Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1926-04-08 · Heft 2559 (8.4.1926) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2559 (8.4.1926)
Date
1926-04-08
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2981549-2981646--26122-3013843
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

GM 8 _Wien, Donnerstag_ Lolkswirt. ldnschwnnz an der Berliner 98rfe? HoMnfig feine wette« Disfontermößigung in DartschkanV. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 7. April. An der heutigen Börse nmchte sich der Eindruck gelten-, als ob nunmehr ein Umschwung «bevorstünde. ES scheint, daß das Hauffsfieber der letzten zwei Wochen abKrebben begänne. Die Kontermine wagt« sich stärker hervor und auch die Spekulation begann größere Realisationen vorzuneihmen. Es zeigte sich ein Warenanbot aus sämtlichen Geibieten. Die Schiffahrtswerte, welche bekanntlich in der Vorwoche das favorisierte Hauffepapier bildeten, gaben jetzt nach. Auch die übrigen Montanwerte wiesen Kursabschläge bis zu 5 Prozent auf. In -er Beurteilung -er Vorkriegsworte machte sich eine pchsimfftifchere Stimmung geltend. Trotz -es weiteren billigeren Geldsatzes wurden Goldpfandbviefe modriger gehandelt. Erfahrene Börsentaktiker sind der Ansicht, daß die Haussebewegung der letzten Tage eine eventuelle weitere Tiskontermäßigung der Reichsbank bereits vöreskomptiert habe. Tie Kurssteigerung wirnunmehr als übertrieben angesehen, zumal -a in Frnanzkreifen die Ansicht vertreten wird, daß vorläufig der Reichsbankpräsident Dr. Schacht an eine weitere Ermäßigung nicht denke. 9te«e ameE«rnchsche Anleihen für Mt deutsehe Industrie. Es verlautet, daß in London wegen einer großen Anleihe in der Höhe von 10 bis 20 Millionen Dollar für dte deutsche Zuckerindustrie verhandelt werde. Wenn auch -iese Verhandlungen vorläufig noch kein positives Ergebnis gezeitigt halben, so wird doch damit gerechnet, daß eine solche Anleihe in absehbarer Zeit zustande kommen werde, da die deutsche Regierung den Kapitalsbedarf der Zuckerindustrie einsche. Diese Anleihe macht einen ungünstigen Eindruck, da sie zu einem relativ hohen Zinssatz von 7 bis 8 Prozent für eine längere Zeit abgeschloffen werden soll. Die teuren Jndustrioanloihen werden von deutschen Finanzkreisen ungünstig gewertet. Es wird erklärt, daß die deutsche Wirtschaft unmöglich so hohe Zinssätze für längere Zeit ertragen könne. Tie kurzfristigen Geldanbote deutscher Banken in N e w - A o r k und London werden damit in Zusammenhang gebracht, daß die deutschen Industrien ihre teuren Anleihen nicht sofort konsumieren können und einen Teil derselben bei ihren Banken belassen, um wenigstens einen Teil der Zinsen wieder hereinzubekommen. Diese Gelder werden von den deutschen Banken den auswärtigen Plätzen in Form von Taggeld zur Verfügung gestellt und haben den Eindruck hervorgerufen, als ob tatsächlich eine solche Geldüiberfülle in Winter. (8) NoöeÜe von I. Z. Unojchi. (Aus vom Jüsiscken von P. Haller.). -Hart;bei uns geriet ein kleines Bäumchen ins Wanken. Ein silberweißer Schneestaub wirbelte zur Erde. Und -wieder wurde es still. Unsere Blicke trafen einander. Hatte jeden von uns derselbe Gedanke erfaßt? Was geschah? Unsere Lippen berührten einander, preßten sich aneinander fest.., „Äron!" rief Mira, als erste erwachend. Trauriges Leid erklang in ihrer Stimme. „Mira, Mira, was denn?"