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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-26 · Heft 2577 (26.4.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2577 (26.4.1926)
Date
1926-04-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Mt f W«i>. Moni«« «o&Hifientng der Kräfte! «atft Monismus? Was ist feine Grundläge? Bon S. ReMtfch (PariS). Zionismus ist vor allem Auflchnuug gegen alle Werte der Gatukh, gegen alle jene Werte, mit denen die Galuch sich oi&fiirbct. die sie anerkennt. Zionismus ist Auflehnung gegetr jetten Geist, der die Seele des Voltes, seine Lehr«, seine L'tterndur der Gakich angepaßt hat, ist Empörung gegen alle Missionsideer^ die kluge Leute erfanden, um die Gcckuth zu rechtfertigen und zu adeln. Zionismus bedeutet Kampf gegen Assimilation, Kampf gegen Verleumdung jüdischen Volkstums in der Galuch, Zionismus bedeutet Weitung jüdischen Geistes, Mchrung seines geistigen Eigentums, seiner Sprache, welche die Grundlage der Erlösung ist. Aber die Krönung des Zionismus ist das lebendige Voll m seinem Lande, im Lande der Väter. Mit Windesschnelle näherte uns der Weltkrieg unserem Endziel, als noch das Volk unvorbereitet war. So standen wir vor der Frage, wie wir mit dem Aufbau des Landes beginnen sollten, um unseren Ideen Wirklichkeit zu verleihen. Der Weltkrieg hatte auch das Der im Menschen erweckt, den Antisemitismus in Ost- und Mitteleuropa, und zitternd und niedergeschmettert standen die Führer der Assimilation vor diesem Schreckgespenst. Das Schiff der Assimilation schien zu sinken. In dieser Zeit der Furcht und des Schreckens schien es, als seien sie uns näher gekommen, als hätten sie endlich ein,gesehen und begriffen, daß wir im Rechte waren. Mußten wir nicht die ausgestreckte Hand ergreifen? War es nicht notwendig, Frieden zu schließen? Im Zeichen dieses Friedens mit der Assimilation stand die Londoner Konferenz im Jahre 1920, die bald' nach San Remo zusammentrat. Und als damals Männer auftraten und sagten, baß auch jetzt noch zionistische Propaganda notwendig sei, da hielt man ihnen entgegen: wozu Zionismus? Palästina wird von allen anerkannt, auch vor: unseren Gegnern von gestern. Und dem, der an die künftige Auferstehung seines Volles in seinem Lande glaubt, dem sei alles verziehen, mag er Mch die jüdische Nation in der Galuch verleugnen. Unsere Propaganda ging in den letzten Jahren nicht aus von einer weltanschaulichen Konzeption, sondern von den Bedürfnissen Palästinas und des Siedlungswerkes. Auf den Tribünen erblickte man Delegierte der Fonds, aber nicht mehr Repräsentanten der Zionistischen Organisation. Nalionalfonds und Keren Hajessod riefen die Vollsmvssen aus zur Hilfe am Aufbauwerk, und es muß gesagt werden, daß die breiten Massen des Volles erkannten und begriffen, welche ungeheure'Ausgabe aus ihren Schultern lastete. Wenn aber die Männer ans den „Oberen Schichten", aus den Kreisen der Assimilation, chr Schsrflein beitrugen, so waren es nur Groschen ün LechAtnis zu dem, was zu leisten ihnen möglich gewesen wäre. ES schien bald, als hatten die Menschen jenes Lagers sich wiedergesunden, als beteten sie wieder ihre alten Götter an. Für sie war der Aufbau Palästinas niemals der Bau des künftigen jüdischen 'Staates. Er Web für sie eine SiedlungLgs.'egenheit für einige Lausende hungernde Glaubensgenossen jn Osteuropa. Sie gaben Almosen — und was