Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2569 (18.4.1926)
- Date
- 1926-04-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wien: ZofflAbtiolen indet sesa^ fltaflk) monafl. S Sedwvtz Strassenverkanf io Wien drndi die Kotoortatfe der Finna o o i dschmled, 1„ Wottzeite 11 Mit Postversand kür Wies and Oesterreich monetHcfc 5 Schilling iscbe eh o-Slowakei: Mov. K22. Jugoslawien: Mon.Dln.6a PolentMon.; 5Zloty. Deutschland: Mov. Gm. 4, Frankreich, Bei gien: Moo. Frcs* 18 6rh«ha**ea Wiener irrarmtfi England: Mon.48ÄMltax Italien: Monatl. IS Life' Rumänien: Mon. 170Le Bulgarien ‘Mon.100 Lews. Schweiz and das üdriM Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration Wien,Il.Taborstr. I. Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2*82 DL, Universitätsstrasse 6*8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterrelchisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.899 «r. 2119 Sie«, gonatag. 18. Avril 1926 8. Jahrgang Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorangesetztes e gekennzeichnet. A. WARMUTH, A.-G. Spediteur der Korporation der Berliner Buchhändler Umzöge / Spezialität: Palästina-Transporte , Prima Referenzen W 15, JoadihnriÜalcr Strosse IS Amt Setinplatz 3353 HAMBURG Bornstrasse 51* Amt Nordsee 1166 LLOYD TRIESTINO / TRIEST Direkte Linie Triest- Jaffa Rituelle Verpflegung _ Reduzierte Preise Expresslinie . nach Aegypten, Konstantinopel, Indien Postlinien nach den Sch ivarzen-Meer-Häfen, Syrien und dem fernen Osten > General-Agentur: Wien, I., K*rwtnnrrinfl Bg Linde ermordet. Airs politischen Motiven. Prag, 17. April. Das Dschechoslow. Preßburean meldet aus Warschau: Heute wurde die Verhandlung gegen den ehe m a l i g e n Fi.nanzm i n i st.e r und Präsidenten der BostsParLasse, L i n d e. zu Ende gchührt. Nach Mitteilung des Gerichtshofes, daß das Urteil Montag' früh verlautlbart werden, wivd, vieÄieß Linde, der sich aus freiem 'Fuß befand, gegen 5 Uhr nachmittags in Bereitung seines Neffen das GerrchtsgeLäude. In der Nähe sein e s W o h n hau s e s wurde Linde plötzlich von r ü ck- »v ä r ts mit einem Rev o lder ang e s ch o s s« n. Der^ Schuß w a r t ö t l i ch. Die Kugel hatte den. H i n t e r k o p s durchbohrt. Linde uar nach einigen. Minuten t ut. Der Neffe Lindes erblickte eine M ilitär pe rson mit einem.Repolver in der Hand, die die Flucht ergreifen wollte. Der Täter wurde jedoch von einem Polizisten fest genommen. Er gab an, Snivlowski zu heißen und Wachtmeister in der Unteroffiziersschule in Warschau zu sein. . .Wie aus den Aeußerurigen des Mörders hervorzugeheu. 'scheint, ,hat er die Tat aus politischen Motiven begangen. Er fürchtete, daß Linde auf Grund von nationalen Einflüssen nur eine geringe S t r a f e erhalten oder gar f r e i g e s p r o ch e n würdle. Deshalb habe er sich entschlossen, dam Beschluß des Gerichtes vorzugreifen. Aus dem Inhalt : Unsere heutige Nummer enthält aus Anlass der Monat-Ijar-Aktion der Zionistischen Organisation folgende Beiträge: Gedanken. Von Prof. Dr. Chaim WEIZMANN, Präsident derZionistischenWeltorganisation. Kongress und Organisation. Von Nahem SOKO- LOW, Präsident der Zionistischen Exekutive. Bekenntnis. Von Prof. Dr. Albert EINSTEIN. Erez Israel und die Zionistische Organisation. Von F. H. KISCH. Enkel oder Ahnen? Von Oberrabbiner Prof. Dr. Z. P. CHAJES. Dar Urteil im Prozeß Weisz-Zuchs. Seist ta Heben, Fachs tu vier Mvaaien schweren Kerker» verurteilt. Der erste M der großen Sensation, mit der Wien nun schon fast drei Monate lang in Atem gehalten wird, ist vorüber. Das Schöffengericht hat gestern Weisz und Fuchs wegen Erpressung zu schweren Kerkerstrafen ver? urteilt. Es war eine Sensation und das auf eine solche Hetz' eingestellte Wiener Publikum