... Mira warf mir einen ernsten und tiefen Mick zu. Lange ^trachtete sie mich. Leise sagte sie: „Nichts, nichts." Und wurde mit einem Vlal-e so fröhlich, allsgelaffen fröhlich. „Krön, wollen sie, daß ich weiß werde, so weiß wie ein Baum?" Sie lief zu einem jungen, mit Schnee bedeckten Bäumchen. Stellte sich unter Hie Zweige. Rüttelte anl Bäumchen. Eine wnße Schneemaffe überschüttete sie. Sie lief zu mir, von Kopf bis Fuß weiß. Von der weißen.Hülle stachen ihre fuschen, glühenden Augen und ihre heißen Lippen ab. Eine Weile stand sie mir weiß Mgenüber. Und mir kmr mein weißer Baum bei meinem Fenster vor die Angen. Mira rief leidenschaftlichwild aus: „Krön, Krön!" Wieder preßten wir unsere Lippen aufeinander. Heiß und wich rankte sich Leib um Leib. Ein brennend rotes Feuer übergoß den weißen Wald. u. Es ist nicht das erste Mal, -daß ich mich ftage: Liebe, was ist das? So viel über sie nachgedacht, so viel von ihr geträumt. Liebe... was ist das? Frische, rote Bluttropfen auf ein weißes Schneefeld gesprengt? Eine verwunschene Prinzessin in schwarzem Samtkleid, mit feurig-roten Augen, mit dünnen, langen, trockenen Zöpfen und krummen, dürren, leidenschaftlichen Fingern, auf einem schneeweißen Pferde reitend. Jagt über Berg und Tal, und sucht und sucht. Und weiß am Ende nicht, was sie sucht? Liebe, Liebe... Ich hatte in meinem Leben schon viel mit Frauen zu tun. Jede Frau, die mich für sich gewann, erfrischte mein Herz'wie ein Sommerregen, der den trockenenBoden erfrischt. Pflegte so frisch und rein die Erinnerung an ihre Vorgängerin hinwegzuspülen. Ich war ihr dafür dankbar. Liebte ich sie? Sie machte mich jung. Aber kaum kannten meine Lippen die ihren, kaum halte Min Atem ihren Atem erfaßt« meig Lech den Wiener MorAenzeltiriiA__ Deutschland herrschen würde, daß die deutsche Finanz selbst aMändische Geldmärkte alimentieren könnte. Me «tttflitiM auf dem österreichischen Aentenmnrlte. Die zögernd« Haltung der Regierung. An der gestrigen Börse hat der Rummel auf dem Markte der Dovkricgsrenten wieder größere Dimensionen an-geitontmen. Tie Goldrente hat vorübergehend den einen Rekordkurs v»it 98.000 erreicht, um dann später wieder im Kurse etwas nachzulassen. Auch di« anderen Reniensorten lvareu entsprechend höher gewertet. Nahrung erhielt die Bewegung durch den Umstand, daß an der Börse verlautete, di« Ragiemng werde die von ihr geforderte Erklärung über ihre Stellungnahme zur Palori>s«akionsfrage nicht in den nächsten Tagen abgeben. Der Fina-nzminister ist zuvückhaltend. Die Regierungspartei steht auf dein Standpunkt, daß ohne die Lösung des Mietpröblems eine Regelung der Valor isationsftage ausgeschlossen sei. Wenn auch die Regierung irgendwie der Valorisationsfrage nähertreten wollte, müßten solbstverständlich auch die Pfandbriefe eine entsprechende Valorisierung erfahren. Dies ist aber nur bei entsprechender Aufwertung der Mietzinse möglich. Für eine solche Aufwertung ist über der Nationalrat derzeit nichr zu haben. Die Regierungspartei will anuf diese Weise den Nachweis erbringen, daß di« Kleinrentner mit ihren Forderungen nur dann durchdringon könnten, wenn sie sellbst in der Frage des Mieterschutzes nachgebeu würden. Darin liegt der Widerspruch, der nicht so leicht gelöst werden kann. Die Regierung will vorläufig in dieser Hinsicht keine präzise Stellung ein-nehmen, um nicht die Grenzen nach der einen oder anderen Seite irgendwie festzu-legen. Die RentenspeSulation geht von dem Standpunkte aus, daß die. zögernde Haltung der Regierung ihre Position um so stärker festige, da je später die Regierung die Lösung des Balorisationsproblems nt Angriff nehme, desto mehr Aussicht für eine günstige Lösung vorhanden sei. An der gestrigen Börse zeigten sich aibcr auch schon einige Vorstöße der Kontermme, die von Kreisen ansgehen, welche der Ansicht sind, daß vorläufig die österreichische Wirtschaftslage eine Valorisierung nicht gestatte. SiqulDationen im österreichischen verlagsweken. Rikola A.-G. und Wila. Die arische Berl-agsgesölüschaift Wila (Wiener literarische Anstalt A.