurssturz der Brünner Aktien seine Fortsetzung. Schon za Börseribcgmn zeigte sich soviel Material, daß der Eröffnungskurs, der um 100.000 K. niedriger ft in follic, lange nicht notifiziert wurde. Stürmische Szenen spielten sich ach der Börse ab, welche sich Ln erster Reihe gegen die Länderbank richteten Es wurde dieser Bank vorgeworsen, daß sie sich nicht der Brünner Mien annchmc. Schließlich wurde auch die Börscnkammer an gerufen und gegen die patronisierende Bank Beschwerde geführt. Fm Verlaufe des Verkehrs legte sich die Aufregung, doch bewegte sich der Kurs ach demselben niedrigen Niveau, um schließlich am Schlüsse 467.000 K. zu rwtieren. Diese Aktie hat also bis gestern 'bereits 40 Prozent ihres Wertes eingebüßt. lieber die Ursachen dieses rapiden Kurssturzes gehen die Ansichten auseinander. Es werden verschiedene Vermutungen geäußert. Tatsache ist, daß der Geschäftsgang des Unternehmens schr viel zu wünschen übrig läßt. Die russischen Lieferungen scheinen -in erster Reihe die Schwieri,gketten des Unternehmens verursacht zu haben. Bekanntlich hat die Brünner Maschinenfabrik einen großen Lieierungsvertrag mit Rußland mit langfristigen Krediten abgeschlossen und erhoffte für dieses.Geschäft einen amerikanischen Kredit zu erlangen. Dies ist aber der Leitung der Brülrner Maschinenfabrik nicht gelungen. Die Verluste aus -em russischen Geschäfte sollen enorm ein. Außerdem datieren auch große Verluste aus früheren Jahren, die aber in den Büchern nicht als dubios abgeschrieben, sondern noch immer als Aktiva ausgewiesen wurden und infolgedessen den Eindruck der Ausschültungsmoglichkett einer hohen Dividende erwecken konnten Dem.bisherigen Leiter des Unternehmens, Pauker, wird das Verschulden für dieses Vorgchen zugeschrieben. Die Affäre hat nicht nur in Wien, sondern auch in Prag große Aufregung horvorgerusen. Der Wiener Markt ist aber durch diese Vorgänge besonders schwer getroifen, weil die Prager Kpittermme auf seinen: Rücken ihre Aktionen unternahm. Für die nächsten Tage werden weitere Erklärungen der Verwaltung erwartet. Gestern hatte es den Anschein, als ob die Abwärtsbewegung ihren Kulminationspunkt erreicht hätte. Einzelne Kontermineuresind bereits gegen Börsenschluß mit Deckungen vorgegangen, was eine weitere stärkere Senkung verhindert - hatte. Sie flaue Halluug der sraazöstfchen Frauken. Leichten Schwankungen war der französische Franken ausgesetzt, der ebenso wie ^er belgische abgeschwächt schloß. Der gebesserte Ausweis der Banque de France und die Annahme des Budgets in der französischen Kammer konnten den Kurs nicht halten. Paris schloß in Zürich mit 17,32 gegen 17,40, Brüssel mit 18,35 -gegen 18,40. Die übrigen Kursänderungen waren unbedeutend. Nach den Rückgängen zeigte sich der Leu gestern auf Jnterventionskäufe der rumänischen Regierung und Deckungskäufen der Spekulation ziemlich fest. Es erhöhte sich die Devise Bukarest in Zürich auf 2,02, im Wiener Usancenhandel notierte Bukarest gegen Zürich 2.04 bis 2,05. — Nicht einheitlich lag der Zloty. Besonders stark war die Verstauung in Berlin, wo die Devise Warschau sich von 42,29 auf 40-69 senkte. In Wien fiel der Zloty von 72,25 auf 69,75. 27. April 1926 _Rr. SS9B Mn Arankeristützurigsnppell des Over» rwvbiriers von Feankveich. PEs, 28. April. Ter .Olbervabbincr von Frankreich, Israel Levi, der Mitglied der gesellschaftlichen Kommission für die Franke nstützung ist, hielt in der letzten Sitzung deS Konsistoriums eine Ansprache, in der er die Juden in Frankreich zu-r Mitarbeit an der Aktion für die Stützung des Franken aufvuft. Die Rede wird in allen Synagogen angeschlagen werden. Sie Beherrsch« der Weltfiuanz in Warschim. Reise Montagu, Normans und Strongs nach Polen. Aus Rew-Uork wird uns telegraphiert: Das große Tagblalt „fflotto" meldet, daß