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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-08 · Heft 2559 (8.4.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2559 (8.4.1926)
Date
1926-04-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Liruaun fPoleii:25 goity] Wien: Zum Abholen in der Expedition, IL Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle Trafik) monati. ö Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Qo 1 d schmled, 1.. Wollzeile 11 Mit Postversand für Wtz und Oesterreich moi 5 Schilling 1 sch echo-Slowakel: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. SZloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 i^achMhloaieB bei Prell* erbOhangen ▼orbehette» Wiener orgcitje ilung England: Mon. 4 Schilling itallem Monati. 18 Lire: Rnmdnien: Mon. 170 Lei. Bulgarien :Mon.lOOLews. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102. 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterrelchisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.698 Re. 2559 Di«, aonnetstna. 8. Avril 1928 8. Mrgnnn Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Miticilungen find durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Weizmavn in PalDina. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) Jerusalem, 6. April. Der Präsident, der Zionistischen Exekutive Dr. Werzmann chatte unmittelbar nach seiner am 31. März erfolgten Ankunft eine Unterredung mit dem «französischen Oberkommissär von Syrien, de Ion den el. Sodann wurde er von, Lord Pl unter in Audienz empfangen, Nie Kämpfe im Lidanongebiet. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) Paris, 7. April. Die französische Offensive gegen die Drusen, deren.Hauptziel die Säuberung des südlichen Ke rmo ngebie tes ist, dauert, wie ein amtlicher Kriegsbericht mitteilt, an, und hat bereits zu einem v o l l e n E rfolg geführt. Drei französische starke Kolonnen traten einen konzentrischen Vormarsch auf die alte Drusenzitadelle M e ds.chel el S che ms an, während eine vierte Abteilung durch ein Scheinmanöver die Hauptkräfte der, Drusen bei Kacana festlegte. Nach mehrstündigen heftigen Straßenkämpfen gelang es den weit überlegenen französischen Truppen, die Stadt Medschel el Scherns zu erobern. Die Drusen zogen sich in die Berge zurück. Die französischen Kolonnen haben Rayas >im Hermonmassiv w ied er besetz t. Die D rüs e n sind nach Pal ästi n a ge flüchtet, wo sie e ntwaffn et"w.ur den: Die Franzosen hatten einen Toten und Pier Verwundete, wahrend die Drusen 204 Leichen'und 25 0 Verwundete zurückließen. Emir Atrasch ge-follon. London, 7. April. (Wolfs.) Die „Mormng Post" veröffentlicht eine Meldung aus Jerusalem, wonach Emir Hamed A t r a s ch, einer der Führer der aufständischm Drusen, geifallen ist. (Vor einigen Wochen war berichtet worden, daß der Sultan Atrasch durch eine Fliegerbombe schver verwundet wurde.) Heiliger Krieg in Marokko. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 7. April. Die von .der französischen Presse seit Tagen verbreiteten Gerüchte über die bevorste'hende Eröffnung von Friedensverhandlungen mit Marokko erfahren eine schlagende W i d e r l e g u n g durch ein Telegramm aus Tanger, wonach Abd el Krim in einem flammenden Aufruf zum heiligen Krieg gegen d i e ch r r st l i che n E r o bexj v auffordere. In dem an die.Häuptlinge der marokkanischen 'Stamme gerichteten Aufruf heißt es: „Vereinigt euch und bildet einen Wall gegen die Christen! Metzelt sie nieder, wo ihr auf sie stoßt! Setzt dem Feinde überall zu. Schneidet ihm die Verbindungswege ckb. Tretet in den he iligen Krieg ein, um unsere Natron zu verteidigen und unser Vaterland zu retten. Trotzt dem Tode aus Liebe zu Gott!" Zas anruhige 8»die». Kalkutta, 7. April. Die Nacht ist ru!hig verlauf.e n. Militärpat r o u i Ken verhmdevten einen drohende n Zusamm enft oß zwischen Hi ndus und Muselman e n bei einer Moschee. Streikende Arbeiter