kann man fiir Almosen fordern? Und nun, nach fünfjähriger Pause, in der die zionistische Voll- Propaganda ruhte, treten wir erneut vor das Voll und entrollen vor ihm die ganze, die reine zionistische Fahne. Wir bringen ihm den Zionismus, der lebt und kämpft, die zionistische Weltanschauung, für die es nur ein einiges jüdisches Volk in allen Teilen der Welt gibt, ein Volk, geeint in Sprache, Kultur und geistigem Besitz, geeint durch seine Hoffnung aus Erlösung. Wir rufen die ölten Streiter aus, sich zu sammeln und in die Reihen zu treten, wir rufen sie auf, das Volk zu organisieren und kampfbereit zu machen. Wir fordern Leistungen für das Werk unsrer Sprache und Literatur^das in den letzten Jahren vernachlässigt wurde. Wir werben neueMenschen, daß sie unsere Rechen stärken und unserer Ideale teilhaftig werden mögen. Der Zionismus allein ist Garantie für tveue Bewahrung unserer Freiheitsideale. Wir kommen zum Volk im Namen des Landes, in dem in kurzen Zwöeitsjohren Wunder vollbracht wurden, im Namen des Landes, das für Israel in seiner Diaspora zu einer Quelle des Trostes wurde. Der Tau auf den Feldern Kirjath Anawim, auf den Bergen von GMoch und aus den Hängen von Kinereth, er erquickt das jüdische Volk mit neuem Lebensmut, er füllt das entleerte Gesäß mit neuem Inhalt. Im Namen des Landes und derer, deren Schweiß es benetzt, kommen wir zu euch und fordern auch materielle Opfer, ohne die das Riesenwerk nicht zu Ende geführt werden kann. Wir rufen zum Kamps, zum Kamps gegen die Assimilation in allen chren Erscheinungen und Formen! Wer ist es denn möglich, mit der einen Harrt, zu bauen und mit der anderen zu kämpfen? Es ist schwer, aber es ist möglich. Denkt an die alten Zeiten, von denen es heißt, daß ein jeder Mann Jbie eine Hand am Werke halte, während die andere das Schwert hielt". Ja unser Kampf ist ein Kampf für den Zionismus urrd gegen die Assimilation, und er ruht nicht, bis wir endgültig gesiegt haben. gntrufivere Arbeit der Klar sör «Mftina. Errichtung einer ZwMtelle in «res Israel. Aus New - Aork wird uns berichtet: In der in der vorigen Woche abgehaltenen Jahresversammlung -er jüdischen Einwanderungsgchllschaft.Hias hielt der Präsident' John L. Bernstein ein eingehendes Referat über die ausgedehnte Arbeit der Gesellschaft im abgelaufenen Berichtsjahre. Den wichtigsten Punlkt -es Berichtes bildet« die Mitteilung, daß die Hias 'beschlossen habe, fortab im Einvernehmen mit der Zionistischen Organisation die Tätigkeit aus dem Gebiete her Einwanderung nach Palästina anfzu nehmen und intensiv zu betreiben. Schon in der allernächsten Zeit wird eine Delegation nach London und Palästina fahren, um dis Errichtung einer eigen.:« Zweigniederlassung in Palästina in tzie Wage zu leiten, __Wiener Morgenzeitung_ Sämtliche europäischen BureauS der Hias sind bereits beauftragt, dcnPalastinawanderern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, während die in Amerika tätigen Amtsstellen der Gesellschsiaft, lxm amerikanischen Juden, die ihre Verlvandten -nicht nach Amerika bringen können, die Möglichkeit bieten werden, diese in Erez Israel anzusiedeln. Tie Mitteilung des verdienstvollen Präsenten wurde von den zahlreichen Anwesenden mit großer Begeisterung ausgenommen. Hingegen wurde mit Bedauern zur Kenntnis genommen, daß Mr. Bernstein sich aus privaten Grund:» gezwungen sehe, eine Wiederwahl zum Präsidenten