Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2534 (13.3.1926)
- Date
- 1926-03-13
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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SM8 Wen, SanMtz waren insbesmM« bei den Transportierten und bei gSviflen österreichischen Jndustriepapieren bemerkenswert. Dias« Kurs- Lesierung hat allerdings in der ersten FebruarhäPe keine Fortsetzung gefunden. Die Kurse haben sich stabilisiert und 'mitunter ergaben sich auch AAvärtsbewegun-gen. Agrarische zollsorderungen. Jur Rtchmcn der agrarischen Woche fand gestern in Wien diu Gchivgsbauern- und Waldwirtschaftstag statt, auf dom die Erhöhung der Vieh- und Fleischzöllle, die EinfühMng eines Holzzoll cs, der für Brennholz 50 Gokdheller betragen strll, sowie die Aufhebung der Holzaussuhrverboie und sholzausfuhrabgabeu verlangt wurde. Lik Aoalttmiae in Saaiofe« «iw Stmürdah»« aNien ewgezwittt. Skr der gestrigen Börse haben dir Banlose eine weitere Steigerung aufzuwcifen. Es wird allgemein arrerkannt, daß der jetzige Kurs nicht rnehr den» tatsächlichen Wert entspreche. Er hat seine Ursache in erster Reihe in markttechnischen Momenten. Ztvei großzügige Spekulationsfinnen haben in der Vorwoche größere Pakete in Baulosen leer verkauft und waren bisher nicht in der Lage, sich entsprechend einzudeckcn. Es müssen «och 3500 Stück bis Montag geliefert werden. Dies ist aber bei der jetzigen Marktlage nur unter großen Kurszugcständnissen möglich. Deswegen haben die betr-.ifjenden Finnen gestern jedes Paket, dessen sie habhaft Wersen konnten, au-fgekau-st. Trotz alledem besteht noch immer ein großes Decouvert. In Staatsbahnaktien ist die Situation ähnlich. Eine private Banksirma, die im Innern der Stadt etabliert ist, soll 1500 Staatsbahnaktien schuldig geblieben sein. Sie suchte dieses Paket *m Kost zu nehmen, doch tvaren die Staatsbahnakdien für diesen Zweck nicht erhältlich. Die Folge davon ist ebenfalls ein Decouvert, das sich schon gestern in einer Steigerung des Kurses äußerte. Kreditgewährung an GewerbetrrDende durch die Zentmlspae, wsse der Gemeinde Wien. Unter Führung des Kommerzialrates <8. Duchwald sprachen Vertreter des Verbandes der Eisen- und Metallwarenproduzenten bei der Direktion der Zentralsparkaffe der Gemeinde Wien vor, um für die Industriellen und Gewerbetreibenden die Erlangung billiger Kredite, wie sie besonders die derzeitige wirtschaftliche Süuation erfordert, zu erwirken. Noch den Mitteilungen der Direktion der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien sind Kredite an Industrielle und Gewerbetreibende mit hypothekarischer Sicherstellung enttveder als Kontokorrentkredite oder in Form langftistiger amortisabler Darlehen, ferner gegen Deckungswechsel mit zwei Wechfel-Derpflichteten, von denen scher für den Kreoitbetrag die entsprechende Sicherheit zu gewährleisten vermag, möglich. Die Zentralsparkasse der Gemeinde Wien nimmt auch Warenwechsel zu besonders billigen Zinssätzen, deren Höhr sich je nach der Qua.ität des eingereichten Wechselmaterials richtet, in Eskompt. Die Direktion erklärt sich bereit, gestellte Anifuchen möglichst wohlwollend für den Kreditwerber zu erledigen. . Die Enquete über den Handel in Borkriegspfandbriefen. Gestern begann in der Dörsenkammer die an dieser Stelle bereits angekündigte Enquete über den Handel von verlosten und unverlosten österreichischen und ungarischen Pfandbriefen. Zu dieser sind die Vertreter der Nationalbank und der verschiedenen Jrrteressentengruppen geladen. Die Enquete soll Klarheit über den zukünftigen Handel in diesen Papieren bringen. Bekanntlich ha: schon im Vorjahr eine solche Enquete stattgefunden, ohne