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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-16 · Heft 2567 (16.4.1926) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2567 (16.4.1926)
Date
1926-04-16
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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üfTre o Wien. Fttldg Wfent* 16. April 1626 Nk. 2567 Bolkswiü. fite neuer österreichischer zosttaris. Erhöhung der Industrie- und AgrmMe. Gestern wurde dem österreichischen Nationalrat der neue Zolltarif vorgelegt, der ein« Novelle zum vor zwei Jahren beschlossenen Zolltarif bildet. Im folgenden seien die wichtigeren Aenderungen gegenüber den heutigen autonomen Sätzen angeführt. Zu bemerken ist, daß die Zölle der meisten angeführten Poj tionen in den bereits abgeschlossenen Verträgen gebunden sind. die vorgeschlqgenen Erhöhungen somit vorläufig nicht tu Kraft treten. Die Aktivierung der neuen Zölle und insbesondere das Ausmaß, in welchen sie in Kraft treten, wird von dem Ausgang der mit den betreffenden Staaten abzuführenden Verhandlungen abhangen. Die Novelle sieht demnach einen erhöhten Schutz vor bei Mehl: Zuschlag 5 K. zum Getreidesoll (heute 3); Schlachtvieh 12 K. (heute 5); Schweine je nach Stückgewicht 3, 8, 21, Fettschweine 10 K. (heute 1.50, 4, 9, 'bezw. 5); Butter 50 K. (20 K.); frisches Fleisch 30 K. (Rindfleisch 12, Schweinefleisch 14 K.); Gefrierfleisch 15 K. (6). Die Erhöhung des Schweiuefettzolles von 3.80 «tf 10 K. ist sowohl ein agrarisches als auch industrielles Interesse. Für industrielle Produkte sind neue Zölle vorgesehen für Margarine 8 (frei), in der Gruppe der Dxtilien für Baumwolle-, Leinen- und Wollgewebe, ferner für baumwollene und wollene Wirkwaren. Bei Baumwollgeweben seien zur CHarakterisierung des neuen Zollschemas die Zölle für die glatte Rohware sowie für die Druckware (1 bis 4 Farben) angeführt. Roh 90 (90), bedruckt 195 (185); die Gewebe aus Garn bis Nr. 29 und solch? über Nr. 29 bis 50, für Rohware sind eingesetzt 130 und 165 (heute 105), für bedruckt 240, 280 (200). Bei Baumwoll st rümpfen werden nur erWt leichtere Strümpfe (unter 1 Kg. pro Dutzend) und von diesen nur jene aus gegvtrntem Garn 475 (300) und aus merzerisiertem Garn 560 (300), n. b. b. Wirkwaren aus Baumwolle unter 4 Kg. 600 (350). Leinengewebe roh bis 40 Fäden 60 (25), von 40 bis 160 Fäden 100 (60). gebleichte bis 80 Fäden 150 (120). von 80 bis 160 Fäden 280 (120), gemusterte, rohe bis 160 Fäden 250 (150), gebleichte 400 (200); Jutegewebe 40, 65 (25, 50); wollene Webwaren über 700 Gramm: 140 (120), von 450 bis 700 Gramm 270 (220), von 200 bis 450 Gramm 2804-12 Prozent vom Wert (2404-10 Prozent), unter 200 Gramm 3204-12 Prozent (2804-10 Prozent); Woll st rümpfe im Gewichte über 1 Kg. pro Dutzend 350 (250), unter 1 Kg. 700 (320); Handschuhe 600 (400); Hadernrohipappe 5 (3); Dachpappe 6 und 8 (4 und 6); Packpapier 10 (8); Bereifungen für Kraftfahrzeuge 350 (250, 150); lederne Handschuhe 1500 (500); n. b. b. Holzwaren aus weichem Holz 20, 25 (12, 16), aus hartem Holz 30 (20), gefärbte usw. n. b. b. Holzwaren 36 (24), n. b. b. Waren aus feinen Hölzern 50 (40); weißes Hohlglas 20 (16); Preßglas 26 (22); rohes Gußglas in der Stärke von 5 Millimeter und mehr 10 (6); Stahlroheifenl (frei), Platinen, Zaggel 3 (frei); Stab eisen 5 (2.50), Grobbleche 6 (4), roher