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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-12 · Heft 2533 (12.3.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2533 (12.3.1926)
Date
1926-03-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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1 jjjM Wi en. zum Abholen in der Expedition, IL faborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelte f'Trattk) monati. 5 Schilling Strassenvetkaui in Wien durch die Kolporteure der Firma Qol dachmied, 1, Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling i schecho-Slowakel: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Fres. 13 ^aehsaliitnigcii bei Freie* erbAhna<ea rorbebaHoi Wiener orgenseitung Eng i a n d: Mon. 4 Schilling. Italien: Mona«. 13 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bul garI en Mon.IOOLewa. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Fres. 5 Redaktion, Administration: Wien, EL Taborstr. 1 Telephone: 44*0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitatsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichisehes Postsparkassen-Konto Nr. 150.698 Kt. 2583 Wien. Freitag. 12. Miir» 1926 8. Jahrgang Keine Einigung in Senf. Brafilien gegen de« deutsche» Ratrsttz. — Kräfte Lage. — Bethle» i« der Katrfitznng dotzkattiett. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng/9 I« redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Stinnes hat der Schwarzen Reichswehr SOVV Soldmark rnlommen lasten. Dke Untersuchung des Preußischen Femeausschusses. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Berlin, 11. März. In der heutigen Verhandlung des FemenntersuchungsauAschusses des preußischen Landtages gab der emvernommene Kriminalbeamte Dr. Stumm an, daß der größte Teil der von der Schwarzen Reichswehr benötigten Gelder vom Landbunde aufgebracht worden sei. An erster Stelle habe sich der Rittergutslbssitzer v. Oppen für die Beschaffung der Gelder betätigt. Die einvernommenen Zeugen haben ausgesagt, daß das Gold vom Landbunde und der Industrie gemeinsam aufgebrecht worden sei. Für die Industrie sei namentlich die ZweWelle ,/E m a i l l i e r w e r k e" der F i r m a H u g o StinnesinHamburg in Frage gekommen, die Inflationsgelder im Werte von 50 0 0 G oldm a r k an die Schwarze Reichswehr gezahlt habe. Minister KAr stber Kaiser Wilhelm. Berlin, 11. März. (Tel.-Komp.) Im Reichstag kam es Heute zu einem Zwischensoll, der ein deutsch nationales Mi ßtrauensvotum gegen den Reichsminister Külz zur Folge hatte. Der deutschüMische Abgeordnete K ube hatte zunächst eine Rede des Ministers zitiert, die .Kül) ftinerzeit bei einer Kaiserge'burtstagSfeier gehalten hatte, urch daran hämische Bemerkungen über die republikanische Zuverlässigkeit des Ministers geknüpft. Innenminister Külz ergriff sofort nach dem Redner Las Wort und erklärte, der Abgeordnete Knbe hatte seine Staatsgesinnung und seine derzeitige republikanische Gesinnung diskreditieren wollen. Bei diesen Worten entstand stürmisches Gelächter aus der rechten Seite des Hauses und Rufe ertönten: „Derze itiger Republikaner! Wann werden Sie wieder Monarchist?" „Wenn ein Kaiser, fuhr der Minister fori, 8er von Millionen Deutschen den Einsatz des Lebens verlangt habe, in dem größten geschichtlichen Augenblick, wo zum ersten Male von ihm selbst der Einsatz des Lebens verlangt wird, statt dessen nachHolland flüchtet, dann könne man sich nicht über den Gesinnungsumschwung seiner früheren Anhänger wundern." Die letzten Worte des Ministers wuvden von der Linken mit Händeklatschen, von den Völkischen und Deutschnationalen mit andauernden Pfuirufen und lärmenden Kundgebungen beantwortet. Vergebens bemühte sich Vizepräsident Bell die erregten Gemüter zu beruhigen. Die Deutschnationalen verließen, bis auf wenige, den Sitzungssaal, während ihnen von der Linken nachgeru-fen wurde: „Ah, nach Holland!" Bor einem Bersarbeilerftreik in England. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") London, 11. März. In einer heute abgeballene» Sitzung haben sich die Kohlenarbeiter gegen oen KonnnisstonSbericht der Beraunternkhmer ausneiprochen nnd eine Deputation zu B a l dw i n geschickt, um diesen von dem Er» st derLagezu unterrichten. Eine Festausgabe der ..Wiener Morgenrettung". Aus" Anlatz der Hundertjahrfeier des Wiener Stadttempels (16. März 1926) wird die Ausgabe der „Wiener Morgenzeitung" vom Sonntag den 14. d. in bedeutend verstärktem Utnfange erscheinen. Diese Festausgabe wird reich illustriert sein und unter anderen Beiträge enthalten von: Ludwig Bato, Prof. Dr. S. P. C h ajes, Dr. David F e u ch twang, Guido F u ch s g e l b, Dr. N. M. Gelber, Jakob Kraus), Prof. Dr. Samuel K r a u tz, Benjamin S e g e l, Dr. Leopold T h a l e r, Dr. Bernhard W a ch st e i n, Sandor Wolf. Eine Anzahl bemerkenswerter historischer Dokumente gelangt zum ersten Male znr Veröffentlichung. Genf, 11. Marz. In der heutigen Sitzung des Völker- Lundrates ereigneten sich zwei viel bemeckte Zwischenfälle. Der Anfang -che Sitzung war für 3 Uhr nachmittags angesetzt. Kurz nach 3 Uhr waren bereits sämtliche Ratsmitglieder, Briand, Chamberlain, Vandervelde ufw., um den Ratstisch versammelt, nur der Natsdelegierte Brasiliens, Mello Franco, fehlte. Vergeblich schickte der Generalsekretär mchrere Male hinaus, um zu sehen, wo der Botschafter bleibe und bemühte sich schließlich selbst, nach ihm zu telephonieren. Aber es wurde halb 4 und dreiviertel 4 Uhr und der brafilianiche Botschafter erschien nicht. Endlich entschloß sich der Präsident des Rates, Jshii, mit den Verhandlungen in Abwesenheit des brasilianischen Mitgliedes zu beginnen. Für diesen Vorgang gibt es in der Geschichte des Völle ebundrates einen Präzedenzfall, der einige Fahre zurückliegt. Damals war der tschechoslonxckische Außenminister Dr. Be ne sch abwesend/und wollte sich durch den Berner Gesandten Beverka vertreten lassen. Dieser war aber offenbar zu spät benachrichtigt worden und kam erst ' eme Stunde nach Beginn der Sitzung an, so daß 8^ Tschechoslowakei eine Stunde lang im Rate nicht vertreten war. Die in dieser Zeit gefaßten Beschlüsse sind aber.niemals angefochten hwÄen. ■ : -; Der BWrbundrat ging zunHst O ' Verhandlung der ungatisthen Sanierungsfmge ein, die nach einem Bericht des - Finanzkomitsevovsitzendeu Dubais im Sinne des Antrages des Berichterstatters Seialoja ohne weitere Bemerkungen erledigt ttmrde. Mgemein siel es. auf, daß Ratspräsident I s h i i bei der i Verhandlung über Ungarn den Bertretcr der ungarischen Regierung nicht aufforderte a« der Ratstafel Platz zu nehmen. Auch nachher fragte er i h n n i ch 1, ob er eine Bem e rkung zu machen habe, sondern ging nach den kurzen Worten Dubois' sofort zur Abstimmung über. Mitten wahrend der Verhandlung über den nächsten Punkt, die Sanierung Oesterreichs, an der ebenfalls Dubois und für die österreichische Regierung Sektionschef Dr. Schüller teilnahmen, wurde die allgemeine Aufmerksamkeit plötzlich durch das Erscheinen des brasilianischen Ratsmitgliedes Mello Franco abgelenkt, der sich, während die Beratung weiter ging, ruhig auf seinem Platz an der Ratstafel begab. Im Falle. Oesterreichs befolgte aber Präsident Jshii das übliche Verfahren, sowohl den Vertreter der österreichischen Regierung zur Teilnahme einzuladen als auch ihn später zu fragen, ob er seinerseits Bemerkungen zu machen hatte, worauf Dr. S ch ü l l e rderklärte, daß er dem Bericht nichts hinzuzufügeu habe. Wie der Schweizer Preßielegraph erfahrt, hatte Mello Franco heute in den frühen Nachmittagsstunden 'bei dem sdeutschen Reichskanzler Dr. Luther und Dr. Stresem a n n vorgesprochen und mit ihnen beinahe eine Stunde lang konferiert. Die deutschen Delegierten haben in dieser Unterredung keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie nicht länger in Genf bleiben könnten, wenn sich die Erledigung der Ratssrage noch weiter hinauszieht. Darauf hat Mello Franco ein längeres Telegramm an seine Regierung nach Rio de Janeiro gekabelt. Dies mag auch der Grund gewesen fein, weshalb