daß 'ober ein Resultat erzielt wurde. Die SchwierrBoit bösteht -in erster Reihe darin, daß die Pfandbviesinstitute, die ihre Pfandbriefe bereits verlost haben, sich entschieden gegen eine Zulassung __ Meme _ Dorotheum-Bankabteilung Wien, I. Dorotheergasse 17 der verlosten Stücke zum Handel aussprechen. Die Vertrck.'r der Bankenfirmen hingegen wünschen einen solchen Handel im Interesse der Belebung des Markts. Es ist fraglich, ob zwischen den bisher bestehenden Gegensätzen in absehbarer Zeit eine Einigung erzielt Wertzen wird. Die Regierung steht ans dem Standpunkt der Pfandbriefinstitrrte. Die Lage der österreichischen Schuhbmnche ist ungünstig. Es find >in letzter Zeit große Fabriken, wie Cooks, M a t a u s ch u. Ha n es ch ka und viele andere zugrunde gegangen. Die Erzeugung leidet unter der wogen des verfeinerten Matzgebietes eingeschränkten Produktion. Bei voller Ausnützung der Kapazität wären die Preise niedriger und die Konkurrenz des Auslandes, insbesondere der Tschechoslowakei, könnte abgchalten worden. Eine Zlthilse wäre hier von einer Zusammenlegung unter Ausschaltung der schlechter arbeitenden Betriebe zu erwarten. Auch die Lage des Handels ist nicht rosig, da der Verkauf in die Sukzessionsstaaten, das heißt in das alrr Absatzgebiet, teils durch die Zollmauern erschwert, teils wegen der dort üblichen Zahlungsbdingungen gar nicht erstrebenswert ist. Durch den Mangel dieser Kunden hat sich eine größere Zahl von Schuhhändlcrn dem Inlandsgeschäft zugewenbet, so daß nun hier die Konkurrenz sehr scharf ist. Die Zablungskonditionen sind im allgemeinen 30 oder 60 Tage Ziel. Die Messe ist zwar gut besucht, doch sind nur sehr wenige Abschlüsse getätigt worden. Der Grund hiefür liegt in den erwähnten, den Handelsverkehr überhaupt erschwerenden Umständen. Was das Rohprodukt anilangt, wird Bodenleder sowie das gewichriliche Oberleder im Inlande, das feinere Oberleder aber aus Deutschland, England und Amerika bezogen. Das Leder der kommenden Saison ist beige, champagnersarb'ig und toubengrau. Die Form ist nicht mchr so spitz wie int Vorjahre, der neueste Schsagor aber, der soeben in Paris und Berlin lancrert wird, sind hohe Reitstiefel aus Lackleder für Damen. Jnsowenzen. Döe Ebrcichsdorfer Borten- und Litzenfabrik Sgalitzeru. Schlesinger hat um das Ausgleichsverfahren angesucht. Die Passiven betragen 8 Milliarden, die Aktiven 3,5 Milliarden. — Ferner wurde das Ausgleichsverfahren eröffnet über Maximilian Gottfried und Ernst Sch eh er, registriert unter der Firma Leopold Picks Nachfolger. 7. Bcz^ Kaiserstraße 44-16; über Franz Pfeifer und Franz Nowaczek, registriert Unter der Firma Pfeifer u. Co.. 1. Bez^ Goldfchmiedgasse 10; über die rogistriierte Firma Berg u. Co., Handel mit Lebensmitteln, 1. Be.z, Trattnerhof 1. — Das Konkursverfahren wurde eröffnet über R. L i e b e l, Erzeugung von Merkantrldrucksorten, 2. Bez., Große Mohrcngasje 23; über Julius Gangusch u. Sohn. 2. Bez., Hoinestraße 36. Erweitevung des Prager Messegeländes. Die Messeneubauten, die in bedeutend vergrößertem Maßslabe als ursprünglich geplant, -in Angriff genommen werden mußten, können trotz aller bis ins Detail vereinbarten Dispositionen nur relativ langsam fcrtschreiten. Infolgedessen sah sich die Mcsse.'eitnng genötigt, auf dein neuen Ausstellungsgeländc, woselbst sich bekanntlich die Radionresse befindet, auf dem höchsten Teile desselben, der sogenannten dritten Etage, einen 12.000 Quadratmeter umfassenden Pavillon aufznstellen, de: schon anläßlich der diesjährigen 12. Prager Frühjahrsmesse (21 bis 28. März 1926) für die Motorräoermesse bestimmt -ist, zumal sich dazu über 40 Firmen angemeildet