Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2564 (13.4.1926)
- Date
- 1926-04-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Wi en: /tarnAbholen in der Expedition, IL Taborstr. 1-4, oder in einer verseblelsstelle (Trafik) monatL 6 Schilling Strassenverkaul in Wien durch die Kolporteure der Finna Goldschmied^ 1„ Wollzelle 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling 1 schecho-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen:Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Qm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 MachMhlnia Sei Prell* er hfthtmgeii Vorbehalten Wiener [jnjQUJn England: Mon. 4 Schilling. Italien: MonatL 18 Line: Ru minien: Mon. 170 Lei. Bulgarien: Mon.lOOLewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr« 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterrelchlsches Postsparkassen-Konto Kr. 150.693 Nr. 2564 Mw. Dienstag, 13. AprU 1826 8. IMgimg Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Ne Grazer Kultmgemelnde unter zionistislher Führung. Die „lügenhaften Darstellungen" der ungarische« amtlichen Berichterstattung. Dr. Rrchert Sonnenwald — Präftdent, Knrl Schwarz — Vizepräsident. Gvtz, 12. April. Gestern vormittags fand die konstitnierende Sitzung der Grazer israelitischen Kultusgemeinde statt. Bei dieser Sitzung wurde der Zionist Dr. Robert Sonnenwald mit 15 Stimmen bei 9 Stimmenenthaltungen zum Präsidenten gewählt. Da die konservative Partei, welche bisher die Mehrheit gehabt hatte, die aktive Mitarbeit an den Gemeindegeschäften und insbesondere die Uebernahme einer Stelle im Präsidium sowie in den Ausschüssen verweigerte, wurde der Zionist Karl Schwarz zum ersten Vizepräsidenten gewählt und weitere 5 Zionisten in den Borstand entsendet. Ferner wurden alle Sektionen von den Zionisten im Einvernehmen mit der ihnen nahestehenden Wirtschaftspartei besetzt. Die beiden restlichen Borstandsstellen fielen der Wirtschaftspartei zu. - ■ Ne italienische« Kolomawlüne. Mussolini in Tripolis. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Rom, 12. April. Nachdem der „C a bou r" gestern vor Tripolis Anker geworfen hatte, überflog ein FlMeüggeschwa- Äer zur Begrüßung Mussolinis die Kriegsschiffe. Mussolini ging bei der Festung an Land, wo eine Ehrenkompagnie aller Truppengattungen ausgestellt war. Der Buxgermerstex pon Tripolis hielt- -iy a r a b i f ch e r S P r ach e eine'BegrüßungSarffprache an'Mussolini. Nach der Truppenschau begab -sich Mussolini auf 8en Kouigsplatz und hielt an die arabische Bevölkerung eine Ansprache, die sofort ins Arabische übersetzt und von der Menge mit Hochrufen auf den König und Mussolini beantwortet wurde. Es heißt darin unter anderem, die Regierung wünsche, 8üß dieses Land, in dem die unsterblichen Spuren Roms so zahlreich sind, in Zukunft reich, blühend und glücklich sei. Sodann hielt Mussolini vom Balkon des RegierungSgebäNdes eine Ansprache an die Faszfften von Tripollis, worin er unter anderem sagte: „Meine Reffe darf n i ch t a l s e i n e einfache BerwaltungsHandlung ausgelegt werden. Ich fasse sie als eine Bestätigung der Kraft des r t a l i e n i s ch e w B o l k e s auf, als eine Bekundung der Macht 6es Volkes, das seine Herkunft von Rom ableitet. Es ist das Schicksal, das uns in dieses Land treibt, niemand kann das Schicksal anishalten und besonders ftnrn niemand unseren unerschütterlichen Willen brechen. Bemerkenswerte Londoner Stimmen. London, 12. April. Die Fahrt Mussolinis nach Tripolis hat wieder die Aufmerksamkeit aus die i t a l i e n i s ch e n Kolonialpläne gelenkt. In diesem Zusammenhang wellten iu der Presse die englisch-ijalienischen