der Gouverneur Strang der New-Aorker Federal Reserve Bank anläßlich seiner bevorstehenden Reise ngch London nnd Paris gemeinsam mit dem Gouverneur der Bank von England, Montagu Norman, nach Warschau zu reisen beabsichtige, um hier mit der polnischen Regierung direkt zu verhandeln und die Wirtschaftsverhältnisse Polens uttb des übrigen Ostens einer genalten Untersuchung zu unterziehen. Bei dieser Gelegenheit soll die Stabilisierunng des Zloty mit englisch.amerikanischem Kapital unter der Aegide englischamerikanischer Notemnstitute finalisiert werden. Dieser Reise beider Beherrscher der Weltfinanz wird mit großem Interesse entgegengesehen, da damit die Verbindung der Weltfinanz mit dem Osten angebahnt werden soll. Wirtschajtsnachrichten aus Palästina. Aegyvtische Dabakfirmen interessieren sich für: die Tnbnkindustrie in Palästina. Wie der ,Haaretz" berichtet, weilte Herr Matossian, der Inhaber der größten ägyptischen Zigarettenfabrik, dieser Tage in Palästina, um dort die Möglichkeit für die Gründung einer Zigarettenfabrik in Palästina und den Export palästinensischen Tabaks nach Aegypten zu studieren. Matossian besuchte die Tabakmagazine in Jajwneol, Sedjera und die Zentralnragazine der Vereinigung der Mischert Tabakzüchter in MAvch Israel und Rischon-le- Zion. Hebung des Judex an der Wiener Börse. In der Zeit von Mitte März bis Mitte April war mf dem Aktienmarkt sine leichte Belebung der Geschäftstätigkeit zu bemerken, die sich, wie die ,-Statistischen Nachrichten" stststtllen, in einer Hebung des Kursnivleans in den meisten Gruppen der an der Wiener Börse gehandelten Aktien cmsdrückte. Der Aktienindex erhöhte sich in dem genannten Züitrcvum um 4 Prozent, doch mir die Steigenmg in einzelnen Gnippen wie Transport, BvMereien, Elektrizität noch stärker. Es betrug nämLich die Weigerung bei den Gruppen: Transport 18,2 Prozent, Bau und. Baumaterialien 5,5, Brauereien 12,7, Eisen nnd Metalle 2,8, Glektrtzität 14Ä .Maschinen und Waggons 9,4, Papier und Druck 0,6 nnd Diverse 4,1 Prozent. Bei der Gruppe diverse BerAverksbettiebe ergab sich keine Aenderung, bei der Gmppe Banken ein Rückgang «m 2,6 Prozent. Bedeutende FortschMe hat in der angegebenen Zeit die Kursbesftrung auch bei Renten rmd Obligationen gemacht, wie die nachfolgenden Meßz'ilffern (M4 Mch 1) zeigen. Cs stiegen österreichische Goldrente von 601 im März auf 878 im Llipril, iKwnenrente von 39 auf 69, Eisettbahnstaatsschüldverschreibmgen von 374 auf 556 und vom Staat übernommene Eifenbahupricwttätsobligationen von 816 auf A4. Copyright 1926 Nachdruck verboten by Joseph Opatovsky, New York (*. Fortsetzung) Roman eines Pferdediebes. Von I. Opatofchu. (Autorisierte Uebertragung von Siegfried Schmitz.) Chanes Antlitz wurde feuerrot; die Arbeit entsank ihrer Hand'. Aengstlich und ratlos blickte sie umher. Auf das Geräusch der Schritte fuhr der Hund mit >wütendem Gebell zur Tür. Chane, die eben noch ratlos ntit gerötetem Gesicht dagestanden war, lief bleich dem Hund' nach, Packte ihn bei den Ohren und verschwand mit ihm durch die Küche. Die Tür ging aus. Mojsche „Kopf", ein großer hagerer Jude, trat ein. Aus seinem langen Leib saß ein winziges Köpfchen, an dem ein dünnes Ziegenbärtchen hing. Der kleine, fast halslose Kopf war zwischen den hochgezogenen Schultern kaum zu sehen; hätte nicht ein Paar schwarzer Augen hevoorgeleuchtet, so wäre von dem Kopf nichts zu merken gewesen. Hinter Mojsche trat Berek ein, die Augen geftnkt, die Hände in den Hosentaschen, den kleinen Filzhut in den Nacken geschoben. „Gute Woche! Gute Woche!"*) „Gute Woche...! WMommen...! Slazel kommt.. .!