Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2575 (24.4.1926)
- Date
- 1926-04-24
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2575 Kien, La ms tag Wiener Morgenzeilung 24. April 1926 Lette 5 Hätte alle dich Anträge als im Rahmen einer Geschäftsorbnungsdebatw nicht zulässig. Mitilerweise war es 7 Uhr abends geworden, woraus dem C&nkutu nichts anderes übrig blieb als die Sitzung zu sch'irßen nn-d die nächste Sitzung auf heute vormittags anziiEeraumcn. An« dem Wiener Semeindeeoi. Di« Lustkmkeitssteuer wirnicht ermäßigt. — Zusammenbruch der sozialisierten Betriebe. In der gestrigen Sitzung des Wiener Gcmemdrates braniru.gte Ltadtrat Kokrida, daß sich die Gemeinde Wien bereit erklären solle, von der gemciuwirfschaftlich.u: Anstalt Hoi;- ma r!t dir in Kaiserebersdorf gelegenen Banrechtsgründe mit den darauf befindlichen Anlagen dar .Holzmarlt G. W. A. zu pachten und in den Betrieb der Gemeind: zu übcrivchmen. Die Gemeint Wien wird bei der N r ede röst e r re i ch is ch e n Eskomptegesellschast bahnt wirken, daß das tarn Holzmarlt gewährte Darilehen tont die bis 31. Dozenrber 1925 ausgolaufenen, nicht beglichenen Tarlchen erhöht und während der Pachtdauer nicht gekündigt wird. An Stelle des Pachtzinses übernimmt die Ge« inenide Wien die Verrichtung, an die Niedsrüsterreichische Wlomptegesellischast die BcrzkMng für das dem Halzmarkt G. W. öl. gstvÄhrte Darl'chen von rund 65.000 Schilling unmittelbar zrr leisten. Stadtrat R rr nt nr e I Hardt (christlichisoziall) fichrte in einer schr scharfen Polemik aus, daß alle in der Zeit nach dem Umsturz unter der sozialdemokratischen Aera entstandenen tzazialisicrtcn Betriebe abgeLvirlschast haben. Das J'nldustrmverk n: Fischamend wurde eckedigt, .das Wasserkraftwerk I :ii m e nau mußte von der Newag übernonruren werden und in den letzten Tagen haben Wir Lu Schlußakt des Trauerspieles Arsenal erlebt. Für die nächsten Tage ist das Erscheinen einer B r o s ch ü r c angekündiigt, die ein der isozraldenwikratischen Partei einst nahestchender Mann Herauszuge beu beabsichtigt und tu der die skandalösen Zustände das Betriebes Arsenal der Oeffmtlichkeit bekann-tgegsben werden sollen. — Stodtral Brei.tu er: Kcrnmt auch sine Brchchüre über Wollersdorf? In einer längeren Rede erwiderte Stodtrat B r e i t n e r, daß die gomeinwirtschafttiche Anstalt seinerzeit mit Zustimmung aller Parteien gegründet wurde, in der Absicht, Wien zu einem Holguinschlageplatz zu machen. Dieses Ziel konnte bisher nicht erreicht werden. Die Gemeinde Wien glaubt dennoch, den Plan verwirklichen zu können und will durch Uebernahme des Nnlernchmens noch einmal den Versuch zu seiner Durchführung Miternchanen. Der Antrag wurde schließlich gegen die Stimmen der Opposition angenommen. Ucbcir Antrag des Referenten wurde beschlossen, das Dreamilaitd-Terrain auf der Hohen Worte zur Errichtung eines Bades alltzrckattfeu. Zn Beginn der Sitzung brachte Gsmeinderat Zimmer! (chvistlichfostal) einen D r i ngl i chk e r ts a n t rag, ein, wonach die Gemeinde in Anbetracht der schlechten wirtschaMichen BerhAtnisse aufgofoUdert wirb, eine Herabsetzung der städtischen Steuern, insbesondere der L u st b a r k e i t s st e u e r, VovzuneHnren. Anlaß zu dichnn Antrag bot das Gerücht, daß das Derby wegen allzuhoher Besteuerung'- abgesagt werden müsse. Dadurch würden Tanse-nde von Arbeitern um ihren Verdienst koinimen. Dom Antrag wurde einstimmig die Dringlichkeit znerkannt. Stadtrat Br-eitner srklärte, eine Ermäßigung der Luslbavkeitssteuer für Pferderennen könne nicht in Frage koMnen, da der größte Teil der Steuer von den Totabisateurgebühren dom Bund zufließt. Der