gegen Europäer. Kalkutta, 7. April. In Gouripore bei Kalkutta sind mehrere tau,end Arbeiter der Baumwollfabri. ken in den Streik getrel.en, da sich ein Europäer Brutalitäten gegenüber einem Kuli zuschulden konlmen ließ, an denen dieser kurz darauf starb. Die Streikenden griffen die Europäer au. von denen vier verwun« det wurden. Gendarmerie M die Ordnung aufrecht. Die Lage ist ernst. Madras, 7. April. Infolge des Versuches, eine neue Gewerkschaft der Baumwollfabviksarbeiter zu gründen, sind ernstliche U n r u h e n zu befürchten. kin Attentat auf Muffolini. Der Miaifterpröftdent leicht verletzt. — Ae Zäterin, eine alle Frau, verhaftet. Rom, 7. April. Heute vormittags um 11 Uhr wurde auf de« Platze des Kapitols ein A t t e n t a t aus den italienischen Ministerpräsidenten verübt. Mussolini hatte soeben den internattonalen Aerztekongretz eröffnet und schritt durch die ihm beifaMatschende Menge, um in s e i n A u i o zu steigen, da näherte sich ihm plötzlich e i n e a l t >e F r a u aus dem Volke, die auf ihn aus fast unmittelbarer Nähe einen Revolverschutz abfeuerte. Mussolini erlitt eine leichte Verletzung am Nasenbein. Er bewahrte aber seine Ruhe und gab sofort Anordnungen für die Aufrechterhaltung der Ruhe. Die saszisttsche Menge wollte die Frau lynchen, sie wurde von Karahinieri verhaftet und dem Staatsgefängnis eingeliefert. Der Hergang der Tat. Rom, 7. April. Zu dem Attentat auf Mussolini werden folgende Einzelheiten bekannt: Mussolini hatte eben den. siebenten internationalen Chirurgenkongreß auf dem Kapitol mit einer Rede eröffnet. Als er zwei Minuten vor 11 Uhr das Kapitol verließ, hatte sich auf dem Platz eine große .Mnscheumenge . versammelt, baumter; eine Anzahl Studenten, welche Mussolini ' ^begrüßten, worauf er mit Händewinken freundlich erwiderte. Plötzlich ertönte ein Schuß. Mussolini fuhr sich an das Gesicht, .'wich einen Schritt zurück, das BIut strömte ihm üb er.d.ie Hän de, über das Hemd' und über die Maider. Der Professor der Chirurgie B a st i et n c 11 i wollte Mussolini halten,, doch dieser Wies, ihn zurück und echob die Hand mit dem Rufe: „Es ist nichts, nur Rühe!" Hierauf wurde er in einen der ebenerdigen -Säle, geführt, wo Professor. Basttanelli ihn untersuchte und hierauf erklärte: „Es ist kein Anlaß zur Besorgnis, es ist so gut wie nichts!" Die Menge ‘ brach in st ü r mische Rufe aus und stürzte' gegen bte‘ Urheberin des Attentats, eine etwa sechzigjährige, ärmlich gekleidete Frau, die zwischen zwei spaßerbi'lhende Reihen Hindurch auf Mussolini geschaffen hatte. Mit Mühe konnte die Wache sie vor Mißhandlungen schützen urtd fortbringen, während ununterbrochene Kundgebungen für Muffolini ertönten. Alsbald erschien Mussolini wieder und ging zu Fuß unter brausenden Kundgebungen zu seinem Automobil, das ihn in seine Wohnung brachte. Die. Kunde von dem Attentat verbreitete sich blitzschnell durch die Hauptstadt. Sofort wurden Fahnen gehißt. Es bildeten sich größere Ansammlungen, die durch Zuzüge aus den Vororten immer mchr anwnchsen. Die Menge stürmte das oppositionelle Blatt „Jl Mondo" und verwüstete eS. Die oppositionellen Blätter wurden aus den Zettnngsständrn gerissen und verbrannt. Die Ausgabe der offiziellen Nachricht erfolgte erst nach 2 Uhr. Die ersten Gerüchte sprachen davon, daß die Attentätevin slawischer Nation sei. Die einen behaupteten, sie sei Rumänin, die anderen, sie sei Polin oder Russin. Die betreffenden Gesandtschaften wurden sofort von einem großen Karabinieriaufgebot umgeben. Eine Schar von Studenten zog zur russischen Botschaft und wollte sie stürmen, wttrde aber von Karabinieri znrückgetrieben. Aktffolini verdankt -das Fehlgehen der offenbar gutgezielten Kugel dem Umstand, daß er sich im selben Augenblick an einen seiner Begleiter zur Seite wandte, um sich zu verabschieden. Einer der Tatzeugen gab an, daß er die Attentäterin kurz vor der Tat mit einem weißbärtigen Mann habe sprechen