des Dircktoriums äbzulchnen. Zum Schlüsse wurden folgende Herren ins 'Direktorium der H'ias gewählt: Dr. B. B. Berkowicz, John L. Bernstein, Max Blumberg, Harry P. F ü r st, Israel F r i e d! t it, Adoss He 4 d, A. S. Lev i n- Epste i n, Harris Line; ky, Rabbiner R. M a r g u l i e 8, Jakob M a s e l, Max M c y e r s o n, Nathan S ch o n f e l d und Abraham I. Spiro. Nie dritte Weltkonlerenr des Hechaluz. Von Jehofchua Vierer. Vom 21. bis 28. März 1926 tagte in Danzig nach dreijähriger Pause die dritte Weltkonferenz der Hechaluz- Organisation. Es erschienen zur Konferenz Vertreter folgender Länder: Polen, Galizien, Rumänien, Litauen, Deutschland, Oesterreich, Tschechoslowakei, Amerika und Rußland. Außerdem entsandte die Zionistische Exekutive als ihren Vertreter Herrn Israel Cohen und die allgemeine Arbeiterorganisation Palästinas die Herren Ben Gurion und Arlosorofs. Nach der Eröffnungsrede und den Begrüßungsansprachen folgten die drei besonders ausführlichen Referate von den Herren Ben Gurion, Arlosorofs undLabenkin über „Die Lage in Palästina und die Aufgaben des Hechaluz". Während die beiden elfteren ein ausführliches Bild von der Lage in Palästina entwarfen, bemühte sich der letztere aus den angeführten Tatsachen die Konsequenzen zu ziehen. Ben Gurion wies auf Grund der Entwicklung und an Hand von genauen Statistiken auf die große Bedeutung der Histadruth in dem Aufbauwerke Palästinas hin und betonte, daß wenn auch die Landwirtschaft und die nationalen Wirtschaften das Rückgrat der Organisation und des ganzen nationalen Aufbaues find, der C h a l u z dennoch die Pflicht hat, die verschiedenen andern Arbeitszweige (so zum Beispiel die Eisenbahnarbeiten) zu erobern. Er wie Arlosorofs kamen zu dem Schlüsse, daß nur eine Massenbewegung die Möglichkeit hat, die großen Aufgaben des nationalen Aufbaues zu lösen und nur als eine solche kann der Chaluz seiner ganzen Aufgabe gerecht werden. T a b e n k i n wies insbesondere auf die Wichtigkeit der Kibuznn im nationalen Aufbaue hin und forderte eine konkrete Arbeit in dieser Richtung. Aus der Diskussion wären die Reden der Vertreter Rumäniens und O e st e r re i ch s hervorzuheben, die» wenn sie sich auch gegen eine Massenbewegung nicht aussprachen, dennoch die Forderung stellten, daß mehr auf die Qualität als auf die Quantität der Chaluzim zu achten sei. Hierauf folgten die Referate: „Die Grundlagen und der Rahmen der Bewegung" von Bogdanowski. „Der Hechaluz und die Jugend" von Ornftein und „Der Hechaluz und die Produktivierungsbewegung" von Dobkin. Im ersten Referat schlug Bogdanowski vier grundlegende Programmpunkte für eine ganze Reihe weiterer Thesen vor. Jn der lebhaften Diskussion, in der um das Minimal- oder Maximalprogramm gekämpft wird, erlangt schließlich der Teil die Oberhand, der hervorhebt, daß die weite Basis des Erez Israel Haowedeth als Grundlage gelten müsse. Schließlich werden als Minimal.f ordern ngen folgende vier Punkte angenommen: 1. Selbstarbeit, 2. Kenntnis der hebräischen Sprache und Kultur, 3. Zugehörigkeit zur Histadruth in Palästina, 4. Mithilfe bei der Sammeltätigkeit für die Fonds der palästinensischen Arbeiterschaft, während alle anderen Thesen zur Einsicht der neugewählten Leitung überlassen werden. Jn dem nächsten Referate, das eine der zentralen Fragen der Konferenz behandelte, versuchte Ornstein die Grenzen zwischen Jugend und