haben. Ein zweiter, 2400 Quadratmeter umfassender Pavillon für die Sportmesse und Sektion für Badetvesen und Touristik ist ebenfalls vorgesehen. Außerdem wurde ein großer Pavillon für die ständigen Mefsekdnzleien mit 36 Kanzleiräumen errichtet, der in Kürze von dem größten Teile der Beamtenschaft der Prager Mustermesse bezogen werden wird. Maßnahmen gegen die Vordalürung von Schecks in Deutschland. Die Unsitte, Schecks vorzudatieren, hat ihre Ursache darin, daß vielfach Zahlungsunfähige oder' -Unwillige bei der Ausstellung der Schecks die nötige Deckung bei betin Frage kommenden Bank nicht haben oder daß die verpflichtete Firma beabsichtigt, Zinsen za W. Mr; IM' ' 25SS sparen und den Gläubiger durch Hingabe einer noch nicht fälliges Anweisung hinzuha.ten. Ter Zcntralverband des deutschen Bank- und Bankicrgewcrbes beabsichtigt nun, die Namen jolchor Firmen, die sich derartiger Machinationen schuldig mache« sollten, dev Oeffentlichkeit bekanutzugeben. Belebung des deutschen Holzmarktes. Der ,^Intcrnaliona'le! Holzmarkt" meldet: Kein Kenner der gegenwärtigen deutschen Verhältnisse wird zwar voreilig von einer Besserung des deutschen Geschäftes sprechen tvollen, aber schwache .Hofftturlgsschi^nner auf Besserung sind für den Beobachter unleugbar. Im effektiven Geschäft äußert sich dieser Umschwung wohl noch nicht, aber der Wille zum Geschäft ist lebendig; man gewichrt wieder langfristige offene Kredite, die Nachfrage zicht au, die Bezugsbedingungen werden erleichtert. Es ist nicht nun die herannahende übliche Frühjahrsauffrischung (die Bautätigkeit wird ja kaum allzu groß sein können), die Ursachen liegen tiefer und so worden auch vielleicht die Wirkungen weitere sein. Eine gewisse Lockerung der Steuorschraube, die Preisscnkungsaktion, wie überhaupt die vorbildliche Aktivität der dcutscherr Regierung (Kreditaktioir zur Stützung des russischen Geschäftes) und rricht zuletzt eben doch Genf, dies alles zusammen und die Imponderabilien des ungebrochenen, steigenden Wirffchaftsmutes schaffen allmählich eine lustvollere Avmospihärv. Anlagchlchendcs Kapital ist vorhanden — daß es Anlage noch' suchen muß (und Vielfach sogar kurzfristig im Ausland placiert wird!) ist Zeichen genug, baß die Krise noch nicht überwunden, ober die Kräfte zu ihrer Ncbenvindung gesammelt sind. Die Regelung der türkischen Borkricgsschnlde^. Aus- Paris wird telegraphiert: Die türkischen Delegierten für die Pariser Berhandlurrgerr haberr derr Vertretern der Anleihe- Gläubiger erklärt, daß sie nach ihren Instruktionen ans Angora das Verlangen einer Anleihcregelung auf Basis von 40 Prozent tu Gold nicht annchmcn können. Die Vertreter der Türkei haben deshalb gebeten, das Angebot erneut einer Nachprüfung zu rmterziehen ttnb dabei nochmals eine Herabsetzrrng des Goldprozcntsatzes vvrzunehmerr. Die Vertreter der Anleihe-Gläubiger prüfen zurzeit, ob es nröglich ist, einen weiteren Nachlaß zuzubilligeu. Die Türkei hat bekanntlich zuletzt die Wiederanfnahme des Anleihedienstes auf Grundlage von 20 Prozent in Gold angebotcn. Besserung in der Lodzer TeMindustrie. Aus Lodz sind in den letzten Tagen Nachrichten gekommen, die auf eine Besserung der Lage schließen lassen. So sind die Fabriken der Firma Weiß u. Poznan ski und Gebr. Pikicilny teilweise wieder in Bewirb gesetzt morden. Die Firma Geyer ha: aus London Kredite erhalten, so daß sie für die nächste Zeit wieder sechs Tage wöchent- -lich arbeiten kann, nachdem inzwischen auch der Mcisterstreik beigelegt worden ist. Die Fabrik von Krusche u. En der in Pabianice hat 1840 Arbeiter wieder eingestellt und wird zunächst vier Tage wöchentlich arbeiten. Auch die Textilwcrke