Verhandlungen erwähnt, die zurzeit geführt werden, um den 1906 zwischen England, Frankreich und Italien abgeschlossenen Abessinienvertrag zu ändern. Mussolini hat bisher seine Zustimmung nicht gegeben, da er anscheinend Kompensationen zu erhalten wünscht. Als solche werden in der,Presse neben einer Oelbeteiligung in Mossul auch italienische Kolo nialmandate genannt. t„ -Zuständige Stellen versichern, daß die Kombinationen we.il über die Bedeutung dieser AbessinienverhaMungen hiflausgingen. Es handelt sich für Englanid um die Erlaubnis zum .Ba u e i u e r Au to mob ilstra ße und die Ableitung abessirklscher Gewässer zur Supanbewäss e r u n g. Die Verhandlungen ziehen sich schon eine R e i h e v o n Jahre n hin. Wenn Mussolini hier auch eine Gelegenheit zu einem Tauschgeschäft sicht, so ist doch in keiner Weife daran zu denken, daß England ettva auf das T a n g a n j i k am a n d a t zugunsten Italiens verzichte, was ebenfalls behauptet wurde. Jede Mandatsvergebung sei eine S a ch e d e s Bölkerbundrates, zu der Ei » stimmigle,it erforderlich fei. «M" Besonder» billiger IW i» ■ i!_Al I ■ ui Markgraf Pallavikiai gegen die Berlaalbarangea des Nachrichteaorgaar der Negierung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung/^) Budapest, 12. April. Markgraf Pallavicini, dessen Auslieferung bekanntlich vom Hause beschlossen und der vorgestern vom Untersuchungsrichter verhört wurde, veröffentlicht in den heutigen Abendblättern eine Erklärung, in der er sich in Ausdrücken der Empörung über die lügenhaften Darstellungen äußert, die von ungarischer amtlicher Stelle über den angeblichen Inhalt seiner Aussage vor dem Untersuchungsrichter in die Welt gesetzt wurde. Das Ungarische Telegraphen-Korrespondenzbureau verbreitete eine Mellmng, der zufolge Pallavicini vor dem Untersuchungsrichter gesagt hätte, . er wisse nichts über die Urheber der Fälschungsattion, er kenne nicht die Einzelheiten der Entstehung des Fälschungsplanes und er habe auch keine direkten Beweise dafür, ' daß die Fälschungen mit Kenntnis der Regierung und des Ministerpräsidenten Grasen Bethlen durchgeführt worden find. Gegenüber dieser Verlautbarung des amtlichen Nachrichtenorgans der ungarischen Regierung stellt Markgraf Pallavicini fest, daß die Beröffen^l-ich'ung einer Zeugenaus fa0/*,ity einer, Strafangelegenheit, in der noch nicht einmal die Untersuchung abgeschlossen ist, im Sinne des Gesetzes eine strafbare Handlung sei. Er wolle nicht dieselbe strafbare Handlung begehen und sich mit der Regierung wegen der total entstellten Wiedergabe seiner Aussage vor dem Untersuchungsrichter in eine Debatte einlafsen. Er fordert aber die Regierung auf, das Protokoll überfein Verhör vor dem Untersuchungsrichter im Wortlaut zu veröffentlichen, damit das Publikum sich eine Meinung bilden könne, ob die Veröffentlichung des Nachrichtenorgans der R e g i e r u n g über seine Aussage richtig oder entstellt sei. Ae Hauptverhandlmg. . Der Strafsenat des Kurialrichters T ö r e k y har heute alle Vorladungen für die auf den 7. Mai anberaumte Hauptverhaudluug in der Fälscherassäre ausgeschickt. Die in Haft befindlichen Angeklagten werden zur Verhandlung von/der Gesängnisdirektion stellig gemacht, den auf freien Fuß befindlichen Angeklagten wird die Vorladung per Post zugestellt. Oberstaatsanwalt Dr. Sztrache erklärte vor Pressevertretern, daß die noch laufende ergänzende Untersuchung in der Frankenaffäre den Beginn der Haupwerhandlung keinesfalls verzögern könne. Er teilte ferner mit, daß der Strafsenat in der Hauptverhandlung auch den Grafen Paul Teleky, Grasen Anton S i g r a y, Stephan Friedrich, Markgrafen Georg Pallavicini, Albin