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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-14 · Heft 2535 (14.3.1926) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2535 (14.3.1926)
Date
1926-03-14
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2535 Wien, Sonmag Wiener Morgenzeituna 11 Mär; 1926 Bilder zudem heutigen ^estt^äge Leite 7 m\j Sälwäion Freiherr von Rothschild 1774—1855 J. L. Hofmann v. Hofmannsthal 1759—1849 WSW»» lim+tiqrih tSH&jMßtK Sä0m <1 l I Oberkantor Salomon Sulz er I804—I89» Innenansicht des Stadttempels in der Seitenstettengasse Isaak Noah Mannheimer 1793—1865 Der hebräische Dichter Pcrez Smolenski (1842—1885) Smolenski, ein Vorläufer Herzls, gab in Wien die Zeitschrift »Ha*schachar“ heraus Die Seitenstettengasse, wie sie heute aussieht Der „Katzensteig“ (die ehemalige Seitenstettengasse) ZUR ZENTENARFEIER DES WIENER STADTTEMPELS. VON OBERRABBINER Dr. H. P. CHAJES. lindert Jahre scheinen in der Geschichte des jüdischen Volkes nicht viel zu bedeuten, die Zentenarfeier einer Synagoge scheint nur lokale Bedeutung zu haben. Aber diesmal trügt der Schein. Die hundert Jahre der jüdischen Geschichte, die seit der Erricht tung der Synagoge in der Seitenstettengasse, das heisst seit der Wieder' begründung der jüdischen Gemeinde in Wien verstrichen sind, bedeuten für die Entwicklung des Judenvolkes mehr als eine Anzahl früherer Jahrhunderte. Die Synagoge, die vor hundert Jahren in der Seitenstettengasse ein' geweiht wurde, bedeutet mehr als eine Episode im Leben einer jüdischen Gemeinde* Sie wurde zu einem epochalen Ereignis in der Geschichte des mitteleuropäischen Judentums und darüber hinaus. Bedenkt man, dass es die Zeit der beginnenden destruktiven Reformbestrebungen der deutschen Judenheit war, kurz nach der Errichtung des Hamburger Tempels, und bedenkt man, mit welcher Vor' und Einsicht Mannheimer und sein Weggenosfe Snlzer die Neuordnung des synagogalen Dienstes besorgten, so wird man verstehen, warum die Synagoge in der Seitenstettengasse, und nicht der Tempel in Hamburg, so vielen Synagogen in Europa und darüber hinaus ein Vorbild geworden ist. Es ist nicht ohne Interesse, dass vier von einander in ihrer religiösen und nationalen Einstellung so durchaus verschiedene Menschen, wie die Rabbiner, die im Laufe dieses Jahrhunderts in der Seitenstettengasse amtiert haben und amtieren, ge' wissermassen ohne anzustossen, sich in diesen Rahmen hineinfügen konnten. Sagten wir, das letzte Jahrhundert habe für das Judentum mehr be' deutet als eine Anzahl von früheren, so denken wir daran, dass in diesem Jahrhundert die Ghettopflanze sich in die aufstrebende Zeder Palästinas zu wandeln begann, und dass in Wien Männer lebten und wirkten, die der geistigen, politischen und nationalen Erneuerung des Judentums die Wege ebneten (Herzl, Smolenski). Trotz aller Widerwärtigkeiten, an denen auch die Gegenwart nicht arm i»t, können wir beruhigter als vor hundert Jahren in die Zukunft sehen. aauniKiiiimw

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