Antrag wurde vou der Mehrheit abgelehn t. KIne Wiener Preffefehde. Die „Arbeiter-Zeitung" hatte gestern in einem längeren Artikel aus dem Verhandlungsbericht über den Fall Oskar Pöffl die Behauptung übernommen, -daß die Inhaber des „N cuot Wiener Jouru al" nach dein Zusammenbruch der Depositenbank von den Banken des Garantiesyndikats die AuSsolgiung einer Einlage, von mehr als sechs Milliarden erzwungen hätten. Das „Neue Wiener Journal" sendet uns eine in seiner heutigen Ausgabe erscheinende Erklärung, in welcher es heißt: „Das „Nene Wiener Journal" legte nach der Haflungserklärnng der Wiener Großbanken vom 6. Mai 1924 0,5 Milliarden sourrs Besitzes bei der Depositenbank ein, sicherte sich aber noch durch eine SpeMlhastunig zweier Großbautdirekdoren seine Einlage. Das „Neue Wiener Journal" erhielt daraufhin, wie alle Einleger nach dem 5. Mai 192-1, fein eingelegtes und ihm gehörendes Geld zurück." Weiters wird mitgeteilt, daß der HerausgÄier, Herr Lippowitz, sich zu dieser Zeit auf einer IMcmbSreise befunden habe. Schulter an Schulter. Das östvrvöichische Bundesheor in deutschen Uniformen. Die österreichische Wehrmacht bekommt noue Monturen. Um einem dringenden Bedürfnis abzuhelfen, wenden die bisherigen so.ldgrünen Uniformen gegen neue feldgraue n a ch deutsche m M n st e r umgetauscht. Die Hose wird ebenfalls nach deutscheul Muster eiscngrau sein. Nur der Zuschnitt der Monturen wird österreichisch bleiben, das heißt cs bleibt bei der Bluse. Den deutschen Feldrock können sich jedoch Ossi ziere für außerdienstliche Ztvecke anfchassen. Auch auf die äußere Ausstattung hat man nicht vergessen. Sie wird, um die Unwiderstehlichkeit der Uniformträger zu erhöhen, etwas lebhafter lverden. Die Generale erhalten eine neue K rage n st i cke r e i mit roter Einfassung, außer Dienst dürfen sie sogar wieder die roten Lampafse an den Salonhosen tragen. Tie Generalstäbler bekommen eine mattsilberne Stickerei und karmesinrote Distinktion und schließlich -dürfen auch die P e n s i o u l [t c n bei festlichen Gelegenheiten wieder Uniform anlegen, doch müssen sie als K.uiuzeich'u i'tres inaktircu Süi'bes ein maH'Uornös Bärtchen um das Rangsabzeichen auf der Achselklappe tragen. Tagesbericht. 8io« stifche« Landeskomitee kür Sefterreich. Heute um halb 8 Uhr abends aus Anlatz der Isar- Aktion zionistischer Meeting. in den Olympiasälen, 1. Bez., Rotgasse. Sprechen werden die Herren: Oberrabbiner Dr. H. P. Chajes, Mitglied des Zionistischen Aktionskomitees; Oberbaurat Ing. Stricker, Mitglied des Zionistischen Aktionskomitees; Dr. Desider Fried mann, Präsident der Zionistischen Landesorganisation für Oesterreich; Jehoschua Vierer; Dr. Z. F. Finkelstein; Kultusvorsteher Dr. Isidor Kl ab er; Dr. N. S p i tz; Dr. Chaim Tartakower; Wilhelm W e i n be r g; Bezirksrat Dr. Georg Weiner. Juden, erscheint in Massen! Bekundet eure Zugehörigkeit zum jüdischen Volke und seiner Renaissaneebewegung. Eine Monat-giar.Feler. Im Londoner Bureau der Exekutive. Aus London wird uns geschrieben: Am 1. Jjar versammelten sich die Mitglieder der Exekutive sowie die Beamten und Angestellten der Zionistischen Bureaus in London im Sitzungssaal der Exekutive zu einer gemeinsamen Feier. Tr. Eder, der den Vorsitz führte, sprach in einigen einleitenden Worten über die Bedeutung der Jjar-Kampagne, die alle Teile der Bewegung in einem gemeinsamen Werke vereinen und auch nach außen eine machtvolle Demonstration des zionistischen Gedankens darstellen solle. Dr. Feiwel würdigte die Leistungen des technischen Personals der ExeÄrtive, durch dessen aufopfernde Arbeit während des Vorbereitungsmonats es allein ermöglicht