Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2555 (3.4.1926)
- Date
- 1926-04-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Gerte 2 Jfon, HOTEI-ütts-REJTAURANT GUTH II.« Hollandstrasse Nr. 14 VORNBNMM RESTAURANT MIT ERSTKLASSIGER KÜCHE MENÜ 2U S 1.80 UNO S 2.20 Uebernahme von Diners und Soupers In und ausser Haus JtdiM Samstag and Sonntag Souper dansant / Jeden Sonntag Finf*Vhr»Tce mit Tan* Zum Besuch ladet höfl. ein J. GUTH, Besitzer Mussolinis neues Programm. —y. W t e n. 3. April. Mussolini hnt wieder eine Rede.gehalten und er hat wieder die kriegerischesten Tone a Umschlägen. Er hat zu seinen Faszistcn gesprochen, die den siebenten Jahrestag ihrer Verbände feierten, und es ist wohl nur selbstverständlich, daß sich der Führer der Bewegung von der Stimmung des Ortes und der Zeit tragen läßt. Es ist auch selbstverständlich, daß er die Resultate seiner Tätigkeit als das Beste schildert, das je erreicht werden konnte, und da er sich der glühendeii^italienischen Sprache bedient, kann er den Weg' aus den Superlativen nicht finden. Trotzdem aber ist auch diese Rede vornehmlich an die italienischen Gegner des Faszismus und an das nichtfaszistische Ausland gerichtet. Der Faszismus ist nach Mussolini eine revolutionäre Betvegung, und sie hat die Demoralisation des Staates aufgeölten. Es genügt, den Fall Matteotti und das an die besten Leistungen der deutschen Rechtsjustiz erinnernde Urteil gegen seine Mörder zu erwähnen, um diesen Stolz zu begreifen. Richtig ist nur, daß der militante Faszismus d« ihm zunächst gestellte Aufgabe, den „inneren Feind" zu erledigen, gründlich besorgt hat. Die öffentliche Meinung ist uniformiert worden. Es gibt keine Opposition, keine oppositionelle Presse. Die Einigkeit Italiens ist erreicht. Der demokratische Gedanke hat in Italien restlos kapituliert. Außer den russischen, magyarischen, griechischen, mazedonischen gibt es nun auch italienische Emigranten. Mussolini kann nun mit der Expansion seines Reformprogrammes auf die Umwelt beginnen und diese Absicht kündigt seine Rckr denn auch so urwevhüllt an, als wäre der Duce seines Sieges im vorhinein sicher. Es ist viel geistige und politische Vorarbeit geleiftet worden. hat sich der Mitarbeit der Kurie versichert, deren Hlitische Weltmachtziele am. Ende sich nicht mit seinen decken; aber die Konkurrenten können doch ein gut Stück Weges miteinander gehen. Die starke Faust macht gerne ihren Frieden mit der toten Hand und die Sicherung der Idee vom Imperium ist mehr als eine Messe wert. Mussolini strebt nach dem nahen Orient. Er sieht schon längst mit scheelen Augen, wie sich Frankreich und England festsetze'n. Frankreich hat das traditionelle Protektorat über den Orientwtholizismus verloren, England arbeitet daran, die widerborstigen arabischen Stammeskönige und Emire unter einen Hut zu bringen. Ueber ein Weilchen wich..dieser Teil der Welt vergeben sein. Was liegt näher als der Gedanke, Frankreichs Schwierigkeiten, die zu Kompromissen zwingen, zu benützen und mit Hilfe des anderen Rom die geistige Position zu erringen? Dieses Rom will England schwächen und das Mische Mandat wegräumen. Das Bündnis liegt also auf der Hand und der Wege gibt es viele. Die Spven-. gung von Genf war einer und nicht umsonst betonte Mussolini so laut, Rom sei die Seele der lchteimschen Welt. Das Veto Brasiliens zerstörte die Verhandlungen, setzte die Autorität des Völkerbundes herunter und machte England und Frankreich, die starken Mächte, aküonsunsähig. Nun fährt Mussolini, eskortiert von 15 Schlachtschiffen, nach Tripolis und dann zu Manövern im Raum von Malta. Ist dort der zukünftige Schauplatz des Sieges? Die Verhandlungen, die in Jerusalem zwiscken Jouvenel und Lord Plumer stattgefunden haben, beromrnen in diesem Lichte eine besondere Bedeutung. Ein Pariser