Draht 9.50, 12.50, 15 (7, 9, 11), Walzdraht 4J50 (3), bearbeiteter Draht 14.30, 18.21 (9, 11, 13); Blechwaren fein bearbeitet (T. Nr. 381 B 3) 120 (80), Salzsäure 2.20 (1.20), Aetznatron 10 (7.20), Glaubersalz ILO (1.20), Chromalaun 9 (7), Kartoffelstärke 16 (12), Bleistifte 240 (120). Für künstliche Schnitz flösse und Waren daraus sowie für Kunstseide enthält die Novelle erhöhte Sätze, Vevinen Amsterdam « * öelgtad •»«••« Berlin ..... Brüssel ■»«••• Budapest . . . . , Bukarest . . « London. . » . Mailand ..... New.York Paris Pr««? - > t * « . Oeid & 964.02 12.4660 168 63 26.46 VS '--46 2.6SS6 34.4160 23.46 707.66 24.. 3 20.666 Settifen« uns Baiute»r»rse non IS. April 1926. #ar» 286 02 12.6060 169.03 26.67 99.3460 2.8826 34.616 ) 28.68 710.36 24 18 21.046» aofla Stockholm .««««,. Warschau ....... Zürich Valuten Amerikanische Noten . Belgische Noten . BulRsr. Not. deutsche Noten .... nt.Hache Note« Oe»«. 6.12 189 60 78.36 138.66 War. 8 16 19n.2 78 86 137.16 706.76 710.76 168.30 168.9 Pransosische Noten . . Holländische Noten .. Italienische oten » » . Jugoslawische Noten . . Polnisch. Noten . . Rumänische Noten . . . Russische Noten Roman.) Schweicer. Noten . . . rschecho-slow. Noteu rflrklsche Pfund-Noten . 1 ln*«rlac". ''lote- Oelc 23.97 28 43 12.4160 77.70 . 2.88 136^36 20.92 99ill Ware 24.13 23.69 12.476 2 78.70 2.92 13?!l6 21.04 99.41 doch wird deren Aktivierung (Zeitpunkt, Ausmaß) einer mit Zustimmung des HauptauS'chuffes des Nationalrates zu erlassenden Verordnung Vorbehalten. * Bundeskanzler Dr. Ramel begründete die Zolltarifnovelle in einer längeren Rede, in der er versicherte, daß es den wirtschaftlichen Interessen Oesterreichs nicht entsprechen würde, sich in die Bahn des Hochschutzzollsystems drangen zu lasten. Eine merkliche Verteuerung der Lebenshaltung sei aus dem neuen Zolltarif nicht zu befürchten. Zweck der Novelle sei die Erhaltung und Erweiterung der Produktion und der Arbeitsgelegenheiten. Oesterreich sei nach wie vor für einen möglichst sreten Warenaustau'ch und sei bereit, Verträge auf dieser Grundlage abzuschließen. Wir können dies aber nur tun, wenn die Bereitwilligkeit dazu auch bei den anderen Staaten vorhanden ist. Inwiefern dies der Fall ist, »verde sich bei den 'bevorstehenden .Handelsvertragsverhandlungen zeigen. Abschivachung des französischen Franke«. Nach einigen ruhigen Togen war der franzöftsche Franken gestern auf den internationalen Devisenmärkten stärker ausgeboten. Es senkte sich die Devise Paris in Zürich von 17,825 auf 17,66. Auch Brüste! lag flauer. Bemerkenswert ist die seit einigen Tagen andauertwe Schwäche des Leu, der sich gestern in Zürich von 2,12 auf 2,095 senkte. Dieser Rückgang ist auf innerpolitische Schwierigkeiten zurückzuführen. — Freundlicher lag auch heute der Zloty, der sich in Berlin, Prag und Wien gleichmäßig bester» konnte. Für den Dollar wurden 9 bis 9,20 Zloty bHchlt. Die übrigen Kursänderungen waren minimale. Insolvenzen. Das Konkursverfahren wurde eröffnet über Wiener Feldbahn-Jndustrie-A.-G. in Wien, 6. Bsz., Getreidemarkt 7; über Wiener KinobetriebsgefeNschaft m. b. H., 2. Bez., Taborstraße 1-3. — Das Ausgleichsverfahren wurde eröffnet über Metall- und zalvanifche Werkstätten Eduard Kohl u. Co, in Wien, 9. Bez., Liechtenwerderplatz 4; Schuh- und Leverwaren A. u. E. R o 1 e n z w e i a, Aktiengesellschaft in Wien, 9. Roßauerlände 39; über Brüder Heller in Wien. 3. Bez., Kleistgaste 20; über Fewag, Feldbahn- und Eisenwerke-A.