wurde, dem Gedanken det Organisationsmonats Resonanz zu verschaffen. Worte des Dankes an die Mitglieder der Bureaus sprach auch der Leiter der Jjar-Aktion, Herr Felix R o s e n b l ü t h. Im Namen der Beamten und Angestellten dankte Herr Israel C o h en für die ihnen gezollte Anerkennung. Der 10. Todestag Scholem Aleichems. Heute, den 10. J-jar, sind es nach der jüdischen Zeitrechnung zehn Jahre, seitdem Scholem Alejchem der . Tod die Feder aus hier Hvriv nahm. Er starb fern von dam östjüdischen Städtchen, das durch seinen Namen täglich berühmter wird, ohne daß es auf der Landkarte zu finden ist, von Kasriliwike. In der großen DeperMnce des jüdischen Ostens, in New-'Iork, hat mant ihn zu Grabe getragen und die Nachricht, daß unäbsehbare Menschenmengen seinem Skrge folgten, war kein amerikaWischer Bluff. Es ist kein Trost, daß das Wert Scholem Aleijchems von Jahr zu Jahr lebendiger wird, daß sich die ahgeisprengteften Partiitelchen dies jüdischen Voltes m diefean Jahrzehnt um Scholem AlejchöUk versammelt haben und daß seine Schöpfungen über das Judentum hinaus sich immer weitere Kreise' der Kulturimenfchheit erobert, daß der große Humorist heute der Weltliteratur angchort. Es ist kein Trost. Dieser Genius, in der entsche'ideMn Zeit dom Judentum geschenkt, spiegelte wunderbar da8 jüdische Menschentum der Gegenlvart. wie es arbeitet, denkt, strebt; lacht und seufzt; hungert und es sich wohl ergchen läßt; fromm und Pfiffig ist; Mer allem Indischen schwebt und Pro'itchen macht; zusammenbält, auseinanderstrebt. Dias ganze J'ndentuur der jüngsten Gegenwart spiegelt sich in seinen Schriften und n.lchts Geringeres hat Scholem Alejchem gezeigt, als daß diöses gesteinigte und weithin verstreute BoA noch immer erfüllt ist von heißen, triebhaften, hundertfältigen Lebenskräften. Jede Skizze, jeder ,^örief", jedes Späßchen fängt ein neues Stück jüdischen Düseüns in seirnen Spiegel auf. Deshalb muß nran jede Stunde beKagen. um welche das Leben Scholem Mejchenls kürzer tvar. Gin Tag am Schreibtisch Scholem Alojchems, des fruchtbaren Schrlftistellers. bereicherte die Naturgeschichte des jüdischen Volkstunts gewaltig. Was von Scholbm Alejchmr ungeschrieben blieb, ist verloren. Jntdeffen entfaltet sich die Mlle der Gestalten, die er dein jüdiischen Leben nachschuf, formte? reicher und klarer. Tcwije, der- Milchmann, und Mon'ächem Mendel steihen -ilm Mittelpunkte und das Gedränge weifenhaster Figuren aus dem Bökke rings um sie ist un.'bschbar. Das ntan Tränen lacht, tvsnn Scho'lorn Mejchern seine Geschöpfe vorstellt, kommt nicht bloß von der urgrlvaltigen 'Erschütterung des Zwerchfelles. Mit unendlicher Teilnahme au dem Schicksal feiner Geschöpfe Pt er sie gezeichnet und weil dieser Echte jeder lauen 'Sentimentalität in weitem Bogen ausweicht, iveil er mitlfeusßt, wenn seine Geschöpfe Grund zum Se-ufzen haben, wirkt der ausigeväuulte Erzähler tief tragisch, nach hellster Heiterkeit taut es von Rührung und Ergriffenheit im Auges des Lesers. Mendele Mocher 2-forim hat inan den ,-Seide" genanirt, den Großv-ter. Scholmi Allieckr'm ist der Vater. Er stcht uns näher als -der weiMrüge Seide. Dis neue Ge-neratian veöjtcht W VSkKLI.1. ERHKLUKH Blaimscheins Spezial PFLANZEN FETT Spezial NlKEROLi 100 Prozent Fettgehalt I M fcnwr cdtb "jt>' n nwn ann nnawn nnn) M S Erzeugt unter Aufsicht Seiner Ehrwürden Herrn SS H Oberrabbiner Jesaia Fürst (Adas Jisroei) M 1 Fabrik: Wien, XIü. Diefenbachgasse 59 1 besser, den kernigen, frischen Mann, der den Mut zur Wahrheit hatte, weil ihm die Kraft der Liebe gegeben war. Otto A b e l e s. Die Wiener Judenheit wird Gelegetrheit Häven, 'das Andenken des großen