in Zawiercie, die tut Sommer 1924 in ernste Finanzschwierigkviten geraten waren und viele Monate stillagen, konnten am 8. d. den Betrieb znm Teil wieder aufnehtrren und werden vvranssichtlich bis Ende Ärärz wieder 3000 Arbeiter beschäftigen können. Staieke Steigerung der Petrolüumpvoduktron Ruurämens. Aus Bukarest, 12. d., wird telegraphiert: Nach einem Bericht des „Economiste Noumain" über die Lage der rumänischen Petrolenm- 'industrir im Jahre 1925 haben die fünfzehn größten Petroleum-« gefellqchasten insgesamt 163.314 Meter neu crbohrt, das sind 80 Pwzent von den im «Ihre 1925 erbchrten 205.000 Metern, lvährend der Rest von 20 Prozent, sich auf 60 weitere Gesellschaften und kleinere 1lutcrnehmunge.n verteilt. Von der Gesamtproduktion des Landes im Ausmaße von 2,270.000 Tonnen entfielen 2,023.217 Tonnen auf die fünfzehn größten Gesellschaften, also 90 Prozent der Gesamtproduktion. Inr Vergle-ich zum Jahre 1924 ergibt sich eine Mchrprcdnktion von 25 Prozent. Der Wert der Produktion des Jahres 1925 beträgt fünf Milliarden Lei. Treuderl. Eine Erzählung von Leopold Kompiert. Damals sagte ein „gescheit Jüdel" in der Gasse, Hirsch Blaser genannt, weil er am Neujchrstage gewöhnlich oen „Schofer" (Horn des Widders) Ries, von dem Knaben: ,>2ie machen aus dem Kinde ein Trenderl! Sie halten die Schnur in der Hand, aber das Trenderl muß herumspringen und weiter schnurren, wie's chnen nur in den Sinn kommt. Bald zu dem, bald zu jenem muß es kollern und hat keine Ruh'. Es tut das nicht gut, wenn man aus einem Menschen ein Trenderl macht." So sprach Hirsch Blaser, das gescheite Iudel, auf dessen Worte in der Gemeinde ein großes Gewicht gelegt wurde, und was Hirsch Blaser gesprochen hatte, das wurde bald' das allgemeine Stichwort in der Gasse. Man hatte plötzlich für den armen Schützling des Handwerkervereins keinen anderen Namen, als — Trenderl. Eines Tages wanderte die Schloflevlehrling die gwße Heerstraße, die nach der Residenzstadt führt; man schickte ihn dorthin; ein Schreiben an den großen Handwerkerverein empsahl in seiner Sorge und enthielt die Schicksale des Knaben von seinem ersten Beginne in der Schlossevwerkstätte bis zu dem Augenblick, wo man ihn, um jedem Vorurteil auszuweichen, nach Wien ziehen lassen mußte. In dem Briese hieß es: ist immerhin ein Unglück, ivenn die freie Selbstbestimmung des Individuums nicht aus ihm selbst, sondern aus einem Verein hervorgehen soll. Die Wahl eines Handwerkes, ja selbst, daß man Handwerker wird, sollte mit einer solchen Freiheit verbunden sein, wie sie dem Individuum nur immer zugrstanden werden kann. Das Jndiv'äuum darf nach keiner Seite hin beengt werden; es muß sein menschilches Dasein aussüllen können und es darf sich keine Gewalt finden, die aus Kastengeist und Intoleranz dieses Dasein verschänden und verrücken könnte. Aber diese Zeit ist für uns noch nicht gekommen; das Individuum ist nicht ftei, und der elektrische Schlag, der den einzelnen trifft, schlügt das ganze Voll. Noch sind Vereine nötig; sie repräsentieren in ihren Mitgliedern die perschiedeuen Willensautzerungen des Volkes, gtzr Dasein hört aber mit dem Schlage der Stunde auf, die dem Individuum seine Selbstbestimmung wiedergibt. So lange, aber auch nicht länger, müssen wir Terroristen des einzelnen bleiben.. Seit jener Zeit blieb der Knabe verschollen. Nur das eine hatte man gehört, daß er bei einem tüchtigen Meister in der Residenzstadt in die Lehre gekomnren ivar. Die Berichte des Wieper Handwerkervereins über deil Knaben lametcn höchst 'beftiedigend. Spätere Nachricht-nr ließen ihn auf einer großer: Wanderung durch Deutschland und Frankreich begriffen sein; in