Chaluzbewegung zu ziehen und ihr Zusammenwirken ,;u zeichnen. Er betonte insbesondere, daß die Chaluzbewegung eine Erziehung und Kulturbewegung sein müsse. Er schlug auch konkrete Vorschläge zwecks Regelung der gegenseitigen Beziehungen vor, was besonders für Polen, wo die Beziehungen in der letzten Zeit sehr schlecht waren, von großer Wichtigkeit ist. Er betonte ferner, daß der Hechaluz, der die Aufgabe hat, alle Jugendorganisationen zu unterstützen und in den Bann seines Einflusses zu bringen, nicht das Recht hat, cme von ihnen (Chaluz Hazair) ungerechterweise vorzuziehen. Jn der Diskussion war dieses Referat das umstrittenste der Tagung, doch wurden schließlich seine Anträge nach mehreren Aenderungen angenommen. Im darauffolgenden Referate erläuterte D o b k i n an Hand von Zahlen und Statistiken, welch große Bedeutung der Hechaluz in der heutigen Pro dukkivierungst ä t i g k e i t im jüdischen Volke einnimmt. Es verwunderte alle zu hören, in welch krassem Gegensätze dazu die Förderung und Unterstützung dieser Arbeit des Hechaluz durch die Organisationen uub Gesellschaften der Produktivierungsbewegung steht. So hat zum Beispiel der Hechaluz vom „O r t" ein Zwanzigstel eines Prozents aller von ihm verausgabten Unterstützungsgelder erhalten. _26. «M 1926_Rr. 2m Di« einstimmig gefaßten Resolutionen, wie auch dir darauffolgende notwendige AufklärungS- und Propagandaarbeit durch die neu gewählte Leitung, werden hoffentlich dazu führen, daS Verhältnis aller betreffenden Organisationen zum Hechaluz zu ändern. Den Höhepunkt der ganzen Tagung bildete die zweiunddreißig Stunden ununterbrochen andauernde Sitzung, die reich an schweren Zusammenstößen, beinahe eine Sprengung der Tagung herbeigeführt hatte. Der Umstand, daß ein Großteil der Anträge ungeklärt und direkt an das Plenum gelangte, besonders aber die heikle russische Frage waren die unmittelbaren Ursachen. Jn Rußland gab es bisher zwei Chaluzorganisationen, von denen nur die legale (nämlich die von der Sowjetregierung anerkannte), von der Weltorganisation anerkannt war. Alle Vereinigungsbestrebungen beider Organisationen (deren Mitgliederzahl 17.000 beträgt), schlugen bis jetzt fehl. Man hatte gehofft, die Vereinigung bei der jetzigen Tagung herbeiführen zu können. Doch waren die Vertreter des legalen Hechaluz nicht erschienen. Sie bekamen von der Sowjetregierung nicht die Erlaubnis zur Reise und ihre Leitung wurde laut den letzten Meldungen aus bisher unbekannten Gründen verhaftet. Man einigte sich schließlich darauf, auch den un-legalen Hechaluz, dessen Vertreter erschienen waren, anzuerkennen, ab-er Ben G u r i o n forderte, daß sie bei dieser Konferenz auf ihr Stimmrecht verzichten. Die Vertreter aus Rußland, die überdies aus ihrer Herreise große Gefahren auszustehen hatten, anerkannten die Gerechtigkeit dieser Forderungen nicht und die Konferenz erteilte ihnen mit Mehrheit das Stimmrecht, worauf Ben Gurion -die Konferenz zu verlassen drohte. Schließlich gelang es, die russischen Vertreter zu bewegen, auf ihr Stimmrecht zu verzichten. Ben Gurion und seine Anhänger begnügtest sich damit nicht, und forderten nochmalige Abstimmung. Die Mehrheit stimmte dem nicht zu und Ben Gurion verließ die Konferenz. Dies war einer der schwierigsten Momente der Konferenz. Nach langen Bemühungen wurde folgende neue Leitung gewählt: Bogdanowski, Tarka k owe r, Do