hätte es niemals verziehen, wenn man es um diesen zweifelhaften Genuß gebracht hatte, zwei Wochen lang sich über die Korruption im Pressewesen skandalisieren zu können. Vor Jahr und Tag fiel einmal auch hier auf Wiener Boden anläßlich einer ähnlichen Korruptionsaffäre das Wort, mit Moral könne man keine Eisenbahnen bauen. Diese relative Wahrheit mag auch für das Pressewesen gelten, soweit hinter der einzelnen Zeitung keine politische Partei, keine sittliche Idee steht, sondern nur die Idee des Geldmachens. Gewiß kann auch die Parteipresse sich nur von allen Anfechtungen freihalten, wenn die Parteigänger die nötige Opferwilligkoit aufbringen. Aber von den Parteiblättern abgesehen wird es schwer halten, in Wien Presseorgane zu finden, die sich mit Recht über jene Zustände'entrüsten dürfen, die sie in den letzten Tagen in ihren Prozeßbevichten zum Gaudium einer skandalsüchtigen Menge breittraten. Der Wiener Presse, zu deren Vätern.ein August Zang gehörte, der den Grundsatz auf-: gestellt hat, in seinem Blatte müsse eine jede Zeile.he- ' zahlt werden, steht das.-reintr Magdtum schlecht an. Und daß der Versuch gemacht würde, Journalisten zu bestechen,, ist wohl Hier wie anderswo kein singulärer Fall. Er gehört zum'Wesen' der Geschäftspresse. Wenn der Geldaufwand dafürsteht, werden Zeitungen und Zeitungskonzerne in Bausch uhb. Bogen zusammengekauft, mißliebige Blätter eingestellt oder Konkurrenzblätter gegründet. Will man nur 10 oder 15 Millionen riskieren, dann bedient man sich der Vermittlung eines Jnseratenagenten, der den nötigen Einfluß besitzt, um unliebsame Veröffentlichungen zu unterdrücken. Neben dem Jnseratenagenten treiben berufene und unberufene Vermittler' in der Geschäftspresse ihr Wesen und es hält schwer, die auf den Gelderwerb eingestellten. Zeitungen und Zeitungsleute von der Beeinflussung dieser „Pressechefs" fernzuhalten.. Dazu kommt noch, daß diese „Nnr-Geschästszeitungen" darauf eingestellt sind, das Publikum ständig durch Sensationen zu haranguieven. Wer kann sie den Zeitungen leichter liefernd als die Leute, die ihre Vermittlertätigkeit von den Banken zu den Zeitungen spinnen. Das Publikum sah und sieht diesem Treiben zu. Leider ist es gerade das jüdische Publikum, das diesem Treiben hinein-, fällt, ja sogar sich dieser Sensationsmacherei dankbar zeigt, hinter der nichts als das nackte Geschäftsinteresse steckt. Und nun ermesse man das Maß von Heuchelei, das in der Berichterstattung über diesen Prozeß steckt, deren jede Titelzeile, jedes Spatjum, ein einziger Aufschrei' ist: Sehet hin, wir. sind nicht so wie diese! Da werden die Lobesworte des. Staatsanwalts für die gute Presse, die von einer bemerkenswerten Naivität getragen sind, mit einem verständnisvollen Schmunzeln quittiert, als ob er. ausgerechnet mit seiner Schilderung der guten Journalisten und der guten Zeitungen' jene gemeint habe, die alle Tage mit faustdicken Titelschriften ödesten Quatsch ihren Lesern als Sensation aufschivatzen und für die, wo es gilt, offen eine Meinung zu äußern, „Reden ist Silber und Schweigen Gold" oberster Grundsatz ist. Jedes Publikum hat die Presse, die es verdient. Und solange die Wiener Zeitungsleser noch der Schaumschlägerei aufsitzen, wird das Geschäft der Sensationsmachcr blühen und mancher Schlaufuchs, der es geschickter anlegt als die; gestern Verurteilten, wird die Narrheit zum Gelderlverb,, die Sensätionssucht zu leichtem Verdienst und die Scheu dunNer Ehrenmänner vor der Oeffentlichkeit in klingende Münze umwandeln können. Mit dem gestrigen Prozeß darf es nicht sein Be-, wenden haben. Es sind viele Namen von Leuten in der neuntägigen Verhandlung genannt worden, die seit Jahr und Tag das Wiener Pressewesen mit ihrem Gelbe korrumpieren