Telegramm, das vorgestern mitgeteilt wurde, unterstrich den politischen Charakter. Jouvenel war von seinem Zivilchef begleitet und das ausgegebene Communique berichtet, daß die Grundlagen für eine Kooperation besprochen wurden. Wegen der paar Drusen? Dem Geist von Locarno setzt Mussolini seinen Hinweis auf die Verkümmerung der Demokratie entgegen. Tat-' sächlich ist auch die geistige Auswirkung des Faszismus durch diesen. Mangel beschleunigt worden. Es. gibt kein Land und kein Volk, das nicht mit diesen Strömungen zu ringen hätte, die nicht nur in den besiegten Staaten auftreten, sondern auch schon rudimentär in England, in Frankreich und in Amerika zu konstatieren sind. Sie haben sich säst überall des Teiles der Jugend bemächtigt, der für Romantik eingenommen ist und der von der Demokratie nichts empfängt, was die Phantasie befeuern Kinn. Er sieht die Lüge zu offen vor sich. Die Staatsmänner kommen in Gens zusammen, um über Versöhnung, über Neuorientierung zu sprechen. Daheim legen sie den Parlamenten Militärforderungen vor, treiben Rüstungs- und Geheimpolitik, schreiben Preise für Giftgaserfinder und Spvengstoffchemiker aus. Der FaszismuS spielt kein Verstecken. Er will die Welt mit Krieg und Tod verbessern und er sagt es heran-, daß die rasselnde Trommel besser sei als die neue europäische Sprack)e, die Briand besungen hat. Das Lied der Schwarzhemden ist nicht besser, aber eS ist lauter. Sieben Jahre ist der Faszismus schon an der Arbeit und er geht letzt ins Breitt. Er bekommt andere, bessere Umgangsformen. Farinacci, der Mohr von Cremona, der Organistitor der Gewalt, hat seine Schuldigkeit getan und ist ge«n«n. Zwei Tage nach dem Urteil im Matteotti- Sa fetal Stelle $ der Mröhigtz %wü geinte«. Wiener» Morftenzestuiia g. Aprss 1«. *t. SB» Ier Kolonisattonsschwindel i» Rußland. Ukrainische Lrohungen. Die Gefahren, die das von der Scwjetvegierung mit großem Raffinement in Szene gesetzte Krimkolonisationsprojokt für die. russischen Judm in sich birgt, wurden in unserem Blatt wiederholt Mchgewieisen. Die Gefahren sind zweifacher Art. Bor allem erweist e8 sich immer klarer, daß die ganze Mion Wegen «je® irrn-om UnsoWttSt vorzeitig in sich zusammenbrechen muß und hie vom Joint mit großen Opfern aufgeHrachien und noch aufzubringenden jüdischen Dollarmillionen nutzlos vergeudet sein werden. Man ersieht das am deutlichsten aus dem vorliegenden Bericht des amtlichen russischen Komitees Konizet. Hienach sollen im Jahre 1925 4373 Familien mit 24.108 Köpfen auf 67.855 Deßjatinen in der Ukraine, der Krim, Weißrußland angesetzt worden sein, mit einem Kostenaufwand von 655 Rudel pro Familie, das sind alsso 66 Pfund! Man kann sich denken, wie die Ausrüstung dieser Landwirte beschaffen sein mag. Die Durchfchnittsbodenflöche pro Familie ist zirka 16 De Mt inen oder 17,5 Hektar. . Im Jahre 1926 sollen 6170 Familien auf 120.000 Teßjatinen angesetzt werden, die man zu beschaffen ,chafft", dafür sollen 4,700.000 Rubel ausgcgeben werden. Von dieser Summe will die Regierung selbst bloß eine Million beisteuern, natürlich als Kredit, wahrend die restlichen fast 6 0 Prozent aus jüdische» Quell« fließen sollen, und zwar sollen die Familien stl'kft 1,160.000 Rubel besitzen, die restlichen 2,570.000 Rubel hätten die jüdischen Hilfsgesellschaften zu leisten. Die Regierung gibt also im ganzen ungefähr 164 Rubel, das sind 16,5 Pfund Kredit pro Familie. Gleichzeitig mit diesem Bericht erschien in der jüdischen Presse ein Interview mit dem Direktor.des Joint, Dr. Ka h n, in welchem dieser davon sprach, daß die Installation einer Familie in der Landwirtschaft, sofern sie einige Erfahrungen in dieser hat, in Rußland,1000 Dollar, das sind 2000 Rubel, kostet. So niedrig uns auch selbst diese Ziffer erscheint, so ist sie noch immer dreimal so hoch als die