bkin, Gottheilf, Tabenkin und Haft. Die dritte Weltkonferenz des Hechaluz hat, wenn sis auch nicht alle an sie gestellten Hoffnungen erfüllt hat, dennoch die wichtigsten Fragen gelöst und damit ein schönes Stück Arbeit geleistet. Sie hat das M i n i m a l- Programm, lvie auch ihre Stellungnahme zur Jugendbewegung festgelegt; sie hat der russischen Frage eine vorläufige Lösung gegeben, sie hat klare Forderungen an die Organisationen und Gesellschaften der Produktivierungsbewcgung gestellt und schließlich hat sie dem bisherigen Zustand ein .Ende gesetzt und eine arbeitsfähige Leitung gewählt. 8er Hskenkreuzkrieg gegen Zote. Das Urteil gegen die Erfurter FriedhofsschLnder rechtskräftig. Der Erfurter Oberstaatsanwalt hat die von ihm gegen dar Urteil des Erfurter großen Schöffengerichtes im Friedhoföschäniderprozeß eingelegte Berufung wieder zurückgezogen. Das Urteil, welches gegen die ehemaligen Wiking- 'bündler Laudien und Bartholomä auf je zweieinhalb Jahre Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust, gegen den dritten und jüngsten Mittäter Seidenstücker auf eineinhalb Jahre Gefängnis lautete, dürfte sonach Rechtskraft erlangen. Wieder zwei jüdische Friedhöfe geschändet. Eine Meldung der „Stettiner Abendpost" aus Kallies besagt: Ein Akt unglaublicher Roheit und Gemeinheit wurde auf dem israelitischen Friedhof verübt. Eine Anzahl Gräbmäler und Schmuckstücke sind zertrümmert worden und mehrere Grabstätten völlig verwüstet. Ein in der Nähe des Begräbnisplatzes wohnender Arbeiter erkannte als die Täter die Musiker Heyn und Fritz. Der Vorstand -der jüdischen Gemeinde erstattete daraufhin sofort Anzeige bei der Polizei, die das Strafverfahren in die Wege leiten wird. Das Israelitische FamilieMalt" in Hamburg meldet: Erst jetzt hört man von einer Friedhofsschändung, die schon Ende März in einem süddeutschen Orte stattgefunden hat. Es handelt sich um das Städtchen Pflauml o ch. Auf dem dortigen israelitischen Friedhof wurden nachts achtzehn Grabsteine umgestürzt, von denen sechs zwei- bis dreifach gebrochen sind. Bei zwei Grabsteinen sind sogar die Steinsockel ausgehoben worden. Die Verwüstungen sind von elf Schülern der evangelischen Volks schule, Knaben und Mädchen von elf bis vierzehn Jahren, verursacht worden. Die Kinder hatten die steinerne Mauer des geschlossenen Friedhofes überstiegen, um im Friedhof Immergrün für di« Kränze zur Ausschmückung der Kirche anläßlich der Konfirmation zu hole«. Ein Knabe hatte bei dieser Gelegenheit mutwillig vier Steine umgewovfen und -dadurch di« anderen Kinder zu weiteren Zerstörungen angerrizt. Die Kinder haben bei der Vernehmung durch den Landjäger erklärt, daß es alter Brauch sei, vom jüdischen Friedhof Immergrün zu holen. Die Kinder haben sämtlich das strafwürdige Alter nicht erreicht, so daß nur zivilrechtliche Verfolgung der Angelegenheit in Frage kommt. Pflaumloch gehört zu den ältesten Judensiedlungeu in Württemberg. Die Gemeinde kann auf eine ununterbrochene vierhundertjährige Geschichte zurückblicken. Bereits 1487 tvevden Waumlocher Juden genannt, die in dem Wallersteiner Gebiet unter bent Schutze der Grafen von Dettingen lebten. Im Jahre 1806 zählte die Gemeinde 48 Familien. Sie ist seitdem unaufhörlich kleiner geworden, so daß 1699 nur noch sieben Familien dort wohnten. Jetzt wohnt kein Jude mchr im Orte.

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