und sich wohl auch gerne hie und da ein wenig von einer ehr- und pflichtvergessenen Journalistik rupfen lassen. Eine Hand wäscht hier die andere. Aber was dem Weisz und dem Fuchs, den Leuten, die die Vermittlung des Fuchs suchten, recht sein mußte, daß sie durch den Gerichtssaal geschleift wurden, das wird auch jenen billig sein müssen, die noch gebende oder nehmende Nutznießer der Wiener Pressekorruption sind. Die Reihe ist sehr lang. Der Staatsanwalt hat ja selbst mitgeteilt, daß bei ihm noch mehr als ein Verfahren anhängig ist, und versprochen, daß die Untersuchung lustig fortgeht. ' * Me Urteilsverkürtdigung fand um halb 3 Uhr nachmittags statt. Vor den Toren des Landesgerichts gab es schon in den Mittagsstundeneine lange Polonaise. Als um halb 3 Uhr der Gerichtshof, die Verteidiger und die beiden Angeklagten den Gerichtssaal betraten^, waren das Auditorium, das Barreau und die Journalistenloge dicht besetzt. Ohne weitere Förmlichkeiten verkündete der Vorsitzende Hoftat Dörr das Urteil. Als er das Wort; „schuldig" cmssprach, ging eine allgemeine Beweg tz n g durch den Saal. Das Urteil besagt im Wesenti lichen Folgendes: ' Die AngeNagtenAlexqnder Weisz und Artur Fuchs sind schuldige im März 1922 im ' Einverständnis ü«b^> wMelseitigen Zusammenwirken den Bankier Camillo Castiglioni mit Verletzung an Ehre und Eigentum namentlich mit der Veröffentlichung ehrverletzender und geschäftlich schädigender Zeitungsangriffe in der Absicht bedroht zu haben, um von dem Bedrohten die Leistung eines Geldbetrages zu erzwingen, wobei die Drohung geeignet war, dem Bedrohten mit Rücksicht auf die.Verhältnisse und die Wichtigkeit des angedrohten Nebels begründete Besorgnisse einzuflötzeu. Der Schadeusbetrag überschreitet 1500 Schilling. Die Angeklagten haben hierdurch das Verbrechen der öffentlichen Gewalttätigkeit der Erpresu n g nach § 98 b SL G. begangen, und werden nach 8 100 (höherer Strafsatz) zur S t r a f e d e s schweren Kerkers, Alexander Weisz in der Dauer von s i e b e« Monaten, verschärft durch einen Fasttag und hartes Lager jedes Vierteljahr, Artur Fuchs in der Dauer von. vier Mo waten, verschärft durch einen Fasttag und hartes Lager sowie zum Ersatz der Kosten des Strafverfahrens verurteilt. In die Strafhaft ist die Berwahrungs- und Untersuchungshaft einzurechnen. Von den übrigen Anklagepunkten wurden Weisz und Fuchs freigesprochen. Bon der Landesverweisung des Fuchs wurde mit Rücksicht ans seine bisherige Unbescholtenheit und seinen ständigen Aufenthalt in Wien Abstand genommen. Das Gericht nahm hiebei als erwiesen an, daß nach den Aussagen des Fuchs und des Zeugen Fried Castiglioni bereit gewesen wäre, um bezüglich des Antiquitätenschmuggels und der Kampagne um die. Präsidentschaft der Depositenbank Zeitungsangriffe zu vermeiden, 15 Millionen zu bezahlen, daß. aber Fuchs dem Fried 50 Millionen als für diesen Zweck notwendig bezeichnte und, daß dann tatsächlich 40 Millionen. Kronen angeboten und angenommen wurden. Aus den Unterhandlungen zwischen Fried und Fuchs und aus der Zeugenaussage Camillo Castiglionis gehe hervor, daß die als unmittelbar bevorstehend angekündigten Angriffe dem C astiglioni Besorgnisse einflößten. Bezüglich der Freisprüche bemerkt das Urteil: Die Forderung, die Ratenzahlungen zu valorisieren, sei zwar von Fuchs crusgegangen, bilde aber keinen selbständigen Tatbestand, da durch das Valorisierungsbegehren nur das gefordert wurde, was bereits im März erzwungen war. Im Falle Depositen- ■c Besonders billiger *«■ . ln Men, Seide, nrl"JAI, Or iJiUTmAii vt N- Taborstrasse 48 Frfihlinnonklfflcinnc Vorlrai lf Wflscliwflren etc. Kf ||f|Qr \f II Ullllliyo URRdulUllui Dl ndl II im Warenhaus Ul UUwl Ul Plll 11II lUllll Engros En detail