Dichters Scholem Alejchem fort Nahmen einer von der jüdischen Volksbibliotihek Zion veranstalteten Gedenkfeier zu ehren. Die Feier findet aur 13. Mai dieses Jahres um 8 Uhr abends in den Otyntpiasülen statt. ßinfteitt km Urteil feiner Frau. Als ein „erstaunliches Bekenntttis" bezeichnen £ o uboitct Blätter die Erklärung von Frau Einstein, der Gattin des Schöpfers der Relativitätstheorie, daß sie nichts von dieser Theorie wisse, und daß ihr Mann sich niemals bereit erklärt habe, sie ihr auseinanderznsetzen. „Mem mathemattsches Interesse beschränkt sich auf die Wirtschaftsrechnungen", erklärte Frau Einstein itach diesen Angabe». Im übrigen ist sie der Ansicht, daß die Frau eines weltberühmten Mannes durchaus fein ideales Lebe» führt, denn jede Stunde ihres Tages gehört ihrenr Mann und damit der Oeffentlichkeit. „Früh morgens öffne ich die Post in eines Mannes," so schildert sie ihr Tagewerk, „und sortiere die einzelnen Briefe erst nach den verschiedenen Sprachen, lese sie dann nnd ordne sie nach der Wichtigkeit^ ihres Inhalts. Es sind niemäls weniger als 20, manchmal mehrere hundert Briefe- Viele daruitler sind von Künstlern und Photographen, die ein Bild von meinem Mann zu machen wünschen; Journalisten bitten um Unterredungen: Erfinder wünschen Ratschläge und Urteile, Autographenjüger bitten um eine Zeile und Wißbegierige wollen Aufschlüsse über die Einsteinsche Theorie. Diese Briefe urtb ihre Beantwortung beschäftigen mich einen großen Teil des Tages; dazwischen fallen Empfänge von Gelehrten und Besuchern, die aus allen Teilen der Erde kommen. Nur ein gutes Konzert mit klassischer Musik lockt uteknen Mann des abends aus . seinem Heim- Er liebt gute Musik und spielt selbst Klavierund Geige. Obgleich wir große Reisen gemacht habe«, so sind uns doch Wanderungen zu Fuß am liebsten, und gern unternehmet: wir auch Segelfahrten, entweder mit unserem Segelboot, in der Nähe vou Berlin, oder tvir. fahren mit den Kindern nach Kiel, um dort ein oder zwei Tage zu segele" __:_, Rose Brenner seftorbe«. Die Präsidentin des Verbands jüdischer FrmmwrMisattonrb in Amerika. Aus New-IorL wird uns berichtet: Aut zweiten Pessachtag starb in Brooklyn die Präsidentin des Verbandes jüdischer Frauenorgani-satioNLn, Miß Rose Brenner, im Alter von 42 Jahren an Herzschlag. Die Verstorbene gchörte zu den rührigsten und erfolgreichsten Vorkämpferinnen für die moderne soziale Fürsor^!: unter den Mischen Frauen von Anterika. Besonders vetdienstvyll war ihre Tätigkeit unter den jüdischen Farmersrauen, die durch sie in die allgemeinen jüdischen WoMhrtsaktionen einbezogen wurden. Unter chrer Leitung hat sich die Mitgliederzahl des Verbandes von 30.000 auf 52.000 erhöht. Grobe Spende kür die gerusaiemer UniversttStobibUothet. Wie uns anS P r a g geschrieben wird, hat die Groß» logentagung de8 tschechoslowakischen Distrikts B'n a i B'r t t h über Antrag deS Großpräsidenten Dr. Josef Popper einstimmig betchloffen, der jüdische» UntverfitStrbibltothek in Jerusalem eine Spende von 100.000 tschech. Kronen zuzuwenden. Der Betrag wird in tehn Jahresraten zu 10.000 t'chrch. Kronen flüssig gemacht werden. Ueber die besondere Verwendung dieses Betrages wird die Großlogemit dem Leiter der UniversitätS-ibl othek, Doktor Hnro Bergmann, noch die näheren Bereiuh ornngen treffen. Si« historischer Fand. Aus Berlin tont berichtet: Nach einer NkMnvg be* „Doutscheit Zeitung" stieß man in Garde legen in Sachsen bei KattalPerungSavbeiten auf einen verrosteten eisernen Kasten, der die Jahreszahl 1632 trug. Man fand.darin eirte gotische Bibel und Minnesängechandschriftett ans der zweiten Höhst« des 12. Jahchunderts,