Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2562 (11.4.1926)
- Date
- 1926-04-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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fei* 9 Dkn, GcmiüG Wiener Morgenzettuns 11. Ml 1926 Ar. Dauersirfimpfe haben Wettrdi «4 BlefSni, unverwüstlich , Ueberall erhältlich Zentrale: LEO SUSSMANN Wien, 1. Bezirk, Schwertgme Nr. % M Abrüstung -er Geister. . -y. IBS 11 n, 11. April. Präsident Coolidge hat in seiner gestern mitgeteilten Rede wieder die Stellung der Vereinigten Maaten zu den Tragen des allen Kontimnts und insbesondere zum Völlerbund erörtert. Amerika wolle die internationale Rechtspflege durch Anschluß an den permanenten Weltgerichtshof fördern. Dies geschehe unter Vorbehalten, die die Unabhängigkeit des Gerichtshofes zu stärken geeignet seien. Diese Vorbehalte, die nach einer Kampfabstimmung im Senat angenommen wurden, sind bekannt. Sie schränken die Teilnahme der amerikanischen Richter auf Angelegenheiten ein, in denen kein direktes Interesse Amerikas berührt werde; die Monroe-Doktrin müsse aus allen Verhandlungen ausgeschaltet bleiben. Diese Vorbehalte, die die Opposition sich abringen ließ, machen eine praktische Mitarbeit Amerikas an der HeiLeiführung der neuen Rechtsordnung völlig illusorisch und sie sind aus dem Kern der amerikanischen Politik entsprungen, die Europa sich selbst überlassen und höchstens als Weltenrichter aufzutreten gedenkt. Der Präsident betont dies sogar sehr scharf, indem er die Ablehnung des Völlerbundes nochmals ausspricht. Nun gehen alle Beschwerden, die sich an die mangelhafte Tätigkeit des Völlerbundes knüpfen, doch dahin, daß er noch immer erst im Beginne stehe und eben noch kein Buck) der Völler sei, sondern höchstens ein Bund seiner Signatarstaaten. Er kann zu keiner umfassenden Arbeit gelangen, so lange er nicht Deutschland, Rußland und die Vereinigten Staaten zu seinen Mitgliedern zählt, und alles, was er leistet, muß Stückwerk bleiben. Die Gefahren für Amerika, in europäische kriegerische Konflikte hineingezogen zu werden, spielen in der Diskussion jenseits des Ozeans eine große Rolle; sie sind aber doch nur in der Vorstellung vorhanden, da.doch nur eine Anteilnahme Amerikas solche Gefahren verhindern kaum * . ...... Die Bereinigten Staaten wollen nicht ausäjtet so bequemen Position des großen Gläubigers heraüstretLn. Sie gibt ihnen ein schr werwolles uyd stets berejtstehendes Pressionsmittel an die schafft..^ Gelegenheit, zu jedem angemessenen Zerchümt die Forderungen des Dollar anzumelden. Der permanente Gerichtshof wich niemals zu'einer ersprießlichen Berhacklung gelangen, da er sich in der unsichersten Lage befindet und das Beta Washingtons wie ein Fallbeil über sich fühlt. Aus dem Widerstand Amerikas entstehen aber noch weitere Hemmungen,. Der deutsche Nationalismus, der schon seit langem in intimster Fühlung mit Amerika steht, schöpft auS diesem unbedingten Nein die stärkste Argumentation gegen die Versöhnungspolitik. Rußland, das gleichfalls mit New» Jork kokettiert und Gruß und Handschlag tauscht, kann seine Sabotage gegen den Gesundungsprozeß lächelnd.fortsetzen uck die Feindschaften gegen den Völkerbund, die sich in den anderen vom Faszismus infizierten Staaten gek tend machen, finden lÄfhaft begrüßte Unterstützung. Auch sie berufen sich auf. Gefahren, die ihnen drohen, uck» leiten daraus ihre Rüstungspolitik ab. * Alle sagen, interessanterweise sogar mit denselben Worten, die schöne Redensart nach, der sich auch Präsident Coolidge bedient, daß nämlich die geistige uck moralische Abrüstung die Voraussetzung bkibt. Es muß etwas ge» schehem Das ist der Weisheit letzter Schluß uck daß ihn auch der Präsident des größten Reiches zieht, beweist, daß man auch drüben nur mit Wasser kocht uck daß der amerikanische Geist nur ein Abklatsch der europäischen Denkfaulheit bleibt. Amerika hat eine große Armee, es hat eine starke Flotte zur See uck in der Luft, es ist imperialistisch uck von Machtlendenzen getrieben. Es hat mehr Geld als Europa, weil es ein riesiges einheitliches Wirtschaftsgebiet bildet. Der