Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2540 (19.3.1926)
- Date
- 1926-03-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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[wejilÄjrojg] Wien, ^um Abholen in de» Expedition, II., Taborstt. 1-3, oder in einer Versehleisstelle Trafik) monatl. 5 Schilling Strassen verkant in Wien durch die Kolporteure de, Firma 0 o I dschmied. l„ Wollzeile 11 Mit Postversand ffir Wien und Oesterreich monatlic) 6 Schilling Ischecho-Slowakci. Mon. K 22. Jugoslawien Mon. Din.60. Polen: Mon. 5Zloty. Deutschland Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 erhfthaaaeB Vorbehalten Wiener Morgenzeilung □zmini England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lite Ru man! en: Mon. 170 Lei. Bu 1 gari en Mon.lOOLew*. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43^49 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (D. uckerel lg. Steinraann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.698 Rr. 2540 Wien. Freitag. 19. Miirr 1926 8. AaHrgau« Abrüstung und internationaler SerichtsHof. Die Fröhiahrstagung ves BSllerbunvraies geschloffen. (Eigendieust der „Wiener Morgenzeitung.") Genf, 18. März. In der heutigen, letzten Sitzung des Völkerbundrates erstattete der Präsident des Rates, Graf Jshii, Bericht über die Einsetzung einer Studienkommission für die Frage der Zusammensetzung der Zahl und des Wahlmodus der Mitglieder des Völkerbundrates. Die Kommission muß zur Wahrung ihres unparteiischen Charakters auch aus Nichtmitgliedern des Rates bestehen. Sie soll das Recht haben, Mehrheits- und Minderheitsberichte zu erstatten und diese Berichte dem Rate zeitgerecht zu überweisen, so daß dieser sie noch vor seiner Septembertagung gründlich studieren kann. Der Rat beschloß, die Studienkommission für den 10. Mai nach Genf einzuberufen. Sie soll aus Vertretern der im Völkerbundrat sitzenden zehn Staaten und aus Vertretern Argentiniens, Chinas, Deutschlands/ Polens und der Schweiz bestehen. Die Kommission soll alle bisher von Völkerbundratsmitglieder.» vorgebrachten Wünsche zur Ratsfrage prüfen und die Völlerbundsmitglieder auffordern, ihre Ansichten vorzu-. legen. Auch die früheren vom Rat und der Versammlung besprochenen Vorschläge und Entschließungen soll die Kommission in Betracht ziehen. Auf Antrag des Berichterstatters B e n e s ch ivurde sodann beschlossen, die v o r bereitende K o m Mi ssion für die große * v internationale Abrüstungskonferenz für den 18. Mar einzuberufen. 11m die gleiche Zeit werden als beratende Organe dieser Kommission die technische Militärkommission und das gemischte Wirtschaftskomitee des Völkerbundes zusammentreten. Dieser Kommission sollen neue Sachverständige für Industrie und Verkehrsfragen aus Deutsch-» l a n d, den Vereinigten Staaten, Japan und S o w j e trußland zugezogen werden.• Der vorbereitenden Abrüstungskommission werden außer den bereits cingeladenen Staaten (die zehn Ratsmitglieder, Deutschland, . Rußland, Vereinigte Staaten, Jugoslawien, Rumänien, Bulgarien, Polen, Finnland, Holland) auch noch Argentinien und Chile, somit alle Abc-Staaten angehören. Bezüglich der von den Bereinigten Staaten gemachten Vorbehalte zum Statut des : internationalen Gerichtshofes erklärte C h a m b e r l a i n, daß der von den Vereimgteu Staaten gewünschte Notenaustausch untunlich sei, und schlug vor, zur Abänderung des Statuts des internationalen Gerichtshofes eine allgemeine Konferenz der interessierten Staaten' auf den 1. September nach Gens einzuberufen, also fünf Tage vor dem Zu» sammentritt der nächsten Bölkerbundversammlung. Nach Kenntnisnahme der neuesten Erklärungen, der Regierungen von Polen und Litauen über den litauisch-polnischen Konflikt schloß dann der Rat seine F r ü h j a h r s t a g u n g mit einer n i ch t ö f f e n t l i ch e n Sitzung. Untcrhnusdebatte rrm Dienstag. London, 18. März. Die Untersuchu-ngsdebatte über Gen) ist endgültig auf nächsten Dienstag festgesetzt worden. Chamberlain und die britische Delegation'werden für morgen abends 7 Uhr zurückerwartet. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mttteiluugen sind durch ein voraugesetztes E gekennzeichnet. Sie valastmenMe Gendarmerie. Aufnahme dev Juden in das Schutzkovps. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung/^) Jerusalem, 18. März. Wie an informierter Stelle verlautet, sind von seiten des Kolonialministeriums neue Weisungen in bezug auf die Reorganisation der Gendarmerie eingetroffen. Die alte Verordnung, der zufolge die Schutzkorps lediglich aus Arabern und Tscherkessen gebildet werden sollten, ist bereits mündlich zurn'ckgezogen worden und wird in den nächsten Tagen durch c i ne neue ersetzt werden, welche dicUebernahme jüdischer Gendarmen in das Grenzschutzk o r p s anordnet. Lord Plumer — Sberkommaudaut der Schutzkorps. Jerusalem, 16. März. (I. T. A.) Am 1. Aprll d. I. wird die Bereinigung der palästinensischen und transjordanischen Schutzkräfte unter dem Oberbefehl des Oberkommissärs von Palästina, Feldmarschall Lord Plumer, vollzogen sein. Im Mai d. I. wird die Verfasiung für Transjovdanien veröffentlicht werden. Am 25. Mai 1925 wurde in A m m a n, der Hauptstadt Transjordaniens, in Anwesenheit des damaligen Oberkommifsärs Sir Herbert Samuel die U n a b h ä n g i g k e i t Trans jordani ens proklamiert. Sir Herbert Samuel verlas hierbei den Text eines mit Emir Abdullah geschlossenen Abkomm-ens,,welcher kantete: voräuWftM an-> erkennt die britische Regierung die Existenz einer unabhängigen Regierung in Transjordanien unter der Herrschaft des Emir Abdullah unter der Bedingung, daß diese Regierung konstitutionell fein und der britischen Regierung ermöglichen wird, ihre internationalen Verpflichtungen betreffend dieses Territorium erfüllen zu können." Vertrauensvotum für Briand. Das neue Regtevungspeogvamm. Paris, 18. März. (Havas.) In der heute in der Kammer verlesenen Regierungserklärung führte Ministerpräsident Briand aus, er werde die innere Politik des i vorangegangenm Kabinetts, die Ruhe und Stäbi'lität sichere, wieder aufnchmen. Er betrachte es als gebieterische Pflicht, das vollständige und aufrichtige Budgetgleichgewicht zu sichern, und nehme die Kreits vom Parlament votierten Maßnahmen an, um rasch die finanzielle Sanierung und die Verhandlungen zur Regelung der Schulen, für die die Aussichten günstig seien, in Angriff zu nehmen. Die auswärtige Politik werde daraus gerichtet Pein, Empfindlichkeiten zu besänftigen, den Geist >d e r Solidarität und des Vertrauens einzuflößen und wirtschaftliche Gegensätze aus der Welt zu schaffen. Der Ministerpräsident gab dein Bedauern Mer die Vertagung der Zulassung Deutschlands in -den Völkerbund Andruck, wobei er jedoch betonte./daß Locarno fort best ehe. Briand schloß mit einer Mahnung an alle Republikaner zur Versöhnlichkeit. Briand stellte abends die Vertrauensfrage bezüglich einer Tagesordnung C a z a l s, worin es heißt: Die Kammer, entschlossen, eine Politik des Friedens, des internationalen Einvernehmens, der Steuergerechtigkeit und der finanziellen Sanierung zu unterstützen, hegt das Vertrauen, daß die Regierung die rasche Erledigung des ins Gleichgewicht gebrachten Budgets sichern und die Militärreform sowie die Bersicherungsgefttze verwirklichen werde. Diese TageÄ»-^ rmng ivurde mit 361 gegen 164 Stimmen angenommen, was lebhaften Beifall auslöste. Malige S1udeuteudemo«ftratto« dl Peking. 17 Tot!, 16 Verletzt,. London, 18. März. (Tel.-Komp.) Nach einem Pekinger Telegramm veranstalteten dort Studenten vor dem Außenmmiestrium eine große Kundgebung, um gegen die Antwort Chinas auf das Ultimatum der Mächte zu protestieren. An der Demonstration nahmen ettva 1000 Studenten teil. Ms die Demonstranten einer Aufforderung der Polizei, sich zu zerstreuen, nicht Folge leisteten, feuert« die Wache. 