oben erwähnte des amtlichen Berichtes, nach dem eine Familie nüt 655 Rubel Kostenmchvand installiert wurde. * Nicht geringer aber ist die Gestchr, die den Juden wegen dieses unglückseligen Kolonisationsprojektes von der russischen und ganz besonders der ukwmistheu Bevölkerung droht. Die Bauern, die Teile ihres oft mrr geringen Bodenbesitzes für die Kolonisierung der Juden abgeben müssen, denken nur an ihr persönliches Interesse und ^haben. kein Verständnis für eine Bcbenbesitzrfform, die mtz Osistr» ist. Sie sehen bloß die ,Jewj«kzia" und die reiche« IM« von Amerika an der Arbeit. Dazu werden die Baueun auch von «che« her gegen di« Jude» gehetzt und für blutige Judenpogrome im Falle eines Umsturzes präpariert. Sowohl von den Monarchisten als auch von de» außechalb Rußlands lebenden organisierten «atrvuaNstischen Ukrainern. So bringt das in Lemberg erscheinende Organ samKcher nationaler ukrainischer Parteien „Rada" in seiner Nummer vom 29. März den folgenden Bericht aus der Ukraine: „Die Kommission für nationale Minoritäten beim ukrainischen Zentralkomitee hat beschlossen, im Kriworvger Gouvernement einen jüdischnationalen Rayon zu bilden, mit Rücksicht darauf, daß dort die Ansiodlung geschlossener jüdischer Gruppen erfolgt." Gleichzeitig entnimmt die zitierte Zeitung der russischen Presse die folgende Mitteilung: - ,/Die Einwohnerschaft von Kriworog beginnt sich gegen die Mische Kolonisierung aktiv zu wehren. In einer Ort-! schaff haben die Bauern die ganze jüdische Kolonie vernichtet. (Der Namen dieser Ortschaft wird nicht erwähnt. — Die Red.) Eine Bauerndeputation hat sich nach Charkow zu Petrowski (einem der leitenden Beamten des Kolonisationsamtes in Charkow. — Die Red.) begeben, und ihn gebeten, daß man aufhöre, ihnen den Boden wegzirne'hmen und den Juden zuzuweifen, w e i l d e n B a u e r n dieser Boden fehlt. Die Bauern besitzen selbst nur je lj?5 Deßjatinen pro Person. Die Vernichtung der jüdischen Kolonie erfolgte nach der Rückkehr dieser Deputation aus Charkow. Daraus folgt, daß man in Charkow die Deputation nicht gut ausgenommen hat. Angesichts dieser Sachlage bleibt den vcriknrzten Bauevn nichts anderes übrig, als sich mit eigenen Mitteln gegen die ungebetenen Gäste zu schützen." In Sperrdruck'setzt das Blatt hinzu: „Auf diese Weise liegen auf dem Wege zur Bildung zur jüdischen Republik Judenpogrome." Inwieweit das Lem'berger Matt in feinen Schilderungen übertreiibt, kann hier nicht untersucht werden. Es scheint auch, als ob die Veranstaltung von Judenpogromen nicht unwillkommen wäre und sich als ein politisches Mittel gebrauchen ließe. Für alle Fälle ergibt sich aber aus dieser Sachlage wieder einmal, wie schr begründet das Mißtrauen ist, mit dem dieses Kolonisationswerk betrachtet wird. Es ist ein Politisches Geschäft, das die Sowje^^^lsty mit amerikanischjüdischen Reichen mach-» nttu und in das M jetzt auch die ukrcffmsche" arationalisten mengen wollen. - -. -. k BOHEME-BAR am Zoo, Berlin, Hardenbergs tr Nr. 27. Direktion, N. v. Benedito Treffpunkt der Fremdenwelt Berlins 5-Uhr«Tee * So aper pri* fix » Exquisite Kttdse Kepdlei IcsU'loa^Bud, Mlleao« ferner der Wiener Homo* r Ist Charlie Woebör 1117, Er hat die Aufgabe des Beschwichtigens. Er soll nach innen wirken, Gegensätze abschleifen, vertuschen und beschönigen. Das ist in jeder Partei so, die sich fest im Sattel sieht. Sie wird vornehm und stellt die allzu Gesinnungsfesten zurück. Für das große Programm, an das Mussolini jetzt geht, kann er die Farinacci nicht brauchen. Es muß innen Ruhe Wecken, die er auch zur Abstoßung der radikalen Urberlaufer aus anderen Parteien benützen kann. Und es ist mehr als symptomatischdaß Turati in seiner ersten öffentlichen Erklärung die innigste Annäherung an die Kirche befürwortet und schon von einem Pakt zwischen Katholiken