Nationalismus trägt auch drüben keine änderen milderen Züge als in irgend einem anderen Lack; das ist kein Wunder, denn er nährt sich aus Europa, das sein System des politischen uck sozialen Hasses hinüber transferiert hat. Wenn die europäischen Kolonialstaaten den nahen Orient parzellieren, so treibt Amerika genau die gleiche Politll der Jnteressenanmeldung in China uck im Süllen Ozean, in Zentralamerika und in Sibirien uck seine Drosselung der Einwanderung ist ein Akt der bösesten Feindschaft gegen die alte Welt gewesen. Dieses Gesetz, aus dem Geist des chauvinistischesten Nationalismus geboren, legt Zeugnis dafür ab, wie schr berechtigt der Appell des Präsidenten Coolidge an die amerikanische Presse war, die er an ihre Verantwortlichkeit erinnert, Gr empfiehlt ihr Ehrfurcht vor der Religion. Klingt da nicht ein wenig das führende Motiv der Immigrationsvorschriften durch? Wenn es tatsächlich zu einer Abrüstung der Geister kommen soll, jo hat auch Amerika ein weites Programm zu erfüllen. Aber diesseits und jenseits des Ozeans werden noch viele Reden über dieses Thema ge-, Ka l*n werde«. Segen die Austeilung ötzriens. Eine Eingabe des syvisch-PaMtinenfischen Komitees. (Cigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 10. April. An mehrere Senatoren und Deputierte der französischen' Kammer ist vom syrisch-palästinensischen Komitee eine Depesche folgenden Inhalts eingegangen: „Wir protestieren gegen die Auffassung, die Räumung Syriens könnte Massakers zur Folge haben. Sobald Syrien zum Völkerbund zugelassen ist, wird es jede Sicherheit für die Anfrechterhaltung der Ordnung durch eigene Kräfte geben. Während des Weltkrieges, als Europa in Blut schwamm, hat Syrien den Beweis seiner hohen Auffassung von menschlicher Gesittung geliefert. Kein einziger Zwischenfall war aus Syrien während der ganzen Kriegszeit zu melden. Das Benehmen der Mohammedaner gegenüber der christlichen Minderheit war stets musterhaft. Syrien lehnt die Pläne I. o u v e n e l s, die auf eine Aufteilung in vier Einzel st a a t e n hinauSlaufen, nachdrücklich ab und wird keinesfalls mit sich über seine völlige Unabhängigkeit und Unteilbarkeit, mit Ausnahme des Libanon, handeln lassem Sy ri en erklär t s i.ch b erei-t, ein ,A bko mmen mit Frankreich zu schließen, soweit.die nationale Unabhängigkeit davon nicht berührt wird. Dem Libanons steht es frei, einen Vertrag mit Frankreich nach seinem Geschmack zu schließen; Syrien mischt sich in diese Beziehungen nicht ein. .Weder Syrer noch Drusen ermorden französische Soldaten und wünschen durchaus nicht, mit Frankreich die Klingen zu kreuzen. Aber sie stellen fest, daß ihre Landsleute ohne Ansehung des Geschlechts und des Alters in ihren eigenen Heimen niedergemetzelt, daß ihre Städte nieder gebrannt, Handel und Wandel zerstört, ihre Grundrechte mit Füßen getreten werden. Syrien wird niemals aufhören, die zivilisierte Welt im ganzen und die Franzosen im besonderen um eine unparteische Untersuchung an Ort und Stelle anzugehen, damit die Wahrheit, die über allem stehen muß, ans Licht kommt." Neue Kämpfe. Paris, 10. April. (Tel.-Komp.) Wie ans Beirut gemeldet wird, kam es bei Le MM. einem Zusammenstoß zwischen franzosenfremndlrchen Beduinen und Drusen. Die Drusen wurden zurückgeworftn und ließen S0 Xot? zur HL. F ü n f D r ü f e n h ä ü P fft üge aus dem ' Hermongebirge haben sich den Franzosen unterworfen. GRABEN-FRISIER-SALON Wien, I. 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Der. diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet, daß die italienisch-rumänischen Paktverhandlungen epfdlglvs verlaufen, seien, weil Italien sich nicht verpflichten wollte, die beßarabische Grenze zu. garantieren. Italien sei jetzt bemüht, einen Pakt der.faszistisch orientierten Länder Italien, Ungarn urid Polen zustande zu bringen. Italien sei für die Wiederherstellung der Monarchie in Ungarn, aber mit Au s sch l u ß d'e r H a bs b u r g e r. * Der neue polnisch-rumänische Pakt enthält eine GarctNtierung der polnischen Grenze gegen Deutschland, Sie „Wunde der futiWn Revolution". Eine Auszeichnung für