-G. in Korneuburg; über Loren; Kruder, Pferdehändler in Poysdorf. Die Kaufmannschaft für die Beschleunigung der Durchführung gerichtlich bewilligter Versteigerungen. Der tzaupwerband der österreichischen Kaufmannschaft har di. Aufmerksamkeit des Bundeskanzleramtes auf die vielen Schäden "gelenkt, die imolge der schleppenden Abwicklung des Exekurionsverfahrens vorlieaen. Insbesondere wird darüber Klage geführt, daß zwischen der ExekutionÄiewilligung und d-r Ansetzung des Bersteigerungstermins oft viele Monate verstreichen. Wenn auch anerkannt werden muß, daß die Agenden der Exekulionsaerichte derzeit stark angewachsen sind, so muß doch im Interesse des Kredits und auch des ausländischen Medits gefovder: werden, daß das Persona! dieser Gerichte entsprechend vermehrt werde, damit die Gläubiger nicht die Empfindung haben, sie können selbst in einem Falle, wo sie nach langjährigem Prozeß zu einer ex.tutionsreifen Entscheidung gelangt sind, die tatsächliche Durchsetzung ihres Rechtes nich: erreichen Der Hanptverband gibt dahe die Anregung, daß die Justizverwaltung für eine Vermehrung des Personals brr den Exekutionsgerichten Vorsorge treffen möge Ungesetzliche Zollerhöhungen in Bulgarien. Die am 23. März d. I. in Kraft getretenen Zollerhöhungen beruhen auf einer Verordnung des Finanzministeriums, welche vor Annahme der Gesetzvorlage in der Sobranje erlassen wtirden. Die Verzollung erfolgt nun, wie die Expositur des Lsterrechischen Handelsmuiseums mitteilt, auf Grund der neuen Tarife, die noch gar nicht angenommen sind und sicherlich noch! Abänderungen unterworfen werden. Es wird aber die Deklaration nicht als abgeschlossen betrachtet, sondern es wird ein runder Betrag gegen spätere Verrechnung nach Dotierung des Gesetzes eingelhoben. Gegen die Verfügung des Finanzministers, welcher die Industriellen und Kaufleute mit seiner Verordnung geraden üiberrutnpelt hat — unter dam Titel, daß Spekulationen verhindert werden sollen — besteht eine scharfe Gegenströmung seitens vieler Deputierter. welche fordern, daß das Gesetz, wie es die Konstitution verlangt, erst nach Publvzierung im Tluntsblatte als rechtsgültig zu betrachten fei. Wiener DtehMärkte. Der Auftrieb zum gestrigen Jnngvteymarkt betrug 57 lebende und 1001 Weidner Kälber 1059 Weidner Schweine, 38 Weidner Schafe, 364 Weidner Lämmer und 1389 Weidner Kitze. Bet etwas flauem Verkehr gaben Kälber Schweine und Lämmer 10 bis 20 G ab, nur Schafe blieben unverändert Es notierten: Lebende Kälber 1.60 bis 2.30 S., Weidner Kälber 1.80 bis 3.10 S., Fleischschweine 2.10 bis 2.60 S.. Fett chweine 2.30 bis 2.60 S., Schafe im Fell - .80 bis 1.50 S., obne Fell 1.80 bis 2.20 S., Weidner Lämmer 1.60 bis 2.50 S. und Weidner Kitze 140 bis 2.40 S. vro Kilogramm Lebendgewicht. Wiener Proouktenbürfe. Trotz der nicht einheitlichen Tendenz auf den amerikanischen Märkten war der gestrige Wiener Markt wieder fest. Besonderes Interesse bestand für Roggen und Weizen, welche behauptet blieben. Ungarisches Korn konnte 50 Groschen gewinnen. Mais und Hafer waren freundlich. ES notiertenr Weizen; Inländischer 4225 bis 42.75, Ungarischer Theiß 79/80 Kilogramm 47 25 b's 48 50 Ungarischer 14.50 bis 46.50 Jugoslawischer 76 Kilogramm 43.60 bis 44.50 jugoslawischer 77/78 Kilogramm —bis —. Roggen: Inländischer Marchfelder 27.75 bis 8.25 Pester Boden 28.25 bis 28.50 Gerste Brau wäre inländische 32.