-G.) wird liquidiert. Diese Gesellschaft war eilte Inflationsgründung und ist von.Nichtfachleuten geleitet worden. Infolge der gesunkenen Kaufkraft des Publikums und der mangelnden Anpassungsfähigkeit an die neuen Verhältnisse konnte sich diese Gesellschaft, welche in erster Reihe den Zweck verfolgte, die Werke arischer Schriftsteller zu verlogen, nicht halten und mußte-ihre Liquidation beschließen. ihren erkannt, spürte ich noch eine neue Falte auf meiner Stirn zu den schon vorhandenen 'hinzukommeu. Ich werde von Len Netzen des Todes umsponnen. Und nach den Stürmen der Leidenschaft, heißer Küsse, guter, sanfter Worte Pflegte ich an den Tod zu denken. An d.'n To).., Und ich dürstete wie eine brennende Sandwüste nach Regen. Regen, Sommerregen... Ja. Ich hake schon aufgehört für mich von diesem VerMbert-Berwunschenem mit den Frühlingskleidrrn und den toten Augen etwas zu erhoffen. Liebe... das sinh einige wahre, dann viele, viele falsche Küsse. Einige wahre, dann viele, viele falsche Worte. Ein Schlafzimmer mit Zwei Betten, eines neben dem anderen, und ein unwahres Leben, ausgefüllt von Gedanken an den Tod... Ich lächle, ich lache darüber. Ich erhoffe mir davon nichts. Liebe, Liebe... Ein hartes Gelächter, wie Geklirr von Blech... Aber »vas geht jetzt in mir vor? — Ganz nc'.'es... Habe ich bis jetzt >:<enn überhaupt geliebt? Wie jung bin ich, wie leicht ist es in mir geworden. Bis jetzt habe ich es im Leben falsch angepackt. Falsch. Ich werde jetzt alles von neuem beginnen. Eine frische Quelle rieselt im Herzen. Ja. Ich sichle, daß das vergangene Leben nur ein Vorwort war. Ein Vorwort nur. Ein Wunder ist mir zuteil geworden. Eine neue Sonne leuchtet über meinem -Haupt. Miras Gesicht wird dort Tag zu Tag begeisternder, heller. Sie hat mich schon einige Male besucht. Wir sprechen fast nichts. Sie erzählt mir nichts. Nur ihre Augen sind strählender, sehusüchtioer, ihre Schultern unruhiger als früher. Ja noch das: Meine Wohnung gefällt ihr nicht, auch »nein Bild nicht. Sie kommt z-u mir, für eine kleine Weile, ist sehr unruhig. Als käme sie um etwas zu erfahren, um sich nach irgend ettvas zu erkundigen. Sie geht bald wieder fori. Burstin nur einmal besucht. Sara hat mich so unruhig angesehen. Beim Abschied wieder dumni benommen. Ich sagte zu Mira: „Ich werde wahrscheinlich nicht mehr zu- Ihnen kommen. Besuchen Sie mich lieber." Oie antwortete ruhig und kalt. „Durchaus nicht." „Mira, Mira, was sind Sie denn?" * An einem Vorabend kam, ohne daß ich es erwartet hätte, Eva zu mir. Verschämt war sie. Fand keine Worte. Ich bat sie, Platz zu nehmen. Ich glaube, sie hat mir etwas zu erzählen. Ich zeige ihr meine Wohnung. Meine Wohnung gefällt ihr schr. Selbst vom Tischchen, das in der Nische meines Schlafzimmers steht, glaubt sie, daß es das Zimmer besonders bequem mache. Bon meinem Bild ist sie nahezu begeistert. Wenn ich ihren Blick sacke, senkt sie die Augen und blickt das BM an. Und wie ruhig und mütterlich-gütig sie ist. _8. ttytft 1926_Nr. 2559 Die österreichische Bevlagsgesellfchcuft Rikola, ein' Gründung Richard Kolas, ist schon vor einiger Zeit in W Besitz der angesehenen Verlagsfirma Holder, Pichler Tempsky übergegangen. Der Verlag dürfte in diesem M fundierten und von tiid/tigen Fachleuten geleiteten Unter» nehmen zu neuer Blüte kommen. Hingegen wurde die alt« Rikola A.-G. als solche aufgelöst. Es handelt sich hier um eine Liquidation des Titels. Tie Münchener Schwesterverlagsgesellfchaft der Rikola ist in den Musarioitvevl-ag, ebenfalls ei-tte Gründung Richard Kolas, übergogan-gen. Der Musarionvevlag hak sich bekanntlich durch die Herausgabe von Nietzsches Werken eilten guten Namelt int deutschen Buchhandel erworben. Die Musarionausgabe der Werke Nietzsches ist bereits übers-ubfkribiert. Durch den Altschluß der deutschen Tochteruntern-ehm'l.i>,g der Rikola an diesen Verlag dürften auch die Geschäfte dieses Verlages sich weiter günstig entwickeln. Eine