sehen, und daß er gehört habe, wie dieser ihr empfahl, etwas unter einer Zeitung zu verbergen. Offenbar war dies der Revolver. Tatsächlich hatte sie scheinbar zur Begrüßung Mussolinis ein Zeitungsbtatt erhoben, unter dem sie den kleinkalihrigen Revolver abfeuerte. Mit re*'1 Sofort nach der Tat stattete der Herzog von Aosta dem Ministerpräsidenten einen Besuch ab und erkundigte sich nach seinem Befinden. Wenige Minuten nach dem Ereignis war bereits der Vatikan informiert. Monsignore Pizzardo berichtete hierüber sofort dem Kardinalstaatssekretär und diese" dem Papst. Die ganze Stadt ist in lebhaftester Bewegung. Mussolini sollte heute nachmittags der Eröffnung der Luftlinie Genua-—Palermo in Ost i a beiwohnen, ließ sich aber vertreten. Wie verlautet, erfährt seine für morgen K absicht'igte Abreise nach Tripolis keinen Aufschub. Die Pevson der Atlentäterin. Rom, 7. April. (Stefani.) Ter Name der Urheberin des Anschlages auf Mussol i n i ist Bi ölet Albina G i bso n. Sie ist 50 Jahre alt, englische Staatsbürgerin und aus Da lkey gebürtig. . Frau Gibson hat am 27. Februar 1925 in Rom einen Selbstmordversuch unternommen, indem sie sich in die Brust schoß. Sie hat damals erklärt, sie habe sich zu Ehren Gottesum bringen wollen, und wurde daraufhin unter Beobachtung gestellt. Sie ist die dritte Tochter des verstorbenen B a r o n s A s h b o u r n e, gewesenen L o rdkanz l e r 's von Ir La nd. Das jetzige Oberhaupt der Familie, Lord Ashbourne, der sich in Frankreich aufhält, ist ihr Bruder. Miß Gibson gilt für exzentrisch. Miß Gibson ließ nach dem Attentat eine Flas ch e m i i Jodtinktur fallen, gemischt nck einem anderen, noch nicht festgestellten Präparat. Es scheint, daß sie damit Selbstmord nach dem Attentat begehen wollte. Der Revolver ist ein französisches Fabrikat Lever und kleinsten Kalibers (6,35 Millimeter). In der Wohnung der Mentäterin wurde eine. Hausdurchsuchung borgenommen. Die Hausgenossen erzählen, daß Miß Gibson nicht italienisch spreche, eine Gräfin sei und m Paris einen Bruder habe, der Lord sei. Ms den Verhören, in denen sie jede Auskunft verweigerte und nur durch Kopfnicken oder Kopfschütteln antwortete, scheint hervorzugehen, daß kein Komplott voÄiegt. Es wurden bei ihr verschiedene Priese und antifaszfftksche auswärtige Blatter vorgefunden. Die Attentäterin macht den Eindruck einer Verrückten. Wie die Blätter berichten, wurden zwei Fremde nach dem Attentat verhaftet, deren Namen nicht bekanntgegeben wurden. Das übliche Bulletin stellt eine Schußwunde fest, welche die beiden Nasen» slügel durch bohrt hat und ohne jede Gefahr ist. In einem Bericht an den König verweist Mussolini auf die leichte Verwundung durch das Attentat und erklärt, er rechne darauf, trotzdem nach Tripolis reisen zu können. Der König antwortete mit herzlichen Glückwünschen. Die Erregung in der Stadt hat sich abends gelegt. Die römische Miliz ist in den Kasernen konsigniert. Die S1 adt ist beflaggt und abends fand eine Festboleuchtung statt, Amendoln geftorben. Paris, 7. April. (Havar.) Der Malin" imlM auS Cannes: Der gewesene italienische Minister und Oppositionsführer Amendo'la, der in Frankreich als FlAchtling gelc>bt hat, ist Per gestorben. Amendola war der Whrer der Demokraten. Gegen ihn richtete sich der -besondere Haß der Faszisten. Amendola ist mehrmals von saszistischen Banden überfallen und verwundet worden. Der letzte handgreifliche Angriff erfolgte vor etwa einem .Jahre in der Nähe von Neapel. Amendola ist damals aufs schtzvevste ve rw un det worden. Cr begab sich bann ins Ausland, um sein Leben in Sicherheit zu bringen. Sein nunmehriger Tod wird aus d i e B e r l e tz u n g e n zurückg^- sührt, die er bei jenem Ueberfall vor einem Jahre erlitten hat. ir'.iN«nd«M billiger *•« inStOffOn,?M. FrOWinpsÖkkasions Verkauf BfMarSdiüiam II., Tailorstrasse 48 Telephon 47-1*71 Es gros ü» detail

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