**) iöaä für Gäste!" riefen Schlojme und Tirza zugleich. /-Gesegnet Euer Eintritt; nehmt Platz!" Mojsche setzte sich nieder, holte tief Atem und wischte umständlich die schweißbedeckte Stirn mit einem roten Taschentuch. Berek war ganz verwirrt, wurde rot, zog einen Stuhl herbe:, besah ihn aufmerksam. blieb stehen und zog verlogen mH einer melkenden Bewegung zweier Finger an seinem linken Schnurbartende. *) Die Grus; und Wunsch formet am Sabbatausgang. **) Eine nur voll Frauen angswendere Grußformel, deren Etymologie unvlar ist. „Na, und du, Sanwel", begann Mojsche >das Gespräch, „unberufen, ein Riefenlackel!... Psss!... Was macht man?" ,/Man macht Bewegung!" erwiderte Sanwel lächelnd. „Und wo ist die Braut?" fragte Mojsche. „Die Braut schämt sich und ist auf und davon", antwortete Schlojme lachend. „Tut nichts! Ein jüdisches Mädchen soll sich schämen! Ich habe meine Frau — sie ruhe in Frieden — vor der Hochzeit überhaupt nicht zu Gesicht bekommen; und doch .— allen Juden wünsche ich eine so glückliche Ehe, wie meine ivar." Tirza reichte Likör, Tee uut Zitrone, Flinse. Die Gesellschaft nahm ein paar Gläschen, wurde lebhafter und rückte sich bequemer auf ihren Plätzen zurecht. „Und die Braut ist noch immer nicht da?" fragte Mojlsche ,LoPf" vergnügt, während er ein Gläschen Branntwein hinuntergoß. „Reb Mojsche", begann Tirza mütterlich stolz, ,Dr könnt mirs glauben: Euer Berok wird nicht angeschmiert. Der Dajan*) Reb Schmaje brauchte sich einer solchen Tochter nicht zu schämen." „Was geht mich Schnraje an?" unterbrach Schlojme ärgerlich seine Frau. ,/Schlojmes Tochter ist genau so vornehm wie die des Schmaje!" ,Bewiß, gewiß", bekräftigte Mojsche brmmnend; dabvi nahm er eine mächtige Prise und traf alle Vorbereitungen zu kräftigem Nreßen; doch es half nichts — gerade diesmal wollte die Nase nicht. ,Mun, Schlojme", setzte Morsche nach dem mißglückten Nießvevsuch fort, ,/es wird spät. Zur Sache!" ,Matürlich, warum nicht?" antwortete Schlojme. ,Mi« steht es mit der Mitgift?" ,-Later, wir haben vereinbart, daß du dich da nicht hineinmischst!" fiel Bereit dem Vater ins Wort. „Reb Schlojme wird tun, tvas recht ist!" *) Richter, Beisitzer des rabHinischen Gerichtes. ,Micht, nicht!" entgegnete Mojsche. Menu es dir recht ist;, mir kann es sicher recht sein! Ha, ha, ha! Zum lachen, so wahr ich lebe!" ,^ch hab's immer gesagt: Berek ist ein guter Junge!" warf Schlojme lächelnd ein. „Stowt, Berek, du stehst schon wie aus Nadeln; es schleppt dich doch zu Ghana. Sei so freundlich, geh' sie suchen. Wir werden hier schon fertig werden. Ich weiß ja, wo dich der Schuh drückt. Bin doch selber auch einmal Bräutigam gewesen! Tirza, du hörst dock) nicht zu; aber gestch' — hast doch ein bischen Schnsucht nach mir gehabt? Ha, Ha, ha!" ,Mh' geh', du alter Mrr!" wich Tirza lächelnd aus. Berek warf Schlojme einen dankbaren Blick zu und eilte aus dem Zimmer. Spät bei STacht begleiteten Schlojme und Sanwel den Bräutigam und seinen Vater mch Hause. Ms sie zuvückkamen, ging Schlojme ins Zimmer, Sanwel aber in den Stall, um dort die ,Hexe" zu erwarten. Im Stall war es ganz still. Die Pferde lagen auf dem Boden und schlieifen mit gesenkten Ohren. Eine Vermuchte Laterne sandte ein wenig Licht in den Stall; ihr dunkler Schein siel auf die Pferde, deren Bäuche sich wie Blasbälige hoben und senkten. Müde setzte sich Sanwel aus eilt Bund Stroh und versank in Gedanken. Sie kreisten hauptsächlich um Mojsche; er sah eine hohe schwarze Stange mit einen: kleinen Köpfchen aus der Spitze, dann wieder ein Böglein mit ausgebreiteten Flügeln aus einem hohen Baum ohne Aeste rmd Zweige. Er streckte sich auf dent Stroh aus. Da kam ihn: plötzlich der Gedanke, er selber sei heute der Bräutigam gewesen; eben sei der Berlöbttisvertrag unterschrieben worden . , . Und er sah Rachel vor sich, schlafend, das Haar gelöst ... Da ist doch Elje Wilner mit seinem langen Schnurrbart ... nnd das ist sein Mädel, sein Mädel, Mä... Gortsetzung folgt.)