17 Stndeuten wurden getötet, 16 erheblich verletzt. Attentate in England. Gegen Baldwin und den Prinzen von Wales. London, 18. März. Aus Anlaß des irischen Ratio na lfe st es, des St. Patrick-Tages, fand gestern abends im Hotel Cecil in London ein Festessen statt, bei dem Ministerpräsident Bald w i n die Rede auf Irland halten sollte. Als Baldwin sich erhob, um seine Rede zu beginnen, schleuderte ein Unbekannter, vermutlich ein Anhänger der irischen republikanischen Partei, von der überfüllten PMikumsgälerie einen angezündeten Feuerwerkskörper in den Saal hinunter. Die Rakete explodierte in der Nähe Batdwins und setzte mehrere Tischtücher in Brand. Das Feuer wurde jedoch mit dem Inhalt einer Anzahl S e l t e r w a s s e r f l a s ch e n gelöscht. Baldwin blieb unverletzt, eine Tilschnachbarin des Ministerpräsidenten wurde ohnmächtig und mußte aus dem Saale getragen werden. Eine halbe Stunioe später wurde ein ähnliches Attentat auf den P r i n z e n von Wales verübt, der gleichfalls an einen: Festessen anläßlich des St. Patrick-Tages teilnahm. Bon einem A u t o m o 16 i l aus wurde eine Schachtel, in der sich eine A z e t y l e u g a s b o m b e mit brennender Zündschnur befand, in den Vorraum des Saales inu Piecadillh-Restaurant geschleudert, in dem der Prinz von Wales sich befand. Kriminalbeamte machten die Bombe rechtzeitig unschädlich. Die Täter sind, ebenso wie der Mann, der die Rakete auf B a l d w i n schleuderte, n n e r k a n n t e n tkommen. Zer Matteotti-Prozeb. . jkhltk', 18. Mc'rz. Zn der heutigen Verhandlung sagte der Po.izeikommissär vom Zentralbahlchof Jantaffi aus, daß die Verhaftung D u m i e n s auf Befehl des Generals de Bo ne, des Generaldirektors des Aichechöitstvesens, erfolgt sei. Das Gepäck Duminis sei vor Zeugen im Palais des Ministeriums des, Innern geöffnet worden. Laino, Kabinettschef des Quästors von Rom, erklärte, er habe am 8. Juni vier Ansuchen Duminis um Bewilligung von Waffen Pässen erhalten. Er habe nach dem Verschwinden Matteottis seine Chefs davon verständigt. Polizeikommissär Pennetta legte die Ergebnisse der 'Nachforschungen über sämtliche Angeklagten dar. Er fügte hinzu, die Tätigkeit Matteottis sei vor dem Kriege, während des Krieges und nach dem Kriege unheilvoll, umstürzlerifch und antinational gowesen. Re Hilfsaktion Kr die 8«de« Pole«». (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") New-Iork, 18. März. In der letzten Sitzung der Joint-Exekutive wurde für die polnische Judenheit der Betrag von 300.000 Dollar für Kreditzwecke an Handwerker, Kleinhändler und Kaufleute, 50.000 Dollar für schnelle Hilft anläßlich des Pessach und 50.000 Dollar für Krnderhilse bewilligt. Parallel mit dem Drive des Joint hat die Föderation der polnischen mW galizischen Juden eine spezielle Sammlung eingeleitet. Im Verlauf von einigen Tagen wurden über 10.000 Dollar gesammelt, die bereits nach Polen für. sanitäre und Schulzwecke überwiesen wurden. 2er stzrische Krieg. 50 Franzosen in einem Hinterhalt niedergemetzelt. Paris, 18. März. Nach einer Haves-Melöung aus Beirut ist eine Abteilung von 50 französischen und Senegalschützen infolge falscher Ausführung eines Befehles in einen Hinte chaLt geraten und von den Drusen niedergemacht worden. 2ie 6nteifltt«ng der Stiftes Seid. Prag, 18. März. In der gestrigen Konferenz des Bodenamtes mit den Vertretern des Stiftes Tepl wurde an das Stift die Anfrage gerichtet, ob cs bereit sei, den gesamten Bäder-, Forstuno Waldbesitz dem Bodenamt sofort unter Verzicht auf alle Einsprüche zur Verfügung zu stellen. Das Stift erklärte, daß cs hiezu nicht in der Lage sei mit Rücksicht auf oic erst am 10. September endende Kündigungsfrist. Darauf erklärte das Bodenamt, daß es zur zwangsmäßigen Enteignung des Stiftes Tepl schreiten werde. via heftiger Erdbeben. 70 Häuser auf Castelrofso zerstört; ein« Person getötet, drei verletzt. Aus Ryodus wird gemeldet: Aus der Insel CasteL» rosfo wurde heute nachmittags ein heftiger Erdstoß verspürt. Eine Person wurde getötet, drei ernstlich. verletzt. 70 Häuser sind zerstört, mchrere beschädigt. Der Herd des Erdbebens befindet sich Ivayrscheinsich im südlichen Anatolien. Auch im Rhodas erfolgten ziemlich heftige Erschütterungen, deren Schwingungen 40 Sekunden cm- Zelten. Es wurde keinerlei Schaden angerichtet.