— bis 36.- böhmische mährische —bis . Mais: Jugo» lawischer 21.25 bis 22.25. C i n q u a n t > n neu 30.50 bis 31.50. Hafer Inländischer 28 25 bis 29.25 Reis. Italienischer 80.— bis 82.— , Burma 63.— bis 64.— . M a h l p r o d u k t e: Grieß inländischer 82.— bis 83.—. Weizenmehl 0 inländisches <9.— bis > 0.—. Kochmehl 2 inländisches 68.— bis 70.— Brotmehl inländisches 44.— bis 48 — Wiener Börse. Behauptet. Im Gegensatz zum Vortage eröffnete der gestrige Verkehr in etwas freundlicher Stimmung. Die Bewegung auf dem Rentenmarkte waren nicht so bedeutend. In der Kulisse zeigte sich besonderes Interesse an Lombarden, welche vorübergchend auf 86.000 K. gestiegen waren. Fürstenfeloer Bahn wurden infolge des dauernden Warenmangels mit dem Pluszeichen aufgezogen. Im allgemeinen hielten sich auf dem Akttenmarkre dve Gewinne und Verluste das Gleichgewicht. Nach leichten Schwankungen blieb die Tendenz im allgemeinen behauptet. Renten wurden nicht so lebhaft umgesetzt und konnten ihre anfänglichen Kursgewinne nicht hatten. Sie schlossen mit kleinen Ermäßigungen. Die Kulisse verkehrte nicht einheitlich. Hier gewannen u. a. österreichische Kredit 2000 K-, Anglobank 7000 K., Staatsbcchn 3800 Kronerr. Lombarden 5500 K.. Krupp 3500 K. und Trifailer 6000 Kronen. Dagegen verloren ungar. Kredit 2000 K., Juli-Süd 2600 K., Waagner 2800 K. und Fetten 2500 K. — Von den Renten verloren Goldrente 2500 K., Jnveftitionsrente 800 Junirente 600 K., Apri'lrente 250 K. und Mairente 100 K. Auch der Schranken schloß nicht gleichmäßig. Fester laZen einzelne Brauevei- und chemische Werte. Es gewannen u. a. schellenhofer 40.000 Kronen, Grazer Bräu 30.000 K.. Nußdovfer 15.000 K.. Dynamit 220.000 K., Konstanter 33.000 K. Dagegen verloren Reininghaus 75.000 K., Gösser Brau 16.000 K., Brigl 30 000 K., Nordvahn 50.000 K. und Portois u. Fix 26.000 K. Bemevkenwert war, daß Baulose Em. 1925 mit dem Minus aufgezogen wurden und trotz eines niedrigen Kurses von zirka 210.000 K. keine Abnehmer fanden.— Bon den Exoten notierten Mraznioa 29.000 bis 30J500 K. und Universale Bau 16.000 bis 15.800 K. Winter. (14) Novelle von I. Z. Unojchr. (Aus dem Jüdischen von P. Haller.) 11. Vorabends. Ich stehe beim Fenster und sehe in die Gaste hinaus. Beim Hause Jerachmiels ist eine Ansammlung. Weiber, Männer. Auch G^ana geht hin. Sie geht in das Haus Jerachmiels. Auch Sara ist hinzugekommen, auch sie geht ins Haus. Das ganze Städtchen fast ist vor dem Haufe versammelt. Ein Durcheinander auf der Gaste. Man trägt etwas ins Haus. Es hat sich, scheint es, ein Unglück ereignet. Chana ist Licht machen gekommen. Sie ist unruhig, bleich, erschrocken. Ich frage: ,Mas ist, Ehana, was ist geschehen?" Chana erzählt mit Tränen in den Augen: „Was soll geschehen sein? Jerachmiels Weib, Rachel Lea, rst plötzlich schlecht geworden. Sie ist verloren." wvftt Jerachmiel zuhause?" „Nein. Jerachmiel ist im Dorf. Er weiß es nicht. Es ist plötzlich gekommen." ,Mas ist ihr?" „Man weiß es nicht. Einen Doktor gibt es bei uns ja nicht. Man weiß es nicht. Aber sie ist verloren. Man sicht es, sie ist mehr im Jenseits als hier." Ich ging auf die Gasse, zum Hause Jerachmiels. Menschen gehen und kommen. Man ist