Mussolini. kEisiendienst der „Wiener Morgeiizeilunli".) Rom, 10. April. Das Direktorium der faszistischen Partei h^lt beschlossen, Mussolini bei seiner Rückkhr aus Tripolis für seine Verletzung Hel dem jüngsten Attentat mit dem Abzeichen „Wunde der faszistischen Sftc* d 0 lrr t i 0 n" auszutzeichnen, das in Anlehnung an die Krj e'gsve r w ünde te n m r da i l l e eigens für di e s \n Z!v e cf g e s ch aff e n w i r d. Sie Svrachenverordnnng in der Achecho« jlowakek. (Cigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Prag, 10. April. Wie Ihr Korrespondent au informierter Sielte erfährt, ist die jüngst verbreitete Meldung von einem gegen die jüdisch? Nationalität gericheten Spracb.'u.'rlaß des Iustlzirrinisterinuis unrichtig. Ein solcher Cclaß wurde nie. hsttäusgegeben. Die in der Meldung zitierte LntWidurtg bezieht sich lediglich auf die Feststellung, daß eine nationale Minderheit nicht spraWH einer aMres MiMhck Mwerdest ''—1 .1.. v'v v - Di« solidesten Fabrttaie i moderner Kinderwagen» Eisen-, Messing» nnd Aoizbetten Log. 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Insbesondere bildeten die Fügen des Numerus clausus,, der Sonntagsruhe und mehrere wirtschaftliche Forde-- mngen den Gegenstand der Beratungen, die damit schlossen, daß beide Minister die Erklärung abgäben, daß die Regierung auch d' i e se F 0 r d e.r u n g e n in. genau.bestimmten Zeitabschnitten erfüllen weide. Ms Beweis hiefür wird angeführt, daß Minister G r ab Skr selbst im September 1925 die Verhandlungen über den Numerus clausus mit dem Präsidium des Wsschen SejmÄubS geführt hat, das in den Beratungen sich ausdrücklich auf'die B e ft i m mu n g e n d e r B e r st ä n-- digung gestützt hat. Auch in ben Verhandlungen über die Sonntagsruhe-habe die jetzige Regierung ganz genau ge-, wutzt, daß die Verständigung sich.auf dieses Postulat erstreckt habe. Interpellationen jüdischer Abgeordneter im polnische» Sejm. (Eigendienst der „Wiener Morgenzettung".) Warschau, S. April. Die Abgeordneten Heike,r und Genossen halben in der letzten Woche drei dringliche Inter- - pellationen eingobvacht.; Die, erste fordert von der Regierung binnen vierzchn Tagen eine neue Novelle zum Arbeitslosendersicherungsgefetz vo-rzulegen, die diese Versicherung auch auf manuelle ück geistige Arbeiter erweitert, die in Unternehmungen beschäftigt sind, di« nicht mehr als fünf Arbeiter beschäftigen. Auch die selbständigen Handwerker sollen in diese Erweiterung einöegogen wsriden. Die zweite Jnterpeyatron wendet sich gegen di« drakonischest Gteweworschreibungen an Personen^ die durch die letzt« wirtschaftliche Krise vollständig zugvucke gegangen sind. Die dritte Interpellation betrisst di« ungerechtfertigte Verzögerung der Durchftihrunigsverordünstg zur ArbeitStosenverisicherunySnovette für geistige Ard«tt«r. Si ne Zentralorganisatson der striegrinvaliden in Pol««. (Eigendienst der „Mener Morgenzeitung^.) Krakan, 10. April. Noch sin Borjahr sack bekanntlich in Krakau eine Zusammenkunft der Delegierte» der jüdischen KriegSinvaltden, -Witwen ynd -Waisen aus ganz Polen statt, in der die Gründung einer Zentralorgan i s a t io n, die alle Vereine der jüdischen Invaliden, Witwen und Waisen aus ganz Polen umfassen sollte, beschlossen lvurde. Das zu diesem Zwecke gewählt« Örganisationskomitee hat das Statut dieser Zentralgesellfchaft, die den Ätamen „Vereinigung aller Verbände der jüdischen Kriegsinvaliden, -Witwen und -Waisen der polnischen Republik" tragen wird, endgültig abgefaßt. Ende. April wird eine neuerliche Zusammenkunft der Delegierten aus ganz Polen stattfinden, welche dieses Statut bestätigen und die Organisation konstituieren soll. Die Hauptaufgabe dieser Bereinigung ist die Wcchrrmg Rechtsinteressen der jüdischen Kriegsopfer. der Sine ««»wandem-SchomellklorMMisM»».. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 10. April- In M a r f e i l l e wurde «ine Or- ' ganijütion aufgedeckt, die unter U nrgehu ng der Betz ö r d e n und entgegen dein amerikanlschen MswackernW« - gesetz Ausländer, besonders Italiener, t» die yetzt einigte» Staate« von RordamerA v y