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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-23 · Heft 2544 (23.3.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2544 (23.3.1926)
Date
1926-03-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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.^'.j -*'T’",t-ac'-1,.‘i'iti>, ^Si.^'-l.y,’i^!'^1,'- I Polend srorrvl Wi en. zum Abholen in der Expedition, 11., Tabotstr. 1-3, oder in einer Verschlelsstelk 'Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkaut in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, I. Wo!!zelle 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling T sch echo-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din.60. Polen:Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. IS ftMlisahlaagea bei Preis* erbftbanaen Vorbehalten Rr. 2544 Wiener Wien. Lien,tag. SS. Mrr 1926 ' I Preis 2Ü 51 Engl a n d: Mon. 4 Schilling Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei. Bul gari en Mon.IOOLewc. Schwei2 und das übrige Ausland monatlich Frcs. $ Redaktion, Administration: Wien, II. Tabor jtr. 1 Telephone: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-3 (D.uckerci lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.698 8. Falirgaua Im redaktionellen Teil enthaltene eutgelüiche Mitieilungen find durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Herrtot fvricht in einer Pro« PalWinakundsebnng. Paris, 22. März. (I. T. A.) Die Gesellschaft Frankreich-Palästina, zu deren Mitgliedern viele französische Staatsmänner, Gelehrte und Künstler gehören, hat für den 24. März gu einer großen, öffentlichen Kundgebung für das j ü! d i s ch e Palästina eingeladen. Die Gesellschaft kündigt an, daß der französische Karmnerpräsident und frühere Ministerpräsident Wuard Herriot der Hauptredner m dieser Versammlung sein wird. Neben ihm werden noch sprechen: Justin God'art, der Präsident der Gesellschaft, sowie P. L. C o u ch o u d, der „Eindrücke aus dem jüdischen Palästina" wiedergeben wird. Re imurnrabische Menbah«. Aus Konstant! n o p e l wird uns gemeldet: Die Engländer planen eine Eisenbahn quer durch die arabische Wüste zu bauen, die ihren Ausgangspunkt in Haifa nehmen wird und über Jerusalem nach Bagdad führen soll. Es wird damit beabsichtigt, die nordar «bischen Gebiete fester in die Hand zu bekommen und damit zugleich die kürzeste. Landverbindung mit Indien herzustellen, die Grenzen Indiens gewissermaßen an das Mittelmeer zu verlegen. Die technische Frage dieses Problems stößt ans keine besonderen Schmierigkeiten. vebersall auf Rosst. Der frühere Pressechef Mussolinis wird in Paris tätlich; angegriffen. Aus Paris wird telegraphiert: Hier kam es gestern zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen in Paris lebenden italienischen Flüchtlingen. Der ehemalige italienische Abgeordnete M i n g r i n o und der Direktor des „Nuovo Paese", Carlo Paeei, überfielen den früh.ren Pressechef Mussolinis, Cesare Ross:, auf der Straße. Zwischen den Angreifern und Roffi, der von mehreren Freunden begleitet war, kam es zu fernem erbitterten Handgemenge, bei welchem mehrere der Streitenden verwundet und der Abgeordnete Mintz r i n o am Kopfe schwerverletzt wurde. Die Polizei machte Mießlich dom Straßenkaanps ein Ende. Der Matteottk-Prozeb. Wett, 22. Mürz. Im Matteotti-Prozeß hielt heute der Staatsanwalt die A n k l a g e r e d e. Der Staatsamvalt führte aus, daß nicht nur Dumini, sondern alle Angeklagte n als des Mordes schuldig zu betrachten seien, der aber nicht mit Vorbedacht begangen wurde. Erst als Matteotti sich seiner Entführung widevsetzte und barm schlug, so daß die Angeklagten eine Entdeckung Krchten mußten, sei es zu einem Handgemenge gekommen, in dessen Verlauf Matteotti getötet wurde. Dennoch falle es für die Täter als erschwerend ins Gewicht, daß die Tat an einem Abgeordneten begangen wurde. Einen Ikon treten Strafantrag hat der Staatsanivalt «nicht gestellt. Er appellierte bloß an die Geschwornen, sie Mögen nach Recht und Gesetz ihren Spruch Men. Ouittoer zeichnungserfolg der Skoda-Anlekhe in London. -wndou, 22. März. (Tel.