der Gasse hatte man sich gewöhnt, mit Hirsch Blaser zu sagen: Trenderl Schlosser wird sich bis ans Ende der Welt fovtkollern; es dachte niemand nrchr an seine Rückkmtst. Da kam er eines Tages. Mitten in der Gasse schlug er seine Werkstätte auf, schon am achten Tage hämnrerte und pochte es dort, und sprühende Funken fuhren zur Esse l)emus. Der erste Schlag auf dem Amboß klang wie Musik an Emanuels Ohren; er war an diesem Tage überaus selig. Aber schon halben wir erfahren, welche Augerr vor dem Lärmen des ^Schlossers sich nicht schließen konnten! Gewaltig unrecht würde man aber der wackeren Frau Mindel antun, wenn man annehnren wollte, daß ihr sonst mildes Gemüt von irgend einem Hasse gegen den Schlosser erfüllt lvar. Nicht einmal, daß sie sein Hämmern und Pochen um den Schlaf brachte, hatte sie wesentlich gegen ihn gereizt. Sie hatte nur eines gegen ihn, und das brachte sie nicht aus dtzm Kopse. Sie ivrißte nämlich, daß Trenderl in einigen Tagen auf der neugebauteu Synagoge einen Blitzableiter zu befestigen habe, und das tvar es, was sie gegen ihn und die ganze Wett so bitter machte. Feder Schlag, der drüben in der Wevkstätte erscholl, ging ihr wie eine Todesahnung durch die Seele; denn sie konme des Gedankens sich nicht erwehren, daß es um des Schlossers Leben gehe, wenn er einmal hoch oben auf dem Dache säße, der Schwindel ihn erfaßte und ihn herabivürse in die bodenlose Tiefe. Sie hielt seine Tage für gezählt. „Ob man darum", sagte sie oft, ,^as Kind von „jenenr" arnren Mann aufgezogen, es sortgeschickt in die weite Welt und »vandern und plagen habe lassen, damit es jetzt, in die Heimat zurückgckchrt, da seinen sichere» Tode finde? Nicht erhört fei I seitdem ein Judenkind auf der Welt ist, daß man sich so an I seinem eigenen Volk, gleichsam an seinem eigenen Blute dersündig-e. Gott werde aber auch ein Wort darein zu reden ha^berr, der werde, wenn der Schlosser im bestell Tun sei, einen Schwindel als bösen Geist schicken; die Hand werde glauben, sie fasse el>lvas an, aber leere Luft tverde es sein, und Trenderl könnte sich mit den Ka'bromm (Totengräbern) schon jetzt be-» sprechen." Als der Doktor am folgenden Tage nach sener Nacht rie das Haus des reichert Scholerrr Branders 'kam, wo feine besten Freunde in der Gasse wohnten, fand er das ganze Weser: der fluten Frau in einem beunruhigend aufgeregten Zustand. Ihre Augen glänzten von einem übernächtigen Feuer, auch ihre ^Langen waren fieberhaft gerötet. Artf die mit Besorgnis ausgesprochene Frage, ob sie sich nicht ganz gesurw fühle, antwortete sie gereizt: „Ich Hab' eine ganze Schlosierei im Kopf, und da soll ich mich gesund fühlen?" Ernanuel kannte die Abneigung der reichen Frau gegen die Handwerker; lächelnd sagte er: „Wallerr Sie derrrr die armen Leute gar nichts verdienen lassen, Frau Acindol? Und wenn es etwas lärmender zugcht? Er har davon seirr Brot. „Ein anderer dürfte mir das nicht sagen", entgegnete sie böse. ,/J'ch soll arnren Leuten ihr Brot beneiden? Die Welt rveiß vielleicht nicht, daß Scholem und Mindel Brandeis in einem Tage mehr Almosen austeile,r, als rnancher andere m vier Wochen verdient?" „Auch wenn man sich über die Art beklagt, in bat der Arme sein Brot verdient, kränkt man ihn", sagte Emanuel ernst. Ergrifferr von diesem Torre evwii-erte die Frau: „Mit einer solchen Rede richten Sie bei Mindel Brandeis nichts aus, was auf ein Quentchen geht. Die Wett tveiß, was sie von chr zu 'l)at:e>l hat, nrid Sie, .Herr Doktor, auch. Mindel Brandeis ist kein bös' Weib, ender zu gut, denn tvenn sie das nicht gewesen wäre, in seinem Leben iväre aus Trenderl kein Schlosser ge-r worden." ' (Fortsetzung folgt.)