zerstreut, er'chrocken, verbittert. Bittere Traurigkeit hängt über dem Hause Jerachrmels. Sie breitet sich im ganzen Städtchen aus, über dfe Menschen, die das Haus umstehen. Das stille Städtchen ist mit ein-mmal erwacht. Alle umstehen die Stube, aufgerüttelt, verbittert, einer dem andern nahe, eine Familie. Dasselbe Unglück verspürten alle — Tod . . . Einer aus der Familie will verscheiden. Aus dem Leben gehen. Dort im Jenseits Rechenschaft abiegen , . . Mg« fragt voller Augst die aus dßw Hau.se Kommenden; ,Mas geschieht?" Diese seufzen und schweigen. Und man verstcht dieses Seufzen, dieses Schweigen. Und alle sehen auf das Haus, als gebe es dort Verborgenes zu sehen . . . Sara kommt aus dem Hause Jerachmiels. Sie sagt zu mir traurig: ,^Jch fürchte, sie ist nicht mchr unser." Sara geht nach Hause. Ich begleite sie. Ich gehe mit ihr in ihr .Haus. Burstin fragt: ,/Was gibt es dort?" „Nichts. Schlecht." Bald darauf kommt der Raw. Mit ihm noch emige Juden. Der Raw sieht versorgt aus. Mira setzt sich an den Tisch im Speisezimmer. Der Raw sitzt im Petz. Er hat Eile. Der Raw wandte sich zu Burstin. ,/Wißt Ihr, weshalb ich gekommen bin, Reb Lojb? Ich glaub«, daß man ins näWe Städtchen um einen Arzt schicken muß." „Und Gott weiß; ob der Arzt noch helfen kann," seufzte Sara. Burstin sagte: „Gewiß, man muß den Doktor holen. Ich gebe das Geld." Des Raws Gesicht wurde heller. „Man muß tun, was man kann", sagte er fast zu sich 'elber, „man muß tun. Man mutz Chajim holen. Er soll fahren. Sofort." Man ging Chajim holen. Chasim mit dem schwarzhaarigen Gesicht und dem schwänzen Petz Sam. Der Raw fragte ihn: „Wirst du nach dem Doktor fahrend ,^Sas für Frage, ich fahre." Burstin gibt «inen Rat. „Es ist Nacht. Der Weg ist jetzt vom Schnee verwchrt. Es mutz noch einer mit ihm fahren. Es ist gefährlich, allem zu jcheen." ,Menn jenmnd mit mir fährt, gut, wenn nicht, fchre ich allem. Da gibt es nichts." Jemand fragte ihn: ,^lnd was willst du für die Fahrt?" Chajim antwortete: ,^ch hoffe nicht auf dieser Fahrt reich za werden und fürchte auch nicht, beraubt zu werden. Ich fahre, weil man fahren muß. Ich geh« einspannen." Auf dem Hof hörte man Schritte. Alle zitterten auf. Es wurde still. Man öffnete die Tür. Das immerwährende Lächeln Burstins verschwand aus 'einem Gesicht. Der Raw richtete seine Augen zur Tür. Es kam jemand ins Zimmer, Stellte sich neben mich. Sagte still zu sich selber: ,Mruch dajin emeth." Der Raw sagte ihm laut und klar nach: „Baruch dajin emethr" s Alle sagen dem Raw nach: „Baruch dajin emeth." Still, ruhig verläßt man das Haus Burstins, Am nächsten Morgen nach dem Beten fand das Leichenbegängnis statt. Das ganze Städtchen ging mit. Traurig, mit gesenkten Köpfen. Die Zedakahbüchsen klimperten dumpf und tot. Und mit dumpfer, toter, blecherner Stimme rief man: ,Ledakah tagil mimaweth... Zedcckch... Zedakch..^ ZchaLah..." Jerachmiel folgte dem Sarge. Er sah vor sich hin, wie ein Mensch, der nichts sieht. Wie mit offenen blinden Augen, Ehana erzählte mir nach dem Leichenbegängnis: „Seltsam mit Jerachmiel. Er ist aus dem Dorf gekommen, ins Haus getreten und hat gestagt: Was rst los? Und sonst hat man nichts mchr von ihm gehört. Er ist wie ein Irrsinniger. Schweigt und tut, was man ihm sagt; sonst nichts." (Fottsetzuug folgt.)

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