-Komp.) Die Zweieinhalb- Millioneu-Pfnudanleihe der Skoda Werke l-vurde heute zur Zeichnung aufgelegt. Die Zeichnungen gütgen >nicht so schnell von statten, wie orhrartel worden war. Während die letzten mitteleuvopäiischeii Anleihen innerhalb «einiger Mimten gezeichnet ivaren, konnten die Zeichnungs- Listen für die Skodawerke heule nicht ge-!j Glossen werden. In Londoner Ba «Kreisen ist man der Meimrng, daß der geringe Z e i ch u u n g s e r f o l g der Anleihe für die Skcldawerke eine Folge des Scheitc> rns der Verhandlungen in Gens iei. da seither das Zutrauen in einen ruhige'' und stetigen Wiederansibau Europas erschüttert wurde. Neuer Schritt Frankreichs in Ungarn. Slinchant verlangt AustlSruug über die Berfstumniste. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Budapest, 22. März. Der französische Gesandte Clinchant sprach Samstag abends im Ministerium des Aeußern bei Minister Wal ko in Angelegenheit der Frankenfälschung vor. Wie in diplomatischen Kreisen verlautet, hat Clinchant auf die Versäumnisse hingewiesen, die nach der Auffassung der französischen Delegierten bei der H a u s d u r ch s u ch u n g bei M e szaros erfolgt sind. Die französischen Delegierten hatten eine Woche früher die Abhaltung der Hausdurchsuchung angeregt. Als die Hausdurchsuchung dann vorgenommen wurde, vergaß man, die Vertreter der Bank von Frankreich und der französischen Polizei eiuzuladen. Der französische Gesandte richtete an den Minister eine diesbezügliche Anfrage. Minister des Aeußern Walko erklärte, daß er über nähere Informationen noch nicht verfüge. Er betonte, daß die ungarische Negierung die Vereinbarung über die Zusammenarbeit mit den französischen Delegierten auf das strengste einzuhalten bemüht sei und daß in der Angelegenheit Meszaros nur ein Mißverständnis oder ein Versäumnis einer unteren Behörde vorliegen könne. Die ungarische Regierung wird die Untersuchung einleiten, um den französischen Delegierten vollkommene Genugtuung zu geben. Es wurde auch vom Gesandten darauf hingewiesen, daß Graf EmmerichKar o^tz I lind Markgraf Georg Pal'lavieini nicht einvernommen und daß eine Reihe von Angeklagten auf freien Fuß gesetzt wurden. Minister Walko antwortete, daß er die Verfügungen der Gerichte nicht beeinflussen könne, aber alles aufbieten werde, um die volle Wahrheit in der Frankensälschungsassäre aufzuklären. Neuwahlen im Sommer? Die Franke rrdebatte in dev Nationalversammlung geht ihrem Ende zu. In der heutigen Sitzung sprach der 'lcgitimistische Abgeordnete Rakovszkh, der die Regierung Bethlen wegen ihrer Haltung in der Frankenaffäre schärfstens angriff. Der Hauptschuldige in der Fälschungsaktion sei nicht Prinz Windischgrätz, andere Personen treffe ein weit größerer Teil der Schuld. (Zurufe: „Nennen Sie Namen!") Stephan Rakovszkh antwortet: „Graf Paul Teleki und Gabriel Barotz sind die Hauptschuldig (Großer Lärm.) Rakovszki) schließt mit der Aufforderung, daß Graf B e r h l e n unverzüglich abdanken soll. Abgeordneter Berki (Regierungspartei) vegte an, daß die Regierung in der nächsten Zukunft Nculvahlen ausschreiben möge. Abgeordneter Vinzenz Nagy (Oktobrist) brachte einen Beschlußantrag ein, den Ministerpräsidenten Grafen Bethlen und dm June«» minister Rakovszkh in dm Anklagezustand zu versetzen. Ätach der Sitzung der Natioualversaimnlung erklärte der Abgeordnete Berkh in den Wandelgängen des Parlmnents, daß die von ihm angeküudigton Neuwahlen bereits in naher Zukunft stattfinden werden. Man nimmt an, daß bereits nach Schluß der Budgetdebatte, also im Juni oder Juli, die Neuwahlen in die Nationaüxrsammlung erfolgen sollen. Neue Ginvernahmen. Die Polizei hat heute den Sekretär des FeldbijchHs Zadravecz, Pater Bonis in der Frankenfalischungsaffäre einvernommen. Bonis weigerte sich, in Anwesenheit der französischen Emissäre auszusagett. Erst nachdem