Anleihe?iir dns Snlzburner FeWieihans. Im Salzburger Landtag hat gestern die Landesregierung u. a. die Gesetzrsrorlaae wegen Ue b e r n ah m e d e r Landes« garaut-ie für ein Dollara ulehen der Salzburger Kredit« und Wechselbank zur Sanierung des Salzburger Festspielhauses übermittelt. Gemäß dem Berichte soll der Salzburger Kredit« und Wechselbank, die an die Festspielhausgemeinde aus dem Titel des Fcstspielhausbaues eine Forderung von 1,200.000 Dollar za stellen hat, cin kurzfristiger, mü höchstens 8 Prozent verzinslicher K'.et'i in der Höhe von drei Millionen Dollar unter der Solidarhaftung der Bayrischen Hypotheken« und Wechselbank, des Landes und der Stadt SälOurg als Bürgen und Zahler derart vermittelt weiden, daß die Haftung sich praktisch über Zwei Millionen Dollar nicht erheb: und stufenweise um 500.000 Dollar ansteigt und sinkt, bis sie schließlich am 1. Juli 1928 gänzlich erlischt. Dagegen hat die genannte Bank auf eine Rückzahlung ihrer vor- ««wähnten Forderung zu verzichten und der Stadtgemeinde Salzburg über deren Veranlangen ein bis 1. Juli 1923 zurückzchlbares, mit 6 Prozent verzinsliches Darlehen von einer Million Schilling zu gewähren. Die Vorlage wurde angenommen. $er Handel zwischen Rußland und PaMirm. Die Preßagentur T. A. Z. meldet ans Odessa, daß int Jahre 1925 nach Palästina, Aegypten und Syrien Waren im Werte von zwei Miltiolten Rubel exportiert worben sind. Nach Palästina gingen Bauholz im Werte von 500.000 Rubel und Lebensmittel, Vieh tlnh Zement im Werte von 260.000 Rubel. In diesem Jahre soll ein regelmäßiger Schiffsdienst zwischen ldetp Schwarzen Meere und Palästina eingeführt werden. Geringe Bewegung auf den Devisenmärkten. Die Schwankungen, auf den internationalen Devisenplätzen dauern an, doch sind sie nicht so groß wie in bert. lebten Tagen. Die Devise Paris senkte sich in Zürich von 18.025 auf 18.015. Leicht rückgängig waren auch die Devisen London und New- Sie liebt es, sagt sie, auf einem Bett zu sitzen. Ob ich e£ erlaube? ,Za, ja, ich bitte sogar." Wir bleiben im Schlafzimmer. Goa. sitzt auf dem Bett und betrachtet es. Sie fragt: „Mer bringt morgens das Bett in Ordnung?" „Ghana." „Eine brav« Frau, nicht >lvahr?" ,-Eine sehr brave Frau." „Und wer richtet, es zinn Schlafen her?" „Auch Chana." „So... Ich habe Chana wivklich lieb. Wie gütig sic ist. Nicht wahr?" Im Fortgehen drückt sie mir die -Hand ml so großer Dankbarkeit. Am nächsten Vorabend kam sie wieder. Um dieselbe Zeit. Diesmal fragten ihre gütigen Augen unruhig: ,Macht es nichts, daß ich heute wieder gekommen bin? Bin ich Ihnen nicht langweilig?" . Ich habe sie ^herzlich empfangen. Sie wurde lustig. Sie setzte sich zu mir. Mit so gütigen, ruhigen Augen sah sie mich an. Ich hielt ein Buch-in-der Hand. Es fiel zu Boden. Ich neigte mich zu Boden, um es 'autzuhüben. Gva ftthr mir mit der Hand über das Haar. Ich tat, als hätte ich es nicht bemerkt, Eilt leiichter Schein der Röte lief über ihr Gesicht. Ihre Hand zitterte leise. Sie fragte: - „Es kommt wohl niemand zu Ihnen?" ,Jn letzter Zeit nicht." Sie schwieg. Ich sah und fühlte, daß sie das mit Unwillen erfüllte. Nach einer Weile fragte sie wieder: ,-Sind Sie traurig?" „Nein.. Wirdtzv schwiegen wir eine Weile. Mon!" Ettvas in ihrer Stimme erschreckte mich diesmal. „Was denn?" Ich bereitete mich auf etwas vor. Sie schwieg. Dann sagte sie im Tone ihres gewöhnlichen Sprechens: ,^Jch 'weiß nicht... aber bis jetzt wollte es mir im Städtn chen nicht gefallen, ich wußte nicht, wo ich mich hintun sollte. War es Langeweile, Trauviglkeit, tvar es -das Suchen rtach einem neuen Leben? Ich wußte aber nicht, wo ich mich hier hintun sollte..." „Eva, wissen Sie, Sie stn-d ein liebes und braves Mädchen." (Fortsetzung folgt.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.