er sich in der Bölkerbundratssitzung verspätete. Die geheime Ratssitzung, die um 4 Uhr nachmittags begonnen hatte, dauerte bis nach 7 Uhr. Sie hat offenbar zu keinem p r a k t i sch'e n E rgebnis geführt, und zwar wegen der gänzlich uneuvarteten Ankündigung Mello Fra neos, er werde nicht für den ständigen Ratssitz Deutschlands stimmen. In Völkerbundkreisen HAt man die dadurch entstandene nehmen werde, wenn der Standpunkt Brasiliens kerne Aenderung erfährt. Heute abends findet bet dem Präsidenten der Bölkerbundversammlung Da Costa im Hotel des Bergues ein großerEmPfangderMitglieder der Völkerbundversammlung statt. Bei dieser Gelegenheit sollen noch Versuche zu einer Einigung in letzter Stunde unternommen werden. Morgen vormittags wird noch bei Chamber lern eine Besprechung der Signatarmächte des Locarnopaktes abgehalten, der am Nachmittag die Ratssitzung folgen wird. In dieser Sitzung des Völkerbund, rates wird wahrscheinlich eine Probeabstimmung über die Frage des deutschen Ratssitzes und der Erweiterung des Rates vorgenommen werden, von deren Ausgang das Schicksal dieser Bötterbuudtagung ab'hängt. Wie der Schweizer Preßtelegraph erfährt, wird die Erweiterung des Bölkevbundrates in der gegenwärtigen Tagung, über den deutschen Ratssitz hinaus nicht nur von Schwe8en,.sondern auch von Belgien entschieden abgelehnt. 7 Die nächste Sitzung her Bölkerbundversammlung D ckff Samstags1L Uhr vormrcktgs. anbevaumt worden. Auf dev DygesDnung sicht biHer.nür M Errichtung eines BerstnnmlunOsgebauoes für' Ltzn Völkerbund. Das Mld am Abenv. In den Vorverhandlungen für die entscheidende Sitzung des BöAerbundrates ergibt sich, heute abends folgendes Bild: Wenn Brasilien bei der entscheidenden Abstimmung gegen den ständigen Ratssitz für Deutschland stimmen sollte, dann wäre die deutsche Delegation vor die Frage gestellt, ob sie ihr Eintrittsgesuch zurückziehen oder einfach d« Auf» ahme i n de » Völkerbund geschehen lassen, mit -er Praktischen Ausübung seiner Mitgliedschaft im Völkerbund aber bis zum September warten will, wo Brasilien aus dem BWkerbundrat ausscheidet und sich daher der Zuteilung eines ständigen Ratssitzes an Deutschland nicht mehr widerfetzen konnte. Es bliebe auch noch die Möglichkeit einer Aenderung der Loearnoverträge, die aber ernstlich, kaum in Frage kommt. Im allgemeinen hält man es noch immer für unwahrscheinlich, daß die brasilianische Regierung gegen den Willen aller übrigen Ratsmitglieder auftvete« iverde. Briawd in Genf. Ministerpräsident Briand hat sich nach seiner Rückkehr nach Genf heute vormittags von Paul Boneour und Loucheur über den Stand der Verhandlungen der letzten Tage Bericht erstatten lassen. Briand empfing sodann den Besuch des polnischen Außenministers Skrzynski uu^ begab sich sÄann zu Chamberlain. Das Jrnkiimndal vom Bölkevbuirdrar bestätigt. Nach der Annahme des -Berichtes über Oesterreich beschäftigte sich der Rat mit der Feststellung der Grenze zwischen der Türkei und dem Irak im Gebiete von Mossul. Nach einem Referat des schwedischen Vertreters Unden genehmigte der Völkerbundrai den am 13. Jänner 1926 zwischen Großbritannien und dem Irak abgeschlossenen Vertrag, wonach doS Schutzverhaltnis Avischen Großbritannien und dem Irak grundsätzlich um weitere 25 Jahre verlängert wird, wobei jedoch der Vorbehalt gemacht wird, daß vor Ablauf dieser Frist Irak eventuell in den Mlkevhund als selbständiges Mitglied ausgenommen werden kann. Die Türkei hatte es, wie bereits gemeldet, a ü g e l e h n t, zn dieser Sitzung Vertreter zu entsenden. Sie hat ihre Haltung damit begründet, daß sie in früheren Ratstagungen bereits ihre ablehnende Siellungnchme zur KenMnis gebracht habe. Lage für ernst I» V V «... g ..... Strzynski. Die Besprechungen Dr. Rameks. Bundeskanzler Dr. Ramek empfing heute den Gegenbsfnch des deutschen Reichskanzlers Dr. Luther. Abends hatte Bundeskattzler Dr. R a m e k eine längere Unterredung mit dem polnischen Ministerpräsidemen Grafen

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