L i n g a u e r und Grafen Emmerich K a r o l h i als Z ein g e n verhören werde. Ebenso besteht die Absicht, Feldbischof Z a d r avecz, Dr. Heder und Ladislaus Ferdinandy, gegen die das Verfahren mit Beschluß des Anklagesenats eingestellt wurde, zu der Hauptverhandlung als Zeugen vorzuladen. Na chWlkchaaüonaler Berleumderblatt. Der christlichUtionale ,^Uj Nemzedek" brachte vorgestern eine Meldung, wonach die französischen Polizeibeamten Gravieres und Rohere von der Direktion des Hotels Hungaria vertraulich aufgefordert worden seien, in ein anderes Hotel zu übersiedeln, da ihr Verhalten im Hotel nicht einwandfrei sei. Inspektor Rohere veröffentlicht heute im „Esti Kurir" eine Erllärung, wonach diese Nachricht des christlichnationalen Blattes eine platte Lüge ist. Er und Gravieres hätten bereits die Verleumdungsklage gegen das Blatt eingebracht. Die Anarchie in Shina. Die verzweifelten Anstrengungen der nationalistischen Führer. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 12. April. Ueber die Lage vor Peking liegen hier folgende Meldungen vor: Tschang-Tso-Lin konnte anscheinend verhindern, daß W u - P e i - F u, der bekanntlich von der Kuominschun-Partei nach Peking gerufen wurde, sich zum Herrn der Stadt mache. Tschang-Tso-Lin hat Verstärk u ng e n gegen die Stadt geschickt. Wu-Pei-Fu hat der Ausforderung, in Peking einzuziehen, bisher nicht Folge geleistet. Er befindet sich, während seine Truppen untätig an der Südwestfront verblieben sind, in H a n k a u und hat telegraphisch von den Kuominschun die bedingungslose Unterwerfung gefordert, ehe er selbst nach Peking kommen könnte. Ueber das Schicksal des abgesetzten Präsidenten Tuan- T s ch i - I u i liegen widersprechende Nachrichten vor. Einerseits wird gemeldet, daß er sich in die französische Konzession geflüchtet hat, andererseits, daß er im Gefängnis sei und nach weiteren Meldungen soll er nach Kalgan gebracht worden sein. Wie aus Peking gemeldet wird, sind der Staatsstreich und die Absetzung des Präsidenten Tuay-Tschi-Jui offensichtlich auf ein Komplott zurückzusühren, von dem W u - P e i - F u nichts gewußt hat. Es scheint sich dabei um das Ergebnis der verzweiselten Anstrengungen der Führer der Nationa¬ Neuerliche Regierungskrise in Jugoslawien. Radie greift den Verkehrsminrfter an. Belgrad, 12. April. (Tel.-Komp.) Das vor vier Tagen ins Amt getretene Kabinett Uzunovie ist unerwarteterweise bereits in eine, allerdings nur partielle Krise geraten, an deren Ausbruch der Unterrichtsminister Stephan Radie die Schuld trägt. Radie hielt gestern in einer Volksversammlung eine Brandrede gegen.die korrupte Wirtschaft im Verkehrs minister: um, von dem für die Staatsbahnen gänzlich unbrauchbare Kohle in großen Quantitäten angekauft loutbe, was einen Schaden von vielen Millioen verursachte. Als Antwort auf diese Beschuldigungen richtete Verkehrsminister M i I e 11 c heute ein Demissionsschreibeu an den Ministerpräsidenten. Miletic bezeichnet die Behauptungen Radie' als infame Lüge und Verleumdung. Miletic erklärt, daß er über solche u n q u a l i f i z i e r b a r e Beleidigungen eines aktiven Ministers nicht hinweggehen könne und ersucht den MinisterPräsBenten, seine Demission anzunehmen, da er nicht gesonnen sei, mit einem Vagabunden und Taugenichts wie Radie länger an einem Tisch zu sitzen. Der Rücktritt des Berkehrsministers erregt riesiges Aufsehen. Miletic erklärte m Journalisten, daß er seine Demission keinesfalls zurückziehen werde. listen zu handeln, auf die von allen Seiten ein Druck ausgeübt wird. In Stoffen, Me. Mwnren etc. ixii Warenhaus 11., Taborstrasse 48 Telephon 47*1-71 engros En detail