und Faszisten spricht. __ Gründung einer WlfÄ-drmolrMch« Partei in Polen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 2. April. Wie seinerzeit berichtet wurde, ist eine Gruppe aktiver führender Mitglieder der jüdische« Äollspärtei, darunter auch Mitglieder Zentralrates, wegen prinzipieller und taktischer Gegensätze aus der Partei ausgeschieden. Vorgestern hielten diese Dissidenten eine Beratug ab, in der die Bildung einer jüdisch-demokratischen Partei in Polen beschlossen und zur Durchführung der Organisationsarbeiten im ganzen Lande ein Aktionskomitee eingesetzt wurde. Unmittelbar nach den Feiertagen wird die neue Partei in einer öffentlichen Versammlung ihr Programm entwickeln. Aürmischr Sitzung des Warschauer JMtw rate«. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, L. April. Die erste Sitzung des KuktuSraies nach der Wahl des Präsidiums verlief äußerst stürmisch. Mit Ausnahme deS Beschlusses betreffend die Einleitung einer Hilfsaktion für die jüdischen Arbeitslosen ist eS zu keinem positiven Ergebnis gekommen. Wie seinerzeit berichtet wurde, störten die Poale-Zioniften im KultuSrat die Redner d«S Zentrums, die ihre Erklärungen in hebräischer Sprache verlesen wollten. Als jetzt in dieser Sitzung der Vertreter der Poale-Zion, Zarubabel, seine Parteierklärung ln jiddischer Sprache begann, wurde er vom Zentrum mit Zurufen unterbrochen. Es kam zu großen Tumultszenen, so daß Prästkamt in M {sk U* Mjülld M UUitktM Ae Reform der Völkerbundes. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) London, 2. April. Die führenden Pressevertreter der alliierten Länder in London firck heute von einer diplomatische» Denkschrift nr Kenntnis gesetzt worden, von der das Kabinett Kenntnis genommen hat, allerdings, ohne daß es die Denkschrift offiziell zum Programm der englischen Regierung erklärt hätte, und die gewissermaßen als außenpolitischer Diskussionsstoff von englischer Seite den Kanzleien der Großmächte zur gutachtlichen Aeußerung übersandt worden ist. Diese Denkschrift geht von der Voraussetzung aus, daß der Völkerbund eine zweite moralische Niederlage nach Art der Märzvorgänge nicht überleben würde. ES komme also darauf an, bereits, wenn möglich, vor September positive Maßnahme« in Erwägung zu ziehen, um die politische Aktionsfähigkeit und die Lebensfähigkeit des Völkerbundes zu erhöhen. Als praktische Vorschläge in dieser Richtung wecken zur Debatte gestellt: 1 Deutschland soll de facto bereits fi^ort als Mitglied des Völkerbundes und des Völlerbundrates behandelt wecken; in allen Kommissionen soll es, wenn möglich, stimmberechtigt, sonst gntachtend tätig sein; England und Frankreich sollen sich verpflichten, im Völkerbundrat für Deutschland durch ihre Stimme ein Veto einznlegen gegen Beschlüsse, die Deutschland, wenn es im Völkerbundrat de jure vertreten wäre, durch fei« Veto abgelehnt hätte. 2. Die willkürliche Eintellnng der RatSmitglicker in Großmächte und Bs«reter kleinerer Staaten soll beseitigt werden und es soll ein s a ch l i ch e s K r i t e r i u m für die Feststellung, welche Mächte ständige Ratssitze in Zukunft tnnehaben sollen, ausgestellt werden. Als Richtlinie« für die Ausstellung eines derartigen Kriteriums könnten die Voraussetzungen dienen, die das Genfer Arbeitsamt als vorliegend erachtet für di« Auswahl der acht im Berwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes ständig vertretene» „großen Industriestaaten". SnmMche Sftensive in (toriett. $»«, S. H)wä. ®«WS.) m Me Wm raf®*«, nnnmt die gestern auf dem Südli-banon ««geleitete Offensive der stanzüsifchen Truppen gegen die Rebellenbandev einen günstige» Fortgang. Die Drnftu wurde« vo« zwei fte» zöfitsche» Kolonnen unter beträchtkichen yerüipen Mückgetvorfen. Sie fliehen in Upockttung und Hab« retche Tote ans dem DW^tchDtilDnE,1 i