sich diese entfernt hatten, gab er zu Protokoll, daß er weder von den Frankenklischees, noch von ihrem Versteck etwas wisse und daß er überhaupt keinen Anteil an der Fälscheraffäre habe. , Sodann erfolgte die neuerliche Einvernahme des Grafen Paul Teleki, weil sich zwischen seinen und G e r ö 2 Aussagen gewisse Widersprüche zeigen. Teleki wiederholte auch diesmal, daß er glaube, Gerö im Jahre 192 2 zu Windischgrätz geschickt zu haben, um diesen von der Unausführbarkeit der Frankenfälschungen zu überzeugen, doch sces ihnt nicht möglich, den genauen Zeitpunkt anzugeben, Schutzes Tod. Berlin, 22. März. Heute mittags fand die Obduktion dev Leiche des im Zusammenhang mit der Budapester Frankenfal-, schungsaffäre genannten Artur Schulze statt. Die Untersuchung ergab, daß Schulze eines natürlichen Todegestorben ist. Der SoMAkcher als Bertreier llimarns. Meszaros auf dem Orieritalistenkongretz in Baku!. Budapest, 22. März. In den letzten Tagen wurde hiev ent neuer Kulturstandal bekannt, der wieder beweist, daß in den ungarischen Regierungskreisew der christlichnationale antisemitische Kurs, noch Immer in ungeschwächter Kraft fortwirkt. Sta toeltfcrüfyrnc Orientalist Professor Dr. Ignaz Kunos, ein' Jude> erhielt vor kurzem eine sehr schmeichelhafte Einladung zu dem in Baku ftattfindenden internationalen O r i e n t a l i st e n k o n g r e.ß. Dort - soll diesmal vornehmlich die kulturelle, ethnologische und politische Geschichte der Türkei in alter und neuer Zeit behandelt werden. Da Professor Kunos gerade auf diesen Gebieten emc in der ganzen wissenschaftlichen Welt anerkannte Autoritä. ist — er nur 2"r erste, der in einem zwölfbändigen Werk eine Sammlung türkischer Volkslieder herausgab —, legte das Präsidium des Kongresses besonderes Gewicht aufsein Erscheinen und überwies ihm einen Reisekostenbeitrag von 200 Dollar. Nun kommt das Drollige, Christlichnational-magyarischc. Das Ministerium des Aeußern verweigerte dem jüdischen Gelehrten die Ausfolgung eines Passes, weilesnicht dulden könne, daß Ungarn auf dem Kongreß durch einen Juden vertreten sei. Die ungarische Negierung ist überhaupt beleidigt, daß die Kongreßleitung aus Ungarn bloß Kunos eingeladen hat. Das Ministerium begründet seine ablehnende Haltung mit p o l i t i s che n G r ü n d e n . . . Profeffor Kunos ivar dreißig Jahre lang Direktor der Budapester orientalischen Akademie, wurde jedoch, als die Rassenfchützler ans Ruder kamen, üvegen politischer Unverläßlichkeit abgebaut. Heute ist ihm bloß gestattet, au der Volkswirtschaftlichen Hochschule Vorlesungen über die türkische Sprache zu haltert. Das Pikante an dieser Geschichte ist, daß Ungarn trotzdem in Baku würdig vertreten sein wird, denn der größte Sohn Horthh-Ungarirs, der jetzt vielgesuchte Sokolfälscher Professor Dr. Julius Meszaros, der auf Empfehlung der ungarischen Regierung in Konstantinopel turanologische Vorlesungert hielt, ist, wie die Konstantmopler Polizei nach Budapest meldete, zum Orisntalistenkongreß nach Baku gefahren. Liga zur Betiimpfuvg der Numerus clausus. Budapest, 22. März. Vor kurzem fand hier unter Vorsitz des Sohnes des Abgeordneten Wilhelm Vazsonhi, Doktor Johann Vazsonhi, die Konstituierung des Mischen Jugendbundes zur Bekämpfung des Numerus clausus statt. Die Liga stellt sich die Aufgabe, im Lande den Kampf gegen das beschämende und ungerechte Gesetz aufzunchmen und bis zu dessen Verschwinden zu führen. Dieser Kampf müsse offen und mutig geführt iverden. Die Mitglieder der Liga smd verpflichtet, zmn Zeichen des Protestes ein sichtbares A bzeichen zu tragen. Es ist ein in den uugarischeit Nationalfarben gehaltener Schild, der die Inschrift: „Contra uumerum clausum" trägt. Zmn Präsidenten der Liga wurde Dr. Johann Vazsonhi gewählt. Besonders billiger Id StOffGÜiSßlflß. FrOhlings OkkasionsVerkauf 11., Taborstrasse 48 Telephon 47-1-71 En gm En detail i „ i Mi i ^'^